Blickpunkt Schule 1 2026
zu einem Dienst- und Treueverhältnis verpflichtet – und erwarten deshalb zu Recht Fürsorge vom Staat. Dieses Ver trauen wird erschüttert, wenn die Arbeitsbelastung ins Uferlose wächst und die Fürsorgepflicht zur bloßen Forma lie verkommt, nicht aber als tatsächlich gelebte Verant wortung verstanden wird. Es ist an der Zeit, hier klar Stellung zu beziehen. Und das tut der Deutsche Philologenverband. Der Beamtenstatus ist kein Privileg, sondern Ausdruck eines besonderen Für sorge- sowie Dienst- und Treueverhältnisses zwischen Staat und Lehrkraft. Der Beamtenstatus ist Garant für Neutralität im Sinne unseres Grundgesetzes, er sorgt für Verlässlichkeit und Schutz vor Willkür. Er verpflichtet Lehrkräfte zur dauerhaften Erfüllung ihres öffentlichen Bildungsauftrags. Daraus darf sich der Staat nicht zurück ziehen. »Finger weg vom Beamtenstatus!«, so lautet Lin Klitzings klare Forderung. Von der Schönheit der deutschen Sprache Als Gastredner bereicherte Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt , Sachbuchautor und Sprachwissenschaftler, die Veranstal tung am Nachmittag. In seinem fundierten und humorvol len Vortrag über die Schönheit der deutschen Sprache be zeichnete er den Hessischen Philologenverband (hphv) und den Deutschen Philologenverband (DPhV) als mit seiner Haltung geistesverwandt. Er stellte fest, dass etwa 100 Millionen Menschen in der Europäischen Union (EU) Deutsch sprächen, und lobte die Grammatik, denn sie er mögliche die Entscheidung darüber, was falsch und was richtig sei. Prof. Kaehlbrandt kennzeichnete das Deutsche als Spra che für Leserinnen und Leser. So sei die Setzung des Kom mas beispielsweise für den Sinn mitverantwortlich. Er be schrieb den Satzbau als sehr geschmeidig; hinzu komme die Betonung. Zu den sprachlichen Nuancen, die er anführ te, gehörten unter anderem Wortkompositionen, bei denen aus bestehenden Wörtern neue gebaut würden, wie Wald
hphv intern
» v.l.n.r.: Thorsten Rohde, Annabel Fee, Staatsminister Armin Schwarz, Volker Weigand und Carsten Franz
einsamkeit, Wertstoffhof und unantastbar sowie Änderun gen der Wortklasse wie wandern und das Wandern. Sie be reicherten den Wortschatz, der 5,3 Millionen Wörter um fasse. Auch auf die in Deutschland und der EU zu beobachten de Anhänglichkeit an Dialekte und einen dialektalen Klang in der Hochsprache ging Prof. Kaehlbrandt ein und erklärte, dass Niederdeutsch als Sprache der Hanse durchaus zum Hochdeutsch hätte werden können. Die Sprache der Bibel übersetzung durch Luther habe sich dann jedoch durch gesetzt. Als Beispiel aus dem Bereich Poetry Slam sprach der Referent die Band ‘Freundeskreis’ mit dem Lied ANNA an. Zum Thema Gendern befragt, bezeichnete er den Impuls als berechtigt und meinte: »Deutsch ist eine Männer- sprache.« Er wandte sich jedoch gegen Zeichen wie den Doppelpunkt, da die Schönheit der deutschen Sprache dabei verloren gehe. So zeigte Prof. Kaehlbrandt an einer Vielzahl von Bei spielen, dass die deutsche Sprache zu Unrecht im Ruf steht, hart und schwerfällig zu sein, sondern in Wahrheit klangvoll, klar und anschaulich, elegant und manchmal voller Witz sein kann. Der Philologenverband als Bindeglied zwischen Politik und Schulen: Besuch des hessischen Ministers für Kultus, Bildung und Chancen Armin Schwarz , der hessische Minister für Kultus, Bildung und Chancen, bezeichnete in seiner Rede den Hessischen Philologenverband als wichtiges Bindeglied zwischen Poli tik und Schulen. Er forderte die Delegierten dazu auf, »in diesen einzigartigen Zeiten« trotz aller Belastungen auch das Positive im Blick zu behalten. Mit den Worten »Unsere Zukunft befindet sich in den Klassenzimmern von heute« sprach er eine Reihe von Initiativen zur Erhöhung der Bil dungschancen an, darunter die verpflichtenden Vorlauf-
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» Während seiner Rede: Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt
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