Profil 12/2025

Foto: Akhtar

PROFIL // Titel

dbb-Chef Volker Geyer

42. Deutscher Philologentag

von Walter Tetzlo ff D en gewerkschaftlichen Schwer punkt der ö ff entlichen Ver anstaltung setzte dann der Vorsit zende des dbb beamtenbund und tarifunion, Volker Geyer. In seinem Grußwort verband er den Dank an die DPhV-Bundesvorsitzende, die auch der dbb Fachkommission Schu le, Bildung und Wissenschaft vor steht, für ihren leidenschaftlichen und unermüdlichen Einsatz für den Beibehalt des Berufsbeamtentums in Deutschland. Dieses sei ein Ga rant für Qualität und Verlässlichkeit im Staat und unentbehrliche Grund voraussetzung für seine Handlungs fähigkeit. Reichlich naiv sei der Glau be, dass die 1,7 Millionen Beamten durch Sozialversicherungsbeiträge die gesetzliche Rentenversicherung retten könnten. Deren Beiträge müssten ja anteilig noch einmal vom Dienstherrn / Arbeitgeber entrichtet werden und würden die Kosten des Staates zusätzlich in die Höhe trei ben. Insbesondere für die Lehrkräfte in Deutschland sei der Beamtenstatus

eine unabdingbare Grundvoraus- setzung, da diese auf der Basis des Grundgesetzes hoheitliches Han deln praktizierten, indem sie bei spielsweise Ordnungsmaßnahmen ergri ff en und mittels Prüfungen über Lebenschancen junger Men schen entschieden. Gleichzeitig gel te für sie das Streikverbot, das auch die Schulp fl icht in Deutschland ge währleiste. Dass die Bundesländer sämtlich zur Beamtung von Lehr kräften zurückgekehrt seien oder diese kontinuierlich beibehalten hätten, sieht Volker Geyer als einen Beweis für die Einsicht der Arbeit geber der 16 Länder, die die o. g. Argumente verstanden hätten. Der Festvortrag des Deutschen Philologentages wurde von Prof. Dr. Roland Reichenbach gehalten: „Die Liebe des Lernens“ und der Sinn der Leistung. Der Pädafoge, der am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Zürich forscht und lehrt, forderte, dass Lernen nicht von vornherein zweck- und ziel gebunden sein müsse und auch

nicht eine lebenspraktische Bedeu tung haben müsse. Er propagierte ein Lernen durch Denken im Sinne von Konfuzius und eine Beschäfti gung mit dem Unbekannten. Seine Ausführungen unterstrich Reichen bach mit heiteren anschaulichen Beispielen und durch Verwendung vieler ideengeschichtlicher Bezüge. Verwiesen sei in diesem Zusammen hang noch einmal auf Reichenbachs jüngstes Buch „Die Pädagogik der Privilegierten“ (Rezension in „PROFIL). 

Bild: 71 Prozent der Befragten befürworten das mehrgliedrige Schulsystem mit dem Gymnasium und weiteren weiterführenden Schularten, wäh rend lediglich 27 Prozent eine gemeinsame Schule für alle bevorzugen. Dies bestärkt uns darin, dass das Wichtigste die Pas sung zwischen Kind und Schulart ist. Eine Vereinheit lichung des Schulsystems mag auf den ersten Blick mehr Chancen gleichheit versprechen, da sie alle Kinder unter gleichen Rahmenbedingungen zusam menführt. Doch damit wird die Vielfalt der Lern voraussetzungen und -fähigkeiten von Kindern igno

riert: Leistungsstarke sowie Leistungsschwächere werden nicht in ihrem vollen Potential oder Bedarf gefördert. Eine Einheitsschule wird somit Lehrkräften wie Lernenden gleichermaßen nicht gerecht. Ein mehrgliedriges Schulsystem hingegen ermöglicht eine differenzierte, chancengerechte Förderung – und die große Mehrheit der Bevölkerung hat das verstanden. Wir alle aber wissen auch: Das Vertrauen in ein Schulsystem kann nur bestehen und bestehen bleiben, wenn der Staat, wenn die Länder für ihre Schulen, ihre Lehrkräfte und die Schülerinnen und Schüler kontinuierlich zu ihrem Wort stehen, bil dungspolitische Strukturdebatten nicht als Möglich-

16 PROFIL // 12/2025

Made with FlippingBook Ebook Creator