Bildung aktuell 1/2025
Schule & Beruf
Versetzungsrelevante Wahlpflicht fächer in der Sekundarstufe I sowie abitur- und fachabiturrelevante Fä cher in häufig gesprochenen Her kunftssprachen erfordern entspre chende Lehrpläne und ausgebildete Lehrkräfte. Eine dauerhafte Konti nuität der Angebote im Wahlpflicht bereich, aber auch die daraus resul tierende Versetzungsrelevanz des HSU, halten wir für unrealistisch und unpraktikabel. Der Ausbau von bilingualen Schul standorten und bilingualem Unter richt ist ebenfalls nicht ohne weite res möglich, da es an Lehrplänen und qualifizierten Lehrkräften fehlt. Gleichzeitig beobachten wir in den Schulen ein stark schwankendes und schwer vorherzusehendes Belegver halten der Schülerinnen und Schüler in bilingual angebotenen Fächern. Die Tendenz ist bei nicht wenigen Fächern gar rücklaufig. In Englisch
ist die Varianz aufgrund der großen Zahlen immerhin noch planbar. Un serer Meinung nach kann es sich da her nicht um ein grundsätzlich breit aufgestelltes und flächendeckendes, sondern nur um ein standortbezoge nes Angebot an die Schülerinnen und Schüler handeln. Zusammenfassend erkennt der Phi lologenverband NRW die vielfälti gen Potenziale der Mehrsprachig keit und die Notwendigkeit ihrer Förderung grundsätzlich an. Die Forderung von Mehrsprachigkeit stärkt gleichzeitig die Forderung von Deutsch als Bildungssprache und damit auch den Bildungserfolg der Schülerinnen und Schüler. Der ganzheitliche Ansatz und eine stär kere Verzahnung von Regelunter richt und Herkunftssprachlichem Das Fazit aus Sicht des Philologenverbandes
Unterricht sind zu begrüßen, sollten aber nicht durch verpflichtende Mo dule gekennzeichnet sein. Zudem ist eine individuelle Bedarfsanalyse jeder Schule und Kommune not wendig, da die Bedarfe in Nord rhein-Westfalen stark variieren. Vor allem aber muss klar sein, dass zu mindest derzeit die notwendigen Ressourcen für eine konkrete Um setzung fehlen und die Forderun gen auf die Realität in den Schulen nicht übertragbar sind. Ähnlich wie bei der Inklusion darf die Förderung der Mehrsprachigkeit keinem bloßen Aktionismus zum Opfer fallen, sondern muss mit allen am Schulleben Beteiligten konkret zu Ende gedacht werden. Vor allem müssen aber – wie an vielen anderen Stellen bereits gefordert – mehr Stel len für Lehrkräfte geschaffen und der Lehrberuf insgesamt wieder at traktiver gemacht werden.
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