Bildung aktuell 1/2025
Leitartikel
Die Reform der Oberstufe in Kürze ■ Das Eckpunktepapier sieht eine fünfte Abiturprüfung vor, die als Präsentationsprüfung oder als besondere Lernleistung absolviert werden kann. ■ Für alle Schülerinnen und Schüler verpflichtende Projektkurse sollen auf die Abiturprüfung im 5. Fach vorbereiten. ■ Für Leistungsüberprüfungen sollen in allen schriftlichen Kursen ab der Einführungsphase Klausuren teilweise durch Präsentationsprüfungen, vergleichbar mit den jetzigen Kommunikationsprüfungen in modernen Fremdsprachen, ersetzt werden. Link zum Eckpunktepapier:
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https://www.schulministerium.nrw/system/files/media/ document/file/eckpunktepapier_weiterentwicklung_ gymnasiale_oberstufe_gost_240529.pdf
len wünschen sich eine bessere Qualität und einen höheren Anspruch, damit eine tatsächliche Vergleich barkeit der Abiturabschlüsse auch im Sinne der Schüle rinnen und Schüler geschaffen wird. Rückmeldungen der Hochschulen zu fehlendem Kennt nis- und Leistungsstand unserer Abiturientinnen und Abiturienten und die hohen Abbrecherquoten (nicht nur im Lehramtsstudium) sind deutliche Hinweise darauf, dass es mit einem Kernziel gymnasialer Bildung, nämlich der Studierfähigkeit, derzeit bereits nicht weit her ist. Eine Trennung von Form und Inhalt, wie sie bei Präsenta tionsprüfungen im 5. Fach zu befürchten ist, halten wir für nicht angemessen. Ein Prüfungsteil, der sich schwer punktmäßig auf Präsentation und Reflexion beschränkt, ist für uns nicht akzeptabel. Eine Abiturprüfung muss durchweg eng mit Fachlichkeit verknüpft sein. Aus diesem Grund plädieren wir für eine durchgängige Kopplung des 5. Fachs an einen Grundkurs und für eine Prüfung im 5. Fach, deren Prüfungskommission mit Fachlehrerinnen und Fachlehrern besetzt ist. Im Eckpunktepapier heißt es: »Beide Prüfungsformate [Präsentationsprüfung und besondere Lernleistung; Anm. d. Verf.] erhöhen zugleich die Möglichkeiten, auch digital gestützt verstärkt kollaborative, kreative und kommunikative Kompetenzen sowie kritisches Denken (4K-Modell) im Rahmen der Abiturprüfung unter Beweis stellen zu können. Hierbei werden die Möglichkeiten der Digitalisierung und der generativen Assistenzsysteme der Künstlichen Intelligenz (KI) gezielt als zusätzliche Chan cen für die Ausgestaltung dieses neuen Abiturprüfungs formats gesehen.« Damit steht die Reflexionsfähigkeit
über den eigenen Lern- und Arbeitsprozess im Fokus, aus unserer Sicht bedarf es einer Anknüpfung an fachliche Inhalte und ihres fundierten Verständnisses, sonst resul tiert aus diesem Ansatz reine Beliebigkeit. Unterstützt wird dies auch durch den Deutschen Hochschulverband. Zudem dürfte sich die aus der Stärkung alternativer Prü fungsformate ergebende Reduzierung der Schriftlichkeit ebenfalls zu einer Aufweichung der Leistungsanforde rungen und Vergleichbarkeit der Ergebnisse führen. Die angedachten Projektkurse sind nicht vergleichbar mit den derzeit bekannten freiwilligen Kursen, durch die Schulen durchaus hervorragende Profilierungen und Profilbildungen erreichen. > tung. Der Start sollte verschoben oder die Reform schrittweise eingeführt werden. ■ Die neuen Prüfungsformate und die verpflichtenden Projektkurse sollten vorab erprobt, und evaluiert werden. ■ Bei der fünften Abiturprüfung sollte man daher eine weitere Option ermöglichen, also neben einer Präsen tationsprüfung und einer besonderen Lernleistung eine weitere mündliche Fachprüfung wie im vierten Fach. ■ Die Projektkurse sollten daher nicht für alle Schüle rinnen und Schüler verpflichtend sein. Das fünfte Abiturfach sollte stattdessen an einen Grundkurs angebunden sein. ■ Alternative Prüfungsformate sollten grundsätzlich nur in einem sehr reduzierten Umfang die bewährten Klausurformate ersetzen. Vorschläge des PhV ■ Die Reform erfordert mehr Zeit der Vorberei-
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