Bildung aktuell 2 2023

Leitartikel

schon verpflichtend eine Stunde je Woche mehr ar beiten. Abordnungen an andere Schulformen und in andere Städte sind eben falls im Gespräch, auf die paar Kilometer Fahrtweg kommt es schließlich auch

solventinnen und -absol venten unterrichten. So viel zum Thema Qualität. Mo netäre Anreize, die man auch in Nordrhein-Westfa len in sogenannten Brenn punkten gesetzt hat, waren überhaupt nicht erfolg

In den Lehrerzimmern aller Schul- formen ist die Verzweiflung groß, die Krankenstände steigen stetig, dem Anspruch an die eigene Arbeit laufen die Lehrkräfte schon lange hinterher.

nicht mehr an. Voraussetzungslose Teilzeit zu beantra gen, können Lehrerinnen und Lehrer am besten gleich vergessen – abgelehnt! Die Folgen all dieser Ideen sind massiv steigende Überle gungen zum Ausstieg aus dem Lehrerberuf, den viele un serer Kolleginnen und Kollegen ursprünglich mit großer Leidenschaft begonnen haben. Wir sind so weit, dass ver beamtete und tarifbeschäftigte Lehrkräfte nicht nur über Kündigungen nachdenken, sondern den Schuldienst für immer verlassen. Sinkende Studierendenzahlen, wie durch die Dollase-Untersuchung belegt, verwundern nicht. Schon während ihrer Schulzeit nehmen Schülerinnen und Schüler wahr, was da auf den Schultern der Lehrkräfte las tet. Wer will denn noch in einem solchen System arbeiten? Alles kein Problem, könnte man meinen, wenn man sich die Ideen aus der Politik anschaut. Man blickt auf andere Professionen, holt jetzt viele nichtpädagogische Mitar beitende ins System. Alltagshelfer/-innen, IT-Experten/- innen, Verwaltungskräfte, multiprofessionelle Teams, So zialarbeiter/-innen, Personen aus vielen anderen Berufs gruppen. Das ist grundsätzlich nicht schlecht, im schwarz-grünen Koalitionsvertrag versprochen und in vielerlei Hinsicht auch längst überfällig – aber bit te nicht zulasten der Lehrerstellen. Attraktivierung durch Anreize ist eine weitere Idee. In Berlin bei spielsweise will der Senat alle Lehrpersonen verbe amten; dazu muss man noch nicht einmal eine leh rerspezifische Ausbildung hinter sich gebracht ha ben. In Brandenburg dürfen bald auch Bachelorab Lehrermangel: Jetzt sollen es nichtpädagogische Mitarbeitende richten

reich. Man gibt vor, Qualität und Fachlichkeit sowie die Expertise der Lehrkraft hochzuhalten. Der PhV NRW fragt sich, wie das in Einklang zu bringen ist. Die Länder haben unterschiedliche Probleme auch im Bereich der Lehrkräfteversorgung – alle bislang vorge schlagenen Maßnahmen allerdings führen zu einem deutlichen Qualitätsverlust, sie laufen hinaus auf eine Reduzierung der Ansprüche und sind eher zu sehen als eine Lehrkräfteverhinderungskampagne. In den Lehrer zimmern aller Schulformen ist die Verzweiflung groß, die Krankenstände steigen stetig, dem Anspruch an die ei gene Arbeit laufen die Lehrkräfte schon lange hinterher. Wo bleibt der gesamtgesellschaftliche Aufschrei? Es geht hier nicht um die Partikularinteressen einer Berufs gruppe, sondern ums große Ganze, um unsere Kinder und Jugendlichen. Der PhV NRW fordert daher die Poli tik auf, endlich einmal ehrlich auf die Entwicklungen zu schauen. Wir fordern, dass alle in den Prozess mit einbe zogen werden, vor allem auch diejenigen, die Experten für Bildung und Unterricht sind, die Lehrkräfte. Wir müs sen zu einem Schulsystem stehen, das jedem Schüler und jeder Schülerin gerecht wird, ein System, das auch das Abitur wieder als Abschluss für eine echte Studierfä higkeit bietet. Der PhV NRW fordert die Politik auf, auf die Entwicklungen zu schauen und alle in den Prozess mit einzubeziehen, vor allem auch diejenigen, die Experten für Bildung und Unterricht sind: die Lehrkräfte!

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