Profil 4/2026

PROFIL // Titel

Schülerinnen und Schüler an anspruchsvolle Texte heranzufüh ren, nicht, ihnen Komplexität zu ersparen. „Wer nie gelernt hat, sich einen schwierigen Text zu erschlie ßen, wird auch im Studium, im Beruf und im ö ff entlichen Leben Schwierigkeiten haben, komplexen Sachverhalten zu folgen. Textver ständnis ist eine erlernbare Kom petenz, aber nur, wenn sie geübt wird.“ Susanne Lin-Klitzing kritisierte nachdrücklich, dass für das Zentral abitur in der gesamten Oberstufe nur noch zwei Ganzschriften gele sen werden müssten. Die daraus resultierende Niveausenkung sei aber nicht der Schülerschaft an- zulasten, sondern der Politik. Anspruchsvoller Lektüre müsse mehr Zeit im Unterricht eingeräumt werden. Gabriela Kasigkeit unterstützte als Deutschlehrerin ausdrücklich diese Position. Sie war es auch, die zu anderen Themen den kommunika tiven Austausch auf der Kölner Didacta suchte. So diskutierte sie etwa im Rahmen einer Ver anstaltung von Lehrer-online über die Rolle bestimmter Lite- ratur-Genres. Im Deutschunterricht gewinnt ein neues Genre an Bedeutung, das sich mit New Adult, Dark Romance und Book Tok zusammenfassen lässt. Gabriela Kasigkeit trat ent schieden dafür ein, diese literari schen Genres nicht zu ignorieren, sondern kritisch einzuordnen. Dies gelte vor allem in Bezug auf die dort vermittelten Geschlechterrollen und Beziehungsstrukturen. Der Austausch zu diesem Thema erfolgte mit Nele Kister (Moderato rin für Lehrer-online), der BookTo kerin Juli Reiher und Merle Lotter von der Universität Köln. 

und ein In fl uencer die entlastende Funktion von KI im schulischen All tag hervor. Zu deren Begeisterung setzte sich die DPhV-Vorsitzende Susanne Lin-Klitzing zwar nicht in einen direkten Gegensatz, dämpfte aber die Euphorie, indem sie dafür plädierte, die neuen Medien und Möglichkeiten klug zu nutzen und sich nicht abhängig von KI zu machen. Stattdessen hob sie die Bedeutung der Fachdidaktik hervor und propagierte als Zielvorstellung die „didaktisch mündige Lehrkraft“. Das erfordere auch eine di ff eren zierte, dem Alter der Schülerschaft angemessene Nutzung der KI. Sie sprach sich in diesem Zusammen hang für eine wertebasierte Ent scheidung für oder gegen den Einsatz aus. Wichtig sei auch, dass die Kom munen oder gegebenenfalls die Länder die Geräte und die Software fi nanzierten. Einig waren sich die Diskutanten, dass der KI-Einsatz die nicht-pädagogische Verwaltungs

tätigkeit der Lehrkräfte deutlich und in wünschenswertem Maße reduzieren möge. Die eingesparte Zeit könne und müsse dem Unter richt zugute kommen. Für den DPhV-Vorstand waren vor allem die Bundesvorsitzende und Gabriela Kasigkeit aktiv. Erstere gab für den Deutschlandfunk ein Inter view zu dem Thema „Faust nur in vereinfachter Sprache – bequemer Weg oder falsches Signal?“ Dabei äußerte Susanne Lin-Klitzing erheb liche Bedenken gegenüber der Ten denz der Schulbuchverlage, auf sinkende Lesekompetenz mit der Herausgabe von literarischen Klas sikern in vereinfachter Sprache zu reagieren. Wörtlich sagte die Vorsit zende: „Inhalt und Form gehören bei literarischen Klassikern untrenn- bar zusammen. Goethes Knittel verse oder Lessings Dialogstruktur sind keine austauschbaren Ver packungen. Wer die Form ver ändert, liest ein anderes Werk.“ Das Gymnasium habe die Aufgabe,

Foto: Schirrmacher

14 PROFIL // 4/2026 DL-Vorstand mit DIDACTA-Verantwortlichen

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