Profil 4/2026

PROFIL // Aktuell

22 PROFIL // 4/2026 strukturiert. Ich fragte mich, ob ich der Referendarin bildungswissen schaftlich überhaupt hilfreich zur Seite stehen konnte, da ich die Inhalte der Seminare nicht kannte. personal und den Mentorinnen und Mentoren an den Schulen sein? Sehen Sie hier Verbes serungsbedarf? Wenn ich an meine erste Mentoren schaft zurückdenke, erinnere ich mich an Vorfreude, aber auch an Unsicherheit. Mein eigenes Referen dariat war damals noch anders Sicherlich gibt es unter Studieren den auch Naturtalente, die bereits ab dem ersten Tag vor der Klasse überzeugen. Doch das System Schu le ist sehr komplex. Das zeigt sich besonders deutlich, wenn wir die Rückmeldungen sogenannter Sei teneinsteiger betrachten. Immer wieder wird uns gespiegelt, dass das Referendariat zwar in Pha sen mit Unterrichtsbesuchen und Prüfungen anstrengend ist. Am Ende starten jedoch viele mit deut lich mehr Handlungskompetenz und Handlungssicherheit in den Schul dienst. Das Referendariat besteht nicht nur aus Hospitationen bei Mentorinnen und Mentoren oder Lehrproben durch die Ausbilder. Vielmehr haben junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Zeit, sich inten siv mit ihren Überzeugungen, Haltungen und ihrer neuen Rolle auseinanderzusetzen. Im besten Fall werden sie dabei angenommen, angeleitet und auf Augenhöhe unterstützt – von ihren Mentorinnen und Mentoren, Haupt- und Fachausbildungsleitern sowie den Schulleitungen. Wie intensiv muss die Koope ration zwischen Ausbildungs- 5.

Doch diese Sorge legte sich schnell. Schon bald wurde ich zu einer Men torendienstberatung eingeladen, und mein Schulleiter ermöglichte mir eine umfassende Fortbildung in Form einer Mentorenquali fi zierung. Diese beiden Bausteine empfand ich als äußerst hilfreich. Bis heute fällt jedoch immer wieder auf, dass die Qualität des Mento rings an Schulen sehr unterschied lich ausfällt. Oft wird die Beziehung zwischen Referendar und Mentor als entscheidender Faktor für das Wohlbe fi nden im Referendariat beschrieben. Mentorinnen und Mentoren sollten diese Aufgabe gern übernehmen, sich dafür fortbil den können und schulorganisato risch möglichst viel Kontaktzeit mit dem Referendar haben. Gleichzeitig sollte es Referendarinnen und Refe rendaren auch möglich sein, unkom pliziert den Mentor zu wechseln – schließlich arbeitet man sehr eng zusammen. Die Mentorendienstberatung p fl e gen wir bis heute an der Lehreraus bildungsstätte. Wir halten uns gegenseitig auf dem Laufenden, vernetzen uns und bilden Mentoren in Bereichen fort, die ihnen in ihrer Rolle helfen. Sowohl Ausbilder als auch Mentoren wünschen sich hier jedoch mehr Zeit für den Austausch. Die hohe Arbeitsbelastung auf beiden Seiten, gescha ff en durch aktuelle struktu relle Rahmenbedingungen, steht diesem Wunsch jedoch häu fi g im Weg. Was bedeutet der in Dresden in Anwesenheit des Minister- präsidenten überreichte Preis für Sie persönlich? Ich emp fi nde vor allem große Dank barkeit und Stolz. Ich selbst hatte 6.

ein wunderbares Referendariat mit Ausbildern, die mich gesehen, geför dert und gecoacht haben. Schnell entstand bei mir der Wunsch, selbst Mentorin zu werden und etwas zurückzugeben. Nach zwei Mentorenschaften mit großartigen Kolleginnen durfte ich schließlich Fach- und Hauptausbil dungsleiterin werden. Heute pro fi tiere ich von den Erfahrungen eines eingespielten Teams an Hauptaus bildungsleitern, kann mich einbrin gen und darf so sein, wie ich bin. Ich darf mich weiterentwickeln und habe meine Rolle gefunden. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich von meinen Referendarinnen und Referendaren gesehen und wert geschätzt werde. Ich arbeite gern, und meine Arbeit ist mir wichtig. Ich bin mir meiner Verantwortung bewusst und freue mich sehr darü ber, dass viele Referendare mit mei ner Arbeit zufrieden sind. Dieses Feedback gibt mir enorme Kraft und zeigt mir zugleich, dass ich auf einem guten Weg bin. Ohne mein Team aus Haupt- und Fachausbil dungsleitern wäre das jedoch nicht möglich, denn Lehrerbildung ist immer Teamarbeit. Das scha ff t niemand allein. Dankbar bin ich auch Jessica Kanitz, der Initiatorin dieses Preises, die meine Vision teilt, dass das Referen dariat keine belastende Zeit sein muss. Dieser Preis richtet das Licht auf all jene Menschen, die die Bil dung in unserem Land mit großem Engagement voranbringen: Mento rinnen und Mentoren, Fachausbil dungsleiter und Hauptausbildungs- leiter. Gemeinsam gehen wir mit Herz und Haltung weiter unseren Weg und helfen Lehrkräften beim Wachsen. 

Die Fragen stellte Walter Tetzl off

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