lehrernrw 6/2024

MAGAZIN

Maßnahme der Abordnung an den abge benden Schulen regelmäßig zu erheblichem Unmut und Unfrieden im Kollegium führt. Auch die Beschränkungen bei der vo raussetzungslosen Teilzeit sieht lehrer nrw als fatales Signal: »Wer die Kolleginnen und Kollegen gegen ihren Willen in die Vollzeit drängt, erhöht den Druck massiv und somit die Gefahr der Überforderung. Wenn diese Menschen dann in die Krankheit fallen, hat das System Schule nicht nur nichts gewon nen, sondern auch noch das wertvolle De putat einer Teilzeitkraft verloren«, mahnte Christoffer. Ebenso leiste die Ausweitung des Ein satzradius nach Rückkehr aus der Beurlau bung oder Elternzeit aus Sicht von lehrer nrw keinen wesentlichen Beitrag zur Ver besserung der Unterrichtsversorgung. »Im Gegenteil«, so Christoffer: »Auf diese Weise werden mögliche Bestrebungen der Be schäftigten, möglichst frühzeitig aus einer Beurlaubung oder Freistellung zurückzukeh ren, unterminiert.«  Mehr Zeit fürs Kerngeschäft Die FDP-Forderung nach mehr Stellen für Schulverwaltungsassistenz sowie einer Stärkung der Schulpsychologie und der Schulsozialarbeit unterstützt lehrer nrw . »Schule muss so organisiert sein, dass das pädagogische Personal sich auf das päda gogische Kerngeschäft – Unterrichten und Erziehen – fokussieren kann. Die Zunahme unterrichtsfremder Aufgaben in den letzten Jahren hat den Bereich des Organisierens und Verwaltens jedoch aufgebläht. Daraus ergibt sich zwangsläufig, dass für das schulische Personal weniger Zeit für das Kerngeschäft, nämlich die sorgfältige Planung, Vor- und Nachbereitung von Unterricht, übrig bleibt«, betonte Chri stoffer. »Alle Aufgaben, die keinen pä dagogischen Hintergrund haben und keinen pädagogischen Horizont erfor dern, müssen so weit als möglich out gesourct werden.« Vor diesem Hinter grund könne der Ausbau von Stellen für Schulverwaltungsassistenz eine große Hilfestellung sein.

Darüber hinaus regte er an, dass die schulpsychologischen Dienste niedrig schwellige Beratung vor Ort anbieten soll ten – beispielsweise durch regelmäßige Sprechstunden in den Schulen. Schulsozial arbeit bilde ebenfalls einen integralen Be standteil schulischer Arbeit. Doch längst nicht jede Schule könne auf diese wertvolle Personalressource zurückgreifen. »Auch un ter dem Aspekt der Entlastung von Lehrkräf ten sollte deshalb jeder Schule mindestens eine Stelle für Schulsozialarbeit zugewiesen werden«, forderte der lehrer nrw -Vorsitzen de.  Praxisbezug in der Lehr kräfteausbildung stärken Überlegungen zu einer Stärkung des univer sitären Anteils der Lehrerausbildung bei ei ner gleichzeitigen Verkürzung des Vorberei tungsdienstes auf zwölf Monate, wie aktuell von der Ständigen Wissenschaftli chen Kommission der Kultus ministerkonferenz propagiert, wies Christoffer scharf zu rück. Er

verwies auf eine von lehrer nrw initiierte Online-Umfrage unter knapp 1200 Lehramts anwärterinnen und -anwärtern sowie bereits fertig ausgebildeten Lehrkräften – mit ein deutigen Ergebnissen: Die Teilnehmenden empfanden die zweite Phase der Lehrkräfte ausbildung als hilfreicher für die Praxis und somit für das spätere Berufsleben als den universitären Teil. Dies mache deutlich, dass der Praxisbezug in der universitären Ausbil dung verstärkt werden sollte, unterstrich Christoffer: »Die Umfrageergebnisse zeigen, dass die zweite Phase der Lehrkräfteausbil dung elementar wichtig für die angehenden Kolleginnen und Kollegen ist. Eine zeitliche Kürzung zur schnelleren Behebung des Lehr kräftemangels wäre fatal und würde sicher lich nicht zur Steigerung der Unterrichtsquali tät beitragen.« Jochen Smets

Hauptsache Hauptschule: Aktionstag in Essen Unter dem Motto ‘#Hauptsache Hauptschule’ fand am 25. Sep

tember in Essen der erste Hauptschultag in Nordrhein-Westfalen statt. In ihrer Eröffnungsrede hob Schulministerin Dorothee Feller hervor, dass die Hauptschule ein vielseitiges Sprungbrett für verschiedene Berufsfelder sei, aber oft nicht die Wertschätzung erhalte, die sie verdiene: »Seit Beginn der Legislaturperiode habe ich zahlreiche Schulen besucht und an den Haupt schulen immer hochengagierte und leidenschaftliche Kollegien erlebt, die sich je den Tag für ihre Schülerinnen und Schüler einsetzen. Wir haben starke Hauptschu len, die ihre Kinder und Jugendlichen gut auf die Zukunft vorbereiten. Mein Dank richtet sich an alle, die an unseren Hauptschulen arbeiten und unseren Kindern eine gute Bildung mit auf den Weg geben.« Unter dem Motto ‘#Hauptsache Hauptschule’ hatte das Schulministerium alle Schul leitungen der Hauptschulen in Nordrhein-Westfalen eingeladen. Vor Ort konnten sich die Schulleitungen vernetzen. Auf einem Markt der Möglichkeiten und in Workshops präsentierten sich zahlreiche Hauptschulen und Bildungsanbieter mit ihren individuellen Unterrichtskonzepten und Unterstützungsangeboten. In einem Podiumsgespräch beant wortete die Ministerin Fragen von Schulleitungen und Schulaufsicht. Wie zahlreiche Rückmeldungen zeigten, empfanden viele Teilnehmende den Haupt schultag als bereichernd und als Gewinn für die Sache der Hauptschulen. Dorothee Feller bekräftigte, die vorhandenen Hauptschulen zu stärken und bei ihrer Arbeit weiter zu un terstützen. Nachdem sich die Zahl der Hauptschulen in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verringert hatte, sei inzwischen eine Stabilisierung zu erkennen. Im Schuljahr 2024/2025 gibt es in Nordrhein-Westfalen 159 Hauptschulen.

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