Profil 9/2026
PROFIL // Auf ein Wort
Bereits 2024 hat der DPhV die Stellungnahme der Ständi gen Wissenschaftlichen Kommission zur Bedeutung des Fachunterrichts für die Demokratiebildung ausdrücklich begrüßt und zugleich auf die Notwendigkeit eines fl ächen deckenden Fachunterrichts mit ausreichendem Stunden umfang hingewiesen. Diese Position ist heute aktueller denn je. Angesichts der anstehenden Landtagswahlen gewinnt die Diskussion zusätzliche Bedeutung. Die Länder tragen die Verantwortung für Lehrkräftebildung, Lehrpläne, Schulauf sicht und Schulbesuchsp fl icht. Entscheidungen in diesen Bereichen bestimmen nachhal
Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing, Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbandes
Wer Lehrkräfte schlecht ausbildet, schadet der Demokratie!
Liebe Kollegen und Kolleginnen, im Vorfeld der anstehenden Landtagswahlen richten der Deutsche Philologenverband und zehn Fachverbände gemeinsam den Blick auf eine Voraussetzung gelingender Demokratiebildung, die in der ö ff entlichen Debatte häu fi g zu wenig Beachtung fi ndet: die Qualität der Lehrkräftebil dung. Ob junge Menschen lernen, Fakten von Meinungen zu unterscheiden, Quellen kritisch zu prüfen, mit Unsicher heit und Mehrdeutigkeit umzugehen sowie demokratische Prozesse zu verstehen, hängt wesentlich von der fachlichen und fachdidaktischen Quali fi kation ihrer Lehrkräfte ab. Deshalb bekräftigen wir gemeinsam: Demokratiebildung braucht Fachlichkeit und einen wissenschaftlich fundierten Umgang mit Evidenz, Kontroversität und Komplexität. Vor diesem Hintergrund warnen wir vor einer weiteren Aus höhlung fachlicher Standards in der Lehrkräftebildung, insbesondere bei der Quali fi kation von Quer- und Seiten einsteigern, sowie vor einer Verkürzung der zweiten Phase der Ausbildung. Wer Lehrkräfte unzureichend ausbildet, schadet der Demokratie. Kritisches Denken, die Fähigkeit zur Quellen kritik und die Orientierung an wissenschaftlichen Verfah ren entstehen nicht von selbst. Sie müssen professionell vermittelt werden. Dafür braucht es fachlich und fachdi daktisch hervorragend ausgebildete Lehrkräfte und ein Referendariat, das ausreichend Zeit für Hospitation, Re fl e xion, individuelles Feedback und professionelle Entwick lung bietet. Qualität entsteht nicht im Eilverfahren. Demokratiebildung ist eine Querschnittsaufgabe aller Fächer. Sie wird zwar besonders in den gesellschaftswis senschaftlichen Fächern gefördert, die sich an den Prinzi pien des Beutelsbacher Konsenses orientieren, doch auch Naturwissenschaften, Informatik, Sprachen, Sport und Künste leisten einen unverzichtbaren Beitrag. Überall ler nen Schülerinnen und Schüler, mit Evidenz, Unsicherheit und unterschiedlichen Perspektiven umzugehen. So ent steht ein wissenschaftlich fundierter Blick auf Welt und Gesellschaft, getragen von Lehrkräften, die fest auf dem Boden des Grundgesetzes stehen.
Infos
tig die Qualität unserer Schulen und damit auch die demokratische Zukunft unseres Landes. Mit Sorge be- obachten wir deshalb Bestrebungen, Fachlich keit zu relativieren oder schulische Bildung ideo logisch zu instrumentali sieren. Der DPhV und die betei ligten Fachverbände for dern daher, die Fachlich keit in allen Phasen der Lehrkräftebildung zu stärken, auf Kürzungen des Referendariats zu verzichten und die ver tiefte Auseinanderset zung mit den Inhalten und Werten des Grund gesetzes verbindlich im Lehramtsstudium zu ver ankern.
Folgende Fachverbände unterstützen uns mit diesen Forderungen: AEED – Arbeitsgemeinschaft für Evangelische Erziehung und Bildung in Deutschland BDK – Fachverband für Kunstpädagogik e.V. BKRG – Bundesverband der
katholischen Religions- lehrer und -lehrerinnen an Gymnasien e.V.
BMU – Bundesverband Musikunterricht DGV – Deutscher
Germanistenverband Fachverband Philosophie e.V. GDCh – Gesellschaft Deutscher Chemiker MNU – Verband zur Förderung des MINT-Unterrichts VGD – Verband der Geschichts- lehrerinnen und -lehrer Deutschlands e.V. VdF – Vereinigung der Französischlehrerinnen und -lehrer e.V.
Wer über die Zukunft der Lehrkräftebildung entscheidet, entscheidet zugleich über die Bildungschancen einer gan zen Generation. Eine fachlich fundierte und wissenschafts basierte Lehrkräftebildung ist deshalb keine Nebensache, sondern eine der wichtigsten Zukunftsinvestitionen unse res Landes.
Ihre
Susanne Lin-Klitzing
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