Profil 7-8/2026
PROFIL // Titel
unter den Schülerinnen und Schülern und mit der Lehrkraft sind entscheidend. Und deshalb muss man die Professionalität der Lehrkräfte steigern. Eine Rück- meldung „on the fl ight“, wie man heute sagt, sei nötig: Formatives (vorausblickendes) Assessment sei nötig und nicht summatives (zurückblickendes). Und dem schließen wir Philologinnen und Philologen uns voll und ganz an. Unsere Perspektive ist: Ja, wir Lehrkräfte wollen gerne datengestützt im Unterricht arbeiten, um unsere Schü lerinnen und Schüler di ff erenziert, gezielt und in Echt zeit fördern zu können! Wir wollen datengestützte Rückmeldung in Echtzeit im Unterricht haben, um eben gezielt – formativ, wie Olaf Köller es formuliert – und sofort unsere Schülerinnen und Schüler im Unterricht fordern und fördern zu können. Dazu gibt es hervor ragende Instrumente, bspw. für den Matheunterricht. Ich nenne „Magma Mathe“, aber es gibt auch vieles andere mehr! Ja, wir Lehrkräfte wollen auch datengestützt im Unter richt arbeiten, um unsere Schülerinnen und Schüler differenziert, gezielt und in Echtzeit fördern zu kön nen! Und das eben nicht erst retrospektiv am Ende des Schuljahres nach möglicherweise vielen zusätzli chen Konferenzen, um gemeinsam mit der Schulauf sicht und der Schulleitung in Schulentwicklungspro zessen festzustellen, was wir denn für die Schülerin nen und Schüler, die schon im letzten Jahr vor uns gesessen haben, im nächsten Jahr besser machen können. Bei „Magma Mathe“ ist die Frage nach Ziel-, Rollen- und Ressourcenklarheit auch eindeutig beantwortet: Ziel ist die di ff erenzierte Leistungsförderung der Schülerinnen und Schüler aufgrund datensparsamer Erhebungen im Unterricht. Die Lehrkraft, das ist ihre Rolle, setzt diese im Unterricht ein. Und das Land bzw. die Schule stellt die Ressourcen, indem sie diese (oder ähnliche) Soft ware für die Schulen anscha ff t. Bei der angestrebten datengestützten Schul- und Unterrichtsentwicklung, die im Koalitionsvertrag mit einer sog. Schüler-ID verknüpft ist, ist demgegenüber noch etliches unklar: mit oder ohne Schüler-ID oder Bil dungs-ID, die mit der Steuer-ID verknüpft werden soll oder nicht? Die Steuerung der datengestützten Schul- und Unterrichtsentwicklung ist im Wesentlichen Auf gabe der Schulaufsicht und der Schulleitungen oder auch immer zugleich der Lehrkräfte bzw. bestimmter Lehrkräfte, vor allem derer, die in den Kernfächern
unterrichten? Die Daten-Analysekompetenz und daraus notwendig folgende Bestimmung von lernwirk samen Fördermaßnahmen ist bei allen vorhanden? Und die zusätzlichen Ressourcen für die kontinuierli chen Aushandlungen für eine demgemäß gesteuerte Schul- und Unterrichtsentwicklung sind im System vor handen und werden den handelnden Akteuren oben drauf gegeben? – Wir müssen den Finger in die schon jetzt sichtbaren Wunden legen – und auch ein bisschen „entzaubern“, durchaus im Interesse der Sache und mit kritischem Blick auf des Kaisers neue Kleider – hier mit einem Zitat aus der Perspektive einer Kollegin, die mir schrieb: „Gekrönt sind Fortbildungen zu datengestütz ter Schulentwicklung durch das Einfügen möglichst vie ler Anglizismen, die kaum jemand versteht, aber bei denen sich nur ganz wenige Mutige trauen, nachzufra gen, was der Blödsinn eigentlich heißt, „wenn das Kick o ff meeting zum Dashboard gelauncht wird“. (Original- zitat!) – Wobei auch das beste Dashboard, mit immer mehr wesentlichen oder gezielt ausgewählten, gut und übersichtlich zusammengefassten Daten, eben allein weder für die gewünschte systemische Schulleistungs verbesserung ausreicht noch für die passgenaue, ver bindliche Förderung von Schülerinnen und Schülern in Echtzeit. Der dritte Punkt ist entscheidend: Bildung gelingt nur gemeinsam. Ein modernes Bildungssystem funktioniert nicht durch Kaputtsparen. Die Belastung ist hoch – und sie ist belegt: Die Arbeitszeitstudie des Ministeriums zeigt, dass Gymnasiallehrkräfte im Durchschnitt mehr arbei ten als vorgesehen. Es wurde versprochen, diese Ergebnisse abzuwarten. Doch stattdessen wurde die Belastung schon zuvor weiter erhöht, Altersermäßigun gen abgesenkt, Entlastungsstunden halbiert, schulbe zogene Abminderungen gekürzt, Fachberaterstunden reduziert. Angekündigte Entlastungen wurden nicht umgesetzt. Zurück bleibt Verunsicherung in den Lehrerzimmern. Zusammenarbeit bedeutet auch: Verlässlichkeit bei politischen Zusagen. Die Folgen sind deutlich spürbar. Lehrkräfte kommen erschöpft aus den Korrektur- phasen – viele arbeiten am Limit – und das selbst an den P fi ngstfeiertagen. 3. Zusammenarbeit – Bildung gelingt nur gemeinsam
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