Profil 9/2026
Die Profil Ausgabe 09/2026 mit dem Leitthema "Dennis Hütter: Fachlichkeit, pädagogische Professionalität und besondere Anforderungen des Gymnasiums bilden den Kern der Lehrkräfteausbildung!" ist veröffentlicht. Jetzt lesen!
9 2026
DEUTSCHER PHILOLOGENVERBAND
DAS MAGAZIN FÜR GYMNASIUM UND GESELLSCHAFT
Foto: Hütter
Dennis Hütter: Fachlichkeit, pädagogische
Professionalität und besondere Anforderungen des Gymnasiums bilden den Kern der Lehrkräfteausbildung!
Buchrezension: Meinungsfreiheit – hohes Gut der Demokratie
Ganztagspädagogik ist mehr als Betreuung
Er hat nicht nur die bayerische Bildungspolitik maßgeblich geprägt: Zum Tode von Hans Maier
PROFIL // Auf ein Wort
Bereits 2024 hat der DPhV die Stellungnahme der Ständi gen Wissenschaftlichen Kommission zur Bedeutung des Fachunterrichts für die Demokratiebildung ausdrücklich begrüßt und zugleich auf die Notwendigkeit eines fl ächen deckenden Fachunterrichts mit ausreichendem Stunden umfang hingewiesen. Diese Position ist heute aktueller denn je. Angesichts der anstehenden Landtagswahlen gewinnt die Diskussion zusätzliche Bedeutung. Die Länder tragen die Verantwortung für Lehrkräftebildung, Lehrpläne, Schulauf sicht und Schulbesuchsp fl icht. Entscheidungen in diesen Bereichen bestimmen nachhal
Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing, Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbandes
Wer Lehrkräfte schlecht ausbildet, schadet der Demokratie!
Liebe Kollegen und Kolleginnen, im Vorfeld der anstehenden Landtagswahlen richten der Deutsche Philologenverband und zehn Fachverbände gemeinsam den Blick auf eine Voraussetzung gelingender Demokratiebildung, die in der ö ff entlichen Debatte häu fi g zu wenig Beachtung fi ndet: die Qualität der Lehrkräftebil dung. Ob junge Menschen lernen, Fakten von Meinungen zu unterscheiden, Quellen kritisch zu prüfen, mit Unsicher heit und Mehrdeutigkeit umzugehen sowie demokratische Prozesse zu verstehen, hängt wesentlich von der fachlichen und fachdidaktischen Quali fi kation ihrer Lehrkräfte ab. Deshalb bekräftigen wir gemeinsam: Demokratiebildung braucht Fachlichkeit und einen wissenschaftlich fundierten Umgang mit Evidenz, Kontroversität und Komplexität. Vor diesem Hintergrund warnen wir vor einer weiteren Aus höhlung fachlicher Standards in der Lehrkräftebildung, insbesondere bei der Quali fi kation von Quer- und Seiten einsteigern, sowie vor einer Verkürzung der zweiten Phase der Ausbildung. Wer Lehrkräfte unzureichend ausbildet, schadet der Demokratie. Kritisches Denken, die Fähigkeit zur Quellen kritik und die Orientierung an wissenschaftlichen Verfah ren entstehen nicht von selbst. Sie müssen professionell vermittelt werden. Dafür braucht es fachlich und fachdi daktisch hervorragend ausgebildete Lehrkräfte und ein Referendariat, das ausreichend Zeit für Hospitation, Re fl e xion, individuelles Feedback und professionelle Entwick lung bietet. Qualität entsteht nicht im Eilverfahren. Demokratiebildung ist eine Querschnittsaufgabe aller Fächer. Sie wird zwar besonders in den gesellschaftswis senschaftlichen Fächern gefördert, die sich an den Prinzi pien des Beutelsbacher Konsenses orientieren, doch auch Naturwissenschaften, Informatik, Sprachen, Sport und Künste leisten einen unverzichtbaren Beitrag. Überall ler nen Schülerinnen und Schüler, mit Evidenz, Unsicherheit und unterschiedlichen Perspektiven umzugehen. So ent steht ein wissenschaftlich fundierter Blick auf Welt und Gesellschaft, getragen von Lehrkräften, die fest auf dem Boden des Grundgesetzes stehen.
Infos
tig die Qualität unserer Schulen und damit auch die demokratische Zukunft unseres Landes. Mit Sorge be- obachten wir deshalb Bestrebungen, Fachlich keit zu relativieren oder schulische Bildung ideo logisch zu instrumentali sieren. Der DPhV und die betei ligten Fachverbände for dern daher, die Fachlich keit in allen Phasen der Lehrkräftebildung zu stärken, auf Kürzungen des Referendariats zu verzichten und die ver tiefte Auseinanderset zung mit den Inhalten und Werten des Grund gesetzes verbindlich im Lehramtsstudium zu ver ankern.
Folgende Fachverbände unterstützen uns mit diesen Forderungen: AEED – Arbeitsgemeinschaft für Evangelische Erziehung und Bildung in Deutschland BDK – Fachverband für Kunstpädagogik e.V. BKRG – Bundesverband der
katholischen Religions- lehrer und -lehrerinnen an Gymnasien e.V.
BMU – Bundesverband Musikunterricht DGV – Deutscher
Germanistenverband Fachverband Philosophie e.V. GDCh – Gesellschaft Deutscher Chemiker MNU – Verband zur Förderung des MINT-Unterrichts VGD – Verband der Geschichts- lehrerinnen und -lehrer Deutschlands e.V. VdF – Vereinigung der Französischlehrerinnen und -lehrer e.V.
Wer über die Zukunft der Lehrkräftebildung entscheidet, entscheidet zugleich über die Bildungschancen einer gan zen Generation. Eine fachlich fundierte und wissenschafts basierte Lehrkräftebildung ist deshalb keine Nebensache, sondern eine der wichtigsten Zukunftsinvestitionen unse res Landes.
Ihre
Susanne Lin-Klitzing
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DPhV-Standpunkte Gymnasien beim Distanzunterricht besonders krisenfest
PROFIL // Inhalt
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Umfrage von DPhV und Lehrer-Online: Mehr als jede dritte Lehrkraft hat Schwierig- keiten, Beruf und Privatleben zu trennen Titel Ein Interview mit Dennis Hütter vom DPhV- Bundesvorstand der Jungen Philologen: Fach- lichkeit, pädagogische Professionalität und besondere Anforderungen des Gymnasiums bilden den Kern der Lehrkräfteausbildung Begegnungen Erkenntnisgewinn durch Anschauung: Das Haus der Geschichte ist ein großer Gewinn nicht nur für den Geschichtsunterricht 14 Zur Diskussion Wie stärken wir die Schülerinnen und Schüler in ihren Kernkompetenzen? Ehemaliger Hamburger Senator Ties Rabe diskutiert Vor- und Nachteile regelmäßiger Tests 16 Aktuell Ganztag als Bildungsauftrag Ganztagskongress 2026 in Berlin – ein Bericht aus Sicht des Deutschen Philologenverbandes 7 10
Interview mit Dennis Hütter vom DPhV- Bundesvorstand
der Jungen Philologen 10
Erkenntnis gewinnung
durch Anschau ung: Das Haus der Geschichte 14
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Nachruf auf Hans Maier, einen der ganz Großen der Bildungspolitik im Nachkriegsdeutschland
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Aus den Ländern PhV Rheinland-Pfalz: Erfolg für den PhV: Smartphone-Verbot an Schulen stärkt Gesundheit der Kinder und Jugendlichen, ihr soziales Miteinander und ihr Konzentrationsvermögen PhV Nordrhein-Westfalen: Reform der Oberstufe in Nordrhein-Westfalen benötigt Zeit für Anpassungen PhV Berlin/Brandenburg: Jobst Werner geht von Bord Maßgebliche Leistungen in der Berliner Schulpolitik
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Ganztags- kongress 2026 in Berlin 18
34
36 38 38
PhV Thüringen: Neues Schuljahr, viele Herausforderungen
Impressum
Rezension & Verlosung Das Recht auf freie Rede – ein hohes Gut in der Demokratie Ronen Steinke: Meinungsfreiheit
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Bildungspolitik
dbb magazin
Nachruf auf Hans Maier 28
Frühkindliche Bildung: Aus Erkenntnissen muss Förderung werden
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Gewerkschaften
dbb magazin
DPhV: Digitale Ausstattung der Schulen erfordert Mindeststandards
44 44
DBB NRW: Besoldungspaket für engagierte Lehrkräfte
Hintergrund
dbb magazin
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Beamtenversorgung: Fakten statt Mythen
Foto: AdobeStock
PROFIL // DPhV-Standpunkte
Gymnasien beim Distanzunterricht besonders krisenfest
DPhV fordert verbindliche Mindeststandards für die digitale Ausstattung an allen Schulen
Gymnasien sind auf einen möglichen erneuten Distanz unterricht deutlich besser vorbereitet als andere Schulfor men. Das zeigen
blick und das Engagement der Gymnasiallehrkräfte – und fordert zugleich, die begonnene Modernisie rung der digitalen Infrastruktur an allen Schulen konsequent und mit verbindlichen Standards fortzuset zen, damit auch künftig alle Schüle rinnen und Schüler unabhängig von Schulform und familiären Ressour cen bestmöglich auf digitale Lern- szenarien vorbereitet sind. „Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Unsere Gymnasien haben aus den Erfahrungen der Pandemie gelernt und ihre Hausaufgaben ge- macht“, erklärt DPhV-Bundesvorsit zende Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing. „Das ist zuallererst ein Verdienst der
Gymnasiallehrkräfte, die mit großem persönlichem Einsatz digitale Unter richtsformate in ihren Schulalltag integriert haben. Diese Leistung ver dient Anerkennung – und sie zeigt, was möglich ist, wenn Engagement auf funktionierende Strukturen tri ff t.“ siasten nicht oder nur wenig auf einen künftigen Distanzunterricht vorbereitet – bei Schülerinnen und Schülern anderer Schulformen lag dieser Anteil mit 35 Prozent deutlich höher, im Durchschnitt aller 15-Jähri gen bei 30 Prozent. Auch im interna tionalen Vergleich schnitt Deutsch land insgesamt besser ab als der Konkret fühlten sich nur 24 Prozent der Gymnasiastinnen und Gymna
Pressemitteilung vom 8. Juli
Erhebungen, die im Nachgang der Corona-Pandemie erstmals syste matisch untersucht hatten, wie vor bereitet sich Schulleitungen und Schülerinnen und Schüler auf künfti gen Distanzunterricht fühlten – und auf die das Zentrum für internatio nale Bildungsvergleichsstudien (ZIB) e.V. im Rahmen der Reihe „Data of the Month“ nun erneut aufmerksam gemacht hat. [1] Der DPhV wertet die Ergebnisse als Beleg für den Weit
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PROFIL // DPhV-Standpunkte
kompatible digitale Endgeräte für alle Schülerinnen und Schüler, etwa über kluge Leasingmodelle fi nanziert, damit kein Smartphone den fehlen den Laptop ersetzen muss; eine verlässliche technische Unter stützung durch quali fi zierte IT- Administration an jeder Schule – den sogenannten „digitalen Hausmeister“; staatlich geprüfte, datenschutzkon forme Lernplattformen anstelle einer wachsenden Abhängigkeit von kom merziellen Anbietern; klar geregelte Zugri ff srechte für vir tuelle Klassen- und Kursräume, die ausschließlich der unterrichtenden Lehrkraft und den eingeschriebenen Schülerinnen und Schülern o ff en- stehen, aber zugleich die sichere Zuschaltung nicht anwesender Schü lerinnen und Schüler ermöglichen; sowie leistungsfähige Identitätsmanage ment-Systeme, die das Recht auf informationelle Selbstbestimmung von Schülerinnen, Schülern und Lehrkräften wirksam schützen. Ebenso zentral ist aus Sicht des DPhV eine dauerhafte, verlässliche Finanzierung: Klug digital unterstütz te Bildung darf nicht von Förder periode zu Förderperiode neu ver
OECD-Durchschnitt, in dem sich 36 Prozent der Jugendlichen unzu reichend vorbereitet fühlten. Aus Sicht der Schulleitungen fi el das Bild noch positiver aus: Bundesweit sahen lediglich 6,5 Prozent von ihnen ihre Schule nicht ausreichend auf künftigen Distanzunterricht vor bereitet – ein Vertrauensbeweis in die geleistete Aufbauarbeit. Gleichzeitig wird deutlich, wo weiter hin angesetzt werden muss: 65 Pro zent der Jugendlichen nutzten wäh rend der Schulschließungen vorran gig einen Laptop, PC oder ein Tablet, um am Unterricht teilzunehmen – knapp ein Viertel (23 Prozent) gri ff überwiegend auf das Smartphone zurück, ein Gerät mit spürbaren Grenzen für ernsthaftes digitales Lernen. „Diese Daten zeigen: Wir dürfen uns auf dem Erreichten nicht ausruhen“, so Lin-Klitzing. „Damit alle mit geeigneten Endgeräten ler nen können, brauchen wir endlich verbindliche Mindeststandards für die digitale Ausstattung unserer Schulen – nicht nur als Empfehlung, sondern als verbindliche Vorgabe der Kultusministerien als Dienst herrn.“ Konkret zählen dazu aus Sicht des DPhV vor allem:
handelt werden müssen, sondern braucht eine langfristig gesicherte Grund fi nanzierung, die Schulen und Schulträgern echte Planungssicher heit gibt. Der DPhV erneuert damit seine langjährige Forderung nach diesen konkreten verbindlichen bundesweiten Mindeststandards – gerade jetzt, wo der Digitalpakt 2.0 anläuft und die Länder ihre Förder richtlinien ausgestalten. Nur einheit liche Vorgaben verhindern, dass die bekannten Ungleichheiten zwischen den Bundesländern und den einzel nen Kommunen erneut fortgeschrie ben werden. „Die Erfahrungen der Pandemie waren ein Weckruf, und die Gymna sien haben ihn gehört“, resümiert Lin-Klitzing. „Jetzt liegt es an der Bil dungspolitik, aus diesem Erfolg eine verlässliche Grundlage für alle Schul formen zu machen. Gute, klug digital unterstützte Bildung darf kein Zufalls produkt sein – sie muss überall in Deutschland Standard werden.“ [1]Die Daten stammen aus Kapitel 10.8 „Ausblick auf das Lernen in einem zukünftigen Distanzunter richt“ des PISA-2022-Berichtsbands (Lewalter et al., 2023, S. 308): https://www.pisa.tum.de/ fi leadmin/w00bgi/www/Berichtsbaende_und_ Zusammenfassungungen/pisa-2022-nationaler bericht-berichtsband.pdf#page=308
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PROFIL // DPhV-Standpunkte
Foto: AdobeStock
Umfrage von DPhV und Lehrer-Online: Mehr als jede dritte
Lehrkraft hat Schwierigkeiten, Beruf und Privatleben zu trennen 92 Prozent sehen die Ursache ihrer Arbeitsbelastung im System DPhV fordert Absenkung der Pflichtstunden und dienstrechtlich abgesicherte Entlastungsregelungen
Mehr als jede dritte Lehrkraft (38 Prozent) hat Schwierigkeiten, Berufs- und Privat leben zu trennen – das zeigt eine bun desweite Umfrage
Umfrage des DPhV und Lehrer-On- line für 39 Prozent der Lehrkräfte administrative und organisatorische Aufgaben, für 25 Prozent die Hete rogenität der Lerngruppen, für 23 Prozent Lärmbelastung und das Fehlen von Ruheräumen sowie für 21 Prozent mangelnde Pausen die zentrale Belastung. Ein Ergebnis verdient dabei besondere Aufmerk samkeit: Nur acht Prozent der Lehr kräfte führen ihre Belastung auf das eigene Classroom Management zurück – im Umkehrschluss sehen 92 Prozent die Gründe in den struk turellen und systemischen Rahmen bedingungen ihres Berufsalltags und einer quantitativen Überlastung zum Beispiel durch Zusatzaufgaben, überbordende Verwaltung, Füh rungs- und Teamdynamiken oder Korrekturbelastungen. DPhV-Bundesvorsitzende Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing: „Unsere Lehr kräfte leisten im Klassenzimmer jeden Tag mehr, als ihnen selbst guttut. Das ist kein individuelles Erschöpfungsproblem – sie arbeiten in einem System, das sich seit Jah
ren auf dem übergroßen Einsatz Einzelner ausruht, statt alle Schulen fl ächendeckend verlässlich abzusi chern.“ Auch bei der Frage nach gewünsch ter Unterstützung wird deutlich, dass es den Lehrkräften nicht in ers ter Linie um mehr Resilienz bzw. Selbstoptimierung geht: 56 Prozent wünschen sich konkrete Techniken, um im Berufsalltag klarer Grenzen setzen zu können, 46 Prozent brau chen mehr Sicherheit in der Kom munikation bei Kon fl ikten. 37 Pro zent der Lehrkräfte würden gern Techniken zu Achtsamkeit und Ent spannung erlernen oder vertiefen, 31 Prozent zu Zeitmanagement. Aus den Freitextantworten der Umfrage geht hervor, dass sich Grenzsetzung und „Nein“-Sagen häu fi g auf Schul leitung und Eltern beziehen – ein Hinweis darauf, dass Lehrkräfte vor allem handlungsfähiger gegenüber äußeren Anforderungen werden wollen, nicht nur innerlich noch be- lastbarer. Lin-Klitzing warnt vor den Folgen, wenn diese Belastungen politisch
Pressemitteilung vom 4. August
des Deutschen Philologenverbands und des Bildungsportals www.leh rer-online.de zur Gesundheit von Lehrkräften, die insgesamt eine hohe gesundheitliche Belastung der Lehrkräfte durch beru fl iche Überlas tung belegt. Die Ergebnisse zeigen dabei eine Mehrfachbelastung auf mehreren Ebenen zugleich: auf der Beziehungsebene (Schülerverhalten, Heterogenität), auf Systemebene (Bürokratie, Rahmenbedingungen) und auf persönlicher Ebene (fehlen de Abgrenzung). Größter Einzelfaktor ist dabei heraus forderndes Schülerverhalten: Fast jede zweite Lehrkraft (45 Prozent) nennt es als zentralen Stressor – Ergebnisse, die sich mit dem kürz lich verö ff entlichten Deutschen Schulbarometer der Robert Bosch Stiftung decken. Daneben sind laut
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PROFIL // DPhV-Standpunkte
die nicht zu ihren Kernaufgaben gehören, funktionale Rückzugsräume in jeder Schule und neu in Schulbaurichtlini en vorzusehen, tatsächliche Pausen- und Ruhezeiten im Schulalltag zu ermöglichen, alltagsintegrierte, niedrigschwellige Unterstützungs- und Mentoring- Formate fl ächendeckend durchzu- führen und dauerhaft zu fi nanzieren – ergänzt durch qualitativ hochwerti ge Fortbildungsangebote – sowie klare, dienstrechtlich abgesicherte Regelungen zur Erreichbarkeit und Abgrenzung von Lehrkräften gegen über Schulleitung und Elternhaus zu scha ff en. „Lehrkräfte müssen nicht lernen, sich selbst noch mehr zu optimie ren. Wir brauchen ein System, das sie endlich als Berufsgruppe stärker unterstützt und nicht länger über große Lasten tragen lässt. Die Zah len liegen auf dem Tisch – jetzt muss die Politik in den Ländern liefern, bevor uns noch mehr gute Lehr- kräfte gesundheitsbedingt verloren gehen“, bilanziert Lin-Klitzing.
weiter ignoriert werden: „Wenn wir Lehrkräfte weiter bis an die Belas tungsgrenze arbeiten lassen, ohne sie zu entlasten, verlieren wir sie – durch Krankheit, durch Frühpensio nierung, durch innere Kündigung. Jede Lehrkraft, die gesundheits bedingt ausfällt, bedeutet mehr Unterrichtsausfall, mehr Druck auf die verbleibenden Kolleginnen und Kollegen und am Ende eine Abwärtsspirale, die sich die Politik beim derzeitigen Lehrkräftemangel nicht leisten kann. Das ist kein Randthema für spätere Zeiten. Das ist ein akutes Risiko für die Unter richtsversorgung in diesem Land.“ Auch beim Format der Unterstüt zung äußern die Lehrkräfte klare Präferenzen: 47 Prozent wünschen sich täglich kurze Impulse, um Selbstfürsorge dauerhaft in den Schulalltag zu integrieren, 36 Pro zent ein alltagsbegleitendes Mento ring-Programm und 28 Prozent einen regelmäßigen Peer-to-Peer Austausch. Klassische Intensiv Workshop-Formate bleiben dabei ebenfalls gefragt: 24 Prozent inte
ressieren sich für ein eintägiges, 17 Prozent für ein mehrtägiges Format. Sie wirken aus Sicht der Lehrkräfte aber vor allem dann nachhaltig, wenn sie durch kurze, alltagsbeglei tende Formate ergänzt werden, die das Gelernte auch nach dem Work shop im Kollegium lebendig halten. Dr. Silvie Kruse, Bereichsleiterin Lehrer-Online: „Die Ergebnisse zeigen: Lehrkräfte wollen den fun dierten Impuls in Workshops sowie die Begleitung im Alltag danach. Ein guter Fortbildungstag legt die Grundlage, aber damit diese im stressigen Schulalltag wirklich trägt, braucht es kurze, wiederkehrende Formate und den strukturierten Austausch mit Kolleginnen und Kollegen.“ Der DPhV fordert die Bildungs- minister und -ministerinnen deshalb auf: Lehrkräfte durch eine spürbare Absenkung des Stundendeputats sowie durch ausreichend Fachkräfte aus Schulpsychologie, Schulsozial arbeit und Verwaltung an jeder Schule von Aufgaben zu entlasten,
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PROFIL // Titel
Fachlichkeit, pädagogische Professionalität und besondere Anforderungen des Gymnasiums bilden den Kern der Lehrkräfteausbildung
Ein Interview mit Dennis Hütter vom DPhV-Bundesvorstand der Jungen Philologen, der gleichzeitig die Jungen Philologen in Hessen führt. Hütter unterrichtet die Fächer Englisch, Geschichte und Geschichte bilingual in Hünfeld in Hessen.
Dennis Hütter, DPhV Bundesarbeitsgemeinschaft der Jungen Philologen
Foto: Akhtar
Ausbildung von Einheitslehrkräften eintrat. Für mich war die Entscheidung schnell klar, weil mich die bildungspolitischen Positionen des Philologenverbandes von Anfang an überzeugten. Dazu gehört insbesondere das Leistungs prinzip, der hohe Stellenwert gym- nasialer Bildung und das Bekenntnis zu einem mehrgliedrigen, zugleich durchlässigen und begabungsge- rechten Schulsystem. Hinzu kam die damalige Situation in Hessen, die unter anderem durch niedrige Ein- stellungsquoten für Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst – dem hessischen
Begri ff für Referendarinnen und Refe rendare – geprägt war. Gerade in einer solchen Lage wurde für mich deutlich, wie wichtig eine starke berufspoliti sche Interessenvertretung ist. Seit meinem Beitritt habe ich die Bedeutung der Organisation in einem Verband und den Wert seiner Netzwerke immer stärker erkannt. Deshalb habe ich mich früh enga giert und durfte in den vergangenen Jahren Schritt für Schritt mehr Ver antwortung übernehmen. Aus einer zunächst persönlichen Entscheidung ist so eine dauerhafte verbandspoliti sche Überzeugung geworden.
PROFIL: Welche bildungs- politische und welche
?
10 PROFIL // 9/2026 Nordhessen. Damals sprachen mich zwei verschiedene Schul- vertrauenspersonen an: Eine vertrat den Philologenverband, die andere eine bekannte Bil dungsgewerkschaft, die für die persönliche Situation hat Sie zum Philologenverband, in diesem konkreten Fall in den Hessischen Verband, geführt? DENNIS HÜTTER: Mein Weg zum Hessischen Philologenverband begann 2015 mit meinem Refe- rendariat an einer Schule in
PROFIL // Titel
entierung die Anliegen junger Lehr kräfte diskutiert, gebündelt und in gemeinsame Positionen überführt werden. Darin sehe ich auch künftig eine zentrale Aufgabe: Synergien zwi schen den Landesverbänden zu nutzen, voneinander zu lernen und gemeinsame verbandspoliti sche Positionen zu stärken. Eine lebendige bundesweite Vernet zung hilft uns zugleich dabei, junge Kolleginnen und Kollegen besser zu erreichen und neue Mit glieder für die Verbandsarbeit zu generieren. Ihrem Landesverband. Diese sind personalrätlicher beziehungswei se berufspolitischer Art. Verste hen Sie sich hier als Dienstleister für die Mitglieder? HÜTTER: Der Begri ff „Dienstleister“ ist tatsächlich gar nicht so unpas send. Der Ausschuss der Jungen Philologen Hessen, dem ich vorsit zen darf, befasst sich vorrangig mit den berufspolitischen Anliegen von Studierenden, Lehrkräften im Vor- ? PROFIL: Außerdem haben Sie wichtige Aufgaben in
bereitungsdienst – in Hessen kurz LiV genannt – sowie Junglehrkräf ten. Als Schnittstelle zum Landes vorstand ist es uns besonders wich tig, die Perspektiven dieser Grup pen sichtbar zu machen und wirksam in die Verbandsarbeit einzubringen. Unser Angebot ist dabei sehr kon kret: Wir erarbeiten umfangreiches Informationsmaterial, etwa Bro schüren und Wegweiser zu den verschiedenen Phasen der Lehr kräftebildung. Außerdem bieten wir regelmäßig Webinare mit prakti schen Hinweisen an und stehen als Anlaufstelle für individuelle Fragen und Probleme zur Verfügung. Da- von pro fi tieren letztlich alle jungen Lehrkräfte und diejenigen, die die sen Beruf ergreifen möchten. Darüber hinaus war ich mehrere Jahre stellvertretender Vorsitzender eines Örtlichen Personalrats, also des Personalrats auf Schulebene. Dort habe ich daran mitgewirkt, ganz konkrete alltägliche Anliegen innerhalb eines Kollegiums auf zugreifen, Interessen zu vertreten und gemeinsam tragfähige Lösun gen zu entwickeln. Insofern ver-
PROFIL: Sie sind mittlerweile Mitglied des DPhV Bundes- vorstands der Jungen Philologen. Wo sehen Sie in diesem wichtigen Gremium Ihre persönlichen Schwerpunkte? HÜTTER: Ein wesentlicher Schwer punkt der Arbeit unseres Bundes vorstands liegt in der inhaltlichen und organisatorischen Planung und Gestaltung unserer Frühjahrs- und Herbsttagungen. Zu diesen Bundes tagungen kommen Delegierte der Jungen Philologen aus allen Landes verbänden zusammen. Unser An spruch als Bundesvorstand ist es, die Tagungen so auszurichten, dass sie für die Teilnehmenden einen konkreten Mehrwert bieten und zugleich Impulse für die Arbeit in den Ländern setzen. Die föderale Struktur unseres Ver bandes ermöglicht eine enge Vernet zung mit den Jungen Philologen aus den anderen Bundesländern. Diese Verbindungen werden nicht nur, aber besonders durch die Bundes tagungen gep fl egt und vertieft. Schon bei meiner ersten Teilnahme 2021 in Leipzig hat mich fasziniert, mit welcher O ff enheit und Zielori- ?
11 PROFIL // 9/2026
PROFIL // Titel
stehe ich diese Arbeit durchaus als Dienst an den Mitgliedern – aller dings immer verbunden mit dem Anspruch, aus Einzelfragen auch strukturelle Verbesserungen für den Berufsstand abzuleiten. PROFIL: Welche Forderungen und Wünsche der jungen Lehrergeneration könnten und sollten nach Ihrer Erfahrung und Wahrnehmung verstärkt in die Arbeit des DPhV ein fl ießen? HÜTTER: Grundsätzlich ist der Beruf der Gymnasiallehrkraft nach wie vor wichtig, anspruchsvoll und erstre benswert. Der DPhV hat aus meiner Sicht bereits eine sehr solide Grund lage gescha ff en und berücksichtigt die Belange junger Lehrkräfte in hohem Maße. Dennoch zeigen sich – gerade im länderübergreifenden Austausch – einige Themen, die künftig noch stärker in den Mittel punkt rücken sollten. Dazu zählen die zunehmend hetero gene Schülerschaft und zugleich große Klassen. Diese Kombination stellt insbesondere junge Lehrkräfte vor erhebliche pädagogische und organisatorische Herausforderun gen. Auch die Digitalisierung bleibt ein Dauerbrenner: Sie erö ff net zwar Chancen, verlangt aber verlässliche technische Rahmenbedingungen, ?
praxistaugliche Konzepte und Trans parenz für alle Beteiligten. Vor allem in den Phasen der Lehrkräftebildung liegt hier nach wie vor großes unge nutztes Potenzial. Ein weiterer zentraler Punkt ist die Frage, wie es nach dem Zweiten Staatsexamen weitergeht. Junge Lehrkräfte brauchen verlässliche beru fl iche Perspektiven – etwa im Hinblick auf Einstellung, Planstellen und Verbeamtung. Ebenso wichtig ist die Ausgestaltung des Referenda riats und eine bessere Verzahnung von Theorie und Praxis. Deshalb tre ten wir dafür ein, dass der Kern der Lehrkräfteausbildung sowohl in der universitären als auch in der prakti schen Phase klar gymnasial geprägt bleibt. Nur so lassen sich Fachlich keit, pädagogische Professionalität und die besonderen Anforderungen des Gymnasiums dauerhaft sichern. sivere Mitgliederwerbung? HÜTTER: Der Austausch auf unseren Bundestagungen zeigt immer wie der: Mitgliederwerbung ist eine wich tige, aber auch anspruchsvolle Auf gabe! Die Erfahrung lehrt, dass der persönliche Kontakt nach wie vor das wirksamste Mittel ist. Wenn Kollegin nen und Kollegen aus eigener Erfah- ? PROFIL: Haben Sie konkrete Vorschläge für eine inten-
rung berichten, was der Verband leistet und wie sie von seinem Netz werk pro fi tieren, wird Verbands arbeit wirklich erfahrbar gemacht. Instagram und andere soziale Medi en leisten ebenso einen wichtigen Beitrag. Sie können Orientierung, Überblick und Struktur geben, aktu elle Informationen niedrigschwellig vermitteln und als erste Anlaufstelle dienen. Entscheidend ist, dass digi tale Kommunikation und persönli che Ansprache ineinandergreifen. Mitgliederwerbung darf außerdem ganz pragmatisch die konkreten Vorteile der Verbandsarbeit aufzei gen. Schließlich geht es auch darum, die eigenen Arbeitsbedingungen zu verbessern, Unterstützung in beruf lichen Fragen zu erhalten und gemeinsam Ein fl uss auf Bildungs politik zu nehmen. Verbandsarbeit muss deshalb erleb- und greifbar werden. Wir möchten unsere Mit glieder in den Landesverbänden gezielt dafür gewinnen, Referenda rinnen und Referendare sowie Jung lehrkräfte auf die Jungen Philologen im jeweiligen Landesverband hin zuweisen und sie zu Veranstaltun gen einzuladen. Auf diesem Weg erreichen wir sie persönlich und können sie langfristig für die Ver bandsarbeit begeistern. Die Fragen stellte Walter Tetzlo ff
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PROFIL // Anzeige
Foto: AdobeStock
Sorgenfrei ins Referendariat: Warum die Dienst unfähigkeits- absicherung jetzt unverzichtbar ist
Der Start ins Referendariat ist ein echter Meilenstein: Erste eigene Klassen, Unterrichtsentwür fe und der Traum vom Lehrerberuf rücken in greifbare Nähe. Doch der Schulalltag ist physisch wie psychisch fordernd – über 50 % der vorzeitigen Pensionierungen bei Lehrkräften gehen auf psychische Belastungen wie Burnout oder Depressionen zurück. Was viele Lehramtsanwärter unterschätzen: Wer gesundheitlich ausfällt, steht fi nanziell oft vor dem Nichts.
weil sie die Berufsunfähigkeit nach eigenen Kriterien anders einstuft.
zahlreichen Anlässen wie bei- spielsweise Verbeamtung auf Probe oder Lebenszeit, Familien gründung oder Immobilienerwerb, ganz ohne erneute Gesundheits prüfung anpassen. Der frühe Einstieg im Referendariat bei bestem Gesundheitszustand sichert dauerhaft günstige Beiträge. Jetzt den Kopf freihaben fürs Refe rendariat: Überlassen Sie Ihre per sönliche Absicherungssituation nicht dem Zufall. Erstellen Sie gemeinsam mit unseren Experten Ihre indivi duelle Beamtenversorgungsanalyse und fi nden Sie den Schutz, der wirk lich zu Ihnen passt.
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Als Beamte auf Widerruf haben Referendare im Ernstfall keinen Anspruch auf ein Ruhegehalt. Werden sie dienstunfähig, entlässt der Dienstherr sie in der Regel aus dem Vorbereitungsdienst. Sie wer den zwar in der gesetzlichen Renten versicherung nachversichert, erhal ten dort wegen der nicht erfüllten fünfjährigen Wartezeit jedoch meist keinerlei Leistungen. Ohne privaten Schutz droht der fi nanzielle Absturz. Warum eine einfache Berufsunfähigkeitsabsiche rung (BU) nicht ausreicht Eine klassische BU leistet nur, wenn der Versicherte nachweislich zu mindestens 50 % berufsunfähig ist. Der Dienstherr stützt sich bei einer Entlassung immer auf ein amtsärztliches Gutachten. Ohne eine „echte“ Dienstunfähigkeitsklau sel (DU) im Vertrag kann es passie ren, dass der Amtsarzt Sie für dienstunfähig erklärt, die Versiche rung die Zahlung aber verweigert,
Den Lebensstandard sichern und fi nanziell unabhängig bleiben: Die SIGNAL IDUNA bietet mit der Arbeitskraftabsicherung SI WorkLife EXKLUSIV-PLUS eine maßgeschnei derte Lösung für den Lehrernach wuchs: Echte DU-Klausel: Voller Schutz für Beamte auf Widerruf Die Entscheidung des Amtsarztes wird ohne eigene medizinische Nachprüfung akzeptiert Bedarfsgerechte Rentenhöhe: Referendare können eine monatliche DU-Rente von bis zu 2.500 € fl exibel absichern. Teildienstunfähigkeit inklusive: Der Schutz leistet auf Wunsch bereits, wenn die tägliche
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Arbeitszeit aus gesundheitlichen Gründen um mindestens 20 % reduziert werden muss.
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Foto: Haus der Geschichte
PROFIL // Begegnungen
Erkenntnisgewinn durch Anschauung: Das Haus der Geschichte ist ein großer Gewinn nicht nur für den Geschichtsunterricht
Das Haus der Geschichte in Bonn
14 PROFIL // 9/2026 keitserfahrung, die sich bei der Lehrkraft einstellt, die vorher mit Engelszungen und mehr noch mit guten fachlichen Argumenten für den Besuch geworben hat. von Walter Tetzloff M useumsbesuche mit Schul klassen sind nicht immer ein Erfolg. Die Frustratio nen, die sich zuweilen bei Schüle rinnen und Schülern einstellen, wenn sie unmotiviert in Ausstellun gen geführt werden, korrespondie ren nicht selten mit der Vergeblich
Auf derartige Erfahrungen können alle Kolleginnen und Kollegen zurückgreifen. Jetzt ist die Rede von einer großarti gen Ausnahme. Bereits fünfmal war der Verfasser dieser Zeilen mit unterschiedlichen Schülerinnen und Schülern im Bonner Haus der Geschichte. Wer dieses Museum noch nicht kennt, weil er oder sie weit entfernt von der ehemaligen Bundeshauptstadt lebt und päda
gogisch wirkt, dem helfen sicher einige knappe Informationen, die – zugegeben – gleichzeitig für den Besuch des Hauses motivieren sol len: Das Haus der Geschichte ist Teil der sogenannten Museumsmeile, die sich von der Bonner Innenstadt in den südlichen Stadtteil Bad Godes berg zieht. Das Museum kann als eine Art Abschiedsgeschenk der Bundes
PROFIL // Begegnungen
„Ich komme wieder mit meinen Eltern“
fendem Bildmaterial sichtbar und nachfühlbar gemacht, und der Beginn der alternativen Umweltbe wegung kann ebenso nachvoll zogen werden wie Migration und Ansätze zur Integration. Mit Freude nimmt der Deutsche Philologenverband jetzt wahr, dass die Stiftung Haus der Geschichte nunmehr ihre museumspädago- gische Zusammenarbeit mit uns Pädagogen institutionalisiert. Dies geschieht über eine Kooperation mit dem Verband der Geschichts lehrer Deutschlands (VGD). Dazu darf man Niko Lamprecht vom VGD zitieren: „Qualitativ hochwertiger Geschichtsunterricht fi ndet nicht nur im Klassenraum statt, sondern auch bei Exkursionen zu … außer schulischen Lernorten wie dem Haus der Geschichte in Bonn, dem Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig sowie dem Tränenpalast und dem
Museum in der Kulturbrauerei in Berlin.“ Prof. Dr. Harald Biermann, Präsident der Stiftung Haus der Geschichte, ergänzt: „Der Besuch unserer Ausstellungen ist für viele Kinder und Jugendliche eine erste Begegnung mit der Zeitgeschichte. Unter dem Leitgedanken Du bist Teil der Geschichte erfahren sie, wie eng die jüngste Vergangenheit mit ihren eigenen Lebensrealitä ten verbunden ist. Das selbststän dige Entdecken in unseren Aus stellungen fördert historische Kompetenzen und lädt dazu ein, Geschichte zu hinterfragen und einzuordnen.“ Ja, und über die Rückmeldungen nach den oben erwähnten Klassen besuchen darf man sich denn auch freuen: „Unser (mehrstündiger, W. T.) Besuch war viel zu kurz!“
regierung unter Kanzler Helmut Kohl an die Bonner Bevölkerung gesehen werden, die 1999 endgültig auf die Funktionen des Regierungs- und Parlamentssitzes ihrer Stadt verzichten mussten. Übergreifendes Thema des Hauses ist die Begegnung mit der deut schen Geschichte von 1945 bis in die Gegenwart. Dieses Thema ist Gegenstand der Dauerausstellung des Museums. Die Faszination des Ausstellungs konzeptes ergibt sich aus dem Miteinander von Text und Bild, von Zeitzeugenaussagen und Gegen ständen. Man kann den Dienst-Mer cedes des ersten Bundeskanzlers Konrad Adenauer ebenso bewun dern wie man sich mit der Popmusik der ersten beiden bundesdeutschen Jahrzehnte vertraut machen kann: Ein Druck auf eine der Tasten der musealen Musicbox, und es ertönt die Stimme von Peter Kraus: „Sugar, Sugar Baby“. Die deutsche Teilung wird mit anschaulichem und ergrei
„So anschaulich kann man die Folgen der Hitler-Diktatur und des SED-Regimes im Unterricht gar nicht vermitteln …“
Foto: Haus der Geschichte
Gut besuchte Eingangshalle
15 PROFIL // 9/2026
PROFIL // Zur Diskussion
Wie stärken wir die Schülerinnen und Schüler in ihren Kernkompetenzen? Ehemaliger Hamburger Senator Ties Rabe diskutiert Vor- und Nachteile regelmäßiger Tests
16 PROFIL // 9/2026 Rabe auf, wenn er die zwangsläu fi g vorausgehende Übungsdichte her vorhebt, die der Testung vorausgeht von Walter Tetzloff I deologische Scheuklappen konnte man ihm noch nie vorwerfen. Ties Rabe war ein Schulsenator der Freien und Hansestadt Ham burg, dem der Leistungsrückstand der dortigen Schülerinnen und Schüler weder gleichgültig war noch ein Grund, resignierend die Hände in den Schoß zu legen. Während seiner Zeit im Senat handel te er, und schon bald zeigten sich erste Erfolge. Zwei beunruhigende Ergeb nisse internationaler Vergleichsunter suchungen waren die Ausgangslage. Zum Einen zeigte sich 2021, dass deutsche Schülerinnen und Schüler nur noch durchschnittliche Ergebnis se in den entscheidenden Schlüssel quali fi kationen aufwiesen, und zum Anderen, dass der internationale Durchschnittswert als solcher gesun ken war. Es wäre zu billig, in diesem Falle zu bequem, dies auf die Corona Epidemie zurückzuführen. Ties Rabe begrüßt jetzt die Vorschlä ge der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission der Bildungsminister konferenz, künftig bundesweit in jedem Jahr einen Test schreiben zu lassen, in dem die sprachlichen, mathematischen und naturwissen schaftlichen Kenntnisse und Fähig keiten ermittelt werden. Die entscheidenden Argumente für ein solches Vorhaben zählt
bzw. vorausgehen muss. Hinzu kommt die Motivation der Lehr- kräfte, die kein Interesse an einem schlechten Abschneiden ihrer Lerngruppe haben dürften. Wenn Ties Rabe so argumentiert, dann blickt er auf mindestens ein Jahrzehnt Hamburger Schulgestal tung zurück, für die er als Senator die Verantwortung getragen hat. Die Tests, die er in der Hansestadt einführte, führten – im Rahmen eines umfangreichen Reformpa- kets – besonders an den Hamburger Grundschulen zu einem Anstieg der Leistungen der dortigen Schülerin nen und Schüler im bundesweiten Vergleich, der den Stadtstaat vom unteren Ende der Länderskala in das obere Drittel katapultierte. Dieser Sprung nötigte zwei anderen Län dern, nämlich Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein, Respekt ab. Die ebenfalls von Rabe in Hamburg initiierten Sprachtests vor dem Ein tritt in die Grundschule hatten eben falls Vorbildfunktion für andere. Zurück zu den Tests. Ties Rabe war selbst Lehrer (in Schleswig-Holstein), bevor er zentrale schulpolitische Verantwortung in Hamburg bekam, und aus der Praxis kennt er die gewerkschaftlichen und personalrät lichen Gegenargumente gegen die mögliche Mehrarbeit, die sich aus der Erstellung und der Korrektur der Testbögen ergeben dürfte. Dem begegnete der frühere Sena- tor durch Implementierung eines
Hamburgs ehemaliger Schulsenator Ties Rabe
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eigens für diese Maßnahme vorgese henen Instituts, das den betro ff enen Lehrkräften nahezu sämtliche Arbeit erspart und ihnen bei der Durchfüh rung nur die notwendige Aufsicht abverlangt. Dem Vorwurf, die Tests begünstigten Schulen mit einer Klien tel aus „besseren“ bürgerlichen Stadt teilen, tritt Ties Rabe mit der von ihm festgelegten di ff erenzierten Vergabe von sozialen Kennzeichen für jede Schule entgegen, so dass ein realisti sches und faires Ergebnis gefunden und für die jeweilige Schule verö ff ent licht werden kann. Unkritisch sieht der erfahrene Sena tor die jüngsten Vorschläge der SWK nicht. Er sieht die Gefahr der Daten sammelwut und betont, dass die Ergebnisse nicht primär für die Wis senschaft und die Kultusminister der Länder ermittelt werden sollten, son dern für die Lehrkräfte. Aus diesen Ergebnissen könnten und sollten dann gezielte Fördermaßnahmen ihren Weg zu den Schülerinnen und Schülern nehmen. Ergebnisse, die von der Kultusverwaltung den Lehrkräften zur Verfügung gestellt werden sollten. Dazu gehören nicht nur spezi fi sche Nachhilfemaßnahmen, sondern auch Übungsphasen wie Lesetraining.
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Zeit, Neues zu probieren Senioren aus der Zeitung vorlesen, Biotope pflegen oder Heranwachsenden den Museumsbetrieb nahebringen
D er Bundesfreiwilligendienst bietet vielfältige Einsatzmöglichkeiten. Die Freiwilligen werden in den unterschied lichsten Bereichen eingesetzt und unter stützen die hauptamtlichen Mitarbeite rinnen und Mitarbeiter in Krankenhäu sern, Seniorenheimen oder Einrichtun gen für Menschen mit einer Be
Erfahrungen und Kenntnisse und erhalten erste Einblicke in die Berufswelt. Ältere Menschen geben ihre reich- haltige Lebenserfahrung an andere weiter, können über ihr freiwilliges Enga-
gement auch nach dem Berufsleben weiter mitten im Geschehen bleiben – auch in Teilzeit.
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Wer sich für den Bundesfrei- willigendienst bewerben möchte, wendet sich an eine anerkannte Einsatzstelle oder einen Träger.
Sportvereinen oder Kulturprojekten. Al len interessierten Menschen steht der Bundesfreiwilligendienst offen, lediglich die Vollzeitschulpflicht muss erfüllt sein. Alter, Geschlecht, Nationalität und die Art des Schulabschlusses spielen keine Rolle! Freiwilliges Engagement lohnt sich für alle und ist gerade auch für die Enga gierten ein großer persönlicher Gewinn: Junge Menschen sammeln praktische
Einen Überblick bietet die Einsatzstellensuche unter
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www.bundesfreiwilligendienst.de . Für alle weiteren Fragen stehen die regionalen Beraterinnen und Berater des Bundesamtes sowie die Zentralstellen zur Verfügung, deren Kontaktdaten ebenfalls auf der Internetseite zu finden sind.
E-Mail: info@bundesfreiwilligendienst.de Web: www.bundesfreiwilligendienst.de
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PROFIL // Aktuell
Ganztag als Bildungsauftrag
Ganztagskongress 2026 in Berlin – ein Bericht aus Sicht des Deutschen Philologenverbandes
18 PROFIL // 9/2026 Ganztags. Anlass war insbesondere der ab 1. August 2026 schrittweise geltende Rechtsanspruch auf Ganz tagsförderung für Kinder im Grund schulalter. Im Mittelpunkt standen nicht nur die großen Übergänge von von Gabriela Kasigkeit A m 22. und 23. Juni 2026 dis kutierten beim Ganztagskon gress „Übergänge weiterden ken“ in Berlin rund 800 Teilnehmen de aus Politik, Wissenschaft, Kita, Schule, Kinder- und Jugendhilfe, Kommunen und Elternvertretungen über die Weiterentwicklung des Ganztag darf nicht auf Betreuung reduziert werden. Mehr Zeit in Schule eröffnet Chancen für individuelle Förderung, Bildungs gerechtigkeit, Persön lichkeitsentwicklung und demokratische Teil habe – vorausgesetzt, pädagogische Qualität, qualifiziertes Personal und verlässliche Koope ration sind gesichert.
der Kita in die Grundschule und von dort in die weiterführende Schule, sondern auch die vielen täglichen Wechsel zwischen Unterricht, Mittag essen, Lernzeit und Freizeit. Aus Sicht des Deutschen Philologen verbandes wurde auf dem Kongress vor allem eines deutlich: Ganztag darf nicht auf Betreuung reduziert werden. Mehr Zeit in Schule erö ff net Chancen für individuelle Förderung, Bildungsgerechtigkeit, Persönlich keitsentwicklung und demokratische
Teilhabe. Diese Chancen entstehen jedoch nicht automatisch. Entschei dend sind die pädagogische Qualität, quali fi ziertes Personal, eine verläss liche Verbindung von Unterricht und außerunterrichtlichen Angeboten sowie klare Verantwortlichkeiten. Ganztag vom Kind aus denken – ohne den Bildungsauftrag zu relativieren
Mareike Wulf, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministeri
PROFIL // Aktuell
um für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, verwies darauf, wie stark Übergänge Bildungsbiogra fi en prägen. Der Ausbau des Ganz tags biete die Chance, soziale Be- nachteiligungen auszugleichen und Kindern bessere Fördermöglichkeiten zu erö ff nen. Zugleich müssten Kom munen, Schulen und Kinder- und Jugendhilfe ihre jeweiligen Verant wortlichkeiten klären und sich über die gemeinsamen Ziele verständigen. In der wissenschaftlichen Gesprächs runde mit Prof. Dr. Bettina Hüners dorf, Professorin für Sozialpädagogik und Sozialarbeit an der Martin-Luther Universität Halle-Wittenberg, Prof. Dr. Sabine Do ff , Professorin für Fremdsprachendidaktik Englisch an der Universität Bremen, und Prof. Dr. Ivo Züchner, Professor für Außer schulische Jugendbildung an der Phi lipps-Universität Marburg, standen Kinderrechte, Partizipation, Wohl be fi nden und Bildungsgerechtigkeit im Mittelpunkt. Hünersdorf warb dafür, Kinder bei der Gestaltung des Ganztags ernsthaft einzubeziehen: Sie sollten mitentscheiden können, wann, wie und in welcher Form be- stimmte Aufgaben und Angebote statt fi nden. Ganztag kann nur dann zum Lern- und Lebensraum werden, wenn Kinder ihn nicht ausschließlich als von Erwachsenen durchorgani sierten P fl ichtablauf erleben. Prof. Dr. Sabine Do ff rückte den Übergang von der Grundschule in die weiterführende Schule in den Mittelpunkt. Bildungsgerechtigkeit bedeute nicht, allen Kindern unter schiedslos dasselbe anzubieten. Entscheidend sei vielmehr, dass jedes Kind die notwendige Unter stützung erhält und tragfähige Min deststandards erreicht. Anschaulich formulierte sie die Frage, ob jedes Kind ein gleich großes Stück Kuchen
Für den DPhV ist diese Verbindung zentral: Kindliches Wohlbe fi nden und schulischer Lernerfolg sind keine Gegensätze. Partizipation darf nicht bedeuten, dass Erwachsene ihre pädagogische Verantwortung abge ben oder fachliche Anforderungen relativiert werden. Kinder brauchen Freiräume und Mitgestaltungsmög lichkeiten, zugleich aber verlässliche Strukturen, quali fi zierte Anleitung und die Gewissheit, grundlegende Kompetenzen tatsächlich zu erwer ben. Gerade der Übergang auf das Gymnasium und andere weiterfüh rende Schulformen muss fachlich vorbereitet, transparent begleitet und mit geeigneten Förderange boten unterstützt werden. Prof. Dr. Ivo Züchner machte deut lich, dass Ganztag in sehr unter schiedlichen Formen statt fi ndet: in Ganztagsschulen, Horten und weite ren Betreuungsangeboten. Aus Sicht eines Kindes handelt es sich jedoch immer um einen zusammenhängen den Tag. Deshalb dürfen Unterricht, Betreuung und Freizeit nicht unver bunden nebeneinanderstehen. Ein gelingender Ganztag benötigt einen konzeptionellen Zusammen hang zwischen seinen einzelnen Teilen. Lehrkräfte, pädagogische Fachkräfte, Sozialarbeit, Schulträger, Vereine und weitere Partner müssen sich regelmäßig austauschen und das Kind gemeinsam in den Blick nehmen. Dafür braucht es Zeit, ver bindliche Kooperationsstrukturen und ausreichende Ressourcen. Das gilt in besonderer Weise für den ländlichen Raum. Wenn lange Schul wege, unzureichende Bussysteme und geringe außerschulische Ange- bote die Teilhabe erschweren, muss Ganztag auch ausgleichen, was im un- Ein ganzer Tag braucht ein gemeinsames Konzept
mittelbaren Lebensumfeld nicht vor handen ist. Ferienangebote müssen ebenfalls mitgedacht werden. Dabei kann und soll Bildung auch außerhalb des Schulgebäudes statt fi nden.
Demokratiebildung im Alltag
Das Fachforum „Demokratie ist Zusammenbestimmung“ zeigte, dass Demokratiebildung nicht allein im Unterricht oder in gewählten Gre mien statt fi ndet. Kinder erleben Demokratie vor allem dann, wenn sie im Alltag beteiligt werden, Verant wortung übernehmen und erfahren, dass ihr Handeln Wirkung zeigt. Der erweiterte Zeitrahmen des Ganz tags bietet dafür besondere Möglich keiten. Übergänge zwischen Unter richt, Lernzeit und Freizeit können bewusst so gestaltet werden, dass Kinder ihre Perspektiven einbringen und gemeinsam Vereinbarungen ent wickeln. Voraussetzung ist allerdings, dass Beteiligung ernst gemeint ist und nicht nur bereits feststehende Entscheidungen nachträglich legiti mieren soll. Demokratiebildung ist damit kein zusätzliches Projekt, sondern ein Qualitätsprinzip des Ganztags. Sie setzt zugleich eine funktionierende Zusammenarbeit aller beteiligten Professionen voraus. Hilfreich kön nen verbindliche Kooperationsverein barungen sein, in denen Zuständig keiten, Kommunikationswege, Ent scheidungsverfahren und gemein- same pädagogische Ziele festgelegt werden.
Schultoiletten als Ort von Gesundheit und
Mitverantwortung
PROFIL // 9/2026 Wie konkret Demokratiebildung wer den kann, zeigte das Fachforum zu Schultoiletten mit Prof. Dr. Ina Herr mann, Professorin für Soziale 19
bekommen oder „satt vom Bil dungstisch aufstehen“ solle.
PROFIL // Aktuell
Infos
20 PROFIL // 9/2026 ermöglicht es, das Projekt an die vorhandenen Strukturen und zeitli chen Möglichkeiten der jeweiligen Schule anzupassen. Arbeit und Kindheitspädagogik an der IU Internationalen Hochschule in Essen, Svenja Ksoll, Projektkoordi natorin Schulen bei der German Toi let Organization, und Markus Wewe ler, stellvertretendem Schulleiter der Realschule Wolbeck. Schultoilet ten sind häu fi g der erste gemein schaftlich genutzte Raum, in dem Kinder und Jugendliche ohne unmit telbare Aufsicht mit einem Gemein gut umgehen. Deshalb sind sie nicht nur ein hygienisches oder bauliches Problemfeld, sondern auch ein pädagogischer Ort. Unsichere, verschmutzte oder unan genehme Toiletten beeinträchtigen Gesundheit, Wohlbe fi nden und Teil habe. Werden Schülerinnen und Schüler dagegen an der Bestandsauf nahme, der Gestaltung, an Verein barungen zur Nutzung und an der Lösung auftretender Probleme betei ligt, können Verantwortungsbewusst sein, Identi fi kation und Selbstwirk samkeit wachsen. Das seit vielen Jahren praktizierte Konzept der Real- schule Wolbeck zeigt, dass echte Beteiligung zugleich zur Prävention von Vandalismus beitragen kann. Mit der Initiative „Starte deine Mis sion – Toiletten machen Schule“ stellt die German Toilet Organizati on Schulen ein kostenloses Hilfspor tal zur Verfügung. Es führt in vier Schritten von der Gründung eines Schulteams über die Bestandsauf nahme und die Entwicklung von Lösungsideen bis zur Umsetzung und dauerhaften Sicherung der Ver änderungen. Dazu bietet es Check listen, erprobte Methoden, interakti ve Werkzeuge und Beispiele anderer Schulen. Die Initiative nimmt den Schulen die Arbeit nicht vollständig ab, erleichtert aber den Einstieg und
Schule“. Der genaue Starttermin und die Teilnahmebedingungen werden noch bekannt gegeben. Dass der Wettbewerb auch für Gymnasien interessant ist, zeigen die Ergebnisse von 2024: Das Gymnasium Winsen gehörte zu den drei Hauptpreisträgern; das Gymnasium am Kurfürstlichen Schloss in Mainz erhielt einen Sonderpreis. Insgesamt beteiligten sich 135 Schulen aus ganz Deutsch land an dieser Wettbewerbsrunde. Für Gymnasien bietet das Projekt zahlreiche Anknüpfungspunkte: Es kann von der Schülervertretung, einer Arbeitsgemeinschaft oder im Rahmen einer Projektwoche getra gen und mit Demokratiebildung, Gesundheitsförderung, Nachhaltig keit oder Schulentwicklung verbun den werden. Auch eine Einbindung in den Unterricht ist möglich. Ent scheidend ist, das Vorhaben nicht als zusätzliche Aufgabe einzelner Lehrkräfte zu organisieren, sondern als gemeinsames, von Schülerinnen und Schülern maßgeblich getrage nes Schulentwicklungsprojekt. Der DPhV unterstützt diesen An- satz. Probleme werden nicht allein durch Kontrolle oder kurzfristige Renovierungen gelöst, sondern durch eine Schulkultur, in der Schü lerinnen und Schüler erleben, dass ihre Beteiligung zu sichtbaren Ver besserungen führt. Der Wettbe- werb im Herbst 2026 bietet Gym- nasien eine gute Gelegenheit, vor- handene Aktivitäten zu bündeln, neue Beteiligungsprozesse anzu- stoßen und erfolgreiche Lösungen ö ff entlich sichtbar zu machen.
Quellen und weiterführende Informationen BMBFSFJ: Ganztagskongress 2026 – Tag 1: https://www.recht-auf-ganztag.de/gb/service/ aktuelle-meldungen/ganztag-kann-ein-game changer-sein-290256 BMBFSFJ: Ganztagskongress 2026 – Tag 2: https://www.recht-auf-ganztag.de/gb/service/ aktuelle-meldungen/ganztag-kann-ein-game changer-sein-290354 German Toilet Organization: Toiletten machen Schule – Hilfsportal: https://www.germantoilet.org/de/schulen/ toiletten-machen-schule-hilfsportal/ German Toilet Organization: Toiletten machen Schule – Wettbewerb: https://www.germantoilet.org/de/schulen/ toiletten-machen-schule/ Initiative: Wettbewerb 2026: https://toiletten-machen-schule.de/wettbewerb Martin-Luther-Universität Halle-Witten berg: Prof. Dr. Bettina Hünersdorf: https://paedagogik.uni-halle.de/arbeitsbereich/ sozialarb_paed/team/huenersdorf/ Universität Bremen: Prof. Dr. Sabine Do ff : https://www.uni-bremen.de/fb-10/fachbereich/ wissenschaftlerinnen-wissenschaftler/ professorinnen-und-professoren/prof-dr- phil-sabine-do ff Philipps-Universität Marburg: Prof. Dr. Ivo Züchner: Realschule Wolbeck: Schulleitung: https://www.realschule-wolbeck.de/ wir/schulleitung-2/ Deutscher Städte- und Gemeindebund: Marc Elxnat: https://www.dstgb.de/strukturierte-daten/ mitarbeiter/elxnat-marc/ Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus: Amtschef Martin Wunsch: https://www.km.bayern.de/ministerium/ organisation/amtschef Jugend- und Familienministerkonferenz 2026: https://jfmk.de/ Hinweis: Der genaue Starttermin und die Teilnahmebedingungen des Wettbewerbs 2026 waren zum Stand 19. Juli 2026 noch nicht verö ff entlicht. https://www.uni-marburg.de/de/fb21/ erzwinst/arbeitsbereiche/eb-ajb/ajb/ personen/prof-dr-ivo-zuechner
Übergänge praktisch vorbereiten
Mit dem modularen AG-Konzept „Fit für die Fünfte“ wurde ein kon kreter Ansatz zur Vorbereitung
Im Herbst 2026 beginnt außerdem eine neue Runde des bundesweiten Wettbewerbs „Toiletten machen
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