Profil 9/2026
Foto: Kasigkeit
Podiumsdiskussi on mit Martin Wunsch, Amtschef des bayerischen Kultusministeri ums, Marc Elxnat, vom Deutschen Städte- und Gemeindebund, Heike Hofmann, Hessische Arbeitsministerin, und Karin Prien, Bundesbildungs ministerin
PROFIL // Aktuell
22 PROFIL // 9/2026 bieten. Dabei muss sowohl leis tungsschwächeren als auch leis tungsstarken Schülerinnen und Schülern Rechnung getragen wer den. In den Diskussionen wurde teilwei se mit sehr allgemeinen Forderun gen gearbeitet – etwa mit der Aus sage, Hausaufgaben sollten abge schafft werden, da es keine Belege für ihre Wirksamkeit gebe. Eine solche Pauschalisierung greift aus Sicht des DPhV zu kurz. Entscheidend sind Alter, Aufgaben qualität, Umfang, fachliches Ziel und Rückmeldung. Im Ganztag sollten klassische Hausaufgaben deshalb nicht lediglich in den Nachmittag verschoben werden. Sinnvoller sind pädagogisch gestal tete Lernzeiten, die mit dem Unter richt verbunden sind, selbststän- diges Arbeiten fördern und bei Bedarf fachkundige Unterstützung des Wechsels von der Grundschule in die weiterführende Schule vor gestellt. Kinder werden dabei unter stützt, neue Anforderungen zu bewältigen, ihre eigenen Fähigkei ten wahrzunehmen und Sicherheit für den Übergang zu gewinnen. Solche Angebote können sinnvoll sein, wenn sie mit dem Unterricht und den weiterführenden Schulen abgestimmt werden. Übergangs gestaltung darf sich jedoch nicht auf einzelne Projekte beschrän- ken. Erforderlich sind ein frühzeiti ger Austausch zwischen den Schul formen, transparente Informatio nen für Eltern und Kinder, ver- lässliche Rückmeldungen zum Lernstand sowie gezielte För derung vor und nach dem Schul wechsel. Lernzeiten statt pauschaler Antworten
dards werden. Bestehende Räume können mehrfach genutzt und Kooperationen mit Vereinen oder außerschulischen Partnern aus gebaut werden. Die Verantwortung für einen qualitativ hochwertigen Ganztag darf jedoch weder auf Ehrenamtliche verlagert noch durch kurzfristige Notlösungen ersetzt werden. Lehrkräfte und pädagogi sche Fachkräfte benötigen verläss liche Arbeitsbedingungen, Zeit für Kooperation und Möglichkeiten zur fachlichen Weiterentwicklung. Der Rechtsanspruch auf Ganztagsför derung kann also aus Sicht des DPhV zu einem wichtigen Impuls für das Bildungssystem werden. Dafür muss Ganztag jedoch als Bildungsauftrag verstanden werden. Er braucht drin gend einen gemeinsamen Bildungs begri ff von Schule und Kinder- und Jugendhilfe, quali fi ziertes Personal, verbindliche Kooperationen und eine wissenschaftlich begleitete Qualitäts entwicklung. Dabei gehören fachliches Lernen, Persönlichkeitsentwicklung, Wohl be fi nden, Partizipation und Demo kratiebildung zusammen. Ganztag ist dann erfolgreich, wenn er Kinder nicht nur länger in der Schule hält, sondern ihnen bessere Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten erö ff net. Dafür braucht es Zuversicht und Gestaltungswillen – vor allem aber klare Qualitätsmaßstäbe und die notwendigen Ressourcen.
Kooperation braucht Ressourcen
Am zweiten Kongresstag bezeichne te Karin Prien, Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, den Ganztag als wichti gen Beitrag zu Chancengerechtig keit, Persönlichkeitsentwicklung und besserer Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Zugleich warb sie ange sichts unterschiedlicher Vorausset zungen in Ländern und Kommunen für Flexibilität und pragmatische Lösungen, beispielsweise durch eine bessere gemeinsame Nutzung vor handener Gebäude. Heike Hofmann, Hessische Ministe rin für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales und Vorsitzende der Jugend- und Familienministerkon ferenz 2026, Marc Elxnat, Beigeord neter des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, und Martin Wunsch, Amtschef im Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus, unterstrichen die Bedeutung multiprofessioneller Teams, einer ressortübergreifen- den Zusammenarbeit und größerer Gestaltungsspielräume vor Ort. Deutlich wurde aber auch: Kom munen und Träger müssen über die fi nanziellen und personellen Mittel verfügen, die sie für die Umsetzung des Rechtsanspruchs benötigen. Flexibilität ist notwendig, darf aber nicht zum Ersatz für Qualitätsstan
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