Profil 5/2026
PROFIL // Aktuell
land. Ihre Kritik fasst sie in den drei Begri ff en Zielklarheit, Rollenklarheit Ressourcenklarheit zusammen. Hinzu kommen die Aspekte Daten sicherheit und die Verbindungen zum Fördermaterial. Ihre kritische Haltung zur Nutzung von Übersetzungstools im Zeitalter der KI statt länger Fremdsprachen zu lernen, formulierte die DPhV-Vorsit zende gegenüber der Westdeutschen Allgemeinen in Essen. „Der entschei dende Denkfehler ist, verständlich machen und verstehen nicht genü gend voneinander zu unterscheiden. Wer ein Übersetzungstool nutzt, bekommt die richtigen Wörter – aber nicht das Denken in einer anderen Sprache, nicht die kulturellen Zwi schentöne. Es geht um viel mehr als nur, etwas übersetzen zu können.“ Susanne Lin-Klitzing, die die KI im Unterricht keineswegs grundsätzlich ablehnt, wird aber grundsätzlich, wenn sie sich über den Fremdspra chenunterricht äußert: „Eine zweite Fremdsprache länger zu betreiben, fördert insgesamt kognitive Flexibili tät, metasprachliches Bewusstsein und auch Problemlösungsfähigkei ten. Wenn man mehr als eine Spra che gelernt hat, vergleicht man die Sprachen auch miteinander – Wort stellungen, Zeitformen, Ausdrucks weisen, Bedeutungsnuancen. Das stärkt interkulturelle Kompetenz. Und das erhöht Bildungs- und Berufs chancen.“ Gegenüber der Redaktion der West deutschen Allgemeinen hob Susanne Lin-Klitzing neben dem Bildungsideal auch die politische Relevanz von fun dierten Fremdsprachenkenntnissen hervor. Gerade der Europagedanke widerspreche den bspw. in Nieder sachsen zunehmenden Abwahlmög lichkeiten der zweiten Fremdsprache oder des Faches Geschichte. „Das sind die völlig falschen Signale!“ so die DPhV-Vorsitzende.
Susanne Lin-Klitzing gefragte Interviewpartnerin in diversen Zeitungen
Skepsis gegenüber Daten- sammelwut und KI-Tools statt Fremdsprachenunterricht in unseren Schulen
Foto: Gawrisch
20 PROFIL // 5/2026 senschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz ist ein unabhängiges Gremium, das die Bildungsministerkonferenz der Län der berät. Die SWK unterstützt eine recht verstandene datengestützte von Walter Tetzloff B undesbildungsministerin Karin Prien und etliche Bil dungsminister der Länder orientieren sich stark an Kanada. Die Provinz Alberta im Westen des fl ächenmäßig zweitgrößten Landes der Erde scheint einiges richtig zu machen. Schülerinnen und Schüler erreichen Spitzenleistungen nicht nur in den Naturwissenschaften. Karin Prien und einige Bildungs minister mit ihren Verwaltungen sehen sich dies genauer an, weswe gen sie wieder zu Reisen nach Cal gary (Alberta) und in die Kanadische Hauptstadt Ottawa aufbrechen. Ein Grund für die kanadischen Erfolge scheint die datengestützte Schul- und Unterrichtsentwicklung zu sein. In Kanada bekommt jedes Kind eine ID, die sie durch ihren Bildungsgang begleitet. Auf diesen Weg haben sich auch einige deut sche Bundesländer begeben. Auch die SWK hat sich wissenschaftlich mit der datengestützten Schulent wicklung befasst. Die Ständige Wis
Schul- und Unterrichtsent wicklung, und warnt gleichzei tig davor, eine „Data fi zierung aller schulischen Prozesse" zu
Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing
betreiben und schulische Akteurin nen und Akteure im Umgang mit Daten zu überfordern. Das Gutach ten der SWK weist einen Katalog von Empfehlungen auf, der auf eine Optimierung der Maßnahmen abzielt und klarere Ziele anmahnt sowie eine Verbesserung der Gesprächskultur aller an Schule Beteiligten. DPhV-Vorsitzende Susanne Lin- Klitzing zeigt sich auch keineswegs unkritisch: „Zentrale Datenerhe bungen dürfen nicht länger Selbst zweck sein und ihre Nutzung den Lehrkräften als kreative Übung überlassen werden. Sie müssen strukturell und unmittelbar mit praktisch nutzbaren Vorschlägen für konkrete Fördermaßnahmen verbunden sein, die tatsächlich bei den Schülerinnen und Schülern ankommen“, so Susanne Lin-Klit zing gegenüber der Zeitungsgruppe des Regionalen Netzwerks Deutsch
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