Profil 4/2026
PROFIL // Begegnungen
In diesem Zusammenhang: Wie stehen Sie zu der Absicht mehre rer nördlicher Bundesländer, die Stundenzahl im Einführungsjahr der Oberstufe zu kürzen? Der Deutsche Philologenverband sieht in derartigen Maßnahmen einen Widerspruch zur allseits mit Recht eingeforderten Stär kung des Demokratiebewusst seins an unseren Schulen. STOLZ: Junge Menschen wollen sich messen. Sie wollen besser werden. Sie wollen spüren, was in ihnen steckt. Unsere Aufgabe ist es, sie dabei zu fördern und auch zu fordern. Deswegen braucht gute Bildung eine positive Leis tungskultur. Leistung darf niemals als etwas Bedrohliches empfunden werden – Leistung heißt: Ich strenge mich an und ich merke, ich kann etwas. Leis tung ist damit Freude am eigenen Können. Oder anders gesagt: Wer erlebt, dass Anstrengung sich lohnt, gewinnt Selbstvertrauen und Moti vation. Getreu dem Motto: Ich mache dir die Aufgabe nicht leich ter – aber ich mache dich stärker. Gerade das Gymnasium spielt dabei eine zentrale Rolle. Es steht für vertiefte Allgemeinbildung, wissenschaftspropädeutisches Arbeiten und eine anspruchsvolle Vorbereitung auf Studium und Beruf. Wer das Leistungsniveau stärken will, darf dabei die Bildungszeit nicht verkürzen. Wirklich gute Bil dungsqualität entsteht durch klare Anforderungen, gute Lehrkräfte und eben auch genügend Zeit für vertieftes Lernen. ‚Challenge Up‘ – das heißt: Wir packen Herausforderungen kraft voll an. Unser Ziel muss sein, junge Menschen leistungsbereit zu
28 PROFIL // 4/2026 auszubauen – bei Infrastruktur, Wartung, Support und digitalen Bildungsangeboten. besser eine Verstetigung des Digitalpakts? STOLZ: Verantwortungsvolle digi tale Bildung ist keine einmalige Sache, sondern eine Daueraufgabe. Die Verstetigung des DigitalPakts bietet eine große Chance, die bis her erreichten Fortschritte weiter zweck. Sie soll Unterricht besser machen, Lehrkräfte unterstützen und Schülerinnen und Schülern neue Lernmöglichkeiten erö ff nen. Aber eines ist für mich ganz klar: Technik ersetzt keine Pädagogik. Sie ist ein Werkzeug – nicht der Maßstab. Gute Bildung verbindet immer Kopf, Herz und Körper – von ver- antwortungsvoller digitaler Bildung bis zu Sport und Bewegung. Genau darum geht es mir bei meinem Motto ‚Challenge up – Herzschlag und Hightech‘. Hightech bedeutet, dass wir unsere Schulen technisch auf die Höhe der Zeit bringen. Herz schlag steht für das, was Schule im Kern ausmacht: Beziehung, pädago gische Verantwortung und Persön lichkeitsbildung. Der DigitalPakt 2.0 knüpft damit an die bisherigen Investitionen von Bund und Länder an und sorgt dafür, dass die digitale Infrastruktur an unseren Schulen nicht nur auf gebaut, sondern verlässlich betrie ben wird. Digitale Medien und Künst- liche Intelligenz können Unterricht bereichern, individuelles Lernen unterstützen und Lehrkräfte ent- lasten. Entscheidend bleibt aber immer der pädagogische Kompass: Nicht alles, was technisch möglich ist, ist auch pädagogisch sinnvoll. Welche Chancen sehen Sie für eine Verlängerung oder 2.
Gleichzeitig sage ich o ff en: Das Bun desvolumen liegt unter dem Niveau des ersten DigitalPakts. Die Länder hätten sich hier mehr gewünscht. Umso wichtiger ist es, dass die Mit tel zielgerichtet eingesetzt werden und im Schulalltag tatsächlich Wir kung entfalten. Verlässliche und planbare Rahmenbedingungen sind dabei entscheidend, damit die digi tale Weiterentwicklung unserer Schulen dauerhaft gesichert ist. In Bayern gehen wir hier einen klaren Weg: Mit dem Vier-Säulen Zuschuss zur schulischen IT-Infra struktur unterstützen wir die Schulaufwandsträger dauerhaft – zusätzlich zu den Bundesmitteln mit erheblichen Landesmitteln des Freistaats. Damit sorgen wir für Verlässlichkeit bei den zentralen Aufgaben der digitalen Ausstattung – von Netzwerkinfrastruktur über Endgeräte bis hin zu Wartung und P fl ege. Denn digitale Bildung darf nicht von kurzfristigen Programmen abhän gen. Sie braucht stabile Strukturen, langfristige Finanzierung und klare Verantwortlichkeiten. Mein Ziel ist eine digitale Bildung, die junge Menschen befähigt, Tech nologien souverän zu nutzen und kritisch zu re fl ektieren. Wir investie ren in Köpfe – nicht in Geräte und Kabel. Unsere Aufgabe ist es, Kom petenzen zu vermitteln: kritisch denken, einordnen, re fl ektieren, Verantwortung übernehmen. Kompetenz scha ff t Resilienz – im Netz und im echten Leben. logenverbands um eine Steige rung des Leistungsniveaus ins besondere an den weiterführen den Schulen der Sekundar- stufen I und II? 3. Unterstützen Sie die Bemü hungen des Deutschen Philo-
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