Profil 9/2026

PROFIL // Aktuell

Foto: Lucan

Nachruf auf Hans Maier,

Prof. Dr. Hans Maier, ehemaliger Kultus minister Bayerns

einen der ganz Großen der Bildungs politik im Nachkriegsdeutschland

von Heinz-Peter Meidinger A m 8. Juni 2026 ist im Alter von 94 Jahren der lang jährige bayerische Kultusminister Hans Maier ver storben. Hans Maier war sechzehn Jahre lang Kultusminister, so lange wie niemand vor ihm und auch bis heute nach ihm. Von 1970 bis 1986 verantwortete er die bayeri sche Bildungspolitik. Man darf ohne Übertreibung sagen, dass er das Amt des Kultusministers in der Nachkriegszeit so stark geprägt hat wie kein zweiter. Dabei war dem gebürtigen Freiburger seine phänome nale wissenschaftliche und politische Karriere nicht in die Wiege gelegt worden. Er wurde 1931 in eine land wirtschaftlich geprägte Familie hineingeboren, in der noch niemand eine akademische Laufbahn eingeschla gen hatte. Sein Volksschullehrer war es, der der Mutter empfahl, den begabten Sohn aufs Gymnasium zu schi cken. Er studierte dann fürs gymnasiale Lehramt in München, Freiburg und Paris Geschichte, Deutsch und Französisch und promovierte anschließend summa cum laude bei Arnold Bergstraesser, einem der Grün dungsväter der bundesdeutschen Politikwissenschaft. In dieser Zeit lernte er auch Martin Heidegger, Romano Guardini, Gerhard Ritter, Reinhold Schneider und Theo dor Eschenburg kennen. Bereits mit 31 Jahren wurde Hans Maier auf einen Lehrstuhl für Politikwissenschaft am Geschwister Scholl-Institut der LMU München berufen. Eine lange wissenschaftliche Karriere schien vorgezeichnet. Doch dann kam die Studentenbewegung der 68er mit der Sprengung von Vorlesungen missliebiger Hochschuldo zenten. Er habe die Unis nicht den Marxisten überlas sen wollen, so rechtfertigte Maier später sein Engage

ment als Mitgründer des parteiübergreifenden Bundes Freiheit der Wissenschaft (BFW) gemeinsam mit Richard Löwenthal, Alexander Schwan und vielen anderen. In seiner 2011 erschienenen Biographie „Böse Jahre, gute Jahre“ hat er berichtet, wie ihn auch der als Antizio nismus getarnte Antisemitismus vieler 68er motiviert habe, für die Freiheit der Wissenschaft Flagge zu zeigen. Als rhetorisch brillanter und keine inhaltliche Auseinan dersetzung scheuender Vertreter des BFW fi el er so dem CSU-Vorsitzenden Franz-Josef Strauß auf, der dem damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Goppel riet, Maier als Kultusminister ins Kabinett zu holen. Hans Maier war derjenige, mit dem Strauß das Bier dimpfel-Image, das der CSU in jenen bewegten Zeiten mitunter anhaftete, loswerden wollte. Ursprünglich trauten nur wenige dem Politik-Quereinsteiger, der von Strauß auf den Schleudersitz des Kultusministers geholt worden war, eine längere Amtszeit zu. Bernhard Vogel, der rheinland-pfälzische Kultusminister schrieb ihm anlässlich seines Amtsantritts: „Willkommen im Kreis der Prügelknaben der Nation!“ Aber schnell wurde er zum Liebling der CSU-Fraktion und zum intellektuellen Aushängeschild der Staats regierung. Seine Reden im bayerischen Landtag waren oft parlamentarische Sternstunden, etwa wenn er den Jung- und Altlinken feinsinnig nachwies, wie alt und überholt der Fundus war, aus dem sie sich bedienten. Seine Amtszeit war geprägt von harten bundesweiten bildungspolitischen Auseinandersetzungen, die über wiegend ganz grundsätzliche Fragen und Weichenstel- 

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