DSTG Blickpunkt Nr. 01-02 | Januar-Februar 2026
WIR sind viele, WIR sind laut, WIR sind sauer! • Fortsetzung von Seite 1 folgte die Spielbank Aachen. Auch hier blieb der Betrieb vollständig geschlossen. Zwei Spielbanken am gleichen Tag dicht, ein klares Signal: Ohne uns läuft nichts! Kundgebungen: 1.200 Teilnehmende gleichzeitig an 5 Standorten Parallel dazu fanden am 20. Januar 2026 Kundgebungen in Aachen, Bonn, Düssel dorf, Essen und Köln statt – bewusst in der Mittagspause, sichtbar, laut und ent schlossen. Insgesamt 1200 Tarifbeschäf tigte und Beamtinnen und Beamte folg ten dem Aufruf der DSTG Rheinland. Die
ANGEMERKT
Stärke zeigt sich im Zuhören Eine lebendige Demokratie lebt von der Begegnung unterschiedlicher Meinungen. Wo Menschen Verant wortung übernehmen, wird diskutiert,
Carolin Konzack
abgewogen und gestritten – und genau das ist gut so. Meinungsvielfalt bedeutet nicht Beliebigkeit, sondern Ausdruck von Engagement und Interesse. Doch immer öf ter ist zu beobachten, dass Diskussionen nicht mehr der Suche nach Lösungen dienen, sondern der Abgrenzung. Statt Argumente auszutauschen, werden Etiketten verteilt. Dabei entscheidet nicht die Lautstärke, sondern die Bereitschaft, zuzuhören. Eine gute Streitkultur fordert Mut – den Mut, die eigene Position zu vertreten, aber auch den Mut, sich vom Gegenüber ehrlich hinterfragen zu lassen. Wer wirklich zuhört, muss nicht automatisch nachgeben, zeigt aber Respekt und Offenheit. Diese Haltung ist keine Schwäche, sondern eine Stärke, die Zusammenhalt för dert. Politische Diskussionen, ob in Parlamenten, Medien oder sozialen Netzwerken, sind oft von Zuspitzung geprägt. Das gehört ein Stück weit dazu – Politik lebt von Profil und Leidenschaft. Doch wo Respekt verloren geht, verliert auch das Argument seine Wirkung. Demokratie braucht Men schen, die überzeugt sind, aber nicht überheblich werden, die andere nicht ausgrenzen, nur weil sie anders denken. Gerade in der öffentlichen Verwaltung erleben viele täg lich, wie wichtig es ist, unterschiedliche Sichtweisen zu verstehen. Kolleginnen und Kollegen bringen Erfahrungen aus verschiedensten Lebenssituationen ein, begegnen Bürgerinnen und Bürgern mit unterschiedlichen Erwar- tungen und vertreten eigene Vorstellungen davon, was gerecht und praktikabel ist. In Verwaltung und Gewerk schaften gilt deshalb: Nur wer offen diskutiert, schafft tragfähige Kompromisse. Auch in der DSTG NRW ist Platz für unterschiedliche Meinungen. Ob bei Fragen zur Digitalisierung, zur Belas tung in den Finanzämtern oder zur Nachwuchsgewinnung – Vielfalt in der Diskussion führt zu besseren Ergebnissen. Unser gemeinsames Ziel bleibt klar: Gute Arbeitsbedingun gen und ein leistungsfähiger, zukunftsfähiger öffentlicher Dienst. Doch der Weg dorthin gewinnt an Qualität, wenn Argumente ausgetauscht, Erfahrungen geteilt und Per spektiven ernst genommen werden. Respektvolle Debatten sind kein Selbstzweck, sondern Ausdruck von Professionalität und Reife. Eine Organisati on, die Streit aushält, ist handlungsfähig. Eine Gemein schaft, die zuhört, bleibt lebendig. In diesem Sinne sollten wir uns weiterhin für eine Diskussionskultur starkmachen, die beides vereint: klare Positionen und offene Ohren. Denn Stärke zeigt sich nicht darin, den anderen zu über- tönen – sondern darin, gemeinsam den besseren Weg zu finden.
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DSTG-Blickpunkt 01-02/2026
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