Profil 9/2026

PROFIL // Aktuell

lungen betrafen, etwa die angestrebte Einführung der Gesamtschule im Rahmen des Bildungsgesamtplans oder die Vereinheitlichung der Lehrerbildung hin zu einer Stufenlehrerausbildung, wie sie für einige Jahre sogar in Bayern geplant war. Er hat während dieser Zeit sowohl in Bayern als auch bundesweit viel dafür getan, dass wir heute in aller Regel über ein leistungsfähiges di ff erenziertes Schulwe sen und ein starkes Gymnasium verfügen. Als KMK-Prä sident hat er 1982 in die Rahmenvereinbarung über die gegenseitige Anerkennung von Abschlüssen an inte grierten Gesamtschulen die Notwendigkeit der äußeren Fachleistungsdi ff erenzierung hineinverhandelt. Gekämpft wurde damals in der Bildungspolitik mit sehr harten Bandagen. Der Spiegel behauptete 1981 – heute kann man darüber nur schmunzeln – Maier habe „den Freistaat in nahezu allen schul- und hochschulpoliti schen Belangen ins Abseits manövriert!“ Und der damalige VBE-Präsident Ebert sah in dessen Politik den Versuch, „Bayern zum letzten Mohikaner längst über holter, inhumaner Bildungsvorstellungen zu machen!“ Heute wissen wir, dass mit Hans Maier der Freistaat Bayern den Grundstein für ein bis heute in vielen Tei len deutschlandweit vorbildliches Bildungssystem legte, übrigens auch, was die Aufstiegschancen der im Schulsystem bis dato stark benachteiligten Mäd chen und die Bildungsgerechtigkeit anbetri ff t. Maier hat sich, wenn er es für notwendig hielt, auch mit Unionskollegen angelegt. Legendär sind seine Aus einandersetzungen mit dem niedersächsischen Kultus minister Werner Remmers, als dieser mit der Orientie rungsstufe die CDU für die Einführung der Gesamt schule ö ff nen wollte. Mit Strauß, der ab 1978 bayerischer Ministerpräsident war, verband Hans Maier ein ambivalentes Verhältnis. Einerseits lobte Strauß ihn als „das Beste, was in der deutschen Bildungspolitik an persönlicher Leistung und politischer Qualität anzutre ff en ist“, andererseits beäugte er den „arroganten Professor“ misstrauisch ob seiner Unabhängigkeit und Beliebtheit in der Fraktion. Als Hans Maier sich erfolgreich in der CSU für eine Rücknahme des von Strauß initiierten Kreuther Tren nungsbeschlusses einsetzte, kam es zum Bruch. Maiers Kritik an dem von diesem eingefädelten Milliardenkre dit für die DDR brachte dann das Fass zum Überlaufen. Die von Strauß verfügte Teilung seines Ministeriums, das zuvor Kindergärten, Schulen, Universitäten und Kultur und Denkmalschutz umfasste, akzeptierte er nicht und trat 1986 zurück.

In seinem Leben überschnitten sich viele Linien: Wis senschaft, Politik, Religion, Musik und Pädagogik. Er spielte begeistert Orgel und schrieb ein Buch gemein sam mit dem späteren Papst Joseph Ratzinger über “Demokratie in der Kirche”, entzweite sich allerdings mit ihm viele Jahre später wegen dessen Haltung zur Schwangeren-Beratung. Seit 1976 war er Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) und nach seinem Ausscheiden aus der Politik Inhaber des Guardini-Lehrstuhls als Nachfolger von Eugen Biser und Karl Rahner. Seine Publikationsliste umfasst über 700 Verö ff entlichungen. Die Krönung seines politischen Lebens blieb ihm leider verwehrt, Helmut Kohl wollte ihn 1984 als Kandidaten für das Bundespräsidentenamt haben, was aber von Franz-Josef Strauß hintertrieben wurde. Sowohl dem Bayerischen als auch dem Deutschen Philologenverband und ihren damaligen Vorsitzenden Max Schmid, Werner Honal, Franz Ebner und Bernhard Fluck war er in zahlreichen persönlichen Kontakten eng in der Überzeugung verbunden, dass nur ein leistungs orientiertes di ff erenziertes Schulwesen und ein starkes Gymnasium die Basis für dauerhaften Bildungserfolg bieten. Der BPV hat die Verdienste von Hans Maier im Jahre 2009 besonders gewürdigt durch die Verleihung seiner höchsten Auszeichnung, der Karl-Bosl-Medaille. Er war ein Freigeist, der seinen Überzeugungen immer treu blieb. Unbestechlich im Urteil und mit beeindruckender Weit sicht nahm er bis zuletzt immer wieder zu gesellschaftli chen Entwicklungen Stellung. So beklagte er in einem sei ner letzten Interviews den Zustand der heutigen Politik: “Politik verglüht, sie hat keine Beständigkeit mehr!” Er war der Überzeugung, dass ein Zeitalter, das die reißen de Veränderung der Lebensverhältnisse täglich spürt, nach Konstanten und Kontinuität suchen muss. Als Wert konservativer schätzte er die bürgerliche Tugend der „Verblü ff ungsfestigkeit“ und erinnerte daran, dass es in der Geschichte meist die Konservativen waren, die große Reformen durchgeführt haben. Humorvoll zitierte er oft Ernst Forstho ff : “Als es mit der Bildung zu Ende ging, wurde die Bildungspolitik erfunden!“ Mit Hans Maier ist ein Mensch und ein Politiker verstor ben, wie man ihn heute mit dieser universalen Bildung, dieser immensen geistigen Unabhängigkeit und wert gebundenen Urteils- und Tatkraft leider kaum noch fi n det. 

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