Profil 12/2025
PROFIL // Titel
Eine unverbindliche Schulartempfehlung benach teiligt also begabte Kinder aus bildungsfernen Famili en. Es ist gerade das Umgekehrte eines häufig zu hö renden Arguments: Nicht die verbindliche, leis tungsorientierte Schulartempfehlung benachtei ligt leistungsfähige und begabte Kinder, sondern der Verzicht auf eine solche benachteiligt sie! Ohne , ohne (!) die verbindliche, leistungsorientierte Schulartempfehlung entscheidet die Herkunft der Kinder stärker über ihre Zukunft als dies mit einer leistungsorientierten, verbindlichen Schulartempfeh lung der Fall wäre, so unsere Schlussfolgerung. Das kann allen Ernstes niemand wollen – und wir schon gar nicht! Es braucht also strukturelle Voraussetzungen, denen man für die Förderung einer positiven Leistungskul tur vertrauen kann. Vertrauen in leistungsfähige Strukturen für die gute Bildung der Schülerinnen und Schüler ist unabdingbar, womit wir beim zweiten Punkt unseres Mottos „Leistung fordern, Vertrauen fördern, Lehrkräfte stärken“ des 42. Deutschen Philo logentags wären: Vertrauen entsteht dort, wo Verlässlichkeit herrscht. Eltern und Schülerinnen und Schüler müssen sich darauf verlassen können, dass schulische Entschei dungen und die schulische Leistungsförderung ihrer Kinder nicht dem Zufall überlassen wird – sondern dass sie gut und überlegt strukturiert, wissenschaft lich begleitet und qualitätsgesichert ist. Das differen zierte Schulsystem mit dem Gymnasium als zentraler Säule neben den anderen weiterführenden Schul Vertrauen fördern – durch Verlässlichkeit und Qualität
arten bietet eine solche Verlässlichkeit. Dass für den Philologenverband bei der Förderung des Vertrauens in das deutsche Schulwesen das Gymnasium eine zentrale Rolle spielt, dürfte in diesem Saal nieman den verwundern – und dass wir das Vertrauen in das Abitur und das Gymnasium fördern wollen, ebenfalls nicht. Aber dass wir dafür starken Rückenwind aus der Bevölkerung bekommen – hätten Sie es gedacht? Die forsa-Umfrage zu „Meinungen zum Gymnasium“ hat ganz klar ergeben: Die deutsche Gesellschaft steht klar zum Gymnasi um. Das Gymnasium wird als unverzichtbar angese hen und bleibt das Herzstück des deutschen Schul systems. Wiederkehrende Kritik an dieser Schulart und andauernde Reformvorschläge, wie etwa eine „Schule für alle“, finden in der Mehrheit der Bevölke rung keine, ich wiederhole keine (!) Zustimmung. Laut Umfrage sprechen sich 92 Prozent (!), 92 Pro zent der Befragten gegen die Abschaffung des Gym nasiums aus. Die Unterstützung zieht sich quer durch die Gesell schaft. Mit 94 Prozent stimmen am ehesten die über 45-Jährigen der Beibehaltung des Gymnasiums zu. Aber auch von den unter 45-Jährigen spricht sich die deutliche Mehrheit (87 Prozent) gegen eine Abschaffung aus. Zwischen Befragten ohne und mit Kindern im Haushalt sowie zwischen Befragten mit niedriger und hoher formaler Bildung zeigen sich hier keine nennenswerten Unterschiede. Weiter zeigt die Umfrage, dass die Mehrheit der Befragten eine Einheitsschule, ein Einheitsschulsys tem sowie folgerichtig die Vereinheitlichung der Lehr kräfteausbildung ablehnt. Denn auch in der Frage nach der Schulstruktur ergibt sich ein deutliches
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