Profil 9/2026
PROFIL // Aktuell
um für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, verwies darauf, wie stark Übergänge Bildungsbiogra fi en prägen. Der Ausbau des Ganz tags biete die Chance, soziale Be- nachteiligungen auszugleichen und Kindern bessere Fördermöglichkeiten zu erö ff nen. Zugleich müssten Kom munen, Schulen und Kinder- und Jugendhilfe ihre jeweiligen Verant wortlichkeiten klären und sich über die gemeinsamen Ziele verständigen. In der wissenschaftlichen Gesprächs runde mit Prof. Dr. Bettina Hüners dorf, Professorin für Sozialpädagogik und Sozialarbeit an der Martin-Luther Universität Halle-Wittenberg, Prof. Dr. Sabine Do ff , Professorin für Fremdsprachendidaktik Englisch an der Universität Bremen, und Prof. Dr. Ivo Züchner, Professor für Außer schulische Jugendbildung an der Phi lipps-Universität Marburg, standen Kinderrechte, Partizipation, Wohl be fi nden und Bildungsgerechtigkeit im Mittelpunkt. Hünersdorf warb dafür, Kinder bei der Gestaltung des Ganztags ernsthaft einzubeziehen: Sie sollten mitentscheiden können, wann, wie und in welcher Form be- stimmte Aufgaben und Angebote statt fi nden. Ganztag kann nur dann zum Lern- und Lebensraum werden, wenn Kinder ihn nicht ausschließlich als von Erwachsenen durchorgani sierten P fl ichtablauf erleben. Prof. Dr. Sabine Do ff rückte den Übergang von der Grundschule in die weiterführende Schule in den Mittelpunkt. Bildungsgerechtigkeit bedeute nicht, allen Kindern unter schiedslos dasselbe anzubieten. Entscheidend sei vielmehr, dass jedes Kind die notwendige Unter stützung erhält und tragfähige Min deststandards erreicht. Anschaulich formulierte sie die Frage, ob jedes Kind ein gleich großes Stück Kuchen
Für den DPhV ist diese Verbindung zentral: Kindliches Wohlbe fi nden und schulischer Lernerfolg sind keine Gegensätze. Partizipation darf nicht bedeuten, dass Erwachsene ihre pädagogische Verantwortung abge ben oder fachliche Anforderungen relativiert werden. Kinder brauchen Freiräume und Mitgestaltungsmög lichkeiten, zugleich aber verlässliche Strukturen, quali fi zierte Anleitung und die Gewissheit, grundlegende Kompetenzen tatsächlich zu erwer ben. Gerade der Übergang auf das Gymnasium und andere weiterfüh rende Schulformen muss fachlich vorbereitet, transparent begleitet und mit geeigneten Förderange boten unterstützt werden. Prof. Dr. Ivo Züchner machte deut lich, dass Ganztag in sehr unter schiedlichen Formen statt fi ndet: in Ganztagsschulen, Horten und weite ren Betreuungsangeboten. Aus Sicht eines Kindes handelt es sich jedoch immer um einen zusammenhängen den Tag. Deshalb dürfen Unterricht, Betreuung und Freizeit nicht unver bunden nebeneinanderstehen. Ein gelingender Ganztag benötigt einen konzeptionellen Zusammen hang zwischen seinen einzelnen Teilen. Lehrkräfte, pädagogische Fachkräfte, Sozialarbeit, Schulträger, Vereine und weitere Partner müssen sich regelmäßig austauschen und das Kind gemeinsam in den Blick nehmen. Dafür braucht es Zeit, ver bindliche Kooperationsstrukturen und ausreichende Ressourcen. Das gilt in besonderer Weise für den ländlichen Raum. Wenn lange Schul wege, unzureichende Bussysteme und geringe außerschulische Ange- bote die Teilhabe erschweren, muss Ganztag auch ausgleichen, was im un- Ein ganzer Tag braucht ein gemeinsames Konzept
mittelbaren Lebensumfeld nicht vor handen ist. Ferienangebote müssen ebenfalls mitgedacht werden. Dabei kann und soll Bildung auch außerhalb des Schulgebäudes statt fi nden.
Demokratiebildung im Alltag
Das Fachforum „Demokratie ist Zusammenbestimmung“ zeigte, dass Demokratiebildung nicht allein im Unterricht oder in gewählten Gre mien statt fi ndet. Kinder erleben Demokratie vor allem dann, wenn sie im Alltag beteiligt werden, Verant wortung übernehmen und erfahren, dass ihr Handeln Wirkung zeigt. Der erweiterte Zeitrahmen des Ganz tags bietet dafür besondere Möglich keiten. Übergänge zwischen Unter richt, Lernzeit und Freizeit können bewusst so gestaltet werden, dass Kinder ihre Perspektiven einbringen und gemeinsam Vereinbarungen ent wickeln. Voraussetzung ist allerdings, dass Beteiligung ernst gemeint ist und nicht nur bereits feststehende Entscheidungen nachträglich legiti mieren soll. Demokratiebildung ist damit kein zusätzliches Projekt, sondern ein Qualitätsprinzip des Ganztags. Sie setzt zugleich eine funktionierende Zusammenarbeit aller beteiligten Professionen voraus. Hilfreich kön nen verbindliche Kooperationsverein barungen sein, in denen Zuständig keiten, Kommunikationswege, Ent scheidungsverfahren und gemein- same pädagogische Ziele festgelegt werden.
Schultoiletten als Ort von Gesundheit und
Mitverantwortung
PROFIL // 9/2026 Wie konkret Demokratiebildung wer den kann, zeigte das Fachforum zu Schultoiletten mit Prof. Dr. Ina Herr mann, Professorin für Soziale 19
bekommen oder „satt vom Bil dungstisch aufstehen“ solle.
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