lehrernrw 4/2025
ANGESPITZT
»Mach
ihn fertig!«
E s ist ein ungleiches Duell. In der roten Ecke: Markus Söder, der bajuwarische Bulldozer – satte zwei Zentner auf knapp zwei Meter. In der blauen Ecke: Dorothee Feller, eher in der Federgewichtsklasse zuhause und seit kurzem Speerspitze einer stetig an Zulauf gewinnenden Bewegung für mehr Feriengerechtigkeit. Diese Dorothee Feller wird langsam lästig. Das mag sich Söder gedacht ha ben, als die nordrhein-westfälische Bil dungsministerin sich neulich schon wie der erdreistete, das bayerische Ferienpri vileg in Frage zu stellen. Denn im Frei staat des barocken Ministerpräsidenten gilt ungefähr seit dem Urknall der gottge gebene Grundsatz: In Bayern sind die Sommerferien immer am letztmöglichen Termin, der sich in der Regel über den ge samten August erstreckt. Das ergibt Sinn, denn dann ist das Wetter am schönsten.
Nun möchten aber auch ein paar andere Bundesländer mal bei schönem Wetter Sommerferien haben. Darum hatte Feller bereits 2024 eine Neuordnung der über kommenen Sommerferien-Regelung ge fordert. Die besagt, dass sich vierzehn Bundesländer brav mit den Ferientermi nen abwechseln, während die Bayern (und die Baden-Württemberger) sich ent spannt mit einem Limoncello Spritz zu rücklehnen und die Augustsonne genie ßen. Runde Eins des Ferien-Duells ging im vergangenen Jahr noch relativ glatt an Söder, der den ersten Fellerschen Vorstoß in Basta-Manier abbügelte. Doch Feller beweist Steher-Qualitäten. Vor ein paar Wochen hat sie einen neuen Vorstoß für eine gerechte Ferienlösung ohne Sonder rechte für die südlichen Bundesländer ge wagt. Auch den hat Söder abgewehrt. Diesmal mit Verweis auf naturwissen
schaftliche Gesetzmäßigkeiten: »Wir ha ben unseren Ferienrhythmus, der ist sozu sagen fest in der DNA der Bayern drin.« Die Ministerin lässt sich davon indes nicht beirren und setzt offenbar auf eine Zermürbungs-Strategie: den Kontrahen ten reizen, in Bewegung bleiben, immer wieder kleine Nadelstiche setzen. Ein schneller K.O.-Sieg für Söder scheint je denfalls nicht in Sicht. Und unabhängige Beobachter am Ring wollen schon Anzei chen einer leichten Konditionsschwäche beim Favoriten beobachtet haben. Das kann nicht verwundern, hatte doch der berühmte Ferndiagnostiker Dr. Habeck dem bayerischen Schwergewicht erst kürzlich ein »fetischhaftes Wurstgefres se« attestiert. Wir jedenfalls sind gespannt auf die nächste Runde und rufen der furchtlosen Kämpferin aus NRW zu: »Mach ihn fer tig!« Jochen Smets
lehrer nrw · 4/2025 30
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