Profil 7-8/2026
Die Profil Ausgabe 07-08/2026 mit dem Leitthema "Auszeichnung sächsischer Spitzenabiturienten" ist veröffentlicht. Jetzt lesen!
7-8 2026
DEUTSCHER PHILOLOGENVERBAND
DAS MAGAZIN FÜR GYMNASIUM UND GESELLSCHAFT
Auszeichnung sächsischer Spitzenabiturienten
Foto: Langer
Stefan Düll: alter und neuer DL-Präsident
DPhV: Deutschlandweit aktiv
Seniorenseminar in Erfurt
PROFIL // Auf ein Wort
len Vergleich schnitt Deutschland insgesamt besser ab als der OECD-Durchschnitt, in dem sich 36 Prozent der Jugendlichen unzureichend vorbereitet fühlten. Aus Sicht der Schulleitungen fi el das Bild noch positiver aus: Bundesweit sahen lediglich 6,5 Prozent von ihnen ihre Schule nicht ausreichend auf künftigen Distanz unterricht vorbereitet – ein Vertrauensbeweis in die geleistete Aufbauarbeit. Gleichzeitig wird deutlich, wo weiterhin angesetzt wer den muss: 65 Prozent der Jugendlichen nutzten wäh rend der Schulschließungen vorrangig einen Laptop, PC oder ein Tablet, um am Unterricht teilzunehmen – knapp ein Viertel (23 Prozent) gri ff überwiegend auf das Smartphone zurück, ein Gerät mit spürbaren Gren zen für ernsthaftes klug digital unterstütztes Lernen. Diese Daten zeigen: Wir dürfen uns auf dem Erreichten nicht ausruhen. So brauchen Lehrkräfte u.a. eine ver lässliche technische Unterstützung durch eine quali fi zierte IT-Administration an jeder Schule – den soge nannten „digitalen Hausmeister" – sowie leistungsfähi ge Identitätsmanagement-Systeme, die das Recht auf informationelle Selbstbestimmung von Schülerinnen, Schülern und Lehrkräften wirksam schützen. Ebenso zentral ist aus Sicht des DPhV eine dauerhafte, verläss liche Finanzierung: Klug digital unterstützte Bildung darf nicht von Förderperiode zu Förderperiode neu verhandelt werden müssen, sondern braucht eine langfristig gesicherte Grund fi nanzierung, die Schulen und Schulträgern echte Planungssicherheit gibt. Die Erfahrungen der Pandemie waren ein Weckruf, und die Gymnasien haben ihn gehört. Jetzt liegt es an unseren Bildungspolitikerinnen und -politikern und den Kommunen die notwendigen Voraussetzungen dafür zu sichern, dass klug digital unterstützte Bil dungsprozesse von Schülerinnen und Schülern an allen Schulen kein Zufallsprodukt sind, sondern den Schulen dafür fl ächendeckend selbstverständlich eine verläss liche digitale Infrastruktur zur Verfügung steht. [1] Die Daten stammen aus Kapitel 10.8 „Ausblick auf das Lernen in einem zukünftigen Distanzunterricht" des PISA-2022-Berichtsbands (Lewalter et al., 2023, S. 308): https://www.pisa.tum.de/ fi leadmin/w00bgi/www/ Berichtsbaende_und_Zusammenfassungungen/pisa-2022-nationaler- bericht-berichtsband.pdf#page=308
Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing, Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbandes
Gymnasien beim Distanzunterricht besonders krisenfest! Liebe Kollegen und Kolleginnen, es ist immer schön, wenn unabhängige Untersuchun gen zu denselben oder ähnlichen Ergebnissen kommen wie wir. In diesem Fall geht es darum, dass im Nach gang der Corona-Pandemie erstmals systematisch untersucht wurde, wie vorbereitet sich Schulleitungen und Schülerinnen und Schüler auf einen Distanzunter richt in möglichen künftigen Krisenzeiten fühlten. Das Zentrum für internationale Bildungsvergleichsstudien (ZIB) e.V. machte im Rahmen seiner Newsletter-Reihe „Data of the Month" 1 darauf aufmerksam, dass Gymna sien auf einen möglichen erneuten Distanzunterricht deutlich besser vorbereitet sind als andere Schulfor men. Wir werten diese Ergebnisse als Bestätigung und Beleg für das konkrete, konstruktive und erfolgreiche Engagement der Gymnasiallehrkräfte – und fordern zugleich, die begonnene Modernisierung der digitalen Infrastruktur re fl ektiert an allen Schulen konsequent und mit verbindlichen Standards fortzusetzen, damit auch künftig alle Schülerinnen und Schüler bestmöglich auf klug digital unterstützte Lehr-Lern-Szenarien in Kri senzeiten vorbereitet sind. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Unsere Gymnasien haben aus den Erfahrungen der Pandemie gelernt und ihre Hausaufgaben gemacht. Das ist zual lererst ein Verdienst von Ihnen, liebe Gymnasiallehr kräfte, die Sie mit großem persönlichem Einsatz digita le Unterrichtsformate in ihren Schulalltag integriert haben. Diese Leistung verdient Anerkennung – und sie zeigt, was möglich ist, wenn Engagement auf funktionierende Strukturen tri ff t. Konkret fühlten sich nur 24 Prozent der Gymnasiastin nen und Gymnasiasten nicht oder nur wenig auf einen künftigen Distanzunterricht vorbereitet – bei Schülerin nen und Schülern anderer Schulformen lag dieser Anteil mit 35 Prozent deutlich höher, im Durchschnitt aller 15-Jährigen bei 30 Prozent. Auch im internationa-
Ihre
Susanne Lin-Klitzing
3 PROFIL // 7-8/2026
DPhV-Standpunkte DPhV kritisiert KMK-Regelungen zum Abitur: Fachliche Mindestanforderungen stärken, statt nur rechnerisch zu kompensieren Social Media und Privathandys im Unterricht gefährden Bildungserfolg und Gesundheit junger Menschen Umfrage von DPhV und Lehrer-Online: Jede zweite Lehrkraft unsicher bei Social-Media-Heraus- forderungen im Schulalltag „Bildung in Deutschland 2026“: DPhV wertschätzt die bedeutsame Berichterstattung und fordert verbindliche Übergangsempfehlung für die weiterführenden Schulen, um anhaltende Benachteiligung von leistungsstarken Kindern mit niedrigem sozioökonomischem Hinter- grund zu beenden Expertenkommission bestätigt DPhV-Positionen: Jetzt müssen zeitnah verbindliche Maßnahmen folgen 12 Neue Abordnungspraxis von Gymnasiallehrkräften gefährdet bundesweite Anerkennung des sächsischen Abiturs 14 Titel Sächsischer Philologentag: Kultusminister Clemens stellt sich der Kritik Neuwahl des Landesvorstands Bericht vom Philologentag in Bischofswerda 16 Grußwort der Bundesvorsitzenden des DPhV, Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing, für den Sächsischen 5 6 8 10
PROFIL // Inhalt
Sächsischer Philologentag: Kultusminister Clemens stellt sich der Kritik 16 Grußwort der Bundesvorsitzen den des DPhV, Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing, für den Sächsischen Philologentag 18
Philologentag: Alle blicken nach Kanada Was die Bildungspolitik für uns noch viel nötiger in den Blick nehmen muss Aktuell Richtungweisende Entscheidungen in Berlin • DL-Fachtagung „Schule in der digitalen Welt“ • Einstimmige Wiederwahl von Stefan Düll
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Auf Wiedersehen, Andrea Hennig
Wie umgehen mit Gefahren aus dem Netz? • Ein Seniorenseminar der DBB-Akademie in Erfurt Begegnungen Dr. Rainer Heinrich: „Auch für Gerichte sind Betrugsfälle mit KI Neuland“ Interview des Sächsischen PhV-Vorsitzenden Thomas Langer mit dem Vertreter der Länder der KMK-Abiturkommission für die gesamte Bundesrepublik, Dr. Rainer Heinrich 31 Keine Sommerpause für die DPhV-Verantwortlichen Umfangreiche deutschlandweite Aktivitäten der Bundesvorsitzenden und der Landesverbände 36
Wiederwahl von Stefan Düll zum DL-Vorsitzenden 27
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Impressum
Rezension & Verlosung Älter werden mit Italiensehnsucht Hans-Ulrich Treichels neuer Roman „Das Karussell“
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Dr. Rainer Heinrich: Auch für Gerichte sind Betrugsfälle mit KI Neuland 31
Nachrichten
dbb magazin
dbb-Bundeshauptvorstand: Reformideen für das Beamtentum
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Anhörung zur P fl egereform: Belastungen fördern Politikverdrossenheit
dbb-akadmie
dbb magazin
Lernen, das zusammenhält – das Seminarprogramm 2027 der dbb akademie
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Kampagne dbb magazin „Deutschlands Stärke: unser ö ff entlicher Dienst“ 46
4 PROFIL // 7-8/2026
PROFIL // DPhV-Standpunkte
DPhV kritisiert KMK-Regelungen zum Abitur:
Foto: AdobeStock
Fachliche Mindestanforderungen stärken, statt nur rechnerisch zu kompensieren
Der Deutsche Philolo genverband sieht in zwei Aspekten der derzeitigen KMK Beschlusslage zum Abitur Anlass für eine grundlegende
die gesamte gymnasiale Oberstufe hinweg nicht bestehen und dennoch zur Abiturprüfung zugelassen wer den – sofern die Leistungen in ande ren Fächern dies rechnerisch aus gleichen. „Die Hochschulzugangs berechtigung muss mehr gewähr- leisten als einen fächerübergreifen den Durchschnittswert. Wer vier Semester lang in einem Kernfach kontinuierlich unterhalb der Beste hensschwelle bleibt, hat in diesem Fach keine ausreichende fachliche Grundlage erworben – unabhängig davon, wie stark Punkte in anderen Fächern dies kompensieren“, so DPhV-Bundesvorsitzende Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing. Der DPhV schlägt daher eine fachbe zogene Mindestbestehensregelung vor: Bei der aktuell geltenden Rege lung der 20-Prozent-Quote muss in jedem belegten Fach mindestens die Hälfte der eingebrachten Kurse bestanden sein, also fünf Punkte und mehr betragen. Diese Ergän zung wäre systemkonform und ziel genau – sie präzisiert die bestehen de Regelung, ohne deren Grund struktur massiv zu verändern. Daneben sieht die aktuelle Be- schlusslage der KMK vor, dass Abi
5 PROFIL // 7-8/2026 fachliche Mindestanforderungen nach unten und abgesenkte Leis tungsanforderungen für bessere Noten nach oben – fordert der Deutsche Philologenverband die Bildungsministerkonferenz auf, die Beschlusslage entsprechend nachzuschärfen. turprüfungsklausuren bereits ab 45 Prozent erbrachter Leistung bestan den sind. Das hat zur Konsequenz, dass eine 1 − bereits ab 85 Prozent Leistung vergeben wird, eine 1,0 ab 90 Prozent Leistung und eine 1+ ab 95 Prozent. Die politisch gewünschte Konsequenz dieser Änderung war und ist eine rechnerische Zunahme von Spitzenabschlüssen – nicht als Abbild gestiegener Leistungen, son dern als Folge der abgesenkten Grenzwerte. Lin-Klitzing: „Noten sind dann aussagekräftig, wenn sie der hinter ihnen stehenden Leistung ent sprechen. Wer die Anforderungen für gute Bewertungen politisch bewusst senkt, verändert nicht die Leistungen der Schülerinnen und Schüler – er verändert die Bedeutung der Note. Daher dürfen Abiturprüfungsklausu ren erst ab fünfzig Prozent erbrachter Leistung als bestanden gelten!“ Für beide Regelungen – eine groß zügige Kompensationsregelung ohne
Pressemitteilung vom 4. Juni
Neubewertung der Qualitätssiche rung im gymnasialen Abschluss: zum einen in einer Kompensations regelung, die dauerhaftes fachliches Nichtbestehen strukturell zulässt, indem sie es ermöglicht, alle Grund kurse in einem Fach über die ge samte Oberstufe hinweg durch- gängig nicht zu bestehen und den noch zum Abitur zugelassen zu wer den; zum anderen in abgesenkten Notenschwellen, die eine 1- bereits ab 85 Prozent Leistung vorsehen und damit rechnerisch zu mehr Bestnoten führen, ohne dass die inhaltlichen Anforderungen gestie gen wären. Beide Regelungen wei sen in eine Richtung, die einer kriti schen Prüfung bedarf. Nach geltendem KMK-Beschluss dürfen bis zu zwanzig Prozent aller in die Abiturwertung eingebrachten Kurse mit weniger als fünf Punkten bewertet sein. Dies bedeutet: Ein Schüler kann sämtliche Grundkurse in Mathematik oder Deutsch über
PROFIL // DPhV-Standpunkte
Foto: AdobeStock
Social Media und Privat- handys im Unterricht gefährden Bildungs erfolg und Gesundheit junger Menschen DPhV erwartet tragfähige Konzepte für Schutz, Teilhabe und Befähigung von Kindern & Jugendlichen Medienbildung gemeinsam mit den Eltern schon in der Grundschule beginnen
Mit Blick auf die bevorstehende Bil dungsministerkon ferenz (BMK) und die baldig erwarteten Handlungsempfeh lungen der unabhän
de zeigen eindeutig: Das für Impuls kontrolle und Re fl exion zuständige Hirnareal ist bei Jugendlichen noch in der Reifung – während die dopa mingesteuerten Belohnungsreaktio nen, die soziale Medien und Messa ging-Dienste gezielt aktivieren, be- reits voll ausgeprägt sind. Plattfor men nutzen genau dieses Ungleich gewicht durch algorithmische Per sonalisierung und Bewertungs mechanismen, die darauf ausgelegt sind, Nutzungszeiten zu maximieren. Wenn Kindern und Jugendlichen die Selbstdisziplin zugeschrieben wird, die selbst vielen Erwachsenen fehlt, dann entlastet das genau jene Platt Bereits 60 Prozent der Schülerinnen und Schüler weisen heute schon ein suchtähnliches Nutzungsverhalten auf * . Es ist keine allein pädagogische Frage – es braucht einen politisch gesamtgesellschaftlichen Maßnah menkatalog, damit die Schulen er folgreicher darauf reagieren können. Der DPhV erwartet, dass die anste henden Handlungsempfehlungen der Expertenkommission den Umgang mit sozialen Medien klar adressieren. Für Lehrkräfte ist es längst gelebte Realität, dass problematische Handy formanbieter, die in die P fl icht genommen werden müssen.“
nutzung den Unterrichtsalltag be- lastet – oft noch bevor der Schultag begonnen hat. Cybermobbing, jugendgefährdende Inhalte und Kon taktanbahnung durch Unbekannte sind Gefährdungslagen, die nicht mit einem schlichten Verweis auf Medien pädagogik abgetan werden dürfen. Die Plattformanbieter müssen gesetz lich verp fl ichtet werden, suchtför dernde Mechanismen für Minderjäh rige abzuschalten, Altersbeschrän kungen technisch wirksam durch- zusetzen und für Schäden zu haften, die durch ihr Produktdesign entste hen. Lin-Klitzing: „Wer Kinder schüt zen will, muss vor allem die regulie ren, die von ihrer Aufmerksamkeit pro fi tieren.“ Der DPhV tritt zudem dafür ein, die Nutzung von privaten Smartphones während der Schulzeit verbindlich zu regeln. Schulen brauchen einen rechtlich abgesicherten Rahmen, der nicht von Schule zu Schule neu aus gehandelt werden muss. Dass dies möglich ist, zeigt beispielhaft Schles wig-Holstein: Seit August 2025 gilt dort für die Jahrgangsstufen 1 bis 9 ein schulweites Nutzungsverbot für private Endgeräte außerhalb päda gogischer Zwecke und Notfälle. Andere Länder sollten diesen Schritt nicht länger aufschieben.
Pressemitteilung vom 9. Juni
gigen Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ fordert der Deutsche Philolo genverband von der Bundesbil dungsministerin und den Bildungs ministerinnen und -ministern der Länder klare Empfehlungen zu pri vaten Smartphones in Schulen und verbindliche Regelungen zum Um gang von Kindern und Jugendlichen mit Social Media. Schutz, Teilhabe und Befähigung von Kindern und Jugendlichen müssen dabei alters angemessen betrachtet und umfas send über die Schule hinaus gere gelt werden. DPhV-Bundesvorsitzende Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing: „Was die Exper tenkommission in ihrer Bestandsauf nahme belegt, erleben Lehrkräfte jeden Tag: Schülerinnen und Schü ler, die eigentlich lernen wollen, kämpfen gegen Chatnachrichten, Belohnungs-Push-Meldungen und Videos in Endlosschleifen an – und können sich dem kaum entziehen. Die neurowissenschaftlichen Befun 6 PROFIL // 7-8/2026
PROFIL // DPhV-Standpunkte
8 PROFIL // 7-8/2026 gesparte Aus- und Fortbildung sowie eine funktionierende Infra struktur mit digitaler Administrati on außerhalb des Lehrkörpers. Lin-Klitzing: „Medienbildung darf nicht vom Engagement Einzelner oder vom Zufall des Schulstand orts abhängen. Und: Lehrkräfte warten nicht auf die nächsten Stu dien und Empfehlungen, sie war ten auf Rückendeckung und Unter stützung durch die Politik, die die umfassende Bildung der Kinder und Jugendlichen im Sinn hat.“ * Trendstudie „Jugend in Deutschland 2026“ Wirksame Schutzmaßnahmen müssen früh und vor allem gemeinsam ansetzen. Zahlreiche Elterninitiativen – wie etwa „Smar ter Start ab 14 ″ – weisen zu Recht darauf hin, dass die Phase des Grundschulübergangs entwick lungspsychologisch besonders sensibel ist: Kinder, die in diesem Alter ein eigenes Smartphone erhalten, tun sich schwerer, stabile Interessen, Freundschaften und Lernroutinen außerhalb digitaler Angebote aufzubauen. Modelle wie smartphonefreie Klassen, in denen Familien beim Übergang auf die weiterführende Schule gemeinschaftlich auf das erste eigene Gerät verzichten, zeigen: Wenn Schulen und Eltern gemein sam handeln, entsteht eine Schutzwirkung, die individuellen Verboten weit überlegen ist. Schutz und Befähigung sind keine Gegensätze. Der DPhV fordert, bessere Voraussetzungen für eine umfassende Medienbildung als verbindliche Querschnittsaufgabe in allen Fächern und Schulstufen zu scha ff en, begleitet von einem eigenständigen P fl ichtfach Infor matik. Dafür brauchen Schulen Zeit und Ressourcen und Lehrkräf te eine fundierte und nicht kaputt
Umfrage von DPhV und Lehrer-Online:
Jede zweite Lehrkraft unsicher bei Social-Media-Heraus- forderungen im Schulalltag 79 Prozent sehen suchtähnliche Nutzung durch Schülerinnen und Schüler als drängendste Herausforderung DPhV fordert verbindliche schulische Konzepte und praxistaugliche Fortbildungen
Jede zweite Lehrkraft fühlt sich bei Social Media-Kon fl ikten an der Schule unsicher, davon acht Prozent sogar überfordert und hil fl os – das zeigt eine bundesweite Umfrage, die der Deutsche Philologenverband gemeinsam mit dem Bildungsportal Lehrer-Online im Mai/Juni 2026 unter mehr als 1000 Lehrkräften durchgeführt hat. 68 Prozent halten das Thema für relevant oder sehr relevant für ihre tägliche Arbeit, 15 Prozent geben an, akut Unterstüt zung zu benötigen. Die Befragung zeigt: Die Nutzung von Social-Media und die damit verbundenen Folgen haben den Schulalltag längst durch drungen. Die Hälfte der Lehrkräfte braucht mehr Unterstützung, fünf Prozent fühlen sich sehr sicher, sie haben klare Strategien und Hand lungsroutinen, und 40 Prozent füh len sich sicher genug, um mit den meisten Kon fl iktsituationen in Bezug auf Social Media umgehen zu kön nen. Für 79 Prozent der Befragten ist suchtähnliches Nutzungsverhalten ihrer Schülerinnen und Schüler die größte Herausforderung. Bereits Pressemitteilung vom 12. Juni
Anfang 2026 hatten sich 2.012 Jugendliche für die Trendstudie „Jugend in Deutschland 2026“ selbst eingeschätzt: 60 Prozent zeigten demnach suchtähnliches Verhalten – aus Sicht der Lehrkräfte ein noch zurückhaltend gezeichnetes Bild, wie die aktuelle Umfrage von DPhV und Lehrer-Online zeigt. Was die Umfrage auch o ff enbart: 70 Prozent der Befragten kämpfen regelmäßig gegen Ablenkung durch Handys im Unterricht, 63 Prozent sind mit Cybermobbing, Sexting oder Cyber grooming konfrontiert und für eben falls 63 Prozent sind Themen wie Hate Speech und Desinformation längst schulischer Alltag. Gleichzeitig erkennt mehr als die Hälfte (57 Pro zent) der Lehrkräfte mangelnde Medienkompetenz bei den Lernen den und 22 Prozent der Befragten berichten von Herausforderungen in der Kommunikation bezüglich Social Media mit den Eltern der Schülerin nen und Schüler. DPhV-Bundesvorsitzende Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing: „Lehrkräfte erleben täglich, wie Schülerinnen und Schüler in Suchtmechanismen gefangen sind, wie Mobbing über Nacht aus dem Netz in den Klassen raum wandert, wie Falschinforma
PROFIL // DPhV-Standpunkte
tionen Unterrichtsgespräche ver- giften. Das ist keine pädagogische Randnotiz – vielmehr braucht es eine politisch-gesamtgesellschaftli che Strategie, die zum Beispiel auch Eltern schon in der Grundschule einbezieht und für ihr eigenes Nut zungsverhalten und somit auch das ihrer Kinder sensibilisiert.“ Besonders alarmierend ist der Befund zur Handlungssicherheit: Wenn Social-Media-Kon fl ikte eskalie ren – bei Cybermobbing, Fake News oder Cybergrooming – fühlen sich 50 Prozent der Lehrkräfte unsicher und zum Teil hil fl os. Lin-Klitzing: „Gerade in Krisen – wenn ein Kind
Schulen gestalten Medienbildung bereits aktiv – doch ohne einheitli ches Konzept bleibt das Stückwerk statt bundesweiter Standard.“ Zudem wünscht sich mehr als jede zweite befragte Lehrkraft (59 Pro zent) fundiertes Rechtswissen zu Datenschutz, Urheberrecht und Strafbarkeit und pädagogisch-prä ventive Ansätze zur Vermittlung von Medienkompetenz (53 Prozent), 41 Prozent würde es konkret helfen, wenn sie mehr tech
zent schulinterne Formate, die das gesamte Kollegium einbeziehen. „Diese Zahlen sind ein klares Signal: Lehrkräfte brauchen mehr praxis nahe Werkzeuge und den kollegialen Austausch, um Herausforderungen im Umgang mit Social Media souve rän zu bewältigen“, so Kruse. Der DPhV fordert die Bildungsminis terinnen und -minister deshalb auf, rechtlich abgesicherte Handlungs rahmen bereitzustellen, entspre chendes Rechtswissen und
Datenschutzgrundlagen nicht nur in der Schulaufsicht und Schulleitung vorzuhalten, sondern auch in der Lehr
gemobbt wird, wenn jugend gefährdende Inhalte kursie ren oder die Kommuni kation mit den Eltern eskaliert – brauchen Schu len und Lehrkräf te klare Hand
kräfteaus- und -fortbil dung systematisch zu verankern, qualitäts gesicherte und praxis
lungsgrundlagen und Rechtssicher heit. Wer von
Foto: AdobeStock
Lehrkräften erwar tet, dass sie solche Social-Media-Kri sen allein managen können,
nisches Wissen zu Plattformen hätten (Welche werden von jungen Menschen genutzt und wie funktio nieren sie?), ein knappes Drittel (29 Prozent) fordert explizit psycho logische Unterstützung bei belasten den Fällen. Lin-Klitzing: „Die Schulen dürfen mit diesem gesamtgesell schaftlichen Problem nicht allein gelassen werden, doch unser Ruf nach einer schulpsychologischen Fachkraft pro Schule wird bis heute nicht konsequent umgesetzt.“ Für Fortbildungen ist das Bild eben so klar: Lehrkräfte wollen Fortbildun gen! 76 Prozent erwarten sofort umsetzbare Tipps und Materialien, 61 Prozent Fallbeispiele aus der Pra xis, 55 Prozent die Bereitstellung von Unterrichtsmaterialien und 42 Pro
9 PROFIL // 7-8/2026 Rechnung tragen. Die Umfrageergeb nisse zeigen ganz klar: Das Problem ist messbar, die Bedarfe liegen auf der Hand. Jetzt ist die Politik am Zug“, bilanziert Lin-Klitzing. orientierte Fortbildungen – auch mit entsprechenden Freistellungen für Lehrkräfte – fl ächendeckend anzu bieten und entsprechend zu fi nanzie ren, sowie psychosoziale Beratung für Lehrkräfte und ihre Schülerinnen und Schüler in belastenden Fällen an jeder Schule sicherzustellen. „Unsere Lehrkräfte tragen täglich Verantwor tung für Kinder und Jugendliche, die in einer auch digital und von Social Media geprägten Welt aufwachsen. Sie verdienen Rückendeckung, kon krete Unterstützung und politische Entscheidungen, die den realen Bedingungen im Klassenzimmer
muss zu Recht enttäuscht werden.“ Damit Schulen und ihre Lehrkräfte für Schutz, Teilhabe und Befähigung von Schülerinnen und Schülern im Umgang mit Social-Media sorgen können, erwarten 68 Prozent der Befragten schuleinheitliche Regeln und Konzepte, also verbindliche, schulgemeinschaftlich getragene Rahmenregelungen. Dr. Silvie Kruse, Bereichsleiterin Lehrer-Online: „Jede Schule braucht ein Social-Media-Kon zept, weil soziale Netzwerke längst zentraler Lebensraum von Heran wachsenden sind: Jugendliche sind im Schnitt fast vier Stunden täglich online, Messenger und Social Media gehören zur Lebenswelt dazu. Viele
PROFIL // DPhV-Standpunkte
„Bildung in Deutschland 2026“: DPhV wertschätzt die bedeutsame Berichterstattung und fordert verbindliche Übergangsempfehlung für die weiterführenden Schulen, um anhaltende Benachteiligung von leistungsstarken Kindern mit niedrigem sozioökonomischem Hintergrund zu beenden
Der nationale Bil dungsbericht „Bildung in Deutschland 2026“ bestätigt mit seinem diesjährigen Schwer punktkapitel erneut, was zahlreiche Un
sozioökonomischem Status – bei glei cher Leistung und Noten der Kinder. So ermöglichten Eltern mit niedrigem sozioökonomischem Status nur 44 Prozent ihrer Kinder den Besuch eines Gymnasiums, obwohl 51 Pro zent eine Gymnasialempfehlung erhalten hatten. Hingegen ermöglich ten Eltern mit hohem sozioökonomi schem Status 58 Prozent ihrer Kinder
delt wesentliche Erkenntnisse und Daten für alle im Bildungswesen Ver antwortlichen und erfüllt damit eine unverzichtbare Orientierungsfunk tion. Doch Daten und Befunde allein verändern nichts – sie entfalten ihren Wert erst dann, wenn die Bildungs politik den Mut aufbringt, auf ihrer Grundlage verbindlich zu handeln“, so Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing. Und Handlungsbedarf sieht die DPhV Bundesvorsitzende deutlich: „Ist der Elternwille für den Übergang auf die weiterführende Schule allein ent scheidend, pro fi tieren erfahrungs gemäß eher ressourcenstarke Famili en. Ziel muss es jedoch sein, für jedes Kind die passgenaue Schulart zu fi nden, die zur Begabung und zur individuellen Lernentwicklung passt – um Überforderung und Unterforde rung zu vermeiden. Es braucht also eine verbindliche Übergangsempfeh lung für die weiterführenden Schu len, die den Elternwillen und zugleich die Leistungsfähigkeit der Schülerin nen und Schüler berücksichtigt!“ Der DPhV fordert die Bildungsministerin nen und -minister der Länder auf: „Handeln Sie und verringern Sie endlich die herrschenden Bildungs ungleichheiten nach sozialer Her kunft durch eine verbindliche Über gangsempfehlung!“
Pressemitteilung vom 15. Juni
tersuchungen und Studien in der Vergangenheit gezeigt haben: Ohne verbindliche Übergangsempfehlung für die weiterführenden Schul arten bleiben leis tungsstarke Kinder mit
den Gymnasialbesuch. Von ihnen hatten 59 Pro zent eine Gymnasialemp fehlung erhalten. Der aktuelle Bericht bestätigt dies und zeigt zudem: Bildungsungleichheit besteht schon vor Schuleintritt und zieht sich durch die gesamte Bildungsbiogra fi e jun ger Menschen. Unter
niedrigem sozioöko nomischem Hinter grund benachteiligt – selbst bei gleichen Leis tungen und Noten. Angesichts dieser erneu ten Befunde mahnt der Deutsche Philologenver band an, dass auf jahre lange, wertvolle Diagnosen
3-Jährige aus sozial benachteiligten Familien besuchen sehr selten eine Kita, später erhalten Kinder aus sozioökonomisch benachteiligten Familien selbst bei gleichen Leistun gen seltener eine Gymnasialempfeh lung und wechseln auch mit dieser seltener auf ein Gymnasium. Sie neh men seltener eine vollquali fi zierende Ausbildung oder ein Studium auf (bei Jugendlichen mit Fachhochschulreife 79 Prozent aus Familien mit hohem sozioökonomischem Status und 58 Prozent aus Familien mit niedrigem sozioökonomischem Status) und bre chen beides häu fi ger ab. „Die regelmäßig erscheinende, umfassende Bildungsberichterstat tung ,Bildung in Deutschland’ bün
endlich konkretes politisches Han deln folgen muss – mit einer verbind lichen Übergangsempfehlung von der Grundschule auf die weiterfüh renden Schularten, um leistungsstar ken Kindern unabhängig vom sozio ökonomischen Hintergrund den Übergang auf das Gymnasium end lich leistungsgerechter zu ermögli chen. Bereits der letzte Bildungsbericht aus 2024 legte o ff en, dass bei der mehr heitlich unverbindlich geregelten Übergangsempfehlung in den deut schen Bundesländern, Eltern mit hohem sozioökonomischem Status ihre Kinder eher auf ein Gymnasium schickten als Eltern mit niedrigem 10 PROFIL // 7-8/2026
Der aktuelle Bildungsbericht „Bildung in Deutschland 2026“ fi ndet sich hier:
https://www.bildungsbericht.de/de/bildungsberichte seit-2006/bildungsbericht-2026/pdf-dateien-2026/ bildung_in_deutschland_2026_web.pdf
Foto: AdobeStock
PROFIL // DPhV-Standpunkte
Die Kommissionsvorschläge sehen vor, Privathandys an Grundschulen und bis einschließlich Klasse 7 bundesweit einheitlich zu untersagen und dies in den Schulgesetzen zu verankern. Ab Klasse 8 sollen Schulen unter Beteiligung der Schülerinnen und Schüler verbindliche Nutzungskonzepte erarbeiten. Der DPhV hat diese Regelung seit Jahren angemahnt!
Expertenkommission bestätigt DPhV-Positionen: Jetzt müssen zeitnah verbindliche Maßnahmen folgen Tech-Konzerne gesetzlich scharf und europäisch bindend in die Haftung nehmen Schule kann und darf nicht allein stehen
Der Deutsche Philolo genverband begrüßt die heute verö ff ent lichten 56 Hand lungsempfehlungen der Expertenkom mission „Kinder- und
gabe kann nicht allein von Schule gelöst werden, sie muss und kann nur gesamtgesellschaftlich geschul tert werden. DPhV-Bundesvorsitzende Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing: „Diese Hand lungsempfehlungen sind ein starkes und ho ff nungsvolles Signal. Was Lehrkräfte täglich erleben und was wir als DPhV seit Langem benennen, ist nun wissenschaftlich fundiert und politisch adressiert: Kinder und Jugendliche brauchen klare Rah menbedingungen, nicht nur Selbst
verantwortung, an die appelliert und die ihnen zugemutet wird, wäh rend Plattformanbieter ihre Auf merksamkeit professionell triggern und davon pro fi tieren.“ Daher begrüßt der DPhV besonders, dass die Kommission den Grundsatz „Safety by design und by Default“ konsequent verankern will: Für Social-Media-Accounts Minderjähri ger sollen keine algorithmischen Feeds, keine personalisierte Wer bung und keine suchtverstärkenden Funktionen oder manipulativen
Pressemitteilung vom 24. Juni
12 PROFIL // 7-8/2026 DPhV seit Jahren fordert: Schutz, Befähigung und Teilhabe von Kin dern und Jugendlichen müssen als Einheit gedacht werden – diese Auf Jugendschutz in der digitalen Welt“ ausdrücklich und mit großer Zustim mung. Die Empfehlungen bestätigen in wesentlichen Punkten, was der
PROFIL // DPhV-Standpunkte
Designmuster gelten – und das als verbindliche Voreinstellung. Genau dies fordert der DPhV seit Jahren: Plattformanbieter müssen gesetzlich verp fl ichtet werden, suchtfördernde Mechanismen für Minderjährige abzuschalten, Altersbeschränkungen technisch wirksam durchzusetzen und für Schäden zu haften, die durch ihr Produktdesign entstehen. Lin-Klit zing: „Wer Kinder schützen will, muss vor allem die regulieren, die von ihrer Aufmerksamkeit pro fi tieren. Daher ist dieser Schritt richtig. Doch die Inhaftungnahme der Tech-Kon zerne darf nicht nur benannt wer den, sie muss gesetzlich scharf und europäisch verbindlich ausgestaltet werden und ohne Verzug umgesetzt werden. Eine Gesamtstrategie ohne Durchsetzungsmechanismen bleibt wirkungslos.“ Das gilt auch für das Thema der KI gestützten Begleiter: Die Kommis sion warnt zu Recht vor sogenann ten AI Companions, die durch per sonalisierte Interaktion emotionale Abhängigkeit erzeugen können. Der DPhV begrüßt, dass die Kommission auch hier klare Anbieterp fl ichten und wirksame Altersgrenzen einfor dert. Lin-Klitzing: „Personalisierte Empfehlungsalgorithmen und KI gestützte Bindungsangebote greifen in sensible Entwicklungsphasen ein. Kinder dürfen digitalen Suchtspira len und parasozialen KI-Beziehun gen nicht schutzlos ausgeliefert sein.“ Der DPhV fordert die Bil dungspolitik daher auf, die beste henden Regulierungslücken in KI Verordnungen gezielt zu schließen und gleichzeitig auf nationaler Ebene Rechtssicherheit für Schulen zu scha ff en, die KI-Anwendungen pädagogisch verantwortungsvoll einsetzen wollen. Auch wenn dies allein nicht reichen kann, begrüßt der DPhV den Vor schlag einer gesetzlichen Altersgren
ze für die eigenständige Nutzung sozialer Medien in Verbindung mit wirksamer Altersüberprüfung. Ebenso die vorgesehene familien rechtliche Verankerung elterlicher Medienerziehung im BGB. Schule kann und darf nicht für alle Ver säumnisse in diesem Bereich allein in die P fl icht genommen werden – hier muss die gesamte Gesellschaft auf jeweils verschiedenen Ebenen Verantwortung übernehmen. Lin Klitzing: „Gut, dass die Kommission die Rolle der Eltern stärkt und Medi enbildung als gemeinsame Aufgabe von Familie, Kita, Jugendhilfe, Schu le und Politik versteht. Nur so kann Kinder- und Jugendschutz wirkungs voll gelingen.“ Die Kommissionsvorschläge sehen vor, private Endgeräte an Grund schulen und bis einschließlich Klas se 7 bundesweit einheitlich zu untersagen – im Unterricht, in außerunterrichtlichen Angeboten und in den Pausen – und dies in den Schulgesetzen zu verankern. Ab Klasse 8 sollen Schulen unter Beteiligung der Schülerinnen und Schüler verbindliche Nutzungskon zepte erarbeiten. Der DPhV hat diese Regelung seit Jahren ange mahnt: Lehrkräfte benötigen einen rechtlich abgesicherten Rahmen, der nicht von Schule zu Schule grundsätzlich immer wieder neu gescha ff en werden muss. Schles wig-Holstein hat mit seinem schul weiten Nutzungsverbot bis Klasse 9 seit August 2025 gezeigt, dass dies umsetzbar ist. Andere Länder dür fen diesen Schritt nicht länger auf schieben. Selbstverständlich sind die Schülerinnen und Schüler aber ab einem bestimmten Alter in die Entwicklung diesbezüglicher schu lischer Regelungen einzubeziehen, denn es betri ff t sie, ihre Entwick lung und ihre Teilhabemöglichkei ten.
13 PROFIL // 7-8/2026 sequenz in der Umsetzung – denn jeder junge Mensch, der durch ent schlossenes Handeln vor einer digi talen Suchtspirale bewahrt wird und mündige Medienkompetenz entwickeln kann, zählt. Verzug ist hier keine Option.“ Für den DPhV ist Medienbildung keine Zusatzaufgabe, sondern selbstverständlicher Bestandteil und verbindliche Querschnittsauf gabe in allen Fächern und Schul stufen – ebenso wie ein grundstän diges Pflichtfach Informatik not wendig ist. Die Kommission empfiehlt mit dem sogenannten „KI-Seepferdchen“ ein verpflichten des KI-Grundzertifikat bereits für das Grundschulalter sowie den Aufbau einer Datenbank evaluier ter Medienkompetenzprogramme für die Sekundarstufen. Der DPhV hält beides für sinnvoll, mahnt aber: Damit Schulen diese Auf gaben tatsächlich erfüllen können, brauchen Lehrkräfte fundierte, nicht kaputt gesparte Aus- und Fortbildungsangebote sowie eine verlässliche digitale Infrastruktur, die von eigenem IT-Fachpersonal betreut wird – und nicht als Zusatz aufgabe auf dem Rücken der Lehr kräfte landet. Abschließend appelliert der DPhV an das Bundesbildungsministerium und an die Länderministerien: Die Handlungsempfehlungen sind eine positive und belastbare Grundlage – aber sie entfalten nur dann Wir kung, wenn aus ihnen zügig ver bindliche politische Maßnahmen abgeleitet werden. Die Kommission hat ein Sofortprogramm bis Ende 2026 vorgeschlagen. Der DPhV erwartet, dass dieses Versprechen eingehalten wird. Lin-Klitzing: „Kin der und Jugendliche können nicht warten, bis aus guten Empfehlun gen irgendwann gute Politik wird. Was jetzt benötigt wird, ist Kon
PROFIL // DPhV-Standpunkte
Neue Abordnungspraxis von Gymnasiallehrkräften gefährdet bundesweite Anerkennung des sächsischen Abiturs KMK-Mindeststandards müssen eingehalten werden
Der Deutsche Philologenverband warnt ein dringlich vor einer Gefährdung der bundes weiten Anerkennung des sächsischen Abi turs infolge der aktuellen Abordnungspra xis von Gymnasiallehrkräften an andere Schularten. Nach Au ff assung des Verban des führt ein systemischer Fehler in der
dings in eine Serie struktureller Benachteiligungen des Gymnasiums unter Kultusminister Clemens ein: die bisherige Ignoranz der im Vergleich überdurchschnittlichen Arbeitsbelastung der Gymnasiallehrkräfte gemäß Sächsischer Arbeitszeitstudie, die erfolgte zusätzliche kontraproduktive Reduzierung von Entlastungsstunden für Lehrkräfte in der Gymnasialen Oberstufe, die neue und zusätzliche überproportionale Belastung durch Abordnungen, singulär am Gymnasium aus acht Jahrgangsstufen berechnet. „Das Kultusministerium muss diesen Fehler umgehend korrigieren – im Interesse der Lehrkräfte und vor allem der Schülerinnen und Schüler, die Anspruch auf einen bundes weit anerkannten und qualitativ hochwertigen Abschluss haben“, fordert Thomas Langer. „Sachsen riskiert mit dieser unsachgemäßen Berechnung die Unterschreitung der von der KMK festgelegten Mindest stundenzahl für die bundesweite Anerkennung des Abi turs“, erklärt die Bundesvorsitzende des DPhV, Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing. Sie ist in Sorge um die bundesweite Anerkennung des Abiturs sächsischer Abiturienten und Abi turientinnen, das bisher Leuchtturmqualität hatte: „Das ist keine bloß verwaltungstechnische Frage, sondern betri ff t erstmals unmittelbar die Qualität und Anerkennung des Abiturs. Schülerinnen und Schüler müssen sich doch darauf verlassen können, dass ihr Abschluss bundesweit gültig ist. Bereits in anderen Bundesländern zeigt sich zwar, dass der Lehrkräftemangel die Einhaltung von Stundentafeln zuneh mend gefährdet. In Sachsen droht dieses Problem jedoch nicht nur durch Mangel, sondern durch eine fehlerhafte Steuerungsmaßnahme selbst erzeugt zu werden.“ Der Sächsische und der Deutsche Philologenverband fordern deshalb: sofortige Korrektur der Berechnungsgrundlage für Abordnungen verlässliche Einhaltung der KMK-Mindestvorgaben (265 Stunden) faire Verteilung der Abordnungslast zwischen allen Schularten „Wer heute Einser-Abiturienten in der Frauenkirche aus zeichnen will, muss morgen auch garantieren, dass ihre Nachfolger in der gesamten Bundesrepublik studieren dürfen“, mahnen die Vorsitzenden des Sächsischen und des Deutschen Philologenverbandes.
Pressemitteilung vom 2. Juli
Berechnungsgrundlage dazu, dass Gymnasien überpro portional belastet werden und damit zugleich verbindliche Mindeststandards der Kultusministerkonferenz (KMK) für die gymnasiale Oberstufe unterschritten werden könnten. Der DPhV fordert das Sächsische Staatsministerium für Kultus auf, die Berechnungsfehler in der Abordnungspra xis unverzüglich zu korrigieren. Grundlage für die bundesweite Anerkennung des Abiturs sind die Beschlüsse der Kultusministerkonferenz zur gym nasialen Oberstufe. Diese legen verbindlich fest, dass im gymnasialen Bildungsgang insgesamt mindestens 265 Jah reswochenstunden 1 (inklusive 5 Stunden Wahlunterricht / Flexibilisierungsstunden) bis zum Abitur nachzuweisen sind. Diese Mindeststundenzahl ist integraler Bestandteil der „Vereinbarung zur Gestaltung der gymnasialen Ober stufe und der Abiturprüfung“ der KMK 2 und stellt sicher, dass das Abitur bundesweit vergleichbar ist und aner- kannt wird. Die Einhaltung dieser Stundenvorgaben ist nicht verhandelbar: Wird die Mindestzahl unterschritten, ist die Gleichwertigkeit des Abschlusses und damit dessen Anerkennung in allen Bundesländern gefährdet. In Sachsen wird neu zur Steuerung von Lehrkräfteabord nungen eine schulindividuelle Kennzi ff er zur Unterrichts versorgung gebildet. Diese berücksichtigt für die Abgabe von Lehrerstunden nur beim Gymnasium alle acht Jahr gangsstufen bis zum Abitur im Unterschied zu anderen Schularten mit weniger Jahrgangsstufen. Daraus ergibt sich eine überproportionale Abgabe von Lehrerstunden an den Gymnasien. „Wer Gymnasien aufgrund einer falschen Berechnungs grundlage dazu zwingt, überproportional mehr Lehrkräfte abzugeben, sorgt bewusst nicht für eine faire Verteilung der Lasten, zu der wir selbstverständlich bereit sind“, so der Vorsitzende des Sächsischen Philologenverbandes Thomas Langer. Die derzeitige Praxis reihe sich nach Ein schätzung des Sächsischen Philologenverbandes aller
1 https://www.kmk.org/ fi leadmin/Dateien/pdf/Statistik/Dokumentationen/Wochenp fl ichtstunden_der_SchuelerInnen_2025_2026.pdf 2 https://www.kmk.org/ fi leadmin/Dateien/pdf/PresseUndAktuelles/2023/2023_03_16-Vereinb-GymnOberstufe-Abitur.pdf
14 PROFIL // 7-8/2026
PROFIL // Titel
Foto: Wätzold
Sächsischer Philologentag: Kultusminister
Der neue Landesvorstand des PVS
Clemens stellt sich der Kritik Neuwahl des Landesvorstands / Bericht vom Philologentag in Bischofswerda
16 PROFIL // 7-8/2026 Anschluss an diesen Beitrag vollstän dig ab. Bereits in der einführenden Moderation gemeinsam mit Ver von Thomas Langer D er Philologentag in Bischofs werda am 6. Juni 2026 stand ganz im Zeichen des Maßnah menpakets. Seit nunmehr einem Schuljahr werden die sächsischen Lehrkräfte, insbesondere an den Gymnasien, noch stärker als ohnehin schon belastet – und das trotz der eindeutigen Ergebnisse der Arbeits zeituntersuchung. Seit einem Jahr stehen die Qualität der Bildung an sächsischen Gymnasien und nicht zu letzt auch die Anerkennung des säch sischen Abiturs unter Beschuss. Nach Au ff assung von Kultusminister Con rad Clemens hat sich alles der Absi cherung des Unterrichts in der Fläche unterzuordnen. Lehrkräfte haben zu dienen, und wer auf die Spezi fi k sei ner Schulart pocht, dem wird man gelnde Solidarität vorgeworfen. Deutliche Kritik an dieser Politik des sächsischen Kultusministers äußerte die Bundesvorsitzende des DPhV, Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing. Wir drucken ihre Rede deshalb im
sammlungsleiter Thomas Langer machte Lin-Klitzing deutlich, dass es die Lehrkräfte an den sächsischen Gymnasien sind, die mit ihrem Ein satz und ihrer exzellenten Ausbildung das System am Laufen halten und die Bildungsqualität unter den gegebe nen Bedingungen so gut wie möglich sichern. Kultusminister Conrad Clemens wusste, worauf er sich einließ. Er erschien ohne Begleitung und auch ohne vorbereitete Rede und begeg nete den Anwesenden o ff en und ehrlich. Über eine Stunde stellte er sich in einer vom Landesvorsitzen den Thomas Langer moderierten o ff enen Diskussionsrunde den Fra gen der Teilnehmer. Dabei stand er zeitweise regelrecht im Kreuzfeuer der Kritik, verstand es aber auch, mit dem Gegenwind umzugehen. Gleich zu Beginn, als es um das leidi ge Thema der verbalen Einschätzun gen auf den Schuljahreszeugnissen ging, zeigte er sich selbstkritisch: „Hier sind Sie zu Recht unzufrieden mit mir. Das hätten wir besser hinbe kommen sollen.“
Um sein Versprechen aus dem Maß nahmenpaket einzulösen, hätte Cle mens das Schulgesetz ändern und dafür um fraktionsübergreifende Unterstützung werben müssen. Ob er dies nicht gescha ff t oder gar nicht erst versucht hat, blieb unbeantwor tet. Eine zentrale Frage betraf die Sen kung der Arbeitsbelastung der Gym nasiallehrkräfte. Clemens verwies auf die erfolgreich in den Haushaltsver handlungen erreichte Entfristung der Schulassistenten sowie auf die ge plante Einstellung von 800 Assistenz kräften. Zugleich musste er jedoch einräumen, dass sich bis zum Auslau fen des Maßnahmenpakets an der Belastung der Lehrkräfte nichts ändern werde. Hin und wieder ver wies er darauf, dass Lehrkräfte schließlich viele Ferientage und einen sicheren Arbeitsplatz hätten und laut Arbeitszeitstudie auch nicht alle Lehr kräfte am Limit arbeiteten – die Anwe senden in Bischofswerda selbstver ständlich ausgenommen. Diese Aussagen sorgten im Saal für fas- sungsloses Kopfschütteln.
PROFIL // Titel
Eine Ho ff nung vermittelte Conrad Clemens den Anwesenden – wenn auch in einem fragwürdigen Zusam menhang. Der prognostizierte demo gra fi sche Einbruch in den 2030er Jah ren werde zu einem Lehrerüberhang in Sachsen führen, der dann neue Gestaltungsmöglichkeiten erö ff ne. Jedenfalls wolle er „die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen“. Dieses Versprechen lässt Zweifel auf kommen, plant das Kultusministeri um doch im Zuge des prognostizier ten Schülerrückgangs bis 2040 den Abbau von 4.600 Lehrerstellen. mutbarer Zustände aus der Schulpra xis und zahlreichen Detailfragen kon frontiert, die ihn sichtbar forderten – insbesondere dann, wenn es um kon krete Regelungen zum Abitur ging. Die anwesenden Philologen kritisier ten die fehlende Anrechnung des zusätzlichen Arbeitsaufwands für die Vorbereitung und Durchführung mündlicher Prüfungen, die gestriche nen Stunden für schulbezogene Auf gaben, die umfangreichen Abordnun gen sowie die mangelnde fi nanzielle Wertschätzung von Oberstufen- und Fachberatern. Anschaulich wurde geschildert, welche Mehrbelastungen durch häu fi ge Lehrplanänderungen, eine missglückte Digitalisierung und die zunehmend heterogene Schüler schaft entstehen. Gefordert wurden Planungssicherheit und Verlässlich keit, insbesondere bei der Organisati on der gymnasialen Oberstufe. Eine Frage aus dem Plenum konnte aus Zeitgründen schließlich nicht mehr gestellt werden. Angesichts der zahlreichen geschilderten Miss stände wirkte sie inzwischen beinahe unangemessen: „Welche Maßnah men haben Sie geplant, damit Sach sen seine Spitzenposition bei Bil dungsrankings behält?“ Clemens wurde aus dem Plenum zeitweise mit Schilderungen unzu
Nach der Mittagspause wurde der Phi lologentag mit dem internen Teil, der Mitgliederversammlung, fortgesetzt. In seinem Tätigkeitsbericht dankte der PVS-Vorsitzende Thomas Langer allen aktiven Mitgliedern für ihr En- gagement, insbesondere dem bishe rigen Landesvorstand. Er würdigte die erfolgreiche Arbeit in den Regio nen und den Einsatz der Regionalvor stände, mahnte aber zugleich an, künftig noch stärker darum zu wer ben, insbesondere junge Lehrkräfte für den Verband zu gewinnen und den Mitgliederrückgang aufzuhalten. Die Mitgliederwerbung soll deshalb weiter intensiviert werden. Dabei unterstützt uns unser neuer Partner Swiss Life. Positiv bewertete Langer die ö ff entli che Wahrnehmung des Philologen verbands bei seinem Kernthema, der Qualität des sächsischen Abiturs. Bei diesem Thema ist der Verband häu fi g der erste Ansprechpartner für Medi envertreter. Hier gelten wir als Exper ten. Unterstützt wird unsere Arbeit pro fessionell durch den DPhV, seine Bundesvorsitzende und die exzellen te Geschäftsstelle in Berlin. Ein be- sonderes Dankeschön sprach Langer schließlich Katrin Lippmann für ihre engagierte, sorgfältige und stets ver lässliche Arbeit in der PVS-Geschäfts stelle aus. Anschließend wurde der Landesvor stand neu gewählt. Thomas Langer bleibt Landesvorsit zender, Jens Rieth sein Stellvertreter und Franziska Heinert Schatzmeis terin. Das Referat Bildungspolitik wird weiterhin von Hubertus Kaiser gelei tet. Für Beamten-, Berufs- und Tarif politik sind künftig Niels Döring und Markus Gretzschel zuständig. Markus Gretzschel bleibt außerdem Koor dinator für die Personalratsarbeit.
17 PROFIL // 7-8/2026 hohen Mehrbelastungen der Gymna siallehrkräfte endlich reduziert wer den. Dr. Teresa Eichelmann leitet weiter hin das Referat Frauen. Thomas Fritzsche trat aus Altersgründen nicht erneut an. Neu in den Landesvor stand gewählt wurde Jessica Kanitz. Sie übernimmt das neu gescha ff ene Referat Lehrerausbildung und Kom munikation. Marius Fritzsche wurde als neuer Vorsitzender der Jungphilo logen in den Landesvorstand gewählt. Ste ff en Pabst gehört dem Gremium weiterhin als gewählter Seniorenbeauftragter an. Qua Amt gehören außerdem die Regionalvor sitzenden von Chemnitz und Leipzig, Cornelia Krauße und Andreas Vogel, dem Landesvorstand an. Komplet tiert wird das Gremium durch unsere Ehrenvorsitzende Gudrun Schreiner. Nach der Wahl diskutierten und beschlossen die anwesenden Philolo gen die eingereichten Anträge. Sie bilden gewissermaßen die Hausauf gaben des Landesvorstands bis zum nächsten Philologentag in zwei Jah ren. So wird sich der Vorstand dafür einsetzen, dass die Verbeamtung der sächsischen Lehrkräfte fortgeführt wird, die Schulsozialarbeit in die SOGYA aufgenommen wird und mul tiprofessionelle Teams die Lehrkräfte unterstützen. Außerdem setzt sich der PVS für eine einheitliche Kom munikations- und Lernplattform ein, die den derzeitigen Wirrwarr aus Schulportal, LernSax und Co. ersetzt. Ebenso sollen zeitgemäße Regelun gen zur Leistungsermittlung in Zeiten künstlicher Intelligenz entwickelt, Konzepte des digitalen Selbstlernens überprüft und die Vielzahl schu lischer Wettbewerbe evaluiert wer den. Darüber hinaus wird sich der PVS gegen die Erhöhung der P fl icht stundenzahl für Referendare einset zen und nicht zuletzt dafür kämpfen, dass die nachgewiesenermaßen
Foto: Langer
Grußwort der Bundesvorsitzenden des Deutschen Philologenverbandes, Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing, für den Sächsischen Philologentag Alle blicken nach Kanada
Was die Bildungspolitik für uns noch viel nötiger in den Blick nehmen muss
„Sehr geehrter Herr Staatsminister Clemens, sehr geehrter Herr Referatsleiter, lieber Herr Dr. Heinrich, sehr geehrter Herr Wils, lieber Herr Dr. Xylander, lieber Michael Jung, René Michel und Dirk Baumbach, vor allem aber liebe sächsische Philologen, Kollegen und Kolleginnen, Mitglieder des Vorstands, lieber Vorsitzender Thomas Langer A lle blicken derzeit nach Kanada, hier insbesonde re nach Alberta, die Bildungsminister reisen regelmäßig dorthin, so wie damals nach Finn land, und blicken auf deren beeindruckende Leistungs daten und dortige Erfolgsmodelle, um sie für uns zu übernehmen – wenngleich man nüchtern konstatieren muss: Die gymnasialen deutschen Schülerleistungs daten sind im Vergleich mit Kanada nicht schlechter,
sondern besser! (Ich werde als Beleg noch auf einige Zahlen, Daten, Fakten hinweisen.) Der Blick über den Tellerrand ist nie schädlich, sondern hilft – noch wichtiger ist jedoch der klare Blick auf die eigenen Voraussetzungen für gute Bildung. Denn gute Bildung entsteht nicht durch kurzfristige Reformideen oder strukturelle Experimente. Sie entsteht dort, wo auf der Basis unserer Verfassung Verlässlichkeit, klare Ziele und echte Zusammenarbeit die Grundlage für schulische Arbeit bilden. Lassen Sie mich deshalb entlang dieser drei Erwartun gen sprechen, die wir als Philologenverband an die
sächsische Bildungspolitik richten: Zuverlässigkeit – Zielorientierung – Zusammenarbeit.
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PROFIL // Titel
Zuverlässigkeit – Vertrauen braucht politische Verbindlichkeit
Lehrerausbildungspreis in Dresden-Klotzsche verge ben hat und der Ministerpräsident die Preisträger aus allen Schularten und Seminaren würdigte, hat er u.a. ein Loblied auf den Beamtenstatus der Lehrkräfte gesungen, der die streikfreien Schulen sowie Stabilität und Attraktivität dieses Berufs sichere. – Dass die angestellten Lehrkräfte in Sachsen die Schulen nicht in dem Maße unter Druck setzen, wie sie es durch ihren Angestelltenstatus könnten, ist ihrem außerordentlich hohen Berufsethos zu verdanken – und genau nicht dem Status , den Sie neu – aus unserer Sicht: falsch – für alle zukünftigen Lehrkräfte einführen wollen. Zuverlässigkeit hingegen bedeutet für uns: Verlässliche Arbeitsbedingungen für Lehrkräfte. Angesichts von Schulp fl icht und Lehrkräftemangel ist es ein falsches Signal für Sachsen, den Beamtenstatus für Lehrkräfte abscha ff en zu wollen. Der Beamtenstatus ist kein Privi leg, sondern ein Instrument zur Sicherung der Funk tionsfähigkeit des Staates. Er gewährleistet Verlässlich keit, Bindung und Attraktivität des Berufs. Wer heute und in Zukunft den Lehrerberuf stärken will, darf nicht an seiner Substanz sägen. Und das tun Sie, Herr Minis ter, mit der kontinuierlichen Verfolgung Ihres Anlie gens! Zuverlässigkeit heißt stattdessen: realistisch aushalt bare, besser noch: förderliche Arbeitsbedingungen, Umsetzung (!) geplanter Entlastungen und eine nach haltige Personalpolitik. Das sehen wir zur Zeit nicht – wenngleich wir die objektiv schwierige Lage, in der Sie stehen, durchaus sehen. Deshalb ist es gut, bei aller eigenen Positionierung immer wieder auch „mit den Ohren des anderen zu hören und mit den Augen des ande ren zu sehen“: Wir sehen die Herausforderungen der Minderheitsregierung in Sachsen. Wir sehen Ihre politi schen Zwänge. Aber wir erwarten auch: Sehen Sie uns! Sehen Sie die Lehrkräfte! Sehen Sie ihre grenzwertigen Belastungen und handeln Sie dagegen! Wir mahnen deshalb: Seien Sie ein verlässlicher Dienst herr, halten Sie, was Sie versprechen und lassen Sie uns nicht am ausgestreckten Arm verhungern – wie mit der versprochenen Entlastung durch den Wegfall der verbalen Einschätzungen!
1.
Zuverlässigkeit ist ein Fundament eines leistungsfähi gen Bildungssystems. Schüler, Eltern und Lehrkräfte müssen sich auf geprüfte, gute, stabile Rahmenbedin gungen verlassen können. Dazu gehört an erster Stelle die Schulp fl icht. Und hier können wir das Gemeinsame betonen: Der Philologenverband, und nicht nur der sächsische Philologenverband sondern noch viele andere mehr, treten gemeinsam mit dem sächsischen Kultusministe rium für die Schulp fl icht, verstanden als Schulbesuchs p fl icht, ein. Das haben wir kürzlich auch in der Anhö rung im Sächsischen Landtag deutlich gemacht, die aufgrund des Antrags der AfD, in Sachsen die Schul p fl icht durch eine sog. allgemeine Bildungsp fl icht erset zen zu wollen, stattfand. Die Schulp fl icht, die Schulbesuchsp fl icht, ist weit mehr als eine organisatorische Vorgabe. Sie ist ein tragendes Element unserer Demokratie und unserer Gesellschaft. Sie garantiert nicht nur Wissenserwerb, sondern auch gesellschaftliche Integration, Chancengleichheit und die Entwicklung sozialer Kompetenzen. Schule ist der Ort, an dem junge Menschen lernen, in Vielfalt zu leben, Kon fl ikte auszutragen und Verantwortung zu übernehmen. Wer die Schulbesuchsp fl icht infrage stellt, relativiert oder aushebeln will, stellt damit den gesellschaftlichen Zusammenhalt infrage. Diese gemeinsame Position ist klar bildungstheo retisch, durch unser Grundgesetz sowie durch die sächsische Landesverfassung zu begründen. Gerade auch die Erfahrungen der vergangenen Corona-Jahre haben gezeigt: Ohne die Schulbesuchsp fl icht, ohne die schulische Bil dung wächst die Abhängigkeit von den Voraussetzun gen im Elternhaus – und damit Bildungsungleichheit. Die Schulp fl icht bleibt damit eine tragende Säule unse res demokratischen Bildungsverständnisses – hier sind wir eins mit Ihnen, Herr Minister! Die Umsetzung der Schulp fl icht in Deutschland setzt allerdings – nicht nur aus unserer Perspektive – den Beamtenstatus voraus – und hier sind wir deutlich uneins mit Ihnen, Herr Minister, ebenso wie auch die anderen Bildungsminister und -ministerinnen – und auch der Ministerpräsident von Sachsen, denn als der Philologenverband Anfang des Jahres den sächsischen
Zielorientierung – Bildung braucht klare Maßstäbe
2.
Zuverlässigkeit allein genügt nicht. Ein Bildungssystem braucht klare, aus unserer Sicht inhaltlich anspruchs volle Ziele – und es braucht Kontinuität, diese Ziele
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