Bildung aktuell 2 2023

Leitartikel

von Sabine Mistler >> Landesvorsitzende

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Versorgung wird zum Konterbegriff zur Bildung

Kommt der Lehrermangel im Bund und in den Ländern tatsächlich plötzlich und unerwartet? Natürlich nicht. Schnelle Lösungen sind allerdings nicht zu erwarten – für ein Problem, das hausgemacht ist und Schulen und Lehrkräfte allein lässt. Wo bleibt der Aufschrei der anderen?

Die ständige Wissenschaftliche Kommission der Kultus ministerkonferenz (SWK) hat unlängst zunächst für Stau nen und anschließend für Empörung in Lehrerzimmern und Kommentarspalten gesorgt. Anlass bot die Stellung nahme mit dem Titel ‘Empfehlung zum Umgang mit dem akuten Lehrermangel’. Als Gutachten will das unabhängi ge Beratungsgremium das knapp vierzig Seiten starke Papier ausdrücklich nicht verstanden wissen. Laut SWK Empfehlung sollen Lehrkräfte sich durch Verhaltensprä vention wieder einmal am eigenen Schopfe aus dem Sumpf ziehen, statt über eine Verhältnisprävention an- gemessen attraktive Arbeitsplätze und -bedingungen zu schaffen. Dazu bräuchte man aber viel mehr Geld für Bildung. Genauso notwendig ist auch ein differenzierter Blick. Denn die Situation ist in den Landesteilen, in Städten und Kommunen, innerhalb der Schulformen und über die Schulformen hinweg höchst unterschiedlich. Die SWK liefert mit Ihrer Stellungnahme dazu keinen gro ßen Beitrag. Die einzige Prämisse scheint zu sein, mög

lichst kostenneutral zu reagieren oder günstigeres Per sonal an die Schulen zu holen – Versorgung wird zum Konterbegriff zur Bildung. Das gerade noch vorhandene Personal soll einfach ein bisschen mehr arbeiten, Pro blem gelöst! Dass damit die Attraktivität des Lehrerbe rufs noch weiter sinkt, liegt auf der Hand. Die Folgen ebenso: Junge Menschen, die gefragt werden, ob sie Lehrerin oder Lehrer werden möchten, winken ab. Das belegt eine aktuelle Studie des Bildungsforschers Rainer Dollase, über die wir auf den Seiten 12 bis 14 in dieser Ausgabe der ‘Bildung aktuell‘ berichten. Apropos differenzierter Blick: In Nordrhein-Westfalen re det kaum jemand von den Lehrkräften an den Gymna sien, Gesamtschulen und Weiterbildungskollegs. Denn gerade die Gymnasien sind gut mit Lehrpersonal ausge stattet, so die landläufige Meinung. Klagen wir also, auch als Philologenverband Nordrhein-Westfalen, auf einem reichlich hohen Niveau? Wohl kaum! Wir halten es für fragwürdig und wenig perspektivisch gedacht, dass die Arbeit der Lehrkräfte an Schulformen mit Abiturverant-

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