Profil 7-8/2026
PROFIL // Titel
Zuverlässigkeit – Vertrauen braucht politische Verbindlichkeit
Lehrerausbildungspreis in Dresden-Klotzsche verge ben hat und der Ministerpräsident die Preisträger aus allen Schularten und Seminaren würdigte, hat er u.a. ein Loblied auf den Beamtenstatus der Lehrkräfte gesungen, der die streikfreien Schulen sowie Stabilität und Attraktivität dieses Berufs sichere. – Dass die angestellten Lehrkräfte in Sachsen die Schulen nicht in dem Maße unter Druck setzen, wie sie es durch ihren Angestelltenstatus könnten, ist ihrem außerordentlich hohen Berufsethos zu verdanken – und genau nicht dem Status , den Sie neu – aus unserer Sicht: falsch – für alle zukünftigen Lehrkräfte einführen wollen. Zuverlässigkeit hingegen bedeutet für uns: Verlässliche Arbeitsbedingungen für Lehrkräfte. Angesichts von Schulp fl icht und Lehrkräftemangel ist es ein falsches Signal für Sachsen, den Beamtenstatus für Lehrkräfte abscha ff en zu wollen. Der Beamtenstatus ist kein Privi leg, sondern ein Instrument zur Sicherung der Funk tionsfähigkeit des Staates. Er gewährleistet Verlässlich keit, Bindung und Attraktivität des Berufs. Wer heute und in Zukunft den Lehrerberuf stärken will, darf nicht an seiner Substanz sägen. Und das tun Sie, Herr Minis ter, mit der kontinuierlichen Verfolgung Ihres Anlie gens! Zuverlässigkeit heißt stattdessen: realistisch aushalt bare, besser noch: förderliche Arbeitsbedingungen, Umsetzung (!) geplanter Entlastungen und eine nach haltige Personalpolitik. Das sehen wir zur Zeit nicht – wenngleich wir die objektiv schwierige Lage, in der Sie stehen, durchaus sehen. Deshalb ist es gut, bei aller eigenen Positionierung immer wieder auch „mit den Ohren des anderen zu hören und mit den Augen des ande ren zu sehen“: Wir sehen die Herausforderungen der Minderheitsregierung in Sachsen. Wir sehen Ihre politi schen Zwänge. Aber wir erwarten auch: Sehen Sie uns! Sehen Sie die Lehrkräfte! Sehen Sie ihre grenzwertigen Belastungen und handeln Sie dagegen! Wir mahnen deshalb: Seien Sie ein verlässlicher Dienst herr, halten Sie, was Sie versprechen und lassen Sie uns nicht am ausgestreckten Arm verhungern – wie mit der versprochenen Entlastung durch den Wegfall der verbalen Einschätzungen!
1.
Zuverlässigkeit ist ein Fundament eines leistungsfähi gen Bildungssystems. Schüler, Eltern und Lehrkräfte müssen sich auf geprüfte, gute, stabile Rahmenbedin gungen verlassen können. Dazu gehört an erster Stelle die Schulp fl icht. Und hier können wir das Gemeinsame betonen: Der Philologenverband, und nicht nur der sächsische Philologenverband sondern noch viele andere mehr, treten gemeinsam mit dem sächsischen Kultusministe rium für die Schulp fl icht, verstanden als Schulbesuchs p fl icht, ein. Das haben wir kürzlich auch in der Anhö rung im Sächsischen Landtag deutlich gemacht, die aufgrund des Antrags der AfD, in Sachsen die Schul p fl icht durch eine sog. allgemeine Bildungsp fl icht erset zen zu wollen, stattfand. Die Schulp fl icht, die Schulbesuchsp fl icht, ist weit mehr als eine organisatorische Vorgabe. Sie ist ein tragendes Element unserer Demokratie und unserer Gesellschaft. Sie garantiert nicht nur Wissenserwerb, sondern auch gesellschaftliche Integration, Chancengleichheit und die Entwicklung sozialer Kompetenzen. Schule ist der Ort, an dem junge Menschen lernen, in Vielfalt zu leben, Kon fl ikte auszutragen und Verantwortung zu übernehmen. Wer die Schulbesuchsp fl icht infrage stellt, relativiert oder aushebeln will, stellt damit den gesellschaftlichen Zusammenhalt infrage. Diese gemeinsame Position ist klar bildungstheo retisch, durch unser Grundgesetz sowie durch die sächsische Landesverfassung zu begründen. Gerade auch die Erfahrungen der vergangenen Corona-Jahre haben gezeigt: Ohne die Schulbesuchsp fl icht, ohne die schulische Bil dung wächst die Abhängigkeit von den Voraussetzun gen im Elternhaus – und damit Bildungsungleichheit. Die Schulp fl icht bleibt damit eine tragende Säule unse res demokratischen Bildungsverständnisses – hier sind wir eins mit Ihnen, Herr Minister! Die Umsetzung der Schulp fl icht in Deutschland setzt allerdings – nicht nur aus unserer Perspektive – den Beamtenstatus voraus – und hier sind wir deutlich uneins mit Ihnen, Herr Minister, ebenso wie auch die anderen Bildungsminister und -ministerinnen – und auch der Ministerpräsident von Sachsen, denn als der Philologenverband Anfang des Jahres den sächsischen
Zielorientierung – Bildung braucht klare Maßstäbe
2.
Zuverlässigkeit allein genügt nicht. Ein Bildungssystem braucht klare, aus unserer Sicht inhaltlich anspruchs volle Ziele – und es braucht Kontinuität, diese Ziele
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