Profil 4/2026

PROFIL // DPhV-Standpunkte

das schulische Klima besonders positiv bewerten: 64 Prozent bescheinigen der Schule ihres Kin des ein friedliches und freundliches Miteinander, 72 Prozent attestie ren, dass gegen physische und psy chische Gewalt aktiv vorgegangen wird – Spitzenwerte im Schulartver gleich. Zugleich zeigen die Daten aber ein strukturelles De fi zit bei der Klassenleitungsstunde: 40 Prozent der Gymnasiastinnen und Gymna siasten geben an, seltener als ein mal im Monat oder gar keine solche Stunde zu haben – der höchste Wert aller Schulformen. Es braucht daher selbstverständlich die struk turelle Verankerung von Klassenlei tungsstunden auch am Gymnasium als ein niedrigschwelliges, aber wirksames Instrument zur Stärkung des Klassenklimas, zur Früherken nung von Problemen und zur Ent lastung von Lehrkräften, die sonst

zu wenig institutionalisierte Gele genheiten bekommen, auf die Anliegen der Schülerinnen und Schüler in ihrer Klasse einzugehen. Darüber hinaus richtet die Bosch Studie ein deutliches Schlaglicht auf das Thema Partizipation. Schülerin nen und Schüler erleben ihre Mit bestimmungsmöglichkeiten als gering. Bemerkenswert ist dabei, dass die Studie einen klaren Zusam menhang zwischen Partizipation und schulischem Wohlbe fi nden sowie Lebensqualität belegt: Mehr Mitbestimmung korreliert signi fi kant mit besserem Be fi nden. „Wer Regeln für junge Menschen auf stellt, ohne sie zu hören, untergräbt genau das Vertrauen in Institutio nen, das demokratische Gesell schaften dringend brauchen. Partizipation ist kein pädagogischer Selbstzweck, sie ist der Anfang

eines Kreislaufs: Nur wer gehört wird, vertraut, und nur wer Ver trauen hat, nimmt konstruktiv teil und gestaltet mit.“ Abschließend appelliert die DPhV Bundesvorsitzende insbesondere an die Bildungspolitikerinnen und -poli tiker: „Wir können nicht Jahr für Jahr Studien nur zur Kenntnis nehmen, die belegen, dass unsere Kinder sich psychisch immer stärker belastet fühlen und dass Lehrkräfte allein gelassen werden – wer verantwor tungsbewusst Politik betreibt, muss damit aufhören, Schule als Repara turbetrieb für gesellschaftliche und politische De fi zite ohne ausrei chende menschliche und materielle Ressourcen zu behandeln, und end lich anfangen, sie als das auszustat ten und zu fi nanzieren, was sie ist: das Fundament unserer eigenen Zukunft.“ 

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