Profil 12/2025
PROFIL // Titel
ten unserer heutigen Gesellschaft notwendig brau chen. Sie und wir brauchen die gelebte anspruchsvol le gymnasiale Bildung. Wolfgang Klafki hat Leistung als das Ergebnis und den Vollzug einer zielgerichteten Tätigkeit de fi niert – verbunden mit Anstrengung und Selbstüberwin dung, orientiert an anerkannten Gütemaßstäben. Das Erbringen von Leistung erfordert also Anstren gungsbereitschaft, Durchhaltekraft und Disziplin. Es verlangt von unseren Schülerinnen und Schülern, sich mit Maßstäben auseinanderzusetzen – selbst- und fremdgesetzten –, sich an ihnen zu orientieren und sich auch an ihnen zu reiben. Es geht darum, Schülerinnen und Schüler zu befähi gen, Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit zu entwickeln und dabei zu lernen, mit Erfolgen wie mit Misserfolgen umzugehen. Diese Aspekte sind für den gymnasialen Bildungs gang von zentraler Bedeutung. Unsere Schülerinnen und Schüler müssen auf hohe inhaltliche Anforderun gen vorbereitet und in wissenschaftliche Haltungen eingeführt werden – etwa das disziplinierte Durchhal ten in Durststrecken akademischen Arbeitens. Doch dafür braucht es Voraussetzungen. Eine davon ist die Passung von Kind und weiterführender Schul art – nicht in einer Schule für alle, sondern in der richtigen Schule für jede und jeden. Deshalb setzen wir uns seit Jahren für die verbindli che, leistungsorientierte Grundschulempfehlung ein. Und wir freuen uns, dass diese Idee in mehreren Bundesländern nun neuen Aufschwung erfährt, auch hier in Berlin.
Neben der riesigen Unterstützung der Bevölkerung, die einen leistungsorientierten Übergang auf die weiterführenden Schulen wünscht, gibt es aber auch starke Argumente aus der Wissenschaft, wenn man sie denn hören will: Die Auswertung der letzten TIMSS-Studie im Dezem ber 2024 (Trends in International Mathematics and Science Study) bestätigt den Deutschen Philologen verband hinsichtlich seiner Empfehlung für eine ver bindliche, leistungsorientierte Übergangsempfehlung auf die weiterführenden Schularten. Denn dort wird belegt, dass sich Lehrkräfte bei ihren Leistungs beurteilungen für die Grundschulempfehlung weit weniger von sozioökonomischen Faktoren beeinflussen lassen als Eltern. Angesichts der in den meisten Bundesländern noch unverbindlichen Über gangsempfehlung auf die weiterführenden Schul arten, in denen der Elternwille unabhängig von den Leistungen der Kinder entscheidend ist für den Über gang, gibt also auch die TIMSS-Studie aus unserer Sicht ein klares Signal für eine leistungsorientierte verbindliche Übergangsempfehlung, damit gerade begabte Kinder auch aus Elternhäusern mit nied rigem sozioökonomischem Status bessere Über gangschancen erhalten. Die alle zwei Jahre erscheinende Studie „Bildung in Deutschland“, hier „Bildung in Deutschland 2024“ bestätigt dies: Bei der in Deutschland mehrheitlich unverbindlichen Schulartempfehlung wechseln bei gleichen Leistungen Kinder mit niedrigem sozio ökonomischem Status seltener aufs Gymnasium als Kinder mit höherem sozioökonomischem Status, weil die Eltern dies so entscheiden. Das ist aber nicht nur unter Leistungsgesichtspunkten nicht hinnehmbar.
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