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Zum Beitrag von Heinz-Peter Meidinger: Was ist die Erfolgsformel des deutschen Gymnasiums und was folgt daraus? von Stefan Rutt D er Artikel von Hans-Peter Meidinger (PROFIL// 12/2005) drückt uns, mit Blick auf die Zukunft des Gymnasiums, Sorgenfalten ins Gesicht, und das

nung höherer Bildung für breite Volksschichten und die Erschließung von Begabungsreserven sowie der Siegeszug der Mädchenbildung verbunden.“ Ließe sich die Aufzäh lung nicht auch um die Zeit des Nationalsozialismus bzw. die stillschweigende Duldung oder sogar das Vertreten und Miterrichten des Selbigen durch Gymnasiasten der Weimarer Republik erweitern? Und das, obgleich das Gymnasium doch der Hort des Humanismus gewesen sein soll. Ich fürchte, solche Erfolgslisten tendieren zu Augenwischerei und zur Verklärung der Funktion und Wirkung von Bildungseinrichtungen. Einen weiteren Punkt der Erfolgsformel, den Meidinger anführt, ist das Aufstiegsversprechen des Gymnasiums. Die Möglichkeit also, einer sozial tieferen Schicht zu ent fl ie

mit Sicherheit zu Recht. Ich teile vollends die von Meidin ger herausgearbeiteten Ursachen, die für diese Sorgenfal ten sorgen. Einzig: Der argumentative Weg dorthin er scheint mir auf einer eigentümlichen Unklarheit der Rolle des Gymnasiums zu basieren. Und daher mein Diskussi onsbeitrag. Meidinger sucht nach einer Erfolgsformel des Gymnasiums. Und ich glaube, dass dies nicht nur ein un glücklicher Ansatz ist, sondern auch vom Weg der Pro blemlösung abführt. So verweist Meidinger gleich zu Be ginn der Analyse auf das Humboldtsche Bildungsideal als ein Teil eben jener Erfolgsformel. Nun ist der Kern dieses Bildungsideals allerdings für alle Schulformen gültig, nicht nur für das Gymnasium. Zudem war Humboldt umsichtig genug gewesen, zu erkennen, dass einzelne Bildungsinsti tutionen gar nicht ausreichen, dieses Ideal umzusetzen bzw. zu erreichen. Bildung, im Sinne Humboldts – oder vielleicht etwas allgemeiner – im Sinne des Humanismus, ist ein Ideal, dass sich an die gesamte Gesellschaft richtet. Bildungseinrichtungen wie das Gymnasium sind also letztlich nur ein, sicherlich bedeutender, aber doch eben nur ein Teil der Gesellschaft, der diesem Ideal entgegen zukommen hat. Eine „Erfolgsformel des Gymnasiums“ lässt sich daraus aber nicht ableiten. Vielmehr ist es gera de der fälschliche Glaube, die Schule sei die Wiege, in welcher der humanistische Mensch geboren werde oder werden solle, der eines der zentralen Probleme der der zeitigen Bildungslandschaft darstellt. Einzelne Bildungs einrichtungen werden mit einer solchen Zielvorgabe überfordert, derweil sich der Rest der Gesellschaft seelen ruhig aus seiner Verantwortung herausziehen kann. So gesehen ist der Gedanke, das Gymnasium verkörpere die Fackel des humboldtschen Bildungsideals sogar ein (s.o.) Irrlicht. Auch die Au ff assung, das Gymnasium bilde in seiner Entwicklung eine lineare Kette großartiger Erfolge ab, erscheint mir fragwürdig. So sind laut Meidinger „mit der gymnasialen Erfolgsgeschichte untrennbar der Er fi nder geist der Gründerjahre, das Wirtschaftswunder, die Ö ff

hen, in die ich hineingebo ren wurde und aus der im Wesentlichen kaum ein Ent kommen ist – unabhängig von meinen jeweiligen Fähigkeiten. Nun möchte ich behaupten: Bildete das Gymnasium ein Aufstiegs versprechen ab, so ist dies im Grunde eine Bankrott erklärung des gesamten Bil dungssystems. Die Gymna sien würden damit zu Orten,

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Im Dezember letzten Jahres verö ff entlichten wir einen Artikel unseres Ehren vorsitzenden Heinz-Peter Mei dinger „Was ist die Erfolgsformel des deutschen Gymnasiums und was folgt daraus?“ Diesen Beitrag wollte unser Leser Stefan Rutt nicht un- widersprochen lassen. Wir verö ff entlichen seine Replik an dieser Stelle.

in denen es nur darum geht, zum Schluss ein Stück Papier in den Händen zu halten, auf dem der erwünschte, weil aufstiegsichernde Schriftzug Abitur steht. Die restlichen Schulen hingegen dienten der Bewahrung und Festigung sozialer Schichtung. Um dies weiter zu erläutern, möchte ich zwei Aspekte unterscheiden. Zum Einen: Wenn sozialer Aufstieg tatsächlich vom Besuch einer Schulform abhinge, wird das eigentliche Funktionsprinzip des mehrgliedrigen Schulsystems unterminiert – welches auf Leistungsselekti on und nicht auf Zukunftswünschen basiert. Und gerade das ist es, was ich glaube im Arbeitsalltag beobachten zu können. Eltern streben für ihre Kinder das Gymnasium an, mit der Vorstellung, dort werde den Kindern die gesamte Welt aufgeschlossen, der Aufstieg in andere Sphären

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