Profil 5/2026
PROFIL // Titel
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Im Falle von Siegfried Lenz gelang dies nicht auf Anhieb. Sein erster Roman „Es waren Habichte in der Luft“ war 1951 noch kaum mehr als ein Achtungserfolg, begrün dete aber den Entschluss des mittlerweile in Hamburg lebenden jungen Autors, sich ganz der freiberu fl ichen Autorentätigkeit zu widmen und sein Studium nicht fortzusetzen. 1955 kann als ein Erfolgsjahr für Siegfried Lenz bezeichnet werden. Die Gründe sind vor allem in seiner Biographie zu sehen. Wer war Siegfried Lenz? 1926 wurde er in Ostpreußen geboren, im heute zu Polen gehörenden masurischen Lyck. Der zweite Weltkrieg bedeutete für den erst 17-Jährigen Kriegs einsatz in der Reichsmarine und zwei Jahre später bri tische Kriegsgefangenschaft, die nur kurz währte und Lenz in Hamburg bald nach Kriegsende die Aufnahme eines geisteswissenschaftlichen Studiums ermöglich te. Ostpreußen allerdings sollte und wollte er nicht ver gessen. Das heimatliche Masuren durfte er nicht wie
dersehen, und so machte er es zum Schauplatz und zum Gegenstand von 20 Erzählungen, die er unter dem Titel „So zärtlich war Suleyken“ verö ff entlichte. Der Erfolg hält bis heute an und beschränkt sich sicher nicht auf Heimatvertriebene aus Ostpreußen. Seine Motivation für die heiteren, gelegentlich senti mentalen, aber sämtlich wunderbaren kleinen Erzäh lungen beschreibt Lenz 1955 selbst: „Die Geschichten und Skizzen sind gleichsam kleine Erkundungen der masurischen Seele. Sie stellen keinen schwermütigen Sehnsuchtsgesang dar, im Gegenteil: diese Geschich ten sind zwinkernde Liebeserklärungen an mein Land, eine aufgeräumte Huldigung an die Leute von Masu ren. Selbstverständlich enthalten sie kein verbindli ches Urteil – es ist mein Masuren, mein Dorf Suleyken, das ich hier beschrieben habe.“ Diese kleinen, aber kostbaren Erinnerungsstücke eig nen sich noch heute für die Lektüre im Deutschunter richt der Mittelstufe, und der bescheiden daherkom mende Anspruch des Schriftstellers, eben kein ver-
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