lehrernrw 4/2025

SCHULE & POLITIK

Foto: AdobeStock/contrastwerkstatt

Individuelle Förderung ist gera de bei schwächeren Schülern das A und O. Das können Realschulen mit Hauptschulbildungsgang unter den jetzi gen Rahmenbedingungen kaum leisten.

Kleine Anfrage, große Wirkung

meindebund Nordrhein-Westfalen ver weist in seiner Stellungnahme zum Ge setzentwurf darauf, dass unter den Schü lerinnen und Schülern im Hauptschulbil dungsgang eine hohe Anzahl ohne Ab schluss die Schule verlässt. Dies lässt sich nun auch mit aktuellen Zahlen bele gen. »Wie groß ist der Anteil der Schülerin nen und Schüler im Hauptschulbildungs gang an Realschulen, die diesen erfolg reich abschließen bzw. derer, die keinen ersten Schulabschluss erwerben?« Dies wollte die bildungspolitische Sprecherin der FDP-Landtagsfraktion, Franziska Mül ler-Rech, wissen und richtete deshalb eine Kleine Anfrage an die Landesregierung. Deren Antwort lautet so: »An den Real schulen mit Hauptschulbildungsgang ha ben im Jahr 2024 landesweit 53 von 285 bzw. 18,6 Prozent der Schülerinnen und Schüler die Schule ohne einen Schulab schluss verlassen.« 18,6 Prozent – diese Zahl klingt nicht nur sehr hoch, sie ist es

Das umstrittene 17. Schulrechtsänderungsgesetz (17. SchRÄG) sorgt weiter für Gesprächsstoff. Eine Kleine Anfrage der FDP an die Landesregierung förderte kurz vor den Sommerferien eine brisante Information zutage.

D as Kernproblem am Schulgesetz ist der Paragraf 15. Er ermöglicht es Schulträgern, an Realschulen künf tig dauerhaft einen Hauptschulzweig einzu richten, und zwar »insbesondere, wenn ei ne öffentliche Hauptschule in der Gemein de oder im Gebiet des Schulträgers (…) nicht vorhanden ist«, wie es im Gesetzes text heißt. Dabei werden Realschülerinnen und -schüler ab Klasse 7 im Klassenver band mit Hauptschülerinnen und -schülern unterrichtet, und zwar parallel nach zwei völlig unterschiedlichen Lehrplänen.

 Strukturelle Überforderung

Dies hat lehrer nrw von Anfang an scharf kritisiert. »Leidtragende dieser pädagogi schen Verirrung sind die Lehrkräfte, die parallel unterschiedliche Unterrichtsgegen stände behandeln und Lerninhalte vermit teln müssen. Diese in den Strukturen ange legte Überforderung verhindert Unterrichts qualität«, erklärte der lehrer nrw -Vorsitzende Sven Christoffer in einer Pressemitteilung. Leidtragende sind aber auch die Schüle rinnen und Schüler: Der Städte- und Ge-

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