Profil 5/2026

Die Profil Ausgabe 05/2026 mit dem Leitthema "Skepsis und Menschlichkeit: zum 100. Geburtstag von Siegfried Lenz" ist veröffentlicht. Jetzt lesen!

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DEUTSCHER PHILOLOGENVERBAND

DAS MAGAZIN FÜR GYMNASIUM UND GESELLSCHAFT

Skepsis und Menschlichkeit: zum 100. Geburtstag von Siegfried Lenz

Foto: Bundesarchiv, B 145 Bild-F030757-0015 / Schaack, Lothar / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 DE

Der Waldlehrpfad: Deutscher Lehrkräftepreis für ein starkes ökologisches Projekt

Rezension: Smartphone aus – Leben an

Junge Philologen im Dialog mit Sachsen-Anhalts Bildungsminister Jan Riedel

PROFIL // Auf ein Wort

Diese uneinheitliche Handhabung führte aus unse rer Sicht zu einer problematischen Situation: Lehr kräfte und Schülerinnen und Schüler hatten je nach Bundesland sehr unterschiedliche Möglichkeiten, sich anhand vergangener originaler Abituraufgaben aus dem IQB-Pool auf die Prüfungen vorzubereiten. Dies widerspricht dem Anspruch auf vergleichbare Lern- und Prüfungsbedingungen im Rahmen eines länderübergreifend abgestimmten Abiturs. Vor diesem Hintergrund hatten wir darum gebeten, dass alle Lehrkräfte in allen Bundesländern einen rechtssicheren Zugang zu den Abituraufgaben aus dem IQB-Aufgabenpool der vergangenen Jahre kostenfrei erhalten und mit ihren Schülerinnen und Schülern für das Abitur üben dürfen, da es hier ja um den bundeszentralen, ländergemein samen Anteil aus den Abitur-Pool-Aufgaben geht. Urheberrechtliche Anforderungen, aber auch pädagogische Erfordernisse sollten gleicher- maßen berücksichtigt werden. Unser zentrales Anliegen war und ist es, dazu bei zutragen, dass Schülerinnen und Schüler unabhän gig vom Wohn- und Schulort mit ihren Lehrkräften gute und vergleichbare Chancen zur Vorbereitung auf das Abitur haben. Der IQB-Aufgabenpool dient explizit der Vergleichbarkeit und Qualitätssiche rung – diesem Ziel dient, wenn die Vorjahres-Auf gaben auch gleichermaßen fl ächendeckend in der schulischen Praxis nutzbar wären – so haben wir argumentiert. Jetzt ist es soweit: Das IQB hat die Aufgabenpools 2025 in den naturwissenschaftlichen Fächern auf seiner Seite verö ff entlicht:

Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing, Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbandes

Und manchmal geht es ganz schnell….

Liebe Kollegen und Kolleginnen, herzlich grüße ich Sie hinein in die Abiturzeit – und habe für alle die, die mit ihren Schülerinnen und Schülern jetzt und zukünftig das Abitur vor bereiten, gute Nachrichten. Wir haben uns an die Bildungsministerkonferenz und ihre Amtschefs gewandt für die Freigabe und einheitliche Zugäng lichmachung der Abituraufgaben aus dem IQB- Aufgabenpool in den Naturwissenschaften. Konkret ging es um die Abituraufgaben des ver gangenen Jahres aus dem IQB-Aufgabenpool in den Fächern Chemie, Biologie und Physik. Diese Aufgaben wurden bis vor wenigen Tagen nicht auf der Website des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) verö ff entlicht, da urheber rechtliche Bedenken geltend gemacht werden. Wir Lehrkräfte üben anhand dieser Aufgaben aus den vergangenen Jahren auch in anderen Fächern mit den zukünftigen Abiturienten für deren Abitur. Nach unseren Informationen hatte das IQB die Aufgaben jedoch ausdrücklich dafür freigegeben, dass sie von den einzelnen Ländern an ihre Lehr kräfte weitergegeben werden können. Von dieser Möglichkeit wurde in den Ländern allerdings sehr unterschiedlich Gebrauch gemacht. Auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat am 27. April 2026 im Artikel „Das Geschäft mit den Abi-Prüfun gen“ darauf hingewiesen. Manche Länder haben dies auf eine urheberrechtskonforme Weise getan, in anderen Ländern wurden die Aufgaben hin gegen nicht an die Lehrkräfte weitergeleitet, eben falls mit Verweis auf bestehende Urheberrechts bedenken.

https://www.iqb.hu-berlin.de/de/ schule/aufgaben/sekii/abiturpr% C3%BCfungsaufgaben-biologie/

Ihnen und Ihren Schülerinnen und Schülern alle guten Wünsche und viel Kraft, insbesondere für alles, was mit dem Abitur zusammenhängt!

Ihre

Susanne Lin-Klitzing

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DPhV-Standpunkte  Diskussion um „Social-Media-Verbot“ allein reicht nicht: Tech-Konzerne wirksam regulieren und in Haftung nehmen, Medienbildung stärken  Wer misst, muss passende Förderung mitdenken und fi nanzieren  DPhV bewertet die Zweckentfremdung des Sondervermögens als Vertrauensbruch gegenüber Schülerinnen und Schülern, Eltern und Lehrkräften Titel  Ein Plädoyer für Menschlichkeit Zum 100. Geburtstag des großen Erzählers Siegfried Lenz Aktuell  Ein ideenreiches und nachhaltiges Umweltprojekt Jury des Deutschen Lehrkräftepreises vergibt Sonderpreis für schleswig-holsteinisches Team  Beamtenstatus sichert Demokratie Petitionsausschuss des Schleswig-Holsteinischen Landtags stimmt der Petition gegen Stundenkürzungen im Geschichtsunterricht zu  Lehrkräfte werden weiterhin als Beamte eingestellt Deutscher Philologenverband sieht sich in seiner Argumentation bestätigt  Susanne Lin-Klitzing gefragte Interviewpartnerin in diversen Zeitungen: Skepsis gegenüber Daten- sammelwut und KI-Tools statt Fremdsprachen- unterricht in unseren Schulen Aus den Ländern  PhV Nordrhein-Westfalen: KI-Korrekturen können Lehrkräfte unterstützen – aber nicht ersetzen  PhV Bayern: bpv zur Verschärfung des Lehrkräfte- mangels: „Schulen müssen die Folgen ausbaden!“  PhV Rheinland-Pfalz: Zum Start der Koalitions- verhandlungen: Bessere Bildung jetzt !  PhV Hessen: Mehr Geld für Landesbeschäftigte – Zustimmung zum Tarifabschluss in Hessen Begegnungen  P fl ege – ein Thema, dem man sich nicht entziehen darf Eindrücke von einem aktuellen und informativen dbb-Seminar in Jena 34 Termine  Junge Philologen: Erste Tagung mit neuem Vorstand in Magdeburg 36 27 28 30 32 32  PhV Thüringen: Maßnahmenpaket nur teilweise geeignet 5 8 10 11 12 16  Ein Erfolg für die Politische Bildung, … aber auch für unseren Verband 18 19 20 Zur Diskussion  Was ist die Erfolgsformel des deutschen Gymnasiums und was folgt daraus? 21

PROFIL // Inhalt

Zum 100. Geburtstag von Siegfried Lenz: Ein Plädoyer für Menschlichkeit 12 Jury des Deut schen Lehrkräf tepreises vergibt Sonderpreis für schleswig-hol steinisches Team 16 Ein Erfolg für die Politische Bildung, … aber auch für unseren Verband 18

Buchtipp & Verlosung  Wie ist die Menschheit früher nur ohne Smartphone ausgekommen? Jacob Weizman fordert „Smartphone aus, Leben an!“

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 Smartphone: Für einen selbstbestimmten und gesunden Umgang mit unserem täglichen Begleiter

Impressum

Junge Philologen: Erste Tagung

Senioren

dbb magazin

mit neuem Vorstand in Magdeburg 36

 Hauptversammlung der dbb bundessenioren- vertretung: Das Berufsbeamtentum ist ein Vorteil für Deutschland

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Gewerkschaften

dbb magazin

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 DPolG: Heiko Teggatz ist neuer Bundesvorsitzender  DBB NRW: Modernisierungso ff ensive auf der Zielgeraden  VBE: Übergang zur Schule im Fokus  BBB: Popularklage gegen Beamtenbesoldung  GdS: Mehr Homeo ffi ce gegen steigende Tankkosten

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 dbb hamburg: Jobticket-Zuschuss für Beamtinnen und Beamte gefordert

PROFIL // DPhV-Standpunkte

Foto: AdobeStock

Diskussion um „Social-Media-Verbot“ allein reicht nicht:

Tech-Konzerne wirksam regulieren und in Haftung nehmen, Medienbildung stärken

DPhV fordert Schutz und Befähigung von Kindern, klare Regeln sowie gesellschaftliche Reflexion der Erwachsenen über ihr Social- Media-Verhalten

Der Deutsche Philolo genverband spricht sich in der aktuel- len Debatte um ein Social-Media-Verbot für klare Jugend schutzmaßnahmen

umsetzen. Gleichwohl darf die Erwachsenenwelt diese Diskussion nicht ohne die Stimme der Jugend führen!“, erklärt DPhV-Bundesvorsit zende Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing. „Aufmerksamkeit, Belohnungssyste me im Gehirn und das psychische Wohlbe fi nden von Kindern sind in dieser Phase sensibel, während Plattformen auf maximale Bindung und Reizüber fl utung ausgerichtet sind. Internationale Beispiele – etwa aus Australien und Frankreich – zeigen zwar den politischen Hand lungswillen, garantieren jedoch keine automatische Wirksamkeit. Deshalb ist Medienbildung und pädagogische Begleitung unver zichtbar, unabhängig von weiteren wünschenswerten politischen Maß

nahmen“, so Lin-Klitzing. Eine „Jugendversion“ von Social-Media Kanälen könnte eventuell ein Bau stein sein – mit begrenzter Inter- aktion, deaktivierten Belohnungs mechanismen, ohne Werbung. „Eine kluge ‘Light-Version’ darf aber kein Feigenblatt sein! Es braucht endlich eine breite Diskussion über das vorgelebte Verhalten von Er- wachsenen im eigenen Umgang mit digitalen Endgeräten“, so die DPhV Bundesvorsitzende. „Wir brauchen eine gesamtgesellschaftliche Bewe gung der ‘klugen digitalen Askese’, unterstützt von Freizeitangeboten für Kinder und Jugendliche, die so involvierend sind, dass das Smart phone in den Hintergrund tritt –

Pressemitteilung vom 25. März

beim Umgang mit sozialen Medien aus. „Wir begrüßen die politische Diskussion um ein sogenanntes Social-Media-Verbot, aber das allein reicht nicht. Wenn wir Kinder und Jugendliche in einem besonders vulnerablen Entwicklungsabschnitt schützen wollen, bedarf es dringend einer konsequenten Regulierung sozialer Medien durch klare Alters beschränkungen und die Inhaftung nahme der Plattformanbieter, wenn sie die Vorgaben nicht wirksam

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PROFIL // 5/2026

PROFIL // DPhV-Standpunkte

PROFIL // Anzeige

sportlich, musikalisch, kulturell, interaktiv. Denn wer im Verein trainiert, im Gym an sich arbeitet oder mit der Band probt; wer beim Theaterprojekt mitwirkt, sich ehren amtlich engagiert oder an einem Umweltprojekt beteiligt – der hängt nicht permanent am Handy.“ Der DPhV unterstützt daher aus drücklich die von Bundesbildungs ministerin Karin Prien eingesetzte Expertenkommission. Lin-Klitzing: „Schutz und Befähigung müssen zusammen gedacht werden: Kinder und Jugendliche müssen vor Dauer Ablenkung, sozialem Druck und suchtähnlichem Nutzungsverhal- ten geschützt werden, brauchen zugleich aber Lern- und Bildungs erfahrungen für einen verantwor tungsvollen Umgang mit digitalen Medien“. Dazu gehört neben einer verbindlichen Verankerung von Medienerziehung in der Schule auch das P fl ichtfach Informatik. Eine gesetzliche Altersbeschrän- kung für Social Media und der Ver zicht auf Privathandys in der Schule kann Schülerinnen und Schüler wäh rend des Unterrichts wirksam vor digitaler Dauerablenkung schützen und damit die Schule in ihrer Bil dungsaufgabe stärken. Der DPhV fordert zudem strukturelle Eingri ff e in Plattformmechanismen. Lin-Klitzing: „Personalisierte Empfeh lungsalgorithmen fördern Abhängig keit, verkürzen Aufmerksamkeits spannen und begünstigen extreme Inhalte. Kinder dürfen digitalen Sucht spiralen nicht schutzlos ausgeliefert sein.“ Eine Begrenzung oder Deakti vierung solcher Algorithmen für Min derjährige ist ein wichtiger Schritt zur Stärkung digitaler Selbstbestimmung. Politische Entscheidungen dazu soll ten jedoch unter Einbeziehung jugendlicher Peergroups, etwa von Schülervertretungen wie der Bundes schülerkonferenz, getro ff en werden.

Mit Blick auf digitale Klassenchats warnt der Verband vor einem blin den Fleck in der Debatte. Lin-Klitzing: „Zwar machen Messenger-Apps wie WhatsApp nicht so abhängig wie der plattformgenerierte Social-Media Konsum – und haben auch viele positive soziale Funktionen – , gleich wohl erö ff nen sie Raum für Ausgren zungen, Mobbing und damit psy chische Belastungen, die hier in geschlossenen Chatgruppen entste hen und nicht auf der ö ff entlichen Bühne.“ Diese digitalen Erfahrungen sind eng mit persönlichen Grund rechten verbunden. Mobbing im Klassenchat, Deepfakes oder unge fragte Bild- oder Tonaufnahmen berühren Fragen von Meinungsfrei heit, der Würde des Menschen und Verantwortung. Stiller Überwachung durch Lehrkräfte als Moderierende widerspricht der DSGVO, da per sonenbezogene Daten ohne Rechts grundlage verarbeitet würden – viele Länder verbieten dies. Auch eine gesetzliche P fl icht zu erwachsenen Moderierenden in Chatgruppen stößt rechtlich an Grenzen, weil Mes senger-Gruppen wie bei WhatsApp von privaten Nutzern selbst angelegt und verwaltet werden – ohne dass ein Betreiber verp fl ichtet werden könnte, eine Moderation in privater Kommunikation sicherzustellen. „Dies zeigt aus unserer Sicht auf, dass umfassende Medienerziehung und -bildung durch das Elternhaus, die Peergroup, die Schule unver zichtbar sind. Unser gemeinsamer Auftrag ist die Ermöglichung von Bil dung zur Mündigkeit der nachwach senden Generationen – nicht aber die totale digitale Durchdringung oder Kontrolle des (Schul-)Alltags. Umso notwendiger ist eine re fl ektier te gesamtgesellschaftliche Debatte zum Umgang mit digitaler Kommuni kation auch in der Erwachsenen welt,“ mahnt Lin-Klitzing. 

6 PROFIL // 5/2026 als Unterricht im Schulalltag. Alle Angebote gibt es unter www.jh-klassenfahrt.de. Das Service-Team berät gerne persönlich unter Tel. 0211 3026 3026 oder Mail an service@djh-rheinland.de. Lernen mit allen Sinnen – gemeinsam, praktisch, nachhaltig O b beim Floßbau, bei kooperati ven Challenges, beim Erkunden historischer Orte oder bei Natur erlebnissen: Auf Klassenfahrt lernen Schüler*innen mit Kopf, Herz und Hand. Die Programme der Jugend herbergen im Rheinland setzen auf methodische Vielfalt, viel Bewegung und bewusste Re fl exion. So wird aus Erlebtem nachhaltiges Lernen. Je nach Angebot stehen soziales Mit einander, Sport, Geschichte, Natur oder Persönlichkeitsentwicklung im Mittelpunkt. Gemeinsame Aktionen, spielerische Methoden und kreative Aufgaben bringen Abwechslung in den Tag und stärken zugleich die Klassengemeinschaft. Lernen wird so anschaulich, motivierend und bleibt weit länger im Gedächtnis

Foto: AdobeStock

PROFIL // DPhV-Standpunkte

Wer misst, muss passende Förderung mitdenken und fi nanzieren  Denn Datenerhebung ohne anschließende Förderung ist lediglich Bürokratie  DPhV fordert Bildungsministerien auf, kritische Hinweise aus SWK-Gutachten ernstzunehmen!

Das heute von der Ständigen Wissen schaftlichen Kommis sion (SWK) der Kul tusministerkonferenz verö ff entlichte Gut achten zur daten

bleibt, welche Maßnahmen aus der Interpretation der Daten abgeleitet werden können. Was sollen Lehr kräfte für ihre pädagogische Arbeit damit anfangen? Das stellt ein struk turelles Problem, wenn nicht sogar ein Scheitern der diesbezüglichen Bildungspolitik dar! „Zentrale Datenerhebungen dürfen nicht länger Selbstzweck sein und ihre Nutzung den Lehrkräften als kreative Übung überlassen werden. Sie müssen strukturell und unmittel bar mit praktisch nutzbaren Vor schlägen für konkrete Fördermaß nahmen verbunden sein, die den Schülerinnen und Schülern zugute kommen,“ mahnt DPhV-Bundesvor

sitzende Prof. Dr. Susanne Lin-Klit zing an. Das SWK-Gutachten liefert erstmals eine umfassende wissen schaftliche Bestandsaufnahme und konkrete Empfehlungen für alle Ebe nen des Bildungssystems. Der DPhV nimmt dieses Gutachten ernst, das ausdrücklich davor warnt, eine „Data fi zierung aller schulischen Prozesse“ zu betreiben und schu lische Akteurinnen und Akteure im Umgang mit Daten zu überfordern. Genau das aber droht. Für den DPhV ist die Richtung klar: Datengestützte Entwicklung und Steuerung in Schulen und frühkindli cher Entwicklung steht und fällt mit drei Voraussetzungen – Zielklarheit,

Pressemitteilung vom 26. März

8 PROFIL // 5/2026 anmahnt: Lehrkräfte erhalten nach Datenerhebungen häu fi g keine ver wertbaren Rückmeldungen und erst recht keine konkreten Förderforma te, mit denen sie ihre Schülerinnen und Schüler zielgerichtet unterstüt zen könnten. Das Gutachten stellt klipp und klar fest, dass unklar gestützten Entwicklung und Steue rung in Schulen benennt ein zentra les Problem, das der Deutsche Philologenverband seit Jahren

PROFIL // DPhV-Standpunkte

gend draufgesattelt und als „Ehren amt“ verbucht werden.  Lehrkräfte dürfen nicht in den Ein satz von KI-Tools gedrängt werden, bevor rechtliche Rahmenbedingun gen, Datenschutzstandards und Quali fi zierungsangebote geklärt sind.  Eine rechtsverbindliche Klärung der Datenschutz-Fragen zur sogenann ten Schüler-ID und einem Bildungs verlaufsregister – sollten sie denn kommen – muss erfolgt sein, bevor diese eingeführt werden sollten.  Die dauerhafte und verlässliche Finanzierung einer datenschutzkon formen IT-Infrastruktur – länder gemeinsam und mit verlässlicher Unterstützung des Bundes – muss sichergestellt sein, wie das SWK- Gutachten es ausdrücklich fordert. Lehrkräfte können nicht daten gestützt arbeiten sollen, wenn Syste me nicht funktionieren oder von Schule zu Schule inkompatibel sind. Das ist eine politische Entscheidung, keine technische. Das Gutachten schlägt überdies vor, datengestützte Lernentwicklungs gespräche als Alternative zum Halb jahreszeugnis zu etablieren. Der

Rollenklarheit und Ressourcenklar heit. Das Gutachten teilt diese Logik: Seine Empfehlung verlangt, Ziele datengestützter Entwicklung müssten „klar und eindeutig“ auf Lern- und Entwicklungsprozesse der Schülerin nen und Schüler ausgerichtet sein.  Jährliche Rückmeldungen aus Lern standserhebungen nützen Lehrkräf ten nur, wenn sie direkt mit einer Auswahl fachdidaktisch tre ff sicherer Fördermaterialien verknüpft sind – bereitgestellt vom Dienstherrn und nicht selbst entwickelt von ohnehin überlasteten Lehrkräften.  Zeitfenster für Datenarbeit müssen strukturell im Stundenplan ausgewie sen und auf die Unterrichtsverp fl ich tung ermäßigend angerechnet werden. Wer das nicht sicherstellt, schiebt Lehrkräften und Schulleitun gen weitere Aufgaben zu, ohne die dafür nötigen Ressourcen bereit zustellen.  Datengestützte Entwicklung und Steuerung braucht neue Funktions stellen mit klaren Verantwortlichkei ten. Diese dürfen nicht stillschwei Was die Bildungsministerien dafür vorhalten müssen, ist:

DPhV widerspricht: Halbjahreszeug nisse sind kein Auslaufmodell – schon gar nicht am Gymnasium. Sie sind ein bewährtes, transparen tes, verständliches Rückmeldeinstru ment – für Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrkräfte gleicherma ßen, gerade am Gymnasium, wo Versetzungen und spätere Hoch schulzulassungen an klare Leistungs nachweise gebunden sind. Lernent wicklungsgespräche können bedarfs orientiert Zeugnisse ergänzen – aber nicht ersetzen. „Das SWK-Gutachten benennt zutref fend etliche Baustellen. Das muss die Bildungspolitik ernstnehmen und in Vorleistung gehen – mit ausreichend Ressourcen für zusätzliche Arbeit, klaren Strukturen und Respekt vor der täglichen Arbeit der Lehrkräfte. Wer Daten erhebt, aber nötige Vor leistungen für einen re fl ektierten praktischen Nutzen für die Schulen nicht erbringt, belastet Lehrkräfte, die die pädagogische Verantwortung tragen, ohne dass dies ihren Schüle rinnen und Schülern konkret nützt. Das wäre das Gegenteil von guter Bildungspolitik“, so Lin-Klitzing. 

PROFIL // DPhV-Standpunkte

 Bürokratie ist kein Lehrauftrag: Lehrkräfte wurden ausgebildet, um zu unterrichten – nicht um For mulare zu verwalten. Konsequenter Bürokratierückbau ist überfällig.  Erfahrung darf keine Sackgasse sein: Attraktive Altersteilzeit- und Sabbat jahr-Modelle sowie die Abscha ff ung der Höchstgrenze für Zuverdienst nach Erreichen der Altersgrenze sind keine Wohltaten – sie sind kluge Bildungspolitik, um erfahrene Lehr kräfte im System zu halten. „Der Beamtenstatus und die Schul p fl icht bilden gemeinsam das insti tutionelle Rückgrat unserer demo kratischen Gesellschaft. Eine Bil dungsp fl icht ohne Schulp fl icht wäre eine Einladung an alle, die den Staat aus der Sozialisation von Kin dern heraushalten wollen – und diese Einladung dürfen wir niemals aussprechen“, so Lin-Klitzing. Denn die Konsequenzen wären fatal: Ohne Unterricht von staatlich ausgebildeten Lehrkräften, ohne gemeinsamen Schulrahmen entste hen parallele Bildungswelten nach religiösen, politischen oder eth nischen Kriterien – Echokammern, in denen Radikalisierung eine Folge sein kann. Schule ist im Rahmen ihres staatlich verantworteten Erziehungs- und Bildungsauftrags unsere wichtigste gesellschaftliche Frühwarninstanz – auch für Kindes wohlgefährdung, für psychische Krisen, für beginnende Radikalisie rung. Fällt der tägliche Schulkontakt weg, verlieren Jugendämter und Behörden einen entscheidenden Zugang zu gefährdeten Kindern. „Wir brauchen das Berufsbeamten tum für Lehrkräfte und die Schul p fl icht – als tragende Säulen für wissenschaftlich orientierte Bil dungsqualität, Verlässlichkeit, Stabi lität, für den Schutz und die gute Entwicklung unserer Kinder und unserer Gesellschaft.“ 

Beamtenstatus sichert Demokratie DPhV fordert Dienstherren zur konsequenten Umsetzung ihrer Fürsorgepflicht auf!

Zur 7. Bildungsminis terkonferenz begrüßt

Für den DPhV liegt hier der Schlüs sel: Auf einer gesunden mensch lichen Beziehung fußen Lernen und Bildung, und auf Bildung fußt unse re Demokratie. Gesicherte, ver beamtete Lehrkräfte sind deshalb keine Kostenfrage – sie sind eine Investition in den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Und es braucht noch mehr als die Sicherung des Beamtenstatus! Der DPhV appelliert daher mit Nachdruck an die Dienst herren der Lehrkräfte: Handeln Sie – jetzt! Setzen Sie ihre Fürsor gep fl icht konsequent und profes sionell um! Konkret erwarten wir:  Präventivmedizinische Betreuung individuelle Gesundheitsberatung für jede Lehrkraft angeboten werden.  Kein Wegschauen bei psychischen Beschwerden bei Lehrkräften: Die Gefährdungsbeurteilung psy chischer Belastungen nach § 5 Abs. 3 ArbSchG ist seit 2013 gesetzlich verp fl ichtend – also Dienstaufgabe für die Dienstherren unserer Lehr kräfte. Erprobte, wissenschaftlich fundierte Instrumente existieren längst. Es gibt keine Ausrede mehr: Sie müssen fl ächendeckend ein gesetzt werden.  Deputat senken – sofort: Jahrzehnte lang wurde die Unterrichtsverp fl ich tung erhöht, die Belastung ignoriert. Das muss ein Ende haben. Lehrkräf te brauchen keine Lippenbekennt nisse, sondern echte, spürbare Ent lastung. nicht als Kür, sondern als P fl icht: Gesundheitliche Gefährdungen müssen systematisch erfasst,

10 PROFIL // 5/2026 Das gerade verö ff entlichte Deut sche Schulbarometer macht es unübersehbar: Ein Viertel aller Schülerinnen und Schüler ist psy chisch belastet. Und auch den Lehr kräften geht es nicht gut: Fast ein Drittel ist regelmäßig erschöpft, wie das vorangegangene Schulbarome ter aufzeigte. Ein riesiges Alarmzei chen! Doch es wurde auch klar: Die Beziehung zwischen Lehrkraft und Kind ist der entscheidende Faktor für schulisches Wohlbe fi nden, schu lischen Erfolg und somit aktive Teil habe. Doch wer dauerhaft überfor dert wird, wer um seinen Arbeits platz bangen muss, muss mit einem belastenden Rucksack versuchen, tragfähige Beziehungen aufzubauen und für guten Unterricht zu sorgen. der Deutsche Philo- logenverband aus drücklich, dass die klare Mehrheit der Bildungsministerin nen und -minister zur Verbeamtung von Lehrkräften steht. Für den DPhV ist dies keine Frage des Kom forts, sondern eine Frage der Funk tionsfähigkeit unserer Demokratie – gerade in Zeiten, in denen Extremis ten o ff en an der Schulp fl icht rütteln wollen. Bundesvorsitzende Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing: „Wer Schule destabilisiert, destabilisiert unsere Gesellschaft. Der Beamtenstatus ist ein Schutzschild für Lehrkräfte und damit für unsere Kinder und unsere Zukunft.“ Pressemitteilung vom 26. März

PROFIL // DPhV-Standpunkte

Foto: AdobeStock

DPhV bewertet die Zweckentfremdung des Sondervermögens als Vertrauensbruch gegenüber Schülerinnen und Schülern, Eltern und Lehrkräften

Der Deutsche Philolo genverband kritisiert die weitgehende Zweckverfehlung der bisher aufgenom

sieht heute aber kaum Verbesserun gen ihrer Schulrealität“, so DPhV Bundesvorsitzende Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing. Der kommunale Investitionsstau in Schulgebäuden beläuft sich laut KfW derzeit auf 67,8 Milliarden Euro, was 31 Prozent des gesamten Investiti onsstaus ausmacht. Der DPhV hatte bereits im letzten Jahr (hier lag der Investitionsrückstand noch bei 55 Mil liarden Euro) gefordert, mindestens 60 Milliarden Euro aus dem Sonder vermögen für Sanierung und Moder nisierung von Schulgebäuden ein zusetzen, real fl oss für Bildung bisher aber nur ein Bruchteil. Auch der Digi talpakt 2.0 mit einem Volumen von rund fünf Milliarden Euro bis 2030 deckt nur einen Teil des tatsächlichen Bedarfs und ist aus Sicht des DPhV in zentralen Punkten – Mittelbindung, Planungssicherheit, Personal fi nanzie rung – unzureichend ausgestaltet. Lin-Klitzing: „Für unsere Kinder und Lehrkräfte ist es längst an der Zeit, dass Schulen zu würdigen Bildungs räumen werden. Das sind viele nicht. Allein für die Sanierung und den Neu bau von Schulen werden aus unserer Sicht mittlerweile mindestens 70 Milli arden Euro gebraucht.“ Es muss daher endlich eine Zweckbindung

durchgesetzt werden. Das Grund gesetz (Art. 143h GG) sieht ausdrück lich vor, dass das Sondervermögen nur für zusätzliche Investitionen ein gesetzt werden darf. Dieses Ziel wurde im Jahr 2025 faktisch verfehlt: Investitionsausgaben wurden vom Kernhaushalt in den Sonderhaushalt verschoben, ohne dass es insgesamt zu deutlich mehr ö ff entlichen Investi tionen kam. Der DPhV fordert, dass die Länder bildungsministerinnen und -minister geschlossen darauf dringen, dass Bildung im Sondervermögen endlich Priorität erhält. Die Mittel aus dem Sondervermögen müssen mit kon kreten Haushaltsposten für Schul bau, Schulsanierung, Schulraumaus stattung und Digitalisierung an Schu len verbunden sein – und dürfen nicht zur allgemeinen Haushalts sanierung auf Kosten der heute jun gen Menschen verwendet werden. „Wer Milliardenkredite aufnimmt, die unsere Kinder und Enkelkinder zurückzahlen müssen, der muss auch für sie investieren. Bildung ist DIE notwendige Zukunftsinvestition! Das Sondervermögen darf kein Blan koscheck für Haushaltslöcher sein“, mahnt Lin-Klitzing abschließend. 

Pressemitteilung vom 27. März

menen Kredite aus dem 500Milliarden EuroSondervermögen für Infra- struktur und Klimaneutralität. Nach Berechnungen des ifo-Instituts fl ie ßen 95 Prozent der im Jahr 2025 auf genommenen Schulden in Höhe von 24,3 Milliarden Euro nicht in zusätzli che Infrastrukturinvestitionen. Statt ausdrücklich versprochene zusätzli che Investitionen auch in Bildungs infrastruktur und Digitalisierung der Schulen zu sichern, werden Milliar denkredite zum Stopfen von Haus haltslöchern genutzt – zulasten der jungen Generation, die diese Schul den später zurückzahlen muss. Für den DPhV eine bittere Bilanz! „Dies ist ein Vertrauensbruch gegen über allen, die auf dieses Sonderver mögen gesetzt haben – gegenüber Schülerinnen und Schülern, Eltern und Lehrkräften, die auf bessere Lern-, Bildungs- und Arbeitsbedin gungen gewartet haben. Und es ist ein Bruch des Generationenvertrags: Die jüngere Generation wird die Schulden zurückzahlen müssen,

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PROFIL // Titel

Ein Plädoyer für Menschlichkeit

Zum 100. Geburtstag des großen Erzählers Siegfried Lenz

von Walter Tetzloff E r gehört zu den drei großen Erzählern der jungen Bundesrepublik. Es waren Heinrich Böll, Günter Grass und Siegfried Lenz, die sich in den späten vierziger Jahren eine große Aufgabe gestellt haben. Ihnen ging es um die literarische Auseinandersetzung (nicht Bewältigung!) mit dem Nationalsozialismus, dem aus ihm folgenden Militarismus, den

Schrecken des Krieges und den zwangs läu fi gen Fragen der persönlichen und der kollektiven Schuld. Damit erschöpfen sich allerdings auch schon die Gemeinsamkeiten der drei Schriftsteller, die sich anfänglich in der „Gruppe 47“ zusammenfanden und sich zu dem Credo „Nie wieder Krieg und Auschwitz“ bekannten. Da die Gruppe 47 letztlich doch nur ein

loser Zusammenschluss von ähnlich, nicht gleich gesinn ten Schriftstellern, Intellek tuellen und Publizisten war, bot sie genug Mög

Siegfried Lenz bei einer Lesung in Bonn 1969

lichkeiten, den histori schen Auftrag mit eige nen ästhetischen, sti listischen und auch inhaltlichen Schwer punkten zu realisie ren.

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Foto: Bundesarchiv, B 145 Bild-F030757-0015/Schaack, Lothar/CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 DE

PROFIL // Titel

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Im Falle von Siegfried Lenz gelang dies nicht auf Anhieb. Sein erster Roman „Es waren Habichte in der Luft“ war 1951 noch kaum mehr als ein Achtungserfolg, begrün dete aber den Entschluss des mittlerweile in Hamburg lebenden jungen Autors, sich ganz der freiberu fl ichen Autorentätigkeit zu widmen und sein Studium nicht fortzusetzen. 1955 kann als ein Erfolgsjahr für Siegfried Lenz bezeichnet werden. Die Gründe sind vor allem in seiner Biographie zu sehen. Wer war Siegfried Lenz? 1926 wurde er in Ostpreußen geboren, im heute zu Polen gehörenden masurischen Lyck. Der zweite Weltkrieg bedeutete für den erst 17-Jährigen Kriegs einsatz in der Reichsmarine und zwei Jahre später bri tische Kriegsgefangenschaft, die nur kurz währte und Lenz in Hamburg bald nach Kriegsende die Aufnahme eines geisteswissenschaftlichen Studiums ermöglich te. Ostpreußen allerdings sollte und wollte er nicht ver gessen. Das heimatliche Masuren durfte er nicht wie

dersehen, und so machte er es zum Schauplatz und zum Gegenstand von 20 Erzählungen, die er unter dem Titel „So zärtlich war Suleyken“ verö ff entlichte. Der Erfolg hält bis heute an und beschränkt sich sicher nicht auf Heimatvertriebene aus Ostpreußen. Seine Motivation für die heiteren, gelegentlich senti mentalen, aber sämtlich wunderbaren kleinen Erzäh lungen beschreibt Lenz 1955 selbst: „Die Geschichten und Skizzen sind gleichsam kleine Erkundungen der masurischen Seele. Sie stellen keinen schwermütigen Sehnsuchtsgesang dar, im Gegenteil: diese Geschich ten sind zwinkernde Liebeserklärungen an mein Land, eine aufgeräumte Huldigung an die Leute von Masu ren. Selbstverständlich enthalten sie kein verbindli ches Urteil – es ist mein Masuren, mein Dorf Suleyken, das ich hier beschrieben habe.“ Diese kleinen, aber kostbaren Erinnerungsstücke eig nen sich noch heute für die Lektüre im Deutschunter richt der Mittelstufe, und der bescheiden daherkom mende Anspruch des Schriftstellers, eben kein ver- 

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PROFIL // Titel

bindliches Urteil fällen zu wollen, er durchzieht das erzählerische Werk des ebenso ostpreußischen wie norddeutschen Dichters zeit seines Schriftsteller lebens. Es mag sein, dass er sich gerade darin von seinen Kollegen Böll und Grass und allemal von seinem Zeitgenossen, dem Dramatiker Bert Brecht unterscheidet. Da jeder Anspruch, das so umfangreiche erzähleri sche Gesamtwerk von Siegfried Lenz angemessen zu würdigen oder gar zu gewichten, zum Scheitern verurteilt sein muss, sei hier gleich der Bogen zum Romanwerk geschlagen. Und hier sticht natürlich der 1968 verö ff entlichte große Roman „Deutschstunde“ heraus. Er sollte schließlich den Weltruhm des Autors begründen. Die nicht einfach zu verfolgende Erzähl handlung stellt einen Polizeibeamten im schleswig holsteinischen Norden in den Vordergrund, mit des sen P fl ichtau ff assung es zu vereinbaren ist, das von den NS-Verantwortlichen erlassene Malverbot für den Künstler Max Ludwig Nansen zu überwachen. Hinter dieser Erzähl fi gur verbirgt sich der norddeutsche Maler Emil Nolde, dessen komplizierte Haltung zu den NS-Größen im Roman allerdings ausgespart wird. Thema des Romans ist der Kon fl ikt zwischen falsch verstandenem und die Vernunft und die Menschlich keit ignorierendem P fl ichtgefühl einerseits und per sönlicher Schuld andererseits. Die Handlung re fl ek tiert dabei den Generationskon fl ikt, der sich in den Auseinandersetzungen zwischen Vater und Sohn zeigt. Das so umfangreiche Erzählwerk von Siegfried Lenz zeigt diesen als einen weitgehend konventionellen Erzähler, der eher in der Tradition der Dichter des Bürgerlichen Realismus im 19. Jahrhunderts zu sehen ist und von experimentellen Versuchen lieber Abstand nimmt. So war ein angelsächsisches Vorbild denn auch eher William Faulkner als Ernest Hemingway. Die Vorliebe für das lineare und kontinuierliche Erzäh len wird auch in einer Erzählung und in zwei späten Novellen erkennbar, die hier – exemplarisch und sicher subjektiv – als gelungene Beispiele für Lenz’sche Erzählkunst erwähnt werden sollen, weil sie sich für Lektüre und Diskussion mit Aktualitätsbezug im Deutschunterricht eignen. 1966 verö ff entlichte Lenz die atmosphärisch so dichte und ergreifende Erzäh lung „Ein Freund der Regierung“. Hier wird eine Besu chergruppe aus einem westlichen demokratischen Land durch ein Gebiet geführt, in dem eine Militärdik tatur das Sagen hat und den Besuchern die Vorzüge

des Regimes ra ffi niert vorzuführen sich anschickt – bis die Vorführung ein erschreckendes Ende nimmt. Wir schreiben das erste Jahrzehnt unseres Jahrhun derts, und der Schriftsteller Siegfried Lenz hat noch nichts von seiner Scha ff enskraft verloren. Davon zeu gen die beiden Novellen „Schweigeminute“ (2008) und „Landesbühne“ (2009). Mit Humor und Gelassenheit und doch recht eindringlich schildert der Autor im ers ten Fall eine Beziehung zwischen einem Oberstufen schüler und seiner Englischlehrerin. „Vielleicht sein schönstes Buch“ urteilt Marcel Reich-Ranicki über die ses Spätwerk, wie überhaupt dessen Urteil über Lenz („der gütige Zwei fl er“) eine gelungene Zusammenfas sung des Lebenswerkes ist. Lenz und Reich-Ranicki verband eine lebenslange Freundschaft, also eine Ver bindung, die der Literaturkritiker bekanntlich anderen renommierten Zeitgenossen nicht zugestand … Siegfried Lenz verfolgte – wie bereits angedeutet – keinen penetranten ideologischen Anspruch in sei nem Erzählwerk. Einen klaren politischen Standpunkt indes konnte man ihm nicht absprechen. Der gebürti ge Ostpreuße unterstützte entschieden die Versöh nungspolitik Willy Brandts, der nach Jahrzehnten ver härteter Fronten im Ost-West-Kon fl ikt 1970 nach Polen reiste und die Ansprüche auf Rückgewinnung der ehemals deutschen Ostgebiete komplett aufgab. Das war durchaus im Sinne des Autors und stand nicht im Widerspruch zu den wehmütigen Erinnerun gen in „So zärtlich war Suleyken“! In seiner Versöh nungsbereitschaft zeigte sich seine Menschlichkeit. Eine lange und intensive Freundschaft verband Sieg fried Lenz mit den beiden Hamburgern Helmut und Loki Schmidt. Es gibt zahllose Zeugnisse gegenseitiger Wertschätzung. Und von Wertschätzung zeugen auch die vielen Prei se, die dem Dichter zuteilwurden und die hier ebenso wenig alle aufgeführt werden können wie eine Werk übersicht, die diesen Namen verdient. Von Interesse ist sicherlich, dass seit 2014 jährlich ein Siegfried-Lenz-Preis vergeben wird. Den erhält eine Autorin oder ein Autor für ihr/sein erzählerisches Werk, das die Wirklichkeit spiegelnd durchaus den Vergleichen mit dem Namensgeber standhält, man denke hier nur an die kanadische Erzählerin Elisabeth Strout, deren neuer Roman „Erzähl mir alles“ derzeit in den „Spiegel“-Bestsellerlisten erscheint und mit kluger Beobachtungsgabe viel Lesefreude erzeugt. 

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14 PROFIL // 5/2026

PROFIL // Aktuell

Foto: Kobs

Auch zum Anfassen: Bäume kennen lernen

Ein ideenreiches und nachhaltiges Umweltprojekt Jury des Deutschen Lehrkräftepreises vergibt Sonderpreis für schleswig-holsteinisches Team

16 PROFIL // 5/2026 Spuren des Waldlehrpfades, den das Team im Naturpark Westen see in Schleswig-Holstein geschaf fen hat. von Walter Tetzloff D as darf man wohl eine ge lungene Motivation nen nen. Der Verfasser dieser Zeilen lernte das siegreiche Um weltteam anlässlich der Vergabe des Deutschen Lehrkräftepreises in Berlin kennen, war von ihrem Engagement begeistert und wan derte vier Wochen später mit Freund und Fotograf auf den

Der Reihe nach: Wer gehört zu die sem Team? Dr. Martina Kapitza ist Lehrerin am Gymnasium Kronwerk in Rendsburg. Ihr zur Seite steht Jürgen Fischbach, zuständig für den Naturpark Westensee und die Studentin Lena Muley. Dieses sympathische Trio schuf gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern, Studentinnen und Stu denten der Muthesius-Kunsthoch schule in Kiel und tatkräftigen Handwerkern einen Waldlehrpfad

inmitten eines einsamen Wald stücks zwischen den Gemeinden Emkendorf und Westensee, die etwa den gleichen geogra fi schen Abstand zur Landeshauptstadt Kiel und der Kreisstadt Rendsburg haben. Drei Jahre hat es gedauert, bis der interaktive „Walderlebnis pfad“ mit seinen 13 Stationen fertig gestellt war. „Wald – Klima – Lebensräume“ war Thema und Motto zugleich. Dass dies gelingen konnte, ist neben den Initiatoren vor allem den Schülerinnen und

PROFIL // Aktuell

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Preisträger Jürgen Fischbach und Dr. Martina Kapitza

Orientierung am Anfang des Waldlehrpfades

17 PROFIL // 5/2026 Waldlehrpfad wünscht der Deut sche Philologenverband Erfolg und ho ff t auf viele große und kleine Besucher.  Kein Wunder, dass das Konzept Anerkennung und Bewunderung fand: So befand die Jury des DLP in Berlin: „Die Zusammenarbeit mit Hochschulen, Studierenden, Natur parks, Rangern, Handwerkern, För derinstitutionen ist (…) einmalig und bringt so viel mehr mit auf dem wei teren Lebens- und Berufsweg der Schülerinnen und Schüler, was her kömmliche Umweltprojekte in Schu len nie werden leisten können“. Anerkennende Worte kommen auch von Schleswig-Holsteins Bil dungsministerin Dr. Dorit Stenke: „Es beeindruckt mich tief, wie enga giert unsere Lehrkräfte Unterricht innovativ gestalten und neue Entfal tungsmöglichkeiten für Schülerin nen und Schüler erö ff net haben …“ Den drei Verantwortlichen für den

Schülern des Biologie-Pro fi lkurses des Rendsburger Kronwerk-Gymna siums zuzuschreiben, der Gestal tung durch Lena Muley von der Muthesius-Kunsthochschule und der fi nanziellen Hilfestellung durch die Umweltlotterie Bingo, der Aktiv Region Mittelholstein, das Land Schleswig-Holstein und den Kreis Rendsburg-Eckernförde. Die hauptsächlich aus Holz gearbei teten Stationen enthalten anschau liche und interaktive Informations tafeln, Gucklöcher, typische Vogel nester, große bewegbare Holz- würfel, mit deren Hilfe Besucher innen und Besucher das eigene Wissen überprüfen oder unter Beweis stellen können. Hier kom men zusammen: das Fachwissen des Diplomgeologen und Pädago gen Jürgen Fischbach und der gym nasialen Fachlehrkraft Dr. Martina Kapitza sowie der Kunst- und Geo gra fi estudentin Lena Muley und das

kreative Talent, das die Muthesius Kunsthochschule einbrachte. Zielgruppen des erfolgreichen Pro jekts sind Schulen aller Bildungs gänge und Altersstufen, die zu einer Entdeckertour eingeladen werden.

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Interaktive Lernstationen

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PROFIL // Aktuell

Der Reichstag in Berlin

Ein Erfolg für die Politische Bildung, … aber auch für unseren Verband Petitionsausschuss des Schleswig-Holsteinischen Landtags stimmt der Petition gegen Stundenkürzungen im Geschichtsunterricht zu

18 PROFIL // 5/2026 Es vermittelt Wissen über his torische Zusammenhänge, sen sibilisiert für politische Prozes se und stärkt die Fähigkeit zur kritischen Urteilsbildung … in Zeiten von Populismus, Des information und Geschichtsklit terung ... x von Walter Tetzloff M an kann dies einen Etap Fachlehrer für Geschichte aus Hei de in Schleswig-Holstein, startete zu Beginn dieses Jahres eine Petition, in der er sich gegen geplante Stun denkürzungen im Fach Geschichte im Einführungsjahr der Oberstufe wandte. Vier zentrale Argumente wa ren und sind es, mit denen der Pe tent sein Anliegen begründete: „1. Bedeutung des Faches für die Demokratiebildung pensieg nennen: Benjamin Obermann, ein Kollege und

2. Fächerübergreifende Relevanz Geschichte ist ein integratives Fach, das Kompetenzen in den Fächern Wirtschaft/Politik, Phi losophie, Geogra fi e und weite ren Fächern fördert. Eine Redu zierung … schwächt auch den fächerübergreifenden Bildungs anspruch der gymnasialen Ober stufe. 3. Widerspruch zum Bildungs anspruch des Landes Eine Stundenkürzung im Fach Geschichte steht den … Bildungs grundsätzen zu einer werteori entierten, demokratischen und re fl ektierten Allgemeinbildung diametral entgegen. 4. Gelingender Geschichtsunter richt braucht Zeit

ermöglicht es jungen Menschen, Orientierungswissen zu erwer ben, Deutungsmuster zu erken nen und verantwortungsbewuss te Positionen zur Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ein zunehmen und auszuhandeln.“ Dieser Begründung schließt sich die Forderung des Petenten an, die Kür zungspläne nicht umzusetzen und umgehend von entsprechenden Zie len des Bildungsministeriums abzu sehen. Benjamin Obermanns Petition, der sich 2 516 Schleswig-Holsteinerinnen und Schleswig-Holsteiner anschlos sen, wurde ein großer Erfolg – für den Antragsteller wie für die hohe Zahl von Mitunterzeichnern (viele davon Mitglieder des Philologenver bands).

… Nur ein sorgfältig geplanter und tiefgehender Unterricht

PROFIL // Aktuell

Lehrkräfte werden weiterhin als Beamte eingestellt Deutscher Philologenverband sieht sich in seiner Argumentation bestätigt

Der Petitionsausschuss folgte jetzt dem Antragsteller und berücksich tigte gleichermaßen den großen Widerstand, der dem Bildungsminis terium in den vorausgegangenen Anhörungen im Herbst 2025 ent gegenschlug. In dem Beschluss heißt es dazu: „Der Ausschuss stellt fest, dass sowohl im Rahmen der Verbändean hörung als auch durch die große Zustimmung zur ö ff entlichen Petiti on ein sehr großer Widerstand gegen die geplante Maßnahme deutlich geworden ist. Im Ergebnis führten die Auswertung der Anhö rung und die Berücksichtigung der vorgebrachten Argumente dazu, dass die vorgesehenen Reduzierun gen in den Fächern Geschichte, aber auch Religion, Philosophie sowie der zweiten Fremdsprache nicht vorgenommen wurden. Der Landtag stimmte dem Petenten in seiner Beratung am 25. Februar 2026 zu, dass gerade in einer Zeit multipler Krisen – von internationa len Kon fl ikten über wirtschaftliche Unsicherheiten bis hin zu gesell schaftlicher Polarisierung – die gesellschaftlichen Fächer unverzicht bar sind. Sie vermitteln historisches Wissen, politisches Verständnis und ökonomische Grundkenntnisse, die junge Menschen befähigen, aktuelle Entwicklungen einzuordnen, verant wortungsbewusst zu handeln und auf gesellschaftlich herausfordernde Zeiten zu reagieren. Dem Petenten dankt der Ausschuss für sein Enga gement und wichtige Impulse.“ Fazit: Ein Sieg der Vernunft und eine gute Entscheidung für die Bildung junger Menschen in der Oberstufe! Der Deutsche Philologenverband dankt dem schleswig-holsteinischen Gesetzgeber für seine Haltung und dankt besonders herzlich dem Kolle gen Benjamin Obermann in Heide. 

von Victoria Hildebrand

Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing und BMK-Präsidentin Anna Stolz

und Walter Tetzloff D as war ein erfreu lich klares Ergeb nis. Am 26. März ent schied die Bildungs ministerkonfernz unter ihrer neuen Präsidentin Anna Stolz (Bayern) mit überwältigender Mehrheit: Die Länder werden am Beamten status festhalten! Das heißt, sie werden nicht dem Vorschlag des Freistaates Sach sen und seines Kul tusministers Clement folgen, künftige Lehr kräfte nur noch im Angestelltenstatus zu beschäftigen. Mit einer deutlichen Anerkennung für den vernünftigen Beschluss dankten der Beamtenbund und der Deutsche Philologenverband Anna Stolz für ihre konsequente Haltung und ihre klare Argu mentation in dieser Sache. Die Argumente des DPhV für den Beam tenstatus sind seit langem bekannt und

Foto: BMK

betreffen sowohl die verfassungsrecht liche Seite (Schul pflicht und Streik- verbot) als auch die finanzpolitische Seite (Schon um die Jahr hundertwende war die damalige schles wig-holsteinische Regierungschefin Simonis aus Kosten gründen von ihrer Entbeamtungspolitik wieder abgerückt).

Es darf daran erinnert werden, dass Lehr kräfte hoheitsrecht liche Aufgaben für den Staat wahrneh men, etwa dadurch, dass sie durch die Abnahme des Abiturs über Lebenschancen mitentscheiden, was nicht nur den Beam

tenstatus für Lehr kräfte rechtfertigt, sondern geradezu notwendig macht.

19 PROFIL // 5/2026

PROFIL // Aktuell

land. Ihre Kritik fasst sie in den drei Begri ff en Zielklarheit, Rollenklarheit Ressourcenklarheit zusammen. Hinzu kommen die Aspekte Daten sicherheit und die Verbindungen zum Fördermaterial. Ihre kritische Haltung zur Nutzung von Übersetzungstools im Zeitalter der KI statt länger Fremdsprachen zu lernen, formulierte die DPhV-Vorsit zende gegenüber der Westdeutschen Allgemeinen in Essen. „Der entschei dende Denkfehler ist, verständlich machen und verstehen nicht genü gend voneinander zu unterscheiden. Wer ein Übersetzungstool nutzt, bekommt die richtigen Wörter – aber nicht das Denken in einer anderen Sprache, nicht die kulturellen Zwi schentöne. Es geht um viel mehr als nur, etwas übersetzen zu können.“ Susanne Lin-Klitzing, die die KI im Unterricht keineswegs grundsätzlich ablehnt, wird aber grundsätzlich, wenn sie sich über den Fremdspra chenunterricht äußert: „Eine zweite Fremdsprache länger zu betreiben, fördert insgesamt kognitive Flexibili tät, metasprachliches Bewusstsein und auch Problemlösungsfähigkei ten. Wenn man mehr als eine Spra che gelernt hat, vergleicht man die Sprachen auch miteinander – Wort stellungen, Zeitformen, Ausdrucks weisen, Bedeutungsnuancen. Das stärkt interkulturelle Kompetenz. Und das erhöht Bildungs- und Berufs chancen.“ Gegenüber der Redaktion der West deutschen Allgemeinen hob Susanne Lin-Klitzing neben dem Bildungsideal auch die politische Relevanz von fun dierten Fremdsprachenkenntnissen hervor. Gerade der Europagedanke widerspreche den bspw. in Nieder sachsen zunehmenden Abwahlmög lichkeiten der zweiten Fremdsprache oder des Faches Geschichte. „Das sind die völlig falschen Signale!“ so die DPhV-Vorsitzende. 

Susanne Lin-Klitzing gefragte Interviewpartnerin in diversen Zeitungen

Skepsis gegenüber Daten- sammelwut und KI-Tools statt Fremdsprachenunterricht in unseren Schulen

Foto: Gawrisch

20 PROFIL // 5/2026 senschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz ist ein unabhängiges Gremium, das die Bildungsministerkonferenz der Län der berät. Die SWK unterstützt eine recht verstandene datengestützte von Walter Tetzloff B undesbildungsministerin Karin Prien und etliche Bil dungsminister der Länder orientieren sich stark an Kanada. Die Provinz Alberta im Westen des fl ächenmäßig zweitgrößten Landes der Erde scheint einiges richtig zu machen. Schülerinnen und Schüler erreichen Spitzenleistungen nicht nur in den Naturwissenschaften. Karin Prien und einige Bildungs minister mit ihren Verwaltungen sehen sich dies genauer an, weswe gen sie wieder zu Reisen nach Cal gary (Alberta) und in die Kanadische Hauptstadt Ottawa aufbrechen. Ein Grund für die kanadischen Erfolge scheint die datengestützte Schul- und Unterrichtsentwicklung zu sein. In Kanada bekommt jedes Kind eine ID, die sie durch ihren Bildungsgang begleitet. Auf diesen Weg haben sich auch einige deut sche Bundesländer begeben. Auch die SWK hat sich wissenschaftlich mit der datengestützten Schulent wicklung befasst. Die Ständige Wis

Schul- und Unterrichtsent wicklung, und warnt gleichzei tig davor, eine „Data fi zierung aller schulischen Prozesse" zu

Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing

betreiben und schulische Akteurin nen und Akteure im Umgang mit Daten zu überfordern. Das Gutach ten der SWK weist einen Katalog von Empfehlungen auf, der auf eine Optimierung der Maßnahmen abzielt und klarere Ziele anmahnt sowie eine Verbesserung der Gesprächskultur aller an Schule Beteiligten. DPhV-Vorsitzende Susanne Lin- Klitzing zeigt sich auch keineswegs unkritisch: „Zentrale Datenerhe bungen dürfen nicht länger Selbst zweck sein und ihre Nutzung den Lehrkräften als kreative Übung überlassen werden. Sie müssen strukturell und unmittelbar mit praktisch nutzbaren Vorschlägen für konkrete Fördermaßnahmen verbunden sein, die tatsächlich bei den Schülerinnen und Schülern ankommen“, so Susanne Lin-Klit zing gegenüber der Zeitungsgruppe des Regionalen Netzwerks Deutsch

PROFIL // Zur Diskussion

Zum Beitrag von Heinz-Peter Meidinger: Was ist die Erfolgsformel des deutschen Gymnasiums und was folgt daraus? von Stefan Rutt D er Artikel von Hans-Peter Meidinger (PROFIL// 12/2005) drückt uns, mit Blick auf die Zukunft des Gymnasiums, Sorgenfalten ins Gesicht, und das

nung höherer Bildung für breite Volksschichten und die Erschließung von Begabungsreserven sowie der Siegeszug der Mädchenbildung verbunden.“ Ließe sich die Aufzäh lung nicht auch um die Zeit des Nationalsozialismus bzw. die stillschweigende Duldung oder sogar das Vertreten und Miterrichten des Selbigen durch Gymnasiasten der Weimarer Republik erweitern? Und das, obgleich das Gymnasium doch der Hort des Humanismus gewesen sein soll. Ich fürchte, solche Erfolgslisten tendieren zu Augenwischerei und zur Verklärung der Funktion und Wirkung von Bildungseinrichtungen. Einen weiteren Punkt der Erfolgsformel, den Meidinger anführt, ist das Aufstiegsversprechen des Gymnasiums. Die Möglichkeit also, einer sozial tieferen Schicht zu ent fl ie

mit Sicherheit zu Recht. Ich teile vollends die von Meidin ger herausgearbeiteten Ursachen, die für diese Sorgenfal ten sorgen. Einzig: Der argumentative Weg dorthin er scheint mir auf einer eigentümlichen Unklarheit der Rolle des Gymnasiums zu basieren. Und daher mein Diskussi onsbeitrag. Meidinger sucht nach einer Erfolgsformel des Gymnasiums. Und ich glaube, dass dies nicht nur ein un glücklicher Ansatz ist, sondern auch vom Weg der Pro blemlösung abführt. So verweist Meidinger gleich zu Be ginn der Analyse auf das Humboldtsche Bildungsideal als ein Teil eben jener Erfolgsformel. Nun ist der Kern dieses Bildungsideals allerdings für alle Schulformen gültig, nicht nur für das Gymnasium. Zudem war Humboldt umsichtig genug gewesen, zu erkennen, dass einzelne Bildungsinsti tutionen gar nicht ausreichen, dieses Ideal umzusetzen bzw. zu erreichen. Bildung, im Sinne Humboldts – oder vielleicht etwas allgemeiner – im Sinne des Humanismus, ist ein Ideal, dass sich an die gesamte Gesellschaft richtet. Bildungseinrichtungen wie das Gymnasium sind also letztlich nur ein, sicherlich bedeutender, aber doch eben nur ein Teil der Gesellschaft, der diesem Ideal entgegen zukommen hat. Eine „Erfolgsformel des Gymnasiums“ lässt sich daraus aber nicht ableiten. Vielmehr ist es gera de der fälschliche Glaube, die Schule sei die Wiege, in welcher der humanistische Mensch geboren werde oder werden solle, der eines der zentralen Probleme der der zeitigen Bildungslandschaft darstellt. Einzelne Bildungs einrichtungen werden mit einer solchen Zielvorgabe überfordert, derweil sich der Rest der Gesellschaft seelen ruhig aus seiner Verantwortung herausziehen kann. So gesehen ist der Gedanke, das Gymnasium verkörpere die Fackel des humboldtschen Bildungsideals sogar ein (s.o.) Irrlicht. Auch die Au ff assung, das Gymnasium bilde in seiner Entwicklung eine lineare Kette großartiger Erfolge ab, erscheint mir fragwürdig. So sind laut Meidinger „mit der gymnasialen Erfolgsgeschichte untrennbar der Er fi nder geist der Gründerjahre, das Wirtschaftswunder, die Ö ff

hen, in die ich hineingebo ren wurde und aus der im Wesentlichen kaum ein Ent kommen ist – unabhängig von meinen jeweiligen Fähigkeiten. Nun möchte ich behaupten: Bildete das Gymnasium ein Aufstiegs versprechen ab, so ist dies im Grunde eine Bankrott erklärung des gesamten Bil dungssystems. Die Gymna sien würden damit zu Orten,

Infos

Im Dezember letzten Jahres verö ff entlichten wir einen Artikel unseres Ehren vorsitzenden Heinz-Peter Mei dinger „Was ist die Erfolgsformel des deutschen Gymnasiums und was folgt daraus?“ Diesen Beitrag wollte unser Leser Stefan Rutt nicht un- widersprochen lassen. Wir verö ff entlichen seine Replik an dieser Stelle.

in denen es nur darum geht, zum Schluss ein Stück Papier in den Händen zu halten, auf dem der erwünschte, weil aufstiegsichernde Schriftzug Abitur steht. Die restlichen Schulen hingegen dienten der Bewahrung und Festigung sozialer Schichtung. Um dies weiter zu erläutern, möchte ich zwei Aspekte unterscheiden. Zum Einen: Wenn sozialer Aufstieg tatsächlich vom Besuch einer Schulform abhinge, wird das eigentliche Funktionsprinzip des mehrgliedrigen Schulsystems unterminiert – welches auf Leistungsselekti on und nicht auf Zukunftswünschen basiert. Und gerade das ist es, was ich glaube im Arbeitsalltag beobachten zu können. Eltern streben für ihre Kinder das Gymnasium an, mit der Vorstellung, dort werde den Kindern die gesamte Welt aufgeschlossen, der Aufstieg in andere Sphären

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PROFIL // 5/2026

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