lehrernrw 6/2025
BRENNPUNKT
Foto: AdobeStock/Bangkok Click Studio
Noch Fragen? Durchaus: Wann darf Schule neben den ihr zuge dachten gesellschaftlichen Erziehungs aufgaben noch an der Erfüllung ihres Bildungsauftrags arbeiten?
■ Verstärkte Fortbildung von Lehrkräften, klare Rolle der Schulleitungen, Unter stützung der Schulen bei der Umsetzung. Wie bereits in der Ausgabe 4/2025 dieser Verbandszeitschrift ausführlich dargestellt, sind die Ziele des Schulkompasses 2030 un bestritten richtig und wichtig, auch wenn unser Verband dem Weg des Schulministeri ums dorthin nicht in Gänze zustimmt. Eins steht jedoch fest: Für das Erreichen dieser Ziele benötigen die Schulen mehr zeitliche und personelle Ressourcen. Doch wie soll das gelingen, wenn immer neue Themen in den Schulalltag integriert werden, ohne dass zusätzliche Unterrichts zeit oder Personal bereitgestellt werden? Ein strukturelles Dilemma Das Dilemma ist offensichtlich: Demokratie bildung, Antisemitismusprävention und Ge sundheitsförderung sind unverzichtbar für eine mündige Gesellschaft. Gleichzeitig darf die Schule als Lernort für Wissen und Kom petenzen nicht überfordert werden. Wenn Lehrkräfte zwischen politischer Bildung und Mathematik, zwischen Erste-Hilfe-Kurs und Deutschförderung jonglieren müssen, droht beides zu verlieren: die Tiefe der fachlichen Bildung und die Nachhaltigkeit der gesell schaftlichen Erziehung. Viele Schulleitungen und Kollegien versu chen, beide Welten zu verbinden – etwa in dem gesellschaftliche Themen projektorien tiert in den Fachunterricht eingebettet wer den. Doch das erfordert Planung, Zeit und Unterstützung, die im hektischen Schulall tag oft fehlen. Deshalb benötigen die Schu len dringend mehr zeitliche und personelle Ressourcen, um gesellschaftliche Themen adäquat zu vermitteln. Es können nicht immer weitere zusätzliche Aufgaben – so sinnvoll und wichtig sie auch sein mögen – in unsere Schulen verlagert werden, ohne dass die Ressourcen erhöht und die Rahmenbedingungen verbessert werden. Schule kann viel – aber nicht alles gleich zeitig. Wer Bildung ernst nimmt, muss ihr Zeit geben – und die Prioritäten neu sortieren.
nen und Schüler bereits bei den Basiskom petenzen Nachholbedarf haben. Lesekompe tenz, Rechtschreibung, Mathematik-Grund lagen – hier liegen die Herausforderungen, wie auch Schulministerin Dorothee Feller immer wieder betont. Darum stellte das Mi nisterium für Schule und Bildung am Ende des vergangenen Schuljahres den ‘Schul kompass 2030’ vor. 1.Die Zahl der Schülerinnen und Schüler verringern, die die Mindeststandards verfehlen. 2.Die Zahl der Schülerinnen und Schüler steigern, die die Optimalstandards erreichen. Ziele des Schulkompasses sind:
4.Mehr Schülerinnen und Schüler am Berufskolleg zu einem Abschluss mit konkreter Anschlussperspektive führen. Mehr Aufgaben bei gleichbleibend unzureichenden Ressourcen Um diese Ziele zu erreichen, setzt das Ministerium klare Schwerpunkte: ■ Ein klarer Fokus auf die Basiskompetenzen Lesen, Schreiben, Zuhören und Rechnen. ■ Einführung bzw. Ausbau von datenge stützter Qualitätsentwicklung an Schulen – zum Beispiel durch Lern standserhebungen und Schülerfeedback. 3.Die Schülerinnen und Schüler in ihrer sozial-emotionalen Entwicklung stärken.
Sarah Wanders ist stellv. Vorsitzende des lehrer nrw sowie Vorsitzende des HPR Realschulen E-Mail: wanders@lehrernrw.de
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6/2025 · lehrer nrw
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