lehrernrw 4/2025

TITEL

 dass weiterhin deutlicher Handlungsbedarf besteht. 24 Prozent der Befragten zeigten in unterschiedlicher Form antisemitische Ein stellungen.  »Wer für Menschenwürde eintritt, braucht Rückhalt« »Wenn Konflikte durch Judenhass in der Gesellschaft zunehmen, hat dies stets auch Auswirkungen auf das Schulleben. Es ist daher wichtig, auch weiterhin in Schulen auf ein respektvolles Miteinander zu achten, antisemitischen Aussagen deutlich zu wider

sprechen und durch gezielt präventive Ar beit entgegenzuwirken. Alle am Schulleben Beteiligten haben die Aufgabe wirksam und gemeinsam gegen Ausgrenzung, Hass und Gewalt sowie alle Erscheinungsformen des Antisemitismus zu arbeiten«, formulieren CDU, SPD, Grüne und FDP in ihrem gemein samen Antrag. Dabei sollen die Schülerin nen und Schüler lernen, Falsch- und Desin formationen zu entlarven. Diese Phänomene nähmen in sozialen Medien zu. Gleichzeitig seien deren Plattformen oft die zentrale In formationsquelle von Schülerinnen und

Schülern. In der schulischen Bildungsarbeit komme Lehrkräften in der Bekämpfung von Antisemitismus eine besondere Schlüssel funktion zu. Entsprechende Aus- und Fortbil dungsinhalte seien daher notwendig, damit Lehrkräfte nicht nur souverän intervenieren, sondern ebenso angstfrei präventive Aufklä rungsarbeit leisten können, heißt es im An trag. »Wer für Menschenwürde eintritt, braucht Rückhalt. Schulen müssen diesen Rückhalt bieten – für jüdische Schülerinnen und Schüler ebenso wie für alle, die Gesicht zeigen.«

MÜLHEIMER KONGRESS

‘Antisemitismus, Rassismus und Diskriminierung in der Schule begegnen’

A ntisemitismus, Rassismus und Diskriminierung sind nicht nur Teil der gesellschaftlichen Realität, sondern auch der schulischen. Darum greift der 56. Mülheimer Kongress, den leh rer nrw am 26. und 27. November ausrichtet, dieses hoch aktu elle und äußerst sensible Thema auf. Hochkarätige Expertinnen und Experten werden dabei am 26. und 27. November wertvol le Impulse geben: ■ Jörg Rensmann von RIAS NRW, der offiziellen Meldestelle für antisemitische Vorfälle, wird in seinem Vortrag ‘Das La gebild Antisemitismus in NRW – Einstellungen, Ausdrucks formen, Herausforderungen’ die deutliche Zunahme vor al lem von israelbezogenem Antisemitismus seit dem 7. Okto ber 2023 (dem Terrorangriff der Hamas auf Israel) aufzei gen. ■ Katja Kuklinski, Mitarbeiterin bei der Servicestelle für An tidiskriminierungsarbeit/Beratung bei Rassismus und Anti semitismus (SABRA), wird die Sicht der Betroffenen mit ein drücklichen Beispielen aus ihrer Beratungstätigkeit deutlich machen. ■ Dr. Rüdiger Fleiter, Historiker und Redakteur beim Ernst Klett Verlag, nimmt die ‘Darstellung jüdischen Lebens im Schulbuch’ in den Blick. Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, hatte ebendiese Darstellung vor eini gen Jahren scharf kritisiert. Daraufhin beauftragte das Mi nisterium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein Westfalen das Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung, die Darstellung von Jüdinnen und Ju den, jüdischer Geschichte, Kultur und Religion in Lernmit

teln zu untersuchen. 2024 folgte schließlich eine gemeinsa me Erklärung und gemeinsame Empfehlungen des Zentral rats der Juden in Deutschland, des Verbandes Bildungsme dien und der Kultusministerkonferenz unter der Überschrift ‘Darstellung des Judentums in Bildungsmedien’. ■ Florian Beer (SABRA) und Dr. Marc Grimm von der Bergi schen Universität Wuppertal haben in ihrem Buch ‘Eine si chere Schule für Jüdinnen und Juden’ einen Leitfaden für die antisemitismuskritische Schulentwicklung in 35 Fragen und Antworten entwickelt. Sie werden aus diesem praxisori entierten Leitfaden vortragen, der konkrete Handlungsemp fehlungen bietet, um Schulen zu Orten der Sicherheit und Wertschätzung für Jüdinnen und Juden zu machen. ■ Andrea Stern (Regionalkoordinatorin Mülheim an der Ruhr) und Christian Hüttemeister (Landeskoordinator für den Regierungsbezirk Düsseldorf) werden das Netzwerk ‘Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage’ vorstellen und gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern sowie Lehr kräften der Mülheimer Willy-Brandt-Schule Best-Practice Beispiele geben. ■ Ina Holev, Medienkulturwissenschaftlerin, referiert zum Themenfeld ‘Diskriminierung und Intersektionalität’. Inter sektionale Diskriminierung liegt vor, wenn eine Person oder Personengruppe aufgrund mehrerer Merkmale diskriminiert wird und diese derart ineinandergreifen, dass sie eine eige ne, neue Form von Diskriminierung ergeben.

Information/Anmeldung: www.lehrernrw.de/muelheimer-kongress-2025/

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