Profil 4/2026
Fotos: © Marco Urban (6)
PROFIL // Tagung
Milanie Kreutz
dbb-Bundesfrauenkongress 2026
Jetzt oder nie: Frauen. Macht. Demokratie.
Mit rund 500 000 weiblichen Mitgliedern ist die dbb bundesfrauenvertretung die größte Interessenvertretung weiblicher Beschäftigter im öffentlichen Dienst. Alle fünf Jahre tritt der dbb-Bundesfrauenkongress als höchstes Gremium der dbb bundesfrauenvertretung zusammen, um die Grundsätze für die frauenpolitische Arbeit im dbb beamtenbund und tarifunion festzulegen. Am 20. und 21. März 2026 ging der 13. dbb-Bundesfrauenkongress unter dem Motto „Jetzt oder nie: Frauen. Macht. Demokratie.“ im Estrel Convention
Center Berlin über die Bühne. Z um Auftakt des Kongresses stellten Bundesjustizministerin Dr. Stefanie Hubig und dbb frauen-Che fi n Mila nie Kreutz die Lage der Gleichstellung in Deutschland vor und machten klar, was sich ändern muss: „Gerade in schwieri gen Zeiten und andauernden Krisen braucht es die Perspektiven von Frauen mehr denn je. Mehr politische Teilhabe von Frauen ist notwendig. Die tatsäch liche Gleichberechtigung von Frauen und Männern ist nach wie vor Verfassungs auftrag“, betonte Milanie Kreutz, Vorsit zende der dbb bundesfrauenvertretung und dbb-Vize. Weltweit geraten Frauen rechte unter Druck. Extremistische und autokratische Kräfte versuchen, Fort schritte in der Gleichstellung zurück zudrehen, und instrumentalisieren Krisen für ihre Zwecke. „Gleichberechti gung ist kein Bremsklotz, sondern ein Schlüssel zur Bewältigung von Krisen. Wer Gleichstellung infrage stellt oder vernachlässigt, verschärft bestehende Ungleichheiten und schwächt die Demo kratie. Deshalb müssen wir jetzt ent schlossen dafür sorgen, dass Frauen auf allen Ebenen mitentscheiden und ihre Interessen wirksam vertreten können.“ Dr. Stefanie Hubig, Bundesministe- rin für Justiz und Verbraucherschutz, machte auf der Veranstaltung deutlich: „Mehr Frauen in die Parlamente – das stärkt die Legitimation unserer Demo kratie und verbessert die Qualität politi
justizministerin sicherte zu, bestehende Gesetzeslücken schließen und Frauen im digitalen Raum besser schützen zu wollen. „Wir be fi nden uns auf der Zielgeraden.“
Stefanie Hubig
Aushöhlung der Grundrechte verhindern
scher Entscheidungen. Erst durch die Repräsentanz von Frauen in den Par lamenten kamen und kommen auch viele Themen, die sie betre ff en, auf die politische Agenda – von Mutterschutz über bezahlte Sorgearbeit bis hin zu Gewalt gegen Frauen.“ Es sei von großer Bedeutung, die Situation mit einem Pari tätsgesetz zu verbessern, so die SPD Politikerin. Denn: „Frauen leisten mehr Care-Arbeit, da bleibt weniger Zeit für Termine und Sitzungen, die einen Ein fl uss auf die Karriere haben“ – oft spiel ten auch parteiinterne Strukturen und Nominierungspraktiken eine Rolle dabei, dass Frauen ausgebremst werden. „Mir sind Fälle bekannt, in denen Parteien Frauen nur in Wahlkreisen mit geringen Erfolgschancen aufgestellt haben.“ Gewalt im digitalen Raum – das ist ein Thema, von dem besonders Frauen betro ff en sind. Angefangen bei Anfein dungen über Identitätsdiebstähle bis hin zu Deepfakes. Oft sei die digitale Gewalt so massiv, dass sich Betro ff ene, die im ö ff entlichen Raum auftreten, aus der Ö ff entlichkeit zurückziehen. Die Bundes
dbb-Chef Volker Geyer betonte in seinem Grußwort: „Wer an der Gleichstellung von Frauen und Männern sägt, schadet der Demokratie. Jetzt geht es darum, gemein sam Ungleichheiten zu bekämpfen.“ Die Gleichstellung von Frauen und Män nern sei kein Nebenthema, sondern Kernbestandteil der freiheitlich-demokra tischen Grundordnung. „Wo Frauenrechte geschwächt werden, wird am Fundament der Demokratie gerüttelt.“ Zurzeit würden Frauenrechte wieder o ff en angegri ff en und als verhandelbar dargestellt. „Dahin ter steckt ein rückwärtsgewandtes Rollen bild, das mit einer modernen, o ff enen Gesellschaft nichts zu tun hat. Gerade die Ewiggestrigen vom rechten Rand ver suchen, Gleichstellung als ideologisches Projekt abzutun“, erklärte Geyer. „Diese reaktionären Vorstellungen sind mit unserem Grundgesetz und mit der höchstrichterlichen Rechtsprechung der vergangenen Jahrzehnte nicht vereinbar. Wir werden uns mit allem, was wir haben, gegen eine Aushöhlung unserer Grund rechte zur Wehr setzen.“ Faire Karriere chancen, echte Vereinbarkeit von
44 PROFIL / DBB-Seiten // 4/2026
Made with FlippingBook Ebook Creator