Profil 9/2026

PROFIL // Zur Diskussion

Wie stärken wir die Schülerinnen und Schüler in ihren Kernkompetenzen? Ehemaliger Hamburger Senator Ties Rabe diskutiert Vor- und Nachteile regelmäßiger Tests

16 PROFIL // 9/2026 Rabe auf, wenn er die zwangsläu fi g vorausgehende Übungsdichte her vorhebt, die der Testung vorausgeht von Walter Tetzloff I deologische Scheuklappen konnte man ihm noch nie vorwerfen. Ties Rabe war ein Schulsenator der Freien und Hansestadt Ham burg, dem der Leistungsrückstand der dortigen Schülerinnen und Schüler weder gleichgültig war noch ein Grund, resignierend die Hände in den Schoß zu legen. Während seiner Zeit im Senat handel te er, und schon bald zeigten sich erste Erfolge. Zwei beunruhigende Ergeb nisse internationaler Vergleichsunter suchungen waren die Ausgangslage. Zum Einen zeigte sich 2021, dass deutsche Schülerinnen und Schüler nur noch durchschnittliche Ergebnis se in den entscheidenden Schlüssel quali fi kationen aufwiesen, und zum Anderen, dass der internationale Durchschnittswert als solcher gesun ken war. Es wäre zu billig, in diesem Falle zu bequem, dies auf die Corona Epidemie zurückzuführen. Ties Rabe begrüßt jetzt die Vorschlä ge der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission der Bildungsminister konferenz, künftig bundesweit in jedem Jahr einen Test schreiben zu lassen, in dem die sprachlichen, mathematischen und naturwissen schaftlichen Kenntnisse und Fähig keiten ermittelt werden. Die entscheidenden Argumente für ein solches Vorhaben zählt

bzw. vorausgehen muss. Hinzu kommt die Motivation der Lehr- kräfte, die kein Interesse an einem schlechten Abschneiden ihrer Lerngruppe haben dürften. Wenn Ties Rabe so argumentiert, dann blickt er auf mindestens ein Jahrzehnt Hamburger Schulgestal tung zurück, für die er als Senator die Verantwortung getragen hat. Die Tests, die er in der Hansestadt einführte, führten – im Rahmen eines umfangreichen Reformpa- kets – besonders an den Hamburger Grundschulen zu einem Anstieg der Leistungen der dortigen Schülerin nen und Schüler im bundesweiten Vergleich, der den Stadtstaat vom unteren Ende der Länderskala in das obere Drittel katapultierte. Dieser Sprung nötigte zwei anderen Län dern, nämlich Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein, Respekt ab. Die ebenfalls von Rabe in Hamburg initiierten Sprachtests vor dem Ein tritt in die Grundschule hatten eben falls Vorbildfunktion für andere. Zurück zu den Tests. Ties Rabe war selbst Lehrer (in Schleswig-Holstein), bevor er zentrale schulpolitische Verantwortung in Hamburg bekam, und aus der Praxis kennt er die gewerkschaftlichen und personalrät lichen Gegenargumente gegen die mögliche Mehrarbeit, die sich aus der Erstellung und der Korrektur der Testbögen ergeben dürfte. Dem begegnete der frühere Sena- tor durch Implementierung eines

Hamburgs ehemaliger Schulsenator Ties Rabe

Foto: Albrecht

eigens für diese Maßnahme vorgese henen Instituts, das den betro ff enen Lehrkräften nahezu sämtliche Arbeit erspart und ihnen bei der Durchfüh rung nur die notwendige Aufsicht abverlangt. Dem Vorwurf, die Tests begünstigten Schulen mit einer Klien tel aus „besseren“ bürgerlichen Stadt teilen, tritt Ties Rabe mit der von ihm festgelegten di ff erenzierten Vergabe von sozialen Kennzeichen für jede Schule entgegen, so dass ein realisti sches und faires Ergebnis gefunden und für die jeweilige Schule verö ff ent licht werden kann. Unkritisch sieht der erfahrene Sena tor die jüngsten Vorschläge der SWK nicht. Er sieht die Gefahr der Daten sammelwut und betont, dass die Ergebnisse nicht primär für die Wis senschaft und die Kultusminister der Länder ermittelt werden sollten, son dern für die Lehrkräfte. Aus diesen Ergebnissen könnten und sollten dann gezielte Fördermaßnahmen ihren Weg zu den Schülerinnen und Schülern nehmen. Ergebnisse, die von der Kultusverwaltung den Lehrkräften zur Verfügung gestellt werden sollten. Dazu gehören nicht nur spezi fi sche Nachhilfemaßnahmen, sondern auch Übungsphasen wie Lesetraining. 

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