Profil 4/2026

Die Profil Ausgabe 04/2026 mit dem Leitthema "Die Philologen auf der DIDACTA 2026 in Köln" ist veröffentlicht. Jetzt lesen!

4 2026

DEUTSCHER PHILOLOGENVERBAND

DAS MAGAZIN FÜR GYMNASIUM UND GESELLSCHAFT

Foto: Pohl

Die Philologen auf der DIDACTA 2026 in Köln

Der Deutsche Lehrkräftepreis: Vergabe in Berlin

Wertschätzung für die Ausbilder: Sächsischer Lehrkräfte- ausbildungspreis in Dresden

Interview mit BMK-Präsidentin Anna Stolz

PROFIL // Auf ein Wort

verbindlichen Verankerung von Medienerziehung in der Schule auch das P fl ichtfach Informatik. Eine gesetzliche Alters beschränkung für Social Media und der Verzicht auf Privat handys in der Schule kann Schülerinnen und Schüler während des Unterrichts wirksam vor digitaler Dauerablenkung schüt zen und damit die Schule in ihrer Bildungsaufgabe stärken. Der DPhV fordert zudem strukturelle Eingri ff e in Plattform mechanismen. Personalisierte Empfehlungsalgorithmen för dern Abhängigkeit, verkürzen Aufmerksamkeitsspannen und begünstigen extreme Inhalte. Kinder dürfen digitalen Sucht spiralen nicht schutzlos ausgeliefert sein. Eine Begrenzung oder Deaktivierung solcher Algorithmen für Minderjährige ist ein wichtiger Schritt zur Stärkung digitaler Selbstbestimmung. Politische Entscheidungen dazu sollten jedoch unter Einbezie hung jugendlicher Peergroups, etwa von Schülervertretungen wie der Bundesschülerkonferenz, getro ff en werden. Mit Blick auf digitale Klassenchats warnen wir auch vor einem blinden Fleck in der Debatte: Zwar machen Messenger-Apps wie WhatsApp nicht so abhängig wie der plattformgenerierte Social-Media-Konsum – und haben auch viele positive soziale Funktionen – , gleichwohl erö ff nen sie Raum für Ausgrenzun gen, Mobbing und damit psychische Belastungen, die hier in geschlossenen Chatgruppen entstehen und nicht auf der ö ff entlichen Bühne. Diese digitalen Erfahrungen sind eng mit persönlichen Grundrechten verbunden. Mobbing im Klassen chat, Deepfakes oder ungefragte Bild- oder Tonaufnahmen berühren Fragen von Meinungsfreiheit, der Würde des Menschen und Verantwortung. Stille Überwachung durch Lehrkräfte als Moderierende widerspricht der DSGVO, da personenbezogene Daten ohne Rechtsgrundlage verarbeitet würden – viele Länder verbieten dies. Auch eine gesetzliche P fl icht zu erwachsenen Moderierenden in Chatgruppen stößt rechtlich an Grenzen, weil Messenger-Gruppen wie bei Whats App von privaten Nutzern selbst angelegt und verwaltet wer den – ohne dass ein Betreiber verp fl ichtet werden könnte, eine Moderation in privater Kommunikation sicherzustellen. Dies zeigt aus unserer Sicht auf, dass umfassende Medien erziehung und -bildung durch das Elternhaus, die Peergroup, die Schule unverzichtbar sind. Unser gemeinsamer Auftrag ist die Ermöglichung von Bildung zur Mündigkeit der nachwach senden Generationen – nicht aber die totale digitale Durch dringung oder Kontrolle des (Schul-)Alltags. Umso not- wendiger ist eine re fl ektierte gesamtgesellschaftliche Debatte zum Umgang mit digitaler Kommunikation auch in der Erwachsenenwelt. Sehen Sie das auch so? Mit herzlichem Gruß!

Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing, Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbandes

„Social-Media-Verbot“?

Liebe Kollegen und Kolleginnen, wir begrüßen die politische Diskussion um ein sogenanntes Social-Media-Verbot, aber das allein reicht nicht. Wenn Politik und Gesellschaft Kinder und Jugendliche in einem besonders vulnerablen Entwicklungsabschnitt schützen wollen, bedarf es einer konsequenten Regulierung sozialer Medien durch klare Altersbeschränkungen und die Inhaftungnahme der Plattformanbieter, wenn sie die Vorgaben nicht wirksam umsetzen. Gleichwohl dürfen die Erwachsenen diese Diskussion nicht ohne die Stimme der Jugend führen. Aufmerksamkeit, Belohnungssysteme im Gehirn und das psychische Wohlbe fi nden von Kindern sind in dieser Phase sensibel, während Plattformen auf maximale Bindung und Reizüber fl utung ausgerichtet sind. Internationale Beispiele – etwa aus Australien und Frankreich – zeigen zwar den politischen Handlungswillen, garantieren jedoch keine auto- matische Wirksamkeit. Deshalb ist Medienbildung und päda gogische Begleitung unverzichtbar, unabhängig von weiteren wünschenswerten politischen Maßnahmen. Eine „Jugendver sion“ von Social-Media-Kanälen könnte eventuell ein Baustein sein – mit begrenzter Interaktion, deaktivierten Belohnungs mechanismen, ohne Werbung. Eine kluge `Light-Version´ darf aber kein Feigenblatt sein! Es braucht auch eine breite Dis kussion über das vorgelebte Verhalten von Erwachsenen im eigenen Umgang mit digitalen Endgeräten. Brauchen wir nicht sogar eine gesamtgesellschaftliche Bewegung der `klu gen digitalen Askese´, unterstützt von Freizeitangeboten für Kinder und Jugendliche, die so involvierend sind, dass das Smartphone in den Hintergrund tritt – sportlich, musikalisch, kulturell, interaktiv? Denn wer im Verein trainiert, im Gym an sich arbeitet oder mit der Band probt; wer beim Theaterpro jekt mitwirkt, sich ehrenamtlich engagiert oder an einem Umweltprojekt beteiligt – der hängt nicht permanent am Handy. Der DPhV unterstützt daher ausdrücklich die von Bundesbil dungsministerin Karin Prien eingesetzte Expertenkommis sion. Schutz und Befähigung müssen zusammen gedacht werden: Kinder und Jugendliche müssen vor Dauer-Ablen kung, sozialem Druck und suchtähnlichem Nutzungsverhal ten geschützt werden, brauchen zugleich aber Lern- und Bildungserfahrungen für einen verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien. Dazu gehört neben einer

Ihre

Susanne Lin-Klitzing

3 PROFIL // 4/2026

DPhV-Standpunkte  Trendmonitor KI in der Bildung: DPhV fordert Rechtssicherheit, fachlich fundierte Fortbildungs angebote für Lehrkräfte und den Schutz fachlicher Standards 5  Neue Runde des „Deutschen Lehrkräftepreises“ gestartet 8 Titel  Schulen zwischen digitalen Herausforderungen und bewährtem Bildungsauftrag: Der Deutsche Philo- logenverband im Dialog auf der Didacta in Köln 11 Aktuell  Verleihung des Deutschen Lehrkräftepreises in Berlin: Prämierung der Preisträger und Anerkennung für einen ganzen Berufsstand  Lehrkräfteausbildung mit Herz und Haltung: Sächsische Philologen zeichnen Ausbilderinnen und Ausbilder aus  „Ich emp fi nde große Dankbarkeit und Stolz“ Fragen an die 1. Preisträgerin der Preisverleihung „Lehr- kräfteausbildung mit Herz und Haltung“ Nicole Mittendorf 20 Begegnungen  „Bildung ist kein Abarbeiten von Sto ff – gute Bildung entsteht nicht im Schulbuch, sondern im Miteinander“ Interview mit der bayerischen Kultusministerin Anna Stolz, die jüngst die BMK-Präsidentschaft übernahm 27  Weltverband Deutscher Auslandsschulen – WDA 30 Termine  Pädagogische Freiheit – die unverzichtbare Grundlage für schulische Bildung Bericht von der Frühjahrstagung des Bildungspolitischen Ausschusses des DPhV 15 18  Deutsches Schulbarometer belegt: Jedes vierte Kind psychisch belastet 9 Aus den Ländern  PhV Schleswig-Holstein: PhV SH kritisiert Schülerinnen und Schüler wegen Teilnahme am „Schülerstreik“ Rezension & Verlosung  Gleichheit ist noch keine Gerechtigkeit Mathias Brodkorb und Klaus Zierer gegen die „Tyrannei der Gleichheit“  Wo sehen wir Gymnasium und Philologenverband im nächsten Jahrzehnt? Der Philologenverband Niedersachsen verabschiedet seine AGENDA 2035  Starke PhV-Frauen auch in unserer Dach- organisation: Martina Scherer wurde in die Geschäftsführung der dbb frauen gewählt Impressum 39 34 36 38 38

PROFIL // Inhalt

Der DPhV im Dialog auf der Didacta in Köln 11

Verleihung des Deutschen Lehrkräfte- preises in Berlin 15

Interview mit der bayerischen Kultusministerin und Präsidentin der Bildungs minister-

konferenz, Anna Stolz 27

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Weltverband Deutscher Auslandsschulen 30

Recht

dbb magazin

 dbb-Dienstleistungszentren: Exotische Klagen und lange Verfahren

41 42

 Laienrichter: Ehrenamt mit enormer Verantwortung

Tagung

dbb magazin

 dbb-Bundesfrauenkongress 2026: Jetzt oder nie – Frauen. Macht. Demokratie.

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4 PROFIL // 4/2026

PROFIL // DPhV-Standpunkte

Foto: AdobeStock

Trendmonitor KI in der Bildung:

DPhV fordert Rechtssicherheit, fachlich fundierte Fortbildungsangebote für Lehrkräfte und den Schutz fachlicher Standards

Der „Trendmonitor KI in der Bildung 2025“ der Deutschen Tele kom Stiftung zeichnet ein ernüchterndes wie aufschlussrei ches Bild einer Lücke

rungen bestätigt – nach Rechts sicherheit für Lehrkräfte im Einsatz mit KI, nach geeigneten und fachlich fundierten Fortbildungsangeboten für Lehrpersonal sowie nach Schutz fachlicher und pädagogischer Standards gegenüber unkritischer Technologieadaption. Es besteht dringender Handlungsbedarf für die Bildungsministerinnen und -minister der Länder und für die Schulbehör den! Dabei sind Chancen und Grenzen beim Einsatz von KI in pädagogi schen Prozessen sorgfältig zu re fl ek tieren. Zum Potenzial von KI gehört

sicherlich, was der Trendmonitor belegt: Künstliche Intelligenz kann Lehrkräfte bei bestimmten Auf gaben entlasten – von der Unter richtsvorbereitung über die Erstel- lung adaptiver Lernmaterialien bis hin zu Korrekturvorschlägen bei standardisierten Tests. DPhV-Bun desvorsitzende Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing mahnt gleichwohl an: „Mögliche gewonnene Zeit muss andererseits auch wiederum gezielt in die gemeinsame Re fl exion mit den Schülerinnen und Schülern über die von KI erbrachten Ergeb nisse investiert werden. Fachliche Expertise der Lehrkräfte, Bezie

Pressemitteilung vom 11. März

zwischen technologischer Realität und schulischer Infrastruktur: Ob- wohl sich das Angebot KI-gestützter Bildungstechnologien seit 2021 in Deutschland verdreifacht hat, ist die systematische Nutzung im Schul unterricht nach wie vor gering („Digi tal Skills Gap“). Der Deutsche Philo- logenverband sieht sich durch diese Befunde in seinen zentralen Forde

5 PROFIL // 4/2026

PROFIL // DPhV-Standpunkte

6 PROFIL // 4/2026 nicht erlaubt ist, nicht aber, was rechtssicher genutzt werden kann. Diesen Zustand hält der DPhV für nicht hinnehmbar. Die Kultusminis terien der Länder sind gefordert, praxistaugliche Handlungsleitfäden und verbindliche Rahmenbedingun hungsarbeit zwischen Lehrenden und Lernenden als pädagogische Kernarbeit, didaktische Kompetenz und persönliches Urteilsvermögen bleiben jedoch Fähigkeiten und Auf gabe der Lehrkräfte, die keine KI ersetzen kann und die insbesondere im gymnasialen Bildungsauftrag unverzichtbar bleiben. Unabhängig von technischen Instrumenten ist die Entwicklung von Bildung für die Schülerinnen und Schüler stets innerhalb der professionellen Lehr kräfte-Lernenden-Beziehung zu sehen – das bleibt der Kern.“ Lehr kräfte müssen in der Lage sein, KI gestützte Werkzeuge sinnvoll zu integrieren und deren Ergebnisse und Auswirkungen kritisch zu hin terfragen – gemeinsam mit ihren Schülerinnen und Schülern. So kann KI etwa durch Übersetzungspro gramme oder Schreibassistenten im Deutschunterricht Sprachkompeten zen fördern, in Gesellschaftswissen schaften die Analyse großer Daten- mengen, zum Beispiel historischer Quellen, ermöglichen und in künst lerisch-kreativen Fächern zur pro duktiven wie re fl exiven Ausein- andersetzung mit Fragen nach Ori ginalität, Kreativität und Urheber schaft einladen. Doch diese Potenziale werden bis lang kaum systematisch gehoben: Viele Lehrkräfte und Schulleitungen be fi nden sich in einer rechtlichen Grauzone. Der Trendmonitor stellt fest, dass ein ausgeprägtes Sicher heitsbedürfnis und eine hohe Regel konformität den Einsatz von KI-Tools hemmen. Dienstherren benennen hiernach bislang zumeist nur, was

gen für die konkrete Unterstützung des Unterrichts und des Schul lebens zu scha ff en, damit Verant wortung nicht auf dem Rücken einzelner Lehrkräfte lastet. Eng damit verknüpft ist ein weiterer gravierender Befund: Laut einer im Trendmonitor zitierten KPMG- Studie belegt Deutschland bei umfassenden KI-Kompetenzen (AI Literacy) lediglich Platz 46 von 47 untersuchten Ländern. Nur 20 Prozent der hierzulande Befragten haben bislang eine Form von KI Schulung erhalten. Der DPhV for dert deshalb fachlich fundierte Bildungsangebote in allen drei Pha sen der Lehrkräftebildung. Diese dürfen sich nicht auf ober fl ächliches Prompten beschränken, sondern müssen didaktisches, medienpäda gogisches und ethisches KI-Wissen verankern – ermöglicht durch aus reichend Zeit und Ressourcen. Ein weiterer Grund, nicht weiter am Referendariat zu sparen, sondern sich an Bayern mit seinem 24 monatigen Vorbereitungsdienst zu orientieren: Gerade in dieser Phase werden die beru fl ichen Grundkom petenzen erworben, die für einen re fl ektierten KI-Einsatz im Fach unterricht unabdingbar sind. Gerade für das Gymnasium bleibt der anspruchsvolle gymnasiale Bil dungsbegri ff hier der Maßstab – und dieser gewinnt im Zeitalter der KI an Schärfe. Der Trendmonitor zeigt, dass KI Lernprozesse e ffi zien ter gestalten kann, insbesondere in den MINT-Fächern durch adaptive Tutoringsysteme und personali sierte Lernpfade. Zugleich warnt der DPhV vor dem im Bericht explizit thematisierten „Deskilling“: Die Gefahr, dass grundlegende Fähig keiten wie das Schreiben argumen tativer Texte, kritische Quellenarbeit oder selbstständiges Denken durch unkritische KI-Nutzung verküm

mern, ist real und ernst zu nehmen. Lin-Klitzing: „KI kann kein ethisches Urteilsvermögen ersetzen, keine Verantwortung übernehmen und keine Werte vermitteln. Die Fähig keit zur selbstständigen, kritisch re fl ektierten Auseinandersetzung mit KI-generierten Inhalten muss deshalb fester Bestandteil des Unterrichts sein. Ein hoher fachli cher Anspruch für die Schülerinnen und Schüler sowie gemeinsame Zeit für Re fl exion mit der Lehrkraft gehören unabdingbar zusammen. Für dieses Ziel müssen die Curricula entsprechend angepasst werden.“ Schließlich mahnt der Trendmonitor zu Recht, den EU AI Act nicht in Über bürokratisierung münden zu lassen – eine Warnung, die der DPhV aus drücklich teilt. Pragmatische Rege lungen, die Schulen echte Gestal- tungsspielräume lassen und gleich zeitig datenschutzrechtliche und ethische Standards wahren, sind notwendig. Die Lücke zwischen dem rasant wachsenden technologischen Angebot und der tatsächlichen, pädagogisch re fl ektierten Nutzung im Unterricht schließt sich nicht durch weitere Verordnungen allein, sondern durch Vertrauen, Unter stützung und klare Orientierung für diejenigen, auf die es letztlich ankommt: die Lehrkräfte. „Der Trendmonitor bestätigt: Die Integration von KI in den Schulalltag steht und fällt mit den Lehrkräften. Sie brauchen keine weiteren Ab- sichtserklärungen, sondern ver- bindliche Unterstützung, ein ausrei chendes Angebot an und Zeit für fundierte Fortbildungen sowie einen sicheren rechtlichen Rahmen. Dann kann KI einen Beitrag zur Entlastung der Lehrkräfte leisten und Bildungs prozesse bereichern – ohne die Qualität fachlicher und pädagogi scher Arbeit zu opfern“, so Lin-Klit zing. 

PROFIL // DPhV-Standpunkte

In der Kategorie „Ausgezeichnete Lehrkräfte“ werden besonders engagierte und geschätzte Lehr kräfte gesucht, die sich für ein ver antwortungsvolles Miteinander in der Schule einsetzen. Für die Kate gorie „Unterricht innovativ“ des Wettbewerbs können Lehrkräfte aus dem Sekundarbereich deut scher Schulen (auch im Ausland) ihre zukunftsweisenden Unter richtsvorhaben einreichen. Die Kategorie „Vorbildliche Schullei tung“ bietet Kollegien aller Schularten die Möglichkeit, ihre engagierten Schulleitungen zu nominieren. Der Sonderpreis „Umwelt und Nachhaltigkeit“ des langjährigen Partners Cornelsen Verlag zeich net Unterrichtsprojekte, Lehrkräfte oder Schulleitungen aus, die sich besonders für Nachhaltigkeit und Klimaschutz in der Schule einset zen. Weitere Informationen unter www.lehrkraeftepreis.de/ der-wettbewerb/sonderpreis/ Vorschläge bzw. Bewerbungen können unter www.lehrkraefte preis.de bis zum 30. Juni 2026 eingereicht werden. Die Preisgelder sind zweckgebunden und sollen für Projekte im Unterricht verwendet werden, dazu gehört auch ein jähr liches Exzellenzcamp sowie ein Alumni-Netzwerk. Die Heraeus Bildungsstiftung und der Deutsche Philologenverband als Träger des Wettbewerbs wollen mit der Auszeichnung die Leistun gen von Lehrkräften und Schullei tungen würdigen und in den Fokus der ö ff entlichen Wahrnehmung rücken. Förderpartner sind der Cornelsen Verlag und die Schö p fl in Stiftung. Die Preisverleihung für die Wettbewerbsrunde 2026 fi n det am 30. November 2026 in Ber lin statt. 

Neue Runde des „Deutschen Lehrkräftepreises“ gestartet Die Bewerbungsphase für den „Deutschen Lehrkräf tepreis“ 2026 ist gestartet. Die Schirmherrschaft für diese Wettbewerbsrunde hat Karin Prien übernom men, Bundesministerin für Bildung, Familie, Senio ren, Frauen und Jugend.

Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing, Bundesvorsitzende des Deutschen Philo logenverbandes:

deutschen Auslandsschulen erst mals mit ihren Unterrichtskonzep ten und Lehr- und Lernvorhaben bewerben können. Alexandra Heraeus, Vorstandsvor sitzende der Heraeus Bildungsstif tung: „Grundschule ist mehr als der Anfang der Schulzeit – hier entsteht Vertrauen ins eigene Lernen. Mit der Kategorie ‚Starke Grundschule‘ wür digen wir Lehrkräfte, die Kinder ermutigen, ihre Stärken zu ent decken, sie zugewandt begleiten und ihnen Perspektiven für ihren weiteren Bildungsweg erö ff nen.“ In der Kategorie „Starke Grund schule“ werden Lehr- und Lernkon zepte ausgezeichnet, die die indivi- duellen Potenziale, Lebenswelten und Voraussetzungen der Schülerin nen und Schüler in den Fokus neh men. Gesucht werden Unterrichts- konzepte, die Basis-Kompetenzen wie Lesen, Schreiben, Sprache und Mathematik ebenso wie sozial-emo tionales Lernen stärken. Ziel ist es, Grundschullehrkräfte und ihre gute Lehr-/Lern-Praxis sichtbar zu machen – eine Praxis, die Kinder auf den weite ren Bildungsweg vorbereitet, Bildungs gerechtigkeit fördert und Teilhabe ermöglicht. Auch in dieser Kategorie werden drei Preise vergeben. Weitere Informationen unter www.lehrkraeftepreis.de/der wettbewerb/starke-grundschule

Pressemitteilung vom 17. März

8 PROFIL // 4/2026 Primarbereichs (Klassenstufe 1 – 4 bzw. 6 in Berlin/Brandenburg) und Der „Deutsche Lehrkräftepreis“ wird ab 2026 in vier Kategorien vergeben. Neu ist die Kategorie „Starke Grundschule“, in der sich Grund schullehrkräfte aus allgemeinbilden den deutschen Schulen des „Wir sind froh und dankbar, dass mit Karin Prien eine inhaltlich bestens ausgewiesene, erfahrene und erfolgreiche Bildungspolitikerin die Schirmherrschaft für den Deutschen Lehrkräftepreis 2026 übernimmt. Seit 2017 war sie Bildungsministerin des Landes Schleswig-Holstein, im Jahre 2022 Präsidentin der Kultus ministerkonferenz und seit 2025 Bundesbildungsministerin, die weg weisende Akzente für den umfas senden Bildungsweg von Kindern und Jugendlichen, beginnend bei der vorschulischen bis über die beru fl iche Bildung hinaus, setzt. Wir freuen uns sehr, dass sie mit dieser Schirmherrschaft ein bedeutsames Zeichen für die Wertschätzung der Lehrkräfte aller Schularten setzt!“ Die Wettbewerbskategorien

Foto: AdobeStock

PROFIL // DPhV-Standpunkte

Deutsches Schulbarometer belegt:

Jedes vierte Kind psychisch belastet

DPhV fordert flächendeckend psychologisch geschulte Fachkräfte und Schulsozialarbeit auch für Gymnasien

Die Ergebnisse der Schülerinnen- und Schülerbefragung des Deutschen Schul barometers der

kräften würdigen: Die von den Ler nenden wahrgenommene kon struktive Unterstützung durch ihre Lehrkräfte ist der mit Abstand stärkste positive Ein fl ussfaktor auf das schulische Wohlbe fi nden – er allein erklärt über 40 Prozent der messbaren Unterschiede. Je wert schätzender und unterstützender Lehrkräfte wahrgenommen wer den, desto besser geht es den jungen Menschen. „Feedback, individuelle Hilfestellungen, emotio nale Begleitung und die Scha ff ung eines positiven Klassenklimas sind Kernbestandteile professionellen Unterrichtens von gut aus- und fortgebildeten Lehrkräften“, so DPhV-Bundesvorsitzende Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing. Die Studie gibt ihr Recht: Guter Unterricht, der Lernleistungen fördert und das Wohlbe fi nden stärkt, beinhaltet kei nen Widerspruch, sondern beides gehört zusammen, bedarf aber aktuell und strukturell mehr Res sourcen. Solche strukturellen Baustellen zeigt das aktuelle Schulbarometer

9 PROFIL // 4/2026 Als erfreulich sieht der DPhV, dass Eltern von Kindern an Gymnasien  auf. Diese dürfen von der Politik nicht länger ignoriert werden. So o ff enbart sich eine erhebliche Ver sorgungslücke: Nur an etwa drei Viertel aller Schulen sind Angebote der Schulsozialarbeit und Schulpsy chologie vorhanden – der tatsäch liche Bedarf wird von Schulleitungen auf das Doppelte geschätzt. Der DPhV fordert daher fl ächendeckend psychologisch geschultes Fachper sonal an jeder Schule. Lin-Klitzing: „An jede Schule gehört ein Schulpsy chologe! Psychisch belastete Schüle rinnen und Schüler brauchen professionelle Unterstützung und Lehrkräfte brauchen verlässliche Partner aus der Schulsozialarbeit. Damit Lehrkräfte weiterhin quali tativ hochwertigen Unterricht geben können, fordern wir erneut eine Absenkung des Stundendeputats, insbesondere für ältere Kolleginnen und Kollegen, sowie ein sofortiges Ende der in immer mehr Ländern praktizierten Streichung von Alters ermäßigungen!“

Pressemitteilung vom 18. März

Robert Bosch Stif tung liefern einen

ernüchternden Befund: 25 Prozent der Kinder und Jugendlichen zeigen psychische Au ff älligkeiten – ein leichter, aber signi fi kanter Anstieg gegenüber dem Vorjahr (21 Prozent) und erstmaliger Anstieg seit der Pandemie. Dass diese Bilanz nicht isoliert steht, belegt ein Blick auf die Schulbarometer-Lehrkräfte-Befra gung des vergangenen Sommers: Fast ein Drittel der Lehrerinnen und Lehrer berichtete ebenso von regel mäßiger Erschöpfung – psychische Belastung betri ff t somit beide Seiten im Klassenzimmer und ist ein schwerwiegendes aktuelles Problem. Vor diesem Hintergrund liefert die Studie auch ausdrücklich ermuti gende Befunde, die den Kern gym nasialer Professionalität bestätigen und den täglichen Einsatz von Lehr

PROFIL // DPhV-Standpunkte

das schulische Klima besonders positiv bewerten: 64 Prozent bescheinigen der Schule ihres Kin des ein friedliches und freundliches Miteinander, 72 Prozent attestie ren, dass gegen physische und psy chische Gewalt aktiv vorgegangen wird – Spitzenwerte im Schulartver gleich. Zugleich zeigen die Daten aber ein strukturelles De fi zit bei der Klassenleitungsstunde: 40 Prozent der Gymnasiastinnen und Gymna siasten geben an, seltener als ein mal im Monat oder gar keine solche Stunde zu haben – der höchste Wert aller Schulformen. Es braucht daher selbstverständlich die struk turelle Verankerung von Klassenlei tungsstunden auch am Gymnasium als ein niedrigschwelliges, aber wirksames Instrument zur Stärkung des Klassenklimas, zur Früherken nung von Problemen und zur Ent lastung von Lehrkräften, die sonst

zu wenig institutionalisierte Gele genheiten bekommen, auf die Anliegen der Schülerinnen und Schüler in ihrer Klasse einzugehen. Darüber hinaus richtet die Bosch Studie ein deutliches Schlaglicht auf das Thema Partizipation. Schülerin nen und Schüler erleben ihre Mit bestimmungsmöglichkeiten als gering. Bemerkenswert ist dabei, dass die Studie einen klaren Zusam menhang zwischen Partizipation und schulischem Wohlbe fi nden sowie Lebensqualität belegt: Mehr Mitbestimmung korreliert signi fi kant mit besserem Be fi nden. „Wer Regeln für junge Menschen auf stellt, ohne sie zu hören, untergräbt genau das Vertrauen in Institutio nen, das demokratische Gesell schaften dringend brauchen. Partizipation ist kein pädagogischer Selbstzweck, sie ist der Anfang

eines Kreislaufs: Nur wer gehört wird, vertraut, und nur wer Ver trauen hat, nimmt konstruktiv teil und gestaltet mit.“ Abschließend appelliert die DPhV Bundesvorsitzende insbesondere an die Bildungspolitikerinnen und -poli tiker: „Wir können nicht Jahr für Jahr Studien nur zur Kenntnis nehmen, die belegen, dass unsere Kinder sich psychisch immer stärker belastet fühlen und dass Lehrkräfte allein gelassen werden – wer verantwor tungsbewusst Politik betreibt, muss damit aufhören, Schule als Repara turbetrieb für gesellschaftliche und politische De fi zite ohne ausrei chende menschliche und materielle Ressourcen zu behandeln, und end lich anfangen, sie als das auszustat ten und zu fi nanzieren, was sie ist: das Fundament unserer eigenen Zukunft.“ 

10 PROFIL // 4/2026

Foto: Koelnmesse / didacta

PROFIL // Rubrik

PROFIL // Titel

Schulen zwischen digitalen Herausforderungen und bewährtem Bildungsauftrag

Der Deutsche Philologenverband im Dialog auf der Didacta in Köln

Foto: Ho ff mann

Susanne Lin-Klitzing beim Panel der Initiative D21 e.V. mit Romance Bassingha, Lilli Berthold von der Bundesschülerkonferenz, mode riert von Timm Lutter von Cornelsen und der Initiative D21.

Foto: Steinacker

Silvie Kruse von Lehrer-Online und Georg Ho ff mann

von Walter Tetzlo ff D ie größte europäische Bil dungsmesse Didacta – sie ist ohne die Präsenz der Philolo gen nicht denkbar. Sie wird alljähr

lich ausgerichtet, und die Austra gungsorte unterliegen einem Zyklus: Stuttgart – Köln – Hannover. In die sem Jahr war die Metropole am Rhein an der Reihe. In dem nahezu

11 PROFIL // 4/2026 Philologenverband Nordrhein-West falen seinen gut besuchten Stand errichtet, und unterstützt wurden  unüberschaubar großen Messe gelände in Köln-Deutz hatte der

PROFIL // Titel

die NRW-Philologen durch die DPhV-Vorsitzende Prof. Dr. Susan- ne Lin-Klitzing, die in mehreren Talks und Podiumsdiskussionen gefragt war, so auch in der Ge sprächsrunde „Kollegien im Wandel stärken“, moderiert von Dr. Jan Martin Wiarda. Er begrüßte neben unserer Bundes vorsitzenden den Leiter des Städti schen Gymnasiums Thusneldastraße Köln, André Szymkowiak, den als DPhV-Kooperationspartner bekann ten Vertreter der Heraeus-Stiftung, Martin Fugmann, und den Lehrer der erwähnten Kölner Schule, Chris tian Stork. Es ging unter anderem um die Möglichkeiten und Grenzen der Tätigkeiten von Schulleiterinnen und Schulleitern. Wichtig, ja unbe dingt notwendig ist nach den Erfah rungen von André Szymkowiak, ein Digitalisierungsprozess an der Schule, bei dem das Kollegium nicht nur mitgenommen wird. Es müsse den Prozess im Einzelnen auch tra

Foto: Eduversum

Gabriela Kasigkeit zusammen mit Juli Reiher, BookTokerin und Merle Lotter von der Universität Köln im Gespräch mit Nele Kister von Eduversum.

gen. Dies gelinge nicht ohne o ff ene und kritische Kommunikation. Mar tin Fugmann betonte dabei das Spannungsfeld von Stabilität und notwendiger Transformation. Susanne Lin-Klitzing, die die Frage des Moderators bejahte, ob auch sie gern Schulleiterin wäre, betonte die sehr komplexe Aufgaben- und Verantwortungspalette moderner Schulleitungen und das hohe Arbeitsvolumen. Sie sprach sich klar für Fortbildungen aus, die die Schulleiterinnen und Schulleiter für die Veränderungsprozesse befähig ten, die ohne Zweifel auf sie zukä men oder in denen sie sich jetzt schon befänden. Eine deutliche Position nahm die Vorsitzende ein, als es um das Berufsbild und das Selbstverständnis deutscher Schul leiterinnen und -leiter ging. Sie dürf ten sich nicht allein als Manager verstehen, sondern müssten ihre eigenen pädagogischen Erfahrun gen auch zur Grundlage ihrer Lei tungstätigkeit machen. Das bedeutet ein klares Plädoyer für Schulleiter,

die zuvor als Lehrkräfte tätig waren.

Zu einer Begegnung des Vorstands des Deutschen Lehrerverbands, also der DPhV-Dachorganisation, mit dem Vorstand der Didacta kam es ebenfalls im Messegelände. Unter der Leitung des DL-Vorsitzen den Stephan Düll und organisiert von dessen Geschäftsführerin Anne Schirrmacher tagte der DL Vorstand und trat gleichzeitig in einen Dialog mit den Didacta-Ver antwortlichen Dr. Hans-Joachim Prinz und Stephan Scharnagl ein. „Mehr Zeit für das, was wirklich zählt“ – Mit diesem Slogan warb die Firma Seven Education im Rahmen einer Podiumsdiskussion für digita len Einsatz und KI in der Schule. Werbeträchtig ergänzte sie: „Mit unseren digitalen Lösungen laufen Sie dem Tag nicht mehr hinterher. Sie gestalten ihn.“ Unter der Mode ration von Anja Backhaus vom Westdeutschen Rundfunk hoben der Vertreter von Seven Education

Foto: Kasigkeit

Susanne Lin-Klitzing im Interview mit dem Deutschlandfunk

12 PROFIL // 4/2026

PROFIL // Titel

Schülerinnen und Schüler an anspruchsvolle Texte heranzufüh ren, nicht, ihnen Komplexität zu ersparen. „Wer nie gelernt hat, sich einen schwierigen Text zu erschlie ßen, wird auch im Studium, im Beruf und im ö ff entlichen Leben Schwierigkeiten haben, komplexen Sachverhalten zu folgen. Textver ständnis ist eine erlernbare Kom petenz, aber nur, wenn sie geübt wird.“ Susanne Lin-Klitzing kritisierte nachdrücklich, dass für das Zentral abitur in der gesamten Oberstufe nur noch zwei Ganzschriften gele sen werden müssten. Die daraus resultierende Niveausenkung sei aber nicht der Schülerschaft an- zulasten, sondern der Politik. Anspruchsvoller Lektüre müsse mehr Zeit im Unterricht eingeräumt werden. Gabriela Kasigkeit unterstützte als Deutschlehrerin ausdrücklich diese Position. Sie war es auch, die zu anderen Themen den kommunika tiven Austausch auf der Kölner Didacta suchte. So diskutierte sie etwa im Rahmen einer Ver anstaltung von Lehrer-online über die Rolle bestimmter Lite- ratur-Genres. Im Deutschunterricht gewinnt ein neues Genre an Bedeutung, das sich mit New Adult, Dark Romance und Book Tok zusammenfassen lässt. Gabriela Kasigkeit trat ent schieden dafür ein, diese literari schen Genres nicht zu ignorieren, sondern kritisch einzuordnen. Dies gelte vor allem in Bezug auf die dort vermittelten Geschlechterrollen und Beziehungsstrukturen. Der Austausch zu diesem Thema erfolgte mit Nele Kister (Moderato rin für Lehrer-online), der BookTo kerin Juli Reiher und Merle Lotter von der Universität Köln. 

und ein In fl uencer die entlastende Funktion von KI im schulischen All tag hervor. Zu deren Begeisterung setzte sich die DPhV-Vorsitzende Susanne Lin-Klitzing zwar nicht in einen direkten Gegensatz, dämpfte aber die Euphorie, indem sie dafür plädierte, die neuen Medien und Möglichkeiten klug zu nutzen und sich nicht abhängig von KI zu machen. Stattdessen hob sie die Bedeutung der Fachdidaktik hervor und propagierte als Zielvorstellung die „didaktisch mündige Lehrkraft“. Das erfordere auch eine di ff eren zierte, dem Alter der Schülerschaft angemessene Nutzung der KI. Sie sprach sich in diesem Zusammen hang für eine wertebasierte Ent scheidung für oder gegen den Einsatz aus. Wichtig sei auch, dass die Kom munen oder gegebenenfalls die Länder die Geräte und die Software fi nanzierten. Einig waren sich die Diskutanten, dass der KI-Einsatz die nicht-pädagogische Verwaltungs

tätigkeit der Lehrkräfte deutlich und in wünschenswertem Maße reduzieren möge. Die eingesparte Zeit könne und müsse dem Unter richt zugute kommen. Für den DPhV-Vorstand waren vor allem die Bundesvorsitzende und Gabriela Kasigkeit aktiv. Erstere gab für den Deutschlandfunk ein Inter view zu dem Thema „Faust nur in vereinfachter Sprache – bequemer Weg oder falsches Signal?“ Dabei äußerte Susanne Lin-Klitzing erheb liche Bedenken gegenüber der Ten denz der Schulbuchverlage, auf sinkende Lesekompetenz mit der Herausgabe von literarischen Klas sikern in vereinfachter Sprache zu reagieren. Wörtlich sagte die Vorsit zende: „Inhalt und Form gehören bei literarischen Klassikern untrenn- bar zusammen. Goethes Knittel verse oder Lessings Dialogstruktur sind keine austauschbaren Ver packungen. Wer die Form ver ändert, liest ein anderes Werk.“ Das Gymnasium habe die Aufgabe,

Foto: Schirrmacher

14 PROFIL // 4/2026 DL-Vorstand mit DIDACTA-Verantwortlichen

Foto: DLP Heraeus Bildungsstiftung

PROFIL // Aktuell

Kultusministerin Anna Stolz und Susanne Lin-Klitzing vergeben den 1. Preis an Heidi Rupieper und Jana Rottho ff für das Projekt „ Schillerwerk eSG – zusammen einzigartig “, Schillerschule Oberhausen

Den 3. Preis erhielt Holger Seefried für das Projekt „ Science Fair – Forschen für die Zukunft “ , Deutschhaus-Gymnasium Würzburg

Den 2. Preis erhielten Alexandra Baum und Philipp Rohleder für das Projekt „ Podcast im Deutschunterricht “ , Gerhart-Hauptmann-Schule Griesheim Foto: DLP Heraeus Bildungsstiftung

Foto: DLP Heraeus Bildungsstiftung

Verleihung des Deutschen Lehrkräftepreises in Berlin: Prämierung der Preisträger und Anerkennung für einen ganzen Berufsstand von Walter Tetzlo ff und Viktoria Hildebrand D iese Form der Anerkennung und Wertschätzung verdie nen Deutschlands Lehrkräfte eigentlich nicht nur an diesem einen Tag im Jahr. Aber hier in Berlin un weit vom Brandenburger Tor war er besonders augenfällig. Die Heraeus Bildungsstiftung und der Deutsche Philologenverband vergaben auch in diesem Jahr wieder den Deut schen Lehrkräftepreis „Unterricht innovativ“. 33 Juroren entschieden

15 PROFIL // 4/2026 

PROFIL // Aktuell

Vorbildliche Schulleitungen

16 PROFIL // 4/2026 „Lehrer sind keine Wissensautoma ten!“ Mit diesen Worten begann Ministerin Simone Oldenburg ihre einleitende Rede, mit der sie ein dif ferenziertes Berufsbild zeichnete. Lehrkräfte seien auch „Klempner der Gesellschaft“ und „Heldinnen und Helden des Alltags“. sich für achtzehn Preisträgerinnen und Preisträger, die im Rahmen ei ner großen Veranstaltung mit großer medialer Aufmerksamkeit geehrt und ausgezeichnet wurden. Moderiert wurde die Preisverlei hung von Christiane Hübscher, der ZDF-Moderatorin, und die Schirm herrschaft hatte in diesem Jahr Simone Oldenburg, die Bildungs ministerin von Mecklenburg-Vor pommern und bis vor wenigen Monaten turnusgemäß Präsidentin der Bildungsministerkonferenz der Länder. An exekutiver Prominenz fehlte es ohnehin nicht. Die Berliner Schulsenatorin Katharina Günther Wünsch war ebenso präsent wie Anna Stolz, die derzeitige BMK-Prä sidentin und bayerische Kultus ministerin, und Ste ff en Freiberg, ihr brandenburgischer Kollege. Als Gastgeberinnen traten wie in den Vorjahren Prof. Dr. Susanne Lin- Klitzing und Alexandra Hereaus in Erscheinung, die die Gäste begrüß ten und die Preisträgerinnen und Preisträger ehrten. Eine Big Band und zwei Poetry Slam mer sorgten für den unterhaltenden Rahmen. Für Vergnügen aber sorg ten auch schon zwei Kinderfotos aus den Grundschulzeiten der bei den Gastgeberinnen, die heitere Erinnerungen an diese Lebensphase preisgaben. Und es blieb noch Zeit für den Dank an Prof. Dr. David di Fuccia, der für den DPhV jahrelang als Juror tätig gewesen war und nun Platz für seinen Nachfolger Thomas Langer einräumte.

Die Preisträger:  Fatma Kan, Quinoa-Schule, Berlin  Simone Windhüs,

Für die Kategorie „Vorbildliche Schulleitungen“ gingen in diesem Jahr Hunderte Bewerbungen ein, so dass die Juroren schwere Ent scheidungen zu tre ff en hatten. Der 3. Preis ging an die Schulleiter Cars ten Arntz und Kathrin Wiechmann vom Erzbischö fl ichen Berufskolleg Köln, die ihrem Kollegium Verant wortung zutrauten und Freiräume zugestanden, was ihnen die Wert schätzung und die Nominierung einbrachte. Die Schulleiterin Ros- witha Malewski leitet die Grund schule Kuppelnau in Ravensburg. Sie erhielt den mit 1500 Euro ver bundenen zweiten Preis. „Meist helfen Humor und viel Gelassen heit“, so lautet ihr Rezept bei Kon fl ikten in ihrer Schule. Der erste Preis ging an das Schullleitungs team bestehend aus Jenny Krzya niak, Svetlana Thieme und Kati Klinzing. Sie leiten die Denis-Dide rot-Schule, eine Oberschule der Stadt Leipzig. Betont wurden hier die Verdienste des Leitungsteams um die Selbstverwirklichungsmög lichkeiten der Schülerinnen und Schüler. In dieser Kategorie werden Lehr kräfte von ihrer Schülerschaft nominiert. Die Preisverleihung erfolgte hier durch Anna Stolz, Bayerns Staatsministerin für Unterricht und Kultus, Katharina Günther-Wünsch, Berlins Senatorin für Bildung, Jugend und Familie und Martin Fugmann (Heraeus Stiftung) und Tim Göbel (Schöp fl in Stiftung). Ausgezeichnet wurden die fachliche und die soziale Kom petenz der nominierten Lehrerin nen und Lehrer. Ausgezeichnete Lehrkräfte

Landfermann-Gymnasium, Duisburg

 Ste ff en Haschler, Gymnasium Englisches Institut, Heidelberg  Julian Lee, Gymnasium Allermöhe, Hamburg  Serhat Gökce, Beru fl iche Schule 9, Nürnberg  Philipp Limmer, Zentralschule Adorf Vogtland  Dimitri Fromm, Janusz-Korczak-Gesamtschule, Gütersloh  Toni Fischer, Regionale Schule Fritz Reuter, Demmin  Roland Struwe, Eichendor ff schule, Kelkheim  Christin Altenkirch-Borchert, Voltaireschule, Potsdam Unterricht innovativ Staatsministerin Anna Stolz aus München und Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing (DPhV) übernahmen es, innovative, fächerübergreifende und nachhaltige Unterrichtsprojekte auszuzeichnen. „Diese zeigen ein drucksvoll“, so Susanne Lin-Klitzi neg, „wie innovativer Unterricht junge Menschen begeistert, fachli che Tiefe mit Kreativität verbindet und Schule als lebendigen Bildungs ort erfahrbar macht.“ Hier ging der 3. Preis an Holger Seefried und sein Team vom Deutschhaus-Gymna sium Würzburg. Ihr Projekt: Science Fair – Forschen für die Zukunft. Die guten Ideen, die diesem Projekt zugrunde liegen, fördern die Begeis terung für die MINT-Fächer. Ganz anders geartet war ein Projekt, das Alexandra Baum und Philipp Roh leder von der Gerhart-Hauptmann Schule Griesheim den 2. Preis ein- brachte: „Podcast im Deutschunter richt“ fördert einen neuen Umgang mit Literatur durch Gespräche. Die Schriftstellerin Jenny Erpenbeck 

PROFIL // Aktuell

18 PROFIL // 4/2026 verleihung einbezogen werden. Ohne Zweifel kommt erfolgreiche und nachhaltige Grundschulpäda gogik den Bildungsgängen der wei terführenden Schularten zugute.  stand im Mittelpunkt dieses kom munikativen Konzepts, das eine per sönliche Begegnung von Schülerinnen und Schülern mit Literatur ermög lichte. Der 1. Preis in dieser Kategorie ging in diesem Jahr an das Projekt „Schillerwerk eSG“ der Schillerschule Oberhausen und die Lehrerinnen Jana Rottho ff und Heidi Rupieper. Hier wurde eine Schüler fi rma ge gründet, und hier wurde lebensnahe gesellschaftliche Teilhabe erzeugt. Die Gewinne der Firma wurden unmittelbar reinvestiert. Insgesamt stellte dieses Projekt einen Beitrag zum praktikablen Übergang von der Schule ins Berufsleben sicher. Zwei Sonderpreise wurden außer dem vergeben: Der Cornelsen Verlag stiftete den Sonderpreis „Umwelt und Nachhaltigkeit“ und vergab ihn an Dr. Martina Kapitza vom Gymnasium Kronwerk in Rendsburg. Gemeinsam mit Jürgen Fischbach vom Naturpark Westen see in Schleswig-Holstein gründete deren Team einen Walderlebnis pfad. Der Sonderpreis „Kulturelle Bildung“ ging an das Team um Die ter Meucher und Marcus Pfab von der Dollinger-Realschule Biberach in Baden-Württemberg. Ihr Projekt „Für die Freiheit!“ erinnerte in Gestalt eines Jubiläumstheaters an die Bauernkriege vor 500 Jahren. Kunst und Kultur waren hier auf mehreren Zeitebenen erlebbar. Die Veranstalter des Deutschen Lehrkräftepreises freuen sich, die Bundesbildungsministerin Karin Prien als Schirmherrin für den nächsten DLP gewonnen zu haben. Als neue Kategorie wird dann die „Starke Grundschule“ in die Preis

Lehrkräfteausbildung mit Herz und Haltung:

Sächsische Philologen zeichnen Ausbilderinnen und Ausbilder aus

von Walter Tetzlo ff E infühlsam begann es. Der Robert Schumanns 4. Intermezzo. Das war die richtige Einstimmung für eine Veranstaltung, zu der man den Sächsischen Philologenverband und seine Vorstandsmitglieder Tho mas Langer und Jessica Kanitz nur beglückwünschen kann. Ihre Idee: Es müssen endlich einmal die Aus bilderinnen und Ausbilder in der Lehrerbildung angemessen gewür digt werden. Und genau dies geschah an diesem schönen Frühlingstag in Dresden. Nachdem Schulleiterin Nadine Hof mann ihre Schule, das Gymnasium Dresden-Klotzsche, vorgestellt und auf deren lange Tradition in der Schüler Moritz Polpitz setzte sich an den Flügel und spielte

Lehrerbildung hingewiesen hatte, ging es Jessica Kanitz um den Anlass für diese gut besuchte und hochkarätig besetzte Veranstaltung. In Ergänzung zur erfolgreichen und etablierten Vergabe des Deutschen Lehrkräftepreises sollten diejenigen prämiert und der Ö ff entlichkeit bekannt gemacht werden, die zu einem großen Teil für die Qualität des Unterrichts und die pädagogi sche Arbeit verantwortlich sind. Erfreulich sei, dass auch sächsische Unternehmen als Kooperations partner für die Preisverleihung mit ins Boot geholt werden konnten. Die Veranstalter durften sich über den Besuch und das Grußwort von Ministerpräsident Michael Kretsch mer freuen. Ihm war der Anlass

Foto: Scholz

PROFIL // Aktuell

Interview mit der Preisträgerin ab Seite 20). Für den erkrankten Kultusminister Clemens sprach anschließend des sen Staatssekretär Wilfried Kühner ein Grußwort, bevor die Mentorin nen und Mentoren an den Schulen geehrt wurden. In Abwesenheit erhielten die Kollegin Annett Lind ner von der Grundschule Rudolf Henig in Zwönitz und Maren Bartsch vom Robert-Schumann-Gymnasium die verdiente Anerkennung (3. Platz), gefolgt von Juliane Kunz, Mentorin an der Freien Evangelischen Schule Dresden (2. Platz). Der erste Preis in dieser Kategorie ging dann an den leider erkrankten Kollegen Dr. Tobias Kern von der Gastgeber schule, dem Gymnasium Dresden Klotzsche. Sie alle bewiesen durch ihre Arbeit als Mentorinnen und Mentoren, wie wichtig diese Tätig keit für die Ausbildungsqualität und die Motivation der jungen Lehr kräfte war und ist. Darauf hob auch die DPhV-Bun- desvorsitzende in ihrer Rede ab. Susanne Lin-Klitzing äußerte ihre Freude über die erstmalige Vergabe eines so wichtigen Preises im Frei staat Sachsen. Hier werde ein wich tiges Signal gesetzt. In der hier fokussierten Ausbildungsphase

gehe es um den Übergang zur re fl ektierten Praxis. Deshalb müsse man der zweiten Phase mehr Zeit zugestehen, damit die Komplexität der beru fl ichen Herausforderungen bewältigt werden könne. Die Ausbil derinnen und Ausbilder trügen schließlich „eine stille, aber gewal tige Verantwortung“. Den für die Fachausbildung zustän digen Ausbildungsleitern galten die nächsten Preise. Sie gingen an Birgit Habedank von der Grundschule LAS Dresden (4. Platz), Michael Rapp, Förderschule Chemnitz (3. Platz), Sylvie Gök von der Berufsbildenden Schule LAS Dresden (2. Platz) und schließlich an Stephanie Lehrer vom Gymnasium LAS Leipzig. Schließlich gingen der Dank und die Anerkennung für die Idee der Preis vergabe und die damit verbunde- ne Mühe an den PVS-Vorsitzenden Thomas Langer und die Organisato rin Jessica Kanitz, die am Ende der gelungenen Veranstaltung bessere Rahmenbedingungen für die Men toren- und Ausbildungsarbeit ein forderten. Bevor die Moderatorin Mandy Römer die Preisverleihung been dete, war noch einmal Moritz Polpitz zu hören: „We are the champions!“ Welch ein passender Abschluss! 

Der sächische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) mit allen Preisträgern.

wichtig genug, das seinem Sohn gegebene Versprechen zu brechen, dessen Schule nicht zu betreten. Dem Sohnemann war kürzlich das Mobiltelefon im Unterricht kon fi s ziert worden, aber über die Rück gabe wollte der Nachwuchs doch bitte nicht den Vater bemühen, nein, das könne er selbst regeln … Übernahme von Eigenverantwor tung nennt man das wohl. Jedenfalls hatte der Regierungschef mit die sem Einstieg die Lacher, aber auch die Aufmerksamkeit auf seiner Seite. Es verstand sich von selbst, dass der Ministerpräsident die Spitzenposi tion, die sein Land im Bildungsran king einnimmt, gebührend heraus- stellte. Dies und die Wertschätzung für den neuen Ausbilderpreis (ein „Supergedanke“) waren dem Chef der Staatsregierung wichtig, und sie taten den Anwesenden wohl. In der Kategorie „Hauptausbildungs leiter“ gab es vier Preise, die alle samt für die Vorbildwirkung der Geehrten vergeben wurden: Frau Antje Scheicher, die Herren Andreas Grajek und Brian Ziecke wurden geehrt, während der erste Preis an Nicole Mittendorf von der Beru fl i chen Schule LAS Dresden ging (siehe

Foto: Langer

v.l.n.r.: Susanne Lin-Klitzing, Jessica Kanitz und Gabriela Kasigkeit

19 PROFIL // 4/2026

Foto: Langer

PROFIL // Aktuell

„Ich emp fi nde große Dankbarkeit und Stolz“ Fragen an die 1. Preisträgerin der Preisverleihung „Lehrkräfte ausbildung mit Herz und Haltung“ in der Kategorie HAUPTAUSBILDUNGSLEITUNG,

Nicole Mittendorf (Berufsbil dende Schulen, LAS Dresden)

Nicole Mittendorf, 1. Preisträgerin, sächsischer Lehrkräfteausbildungspreis

Feedback und weiteren Hilfsange boten, damit diese Flamme nie ausgeht. Jede Lehrkraft hat unterschiedliche Stärken und erreicht ihr Ziel auf einem individuellen Weg. Deshalb braucht jede Lehrkraft auch indivi duelle Unterstützung, Beratung und Coaching. Alle Kolleginnen und Kol legen an der Lehrerausbildungs stätte Dresden arbeiten ressourcen- und bedarfsorientiert. Das heißt: Wir stellen uns auf jeden Referendar und jede Seminargruppe individuell ein. Der wichtigste Wachstumsbeschleu niger ist dabei eine Beziehung auf Augenhöhe sowie ein hohes Maß an Empathie und Wertschätzung. Gleichzeitig braucht es aber auch Klarheit und transparente Erwartun gen. Die Referendare werden vom

ersten Tag an behutsam, aber kon tinuierlich auf Prüfungen und die realen Anforderungen des Lehrerall tags vorbereitet und das stets unter Berücksichtigung der Lehrergesund heit und individueller Grenzen. Wir leben eine stärken- und wachs tumsorientierte Haltung vor, die sich dadurch ho ff entlich auch auf die Schülerinnen und Schüler in unse rem Land überträgt. Welche spezi fi schen, d. h. auf die Berufsausbildung der jungen Menschen ausgerichteten Ziele verfolgen Sie? Mein Herz und meine Haltung sind aus meiner Sicht entscheidende Faktoren, die Lehrkräften dabei hel fen, sich selbst in ihrer Lehrerrolle zu fi nden. Positive Erfahrungen in der eigenen Ausbildung tragen mei 2.

Welche Hauptziele und Schwerpunkte bestimmen

1.

20 PROFIL // 4/2026 wärmen können. Im besten Fall steht neben diesem Lagerfeuer noch ein Korb neuer Holzscheite gefüllt mit Lehrergesundheit, positi ven Erfahrungen, wertschätzendem Ihre Arbeit in der Hauptausbil dung der zukünftigen Lehrerin nen und Lehrer? Jeder Lehrkraft in Ausbildung, die den Vorbereitungsdienst beginnt, unterstelle ich eine Flamme, die für den Lehrerberuf brennt. Mein oberstes Ziel ist es, diese Flamme niemals ausgehen zu lassen. Im Gegenteil. Gemeinsam arbeiten wir so lange am individuellen Wachs tum, bis aus der kleinen Flamme ein möglichst stabiles Lagerfeuer geworden ist, an dem sich wiede rum die Schülerinnen und Schüler

PROFIL // Aktuell

ner Meinung nach dazu bei, später selbst angstfreie und wachstumsori entierte Lernräume für Schülerin nen und Schüler zu gestalten. Wenn Lehrende sich stets auch als Lernende begreifen und eine posi tive Fehlerkultur vorleben, prägt das unsere Schülerinnen und Schüler nachhaltig. Die Gesellschaft ver ändert sich rasend schnell und auch wir müssen lernen, uns schnel ler an Veränderungen anzupassen. Ob Schülerinnen und Schüler es wollen oder nicht: Sie werden durch ihre Lehrkräfte geprägt. Damit tra gen wir eine große Verantwortung für den Schutz unserer Demokratie und unseres Planeten, für die Ent wicklung unserer Gesellschaft, für die Stärke unserer Wirtschaft und für die Empathie in unserem Land. möglichkeiten zwischen der 1. Phase der Lehrkräfteausbil dung (wissenschaftliches Studi um) und dem Referendariat? Der Vernetzung zwischen den Pha sen der Lehrerausbildung messe ich eine sehr hohe Bedeutung bei. Lehr kräfte in Ausbildung berichten häu fi g, dass zwischen den Lehrinhalten 3. Wo sehen Sie die Verknüp fung bzw. Verknüpfungs-

des Studiums und den später zu vermittelnden Unterrichtsinhalten deutliche Unterschiede bestehen. Wenn ich aus den Erfahrungen der berufsbildenden Schule berichten darf: Wir haben gemeinsam mit Ver treterinnen und Vertretern der Uni versitäten einen Arbeitskreis gegründet, der sich vierteljährlich phasenübergreifend mit gemein samen Themen beschäftigt. Außer dem gibt es fachrichtungsbezogene Vernetzungstre ff en zwischen Uni versität und Ausbildungspraxis. Hier tauschen wir uns über aktuelle Entwicklungen aus, stellen uns gegenseitig unsere Konzepte vor und betreiben aktives Schnittstellen management. Dazu gehört auch die Etablierung unseres Schnupper tages, bei dem wir Studierenden einmal im Jahr die Möglichkeit geben, ihre zukünftigen Ausbilder kennenzulernen, an echten Semi naren teilzunehmen und Antworten auf alle Fragen rund um die „Black Box Referendariat“ zu bekommen. Ich emp fi nde es als unerlässlich, dass wir die Symbiose zwischen Wis senschaft auf der einen Seite und Bildungspraxis in der Schule auf der anderen Seite stärker in den Blick nehmen. Wenn wir Lehrkräfte in

Ausbildung diesen Spagat allein bewältigen lassen, entsteht eine unnötige Spannung, die der Lehrer gesundheit nicht zuträglich ist. Leider werden die Vernetzungsmög lichkeiten aktuell von limitierenden Faktoren bestimmt. Aktuelle struk turelle Rahmenbedingungen erschweren teilweise die Zusam menarbeit. Dies könnte aus meiner Sicht dazu führen, dass im Bereich der Lehrerausbildung Innovations kraft verloren geht. Lehrerbildner brauchen bessere Strukturen und ausreichende Ressourcen, um die Bildung im Land weiter voranzubrin gen. bezeichnete in ihrer Rede anläss lich der Preisverleihung in Dres den die zweite Phase (Referenda riat) als das „Herz der Ausbil dung“. Schließen Sie sich dieser Bewertung an? Das unterstreiche ich absolut. Erst wenn ich regelmäßig unterrichte, dabei angeleitet werde, Fehler machen darf und unterstützende Menschen an meiner Seite habe, kann ich wirklich in die Lehrer rolle hineinwachsen. 4. Die Vorsitzende des Deut schen Philologenverbands

21 PROFIL // 4/2026

PROFIL // Aktuell

22 PROFIL // 4/2026 strukturiert. Ich fragte mich, ob ich der Referendarin bildungswissen schaftlich überhaupt hilfreich zur Seite stehen konnte, da ich die Inhalte der Seminare nicht kannte. personal und den Mentorinnen und Mentoren an den Schulen sein? Sehen Sie hier Verbes serungsbedarf? Wenn ich an meine erste Mentoren schaft zurückdenke, erinnere ich mich an Vorfreude, aber auch an Unsicherheit. Mein eigenes Referen dariat war damals noch anders Sicherlich gibt es unter Studieren den auch Naturtalente, die bereits ab dem ersten Tag vor der Klasse überzeugen. Doch das System Schu le ist sehr komplex. Das zeigt sich besonders deutlich, wenn wir die Rückmeldungen sogenannter Sei teneinsteiger betrachten. Immer wieder wird uns gespiegelt, dass das Referendariat zwar in Pha sen mit Unterrichtsbesuchen und Prüfungen anstrengend ist. Am Ende starten jedoch viele mit deut lich mehr Handlungskompetenz und Handlungssicherheit in den Schul dienst. Das Referendariat besteht nicht nur aus Hospitationen bei Mentorinnen und Mentoren oder Lehrproben durch die Ausbilder. Vielmehr haben junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Zeit, sich inten siv mit ihren Überzeugungen, Haltungen und ihrer neuen Rolle auseinanderzusetzen. Im besten Fall werden sie dabei angenommen, angeleitet und auf Augenhöhe unterstützt – von ihren Mentorinnen und Mentoren, Haupt- und Fachausbildungsleitern sowie den Schulleitungen. Wie intensiv muss die Koope ration zwischen Ausbildungs- 5.

Doch diese Sorge legte sich schnell. Schon bald wurde ich zu einer Men torendienstberatung eingeladen, und mein Schulleiter ermöglichte mir eine umfassende Fortbildung in Form einer Mentorenquali fi zierung. Diese beiden Bausteine empfand ich als äußerst hilfreich. Bis heute fällt jedoch immer wieder auf, dass die Qualität des Mento rings an Schulen sehr unterschied lich ausfällt. Oft wird die Beziehung zwischen Referendar und Mentor als entscheidender Faktor für das Wohlbe fi nden im Referendariat beschrieben. Mentorinnen und Mentoren sollten diese Aufgabe gern übernehmen, sich dafür fortbil den können und schulorganisato risch möglichst viel Kontaktzeit mit dem Referendar haben. Gleichzeitig sollte es Referendarinnen und Refe rendaren auch möglich sein, unkom pliziert den Mentor zu wechseln – schließlich arbeitet man sehr eng zusammen. Die Mentorendienstberatung p fl e gen wir bis heute an der Lehreraus bildungsstätte. Wir halten uns gegenseitig auf dem Laufenden, vernetzen uns und bilden Mentoren in Bereichen fort, die ihnen in ihrer Rolle helfen. Sowohl Ausbilder als auch Mentoren wünschen sich hier jedoch mehr Zeit für den Austausch. Die hohe Arbeitsbelastung auf beiden Seiten, gescha ff en durch aktuelle struktu relle Rahmenbedingungen, steht diesem Wunsch jedoch häu fi g im Weg. Was bedeutet der in Dresden in Anwesenheit des Minister- präsidenten überreichte Preis für Sie persönlich? Ich emp fi nde vor allem große Dank barkeit und Stolz. Ich selbst hatte 6.

ein wunderbares Referendariat mit Ausbildern, die mich gesehen, geför dert und gecoacht haben. Schnell entstand bei mir der Wunsch, selbst Mentorin zu werden und etwas zurückzugeben. Nach zwei Mentorenschaften mit großartigen Kolleginnen durfte ich schließlich Fach- und Hauptausbil dungsleiterin werden. Heute pro fi tiere ich von den Erfahrungen eines eingespielten Teams an Hauptaus bildungsleitern, kann mich einbrin gen und darf so sein, wie ich bin. Ich darf mich weiterentwickeln und habe meine Rolle gefunden. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich von meinen Referendarinnen und Referendaren gesehen und wert geschätzt werde. Ich arbeite gern, und meine Arbeit ist mir wichtig. Ich bin mir meiner Verantwortung bewusst und freue mich sehr darü ber, dass viele Referendare mit mei ner Arbeit zufrieden sind. Dieses Feedback gibt mir enorme Kraft und zeigt mir zugleich, dass ich auf einem guten Weg bin. Ohne mein Team aus Haupt- und Fachausbil dungsleitern wäre das jedoch nicht möglich, denn Lehrerbildung ist immer Teamarbeit. Das scha ff t niemand allein. Dankbar bin ich auch Jessica Kanitz, der Initiatorin dieses Preises, die meine Vision teilt, dass das Referen dariat keine belastende Zeit sein muss. Dieser Preis richtet das Licht auf all jene Menschen, die die Bil dung in unserem Land mit großem Engagement voranbringen: Mento rinnen und Mentoren, Fachausbil dungsleiter und Hauptausbildungs- leiter. Gemeinsam gehen wir mit Herz und Haltung weiter unseren Weg und helfen Lehrkräften beim Wachsen. 

Die Fragen stellte Walter Tetzl off

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