Profil 9/2026
PROFIL // Bildungspolitik
Frühkindliche Bildung Aus Erkenntnissen muss Förderung werden Die Politik sucht nach Wegen, die Bildungsqualität zu stärken. Aktuell sollen eine Erhebung des Sprach- und Entwicklungsstands von Kindern sowie eine stärkere datengestützte Schul- und Unterrichtsentwicklung dazu beitragen. Der dbb hat beide Ansätze in aktuellen Positionspapieren bewertet. B ildungsstudien zeigen seit Jah ren wiederkehrend De fi zite bei den Basiskompetenzen vieler Entwurfs, sieht jedoch Nachbes serungsbedarf. Der Bund formuliert gemeinsame Qualitätsziele, über gestellten Unterstützungsbedarf muss konkrete und passgenaue Förderung folgen.“
Kinder und Jugendlicher. Lesen, Schreiben und Rechnen fallen einem wachsenden Teil der Schülerinnen und Schüler schwer. Noch immer entscheidet die Herkunft eines Kin des in Deutschland in erheblichem Maße über seine Bildungschancen. Bildungsbiogra fi en werden früh geprägt und gesellschaftliche Teilha be erschwert. Dadurch bleiben zu viele Potenziale ungenutzt. Gerade in Zeiten tiefgreifender gesellschaftli cher und wirtschaftlicher Verände rungen wiegt das besonders schwer. Ob Kinder ihr Potenzial entfalten können, entscheidet sich bereits in den ersten Lebensjahren. Zahlreiche Studien zeigen, dass frühe Entwick lungserfahrungen den weiteren Bil dungsverlauf nachhaltig prägen. Die frühe Bildung rückt deshalb auf Bun desebene zunehmend in den Mittel punkt bildungspolitischer Debatten. Mit dem Entwurf eines Gesetzes zur Verbesserung der Startchancen von Kindern und zur Qualitätsentwick lung in der Kindertagesbetreuung hat die Bundesregierung ihre Pläne inzwischen konkretisiert. Vorgesehen ist, den Sprachstand aller Kinder spätestens im fünften Lebensjahr festzustellen und bei Bedarf eine darauf abgestimmte För derung zu organisieren. Später sol len weitere Entwicklungsbereiche hinzukommen. Der dbb unterstützt die grundsätzliche Stoßrichtung des
lässt deren konkrete Umsetzung aber weitgehend den Ländern. Ob auf festgestellte Bedarfe eine fach lich vergleichbare und verlässliche Förderung folgt, hängt damit weiter hin vom Wohnort ab.
Die Feststellung im fünften Lebens jahr kann dabei nur ein Baustein sein. Sprachliche Bildung und Entwicklungsbegleitung müssen wesentlich früher beginnen und
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Früh fördern, Chancen stärken
kontinuierlich im Alltag der Einrich tungen statt fi nden. Werden Bedarfe erst kurz vor dem Übergang in die Grundschule festgestellt, bleibt wenig Zeit, um darauf zu reagieren. Umso wichtiger sind die Beobach tungen und fachlichen Einschätzun gen der pädagogischen Fachkräfte, die Kinder über längere Zeit beglei ten. Damit begonnene Maßnahmen über den Schuleintritt hinaus fort geführt werden können, müssen Kitas, Grundschulen und Eltern eng zusammenarbeiten. Im Mittelpunkt muss dabei das Kind mit seinen Stärken, Interessen und Entwicklungsmöglichkeiten stehen, nicht die Suche nach De fi ziten. 41
„Es ist gut, dass die frühe Bildung endlich mehr Aufmerksamkeit bekommt“, sagt Simone Fleisch mann, stellvertretende Bundesvor sitzende des dbb und des Verbands Bildung und Erziehung (VBE). „Wenn wir Bildungschancen ernsthaft ver bessern wollen, müssen wir früh ansetzen. Je früher Kinder die Unter stützung bekommen, die sie brau chen, desto besser sind ihre Chan cen auf ihrem weiteren Lebensweg. Aber kein Kind lernt besser, nur weil sein Förderbedarf festgestellt wurde. Entscheidend ist, was danach passiert. Auf einen fest
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