Gymnasium Baden-Württemberg 7-8/2025

… Bundesvorstand des DPhV (BuVo) in Göttingen Der PhV BW beim …

Chancengleichheit

leicht zu erwarten gewesen wäre. Es sind noch immer vor allem die Männer, die in Vollzeit arbeiten, und damit die Frauen, die die Kinder verantwortung, zumindest zeitlich gesehen, in erster Li nie tragen. Die Jahre der hundertprozentigen Beurlau bungen sind zwar deutlich zurückgegangen, Teilzeit ist aber nach wie vor weiblich. Wenn die Kinder aus dem Gröbsten raus sind, kommen die Pflegebedarfe bei älteren Verwandten, die auch der Staat sehr gern auf familiärer Ebene lösen lässt. Was für den Sozialstaat hilfreich sei, weil die Finanzierbarkeit scheinbar leichter fällt, wird meist von Frauen bezahlt. Anrechnungen von Pflege zeiten auf die Pension gibt es nur in einem sehr geringen Rahmen, der nicht auf alle zutrifft, (Anmerkung: Unter bestimmten Umständen kann es den Pflegezuschuss geben, §67 LBeamtVG; das ist aber selten). Stattdessen hat man mit dem Dienst rechtsreformgesetz 2011 die Anzahl der Dienstjahre für die volle Pensionsberechti gung von 35 auf 40 erhöht und gleichzeitig die Anre chenbarkeit von Ausbil dungszeiten zusammengestri chen. Frauen schmälern durch unbezahlte Care-Ar beit ihre finanziellen Mög lichkeiten im Hier und Jetzt sowie in Zukunft und sind entweder abhängig oder von (Alters-)Armut bedroht. Dies belegen zum Beispiel wissenschaftliche Daten, die auf einer Fachtagung des dbb im vergangenen Jahr vorgestellt wurden. Ich will nicht unterschlagen, dass es einen Zuschlag für Kinderer ziehungszeiten bei der Pensi on gibt und eine Mindesthö he der Pension. Dennoch ste hen auch Beamtinnen finan

ziell häufig schlechter da als ihre Kollegen. Auch an Fragen der Ver einbarkeit von Familie und Beruf entscheiden sich Ge sellschaften für ihren Weg. Welches Schweinderl hätten‘ s denn gern? Also, welche Lebenskonzepte und Famili enmodelle sollen von Seiten des Staates gefördert wer den? Was können Beamtin nen und Beamte sowie Ar beitnehmerinnen und Arbeit nehmer mit familiären Pflich ten von ihrem Dienstherrn erwarten? Wir als Akteure im Pluralis mus müssen Fragen der Ver einbarkeit, der Gleichstellung und der Gleichberechtigung, besser gesagt ‘benachteili gungsschädlicher’ Strukturen und Verfahren, noch mehr in die politischen Gespräche tra gen. Gleichzeitig sollten wir uns unserer Verantwortung bewusst sein, Gesellschaft und Staat mitzugestalten. Wir müssen als diejenigen, die den Staat als Handelnden insbe sondere ausmachen, für den Erhalt des Rechtsstaates kämpfen. Ein Indikator sind eben Gleichstellung und Gleichberechtigung von Frau en und Männern inklusive Fragen der Vereinbarkeit. Für uns heißt das ganz konkret, Wege zu finden, wie wir auf Wahlprogramme und Koaliti onsverträge Einfluss nehmen, beispielsweise damit die No velle des ChancenG nicht wei ter auf die lange Bank gescho ben wird. Fragen der Gleich berechtigung sind zur Gret chen-Frage unserer Tage ge worden. Erst wenn die größte Grup pe der Gesellschaft, die Frau en, nicht nur an der Arbeit tatkräftig partizipieren (darf), sondern am Benefit, am Ein fluss, an Gestaltungskraft, ist das formulierte Grundrecht Gleichberechtigung Realität.

>> Die Teilnehmenden des DPhV beim BUVO in Göttingen

>> Die Vorsitzenden aus Nordrhein-Westfalen – Sabine Mistler (links) , Bayern – Michael Schwägerl (mitte) und Baden-Württemberg – Martina Scherer (rechts) tauschen sich aus

… Gymnasialtag zur Demokratie- und Weiterbildung in Wittenberg

>> Martina Scherer mit der Geschäftsführung

des DPhV, dem DL, der KEG, dem VDR und dem BvlB

>> Martina Scherer mit dem Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff – in der Mitte Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing

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