Profil 4/2026
PROFIL // Termine
Foto: Akhtar
Pädagogische Freiheit – die unverzichtbare Grundlage für
schulische Bildung Bericht von der Frühjahrstagung des Bildungspolitischen Ausschusses des DPhV
Dr. Marcus Hahn, Vorsitzender des BPA
34 PROFIL // 4/2026 lischer Bildung an, die allerdings aktuell von verschiedenen Seiten immer häu fi ger unter Druck gerät. Diese Entwicklung fand in den Dis kussionen der Vertreterinnen und Vertreter der Philologenverbände scharfe Kritik. Ganz besonders die Nebenwirkungen der Digitalisierung in diesem Bereich wurden deutlich: von Dr. Marcus Hahn D er Bildungspolitische Aus schuss des DPhV kam am 27./28. Februar zu seiner ers ten Tagung nach der Vertreterver sammlung in Fulda zusammen. Ein großes Thema war die Entwicklung der Oberstufen und des Abiturs in den Ländern. Der Austausch darü ber zeigte, dass die Positionierung des DPhV in zentralen Fragen die jeweilige Entwicklung auch in den Ländern in eine gute Richtung be wegt hat. Auch die Philologenver bände in den Ländern konnten im Zuge der laufenden Reformvor haben eine Reihe von guten Ent scheidungen bewirken. Im Zentrum der Beratungen stand aber die Pädagogische Freiheit. Der BPA sieht die Pädagogische Freiheit als unverzichtbare Grundlage schu
Schon bei der Auswahl von Medien ist die hohe Verantwortung, die den Lehrkräften für den Bildungserfolg ihrer Schülerinnen und Schüler zukommt, in vielen Fällen nicht mehr sachgerecht ausübbar. Zu oft dominieren die – nicht selten von Interessen Dritter gesteuerten – Vorgaben für die Auswahl und Bereitstellung von Medien schon jetzt den Alltag. Auch die Übergri ffi gkeit Dritter gegenüber dem besonders schüt zenswerten Freiraum, den der Unterricht darstellen soll, wurde klar angesprochen: Durch die ver schiedensten Einfallstore sitzen „unsichtbare Dritte“ in den Klassen räumen: Sei es durch die Protokol lierung von Lernaktivitäten durch Medienanbieter, durch die Kon trolle durch schuleigene EDV oder auch schlichtweg durch die omni präsenten „sozialen“ Medien. Auf diese Weise wird Unterricht zuneh mend gläsern und ist dadurch sachfremder Ein fl ussnahme aus gesetzt. Das erscheint dem BPA gerade heute als besonderes Problem,
weil der Unterricht in der Lebens welt vieler Schülerinnen und Schü ler der letzte Rückzugsraum ist, in dem sie sich selbst in ihrem Lernen und in ihren sozialen Beziehungen unbeobachtet und frei fühlen kön nen. Diese Anfechtungen der Pädagogi schen Freiheit wirken sich auch schleichend auf den Bildungsbegri ff aus. Unterricht muss ein Freiraum sein, in dem sich Schülerinnen und Schüler unbesorgt Fehler leisten können, in dem sie ihre Stärken erkunden und ihre Interessen ent wickeln können. Unterricht dage gen, der zunehmend auf das Funktionieren im Sinne von korrek ter Anwendung vorgegebener tech nischer Systeme hinausläuft, und der allgegenwärtig (womöglich sogar automatisiert) „Rückmeldun gen“ über Schüleraktivitäten ver ankert – ist kein Unterricht. Insofern ist unserer Vorsitzenden, Susanne Lin-Klitzing nur zuzustim men: Die Frage nach der Zukunft der Pädagogischen Freiheit ist nicht weniger als eine Grundsatzfrage der Zukunft schulischer Bildung.
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