lehrernrw 1/2025

SCHULE & POLITIK

Foto: AdobeStock/insta_photos

Unaufhaltsam? Tablets haben mancherorts das Schul buch aus dem Klassenraum verdrängt. Doch Technik um der Technik willen führt nicht zwingend zum (Lern)Erfolg.

»Eine reine Tablet-Klasse bietet keinen Mehrwert«

Medienbildung im Deutschunterricht: Zeile für Zeile lesen oder doch lieber scrollen? Der Lehrer und Schulbuchautor Tommy Greim zeigt im Interview einen Mittelweg auf: Sowohl Basiskompetenzen mit Hilfe von gedruckten Materialien erwerben als auch Medienkom petenzen für digitale Anwendungen trainieren. Aber bitte eins nach dem anderen.

Der Medienkonsum bei Kindern und Jugendlichen wird in der gesellschaft lichen Debatte oft kritisiert. Wie wirkt sich denn der intensive Gebrauch von digitalen Medien auf den Sprachge brauch aus? Das ist vielschichtig. Wir können beispiels weise beobachten, dass der Wortschatz der Kinder und Jugendlichen schrumpft. Viele Wörter sind ihnen heute nicht mehr so geläufig. Zum Beispiel tauchte bei einer Kafka-Lektüre im Deutschunterricht das Wort ‘Egge’ auf. Das Wort kannten sie nicht. Dafür benutzen sie Wörter aus dem Medienbereich und Anglizismen, das ist gut. Aber sie lesen insgesamt weniger, und das ist problematisch für den Wortschatz. Kindern und Jugendlichen fällt es schwer, beim Schreiben abwechslungsreich zu sein. Das zeigt sich im Satzbau ihrer Texte. Die Schülerinnen und Schüler bilden oft einfache Sätze. Insgesamt ist die sprachli che Ausdrucksweise eher einfach. Es fehlt eine flexible Sprachwahl.

»Die Schülerinnen und Schüler schreiben zu Hause anders als in der Schule. Wenn sie online lesen, nehmen sie keine langen Texte mehr auf. Bilder und Videos konkurrieren mit dem Text.«

Jugendliche sind laut der JIM-Studie 2023 durchschnittlich 224 Minuten täg lich online, ein Großteil entfällt dabei ZUR PERSON Tommy Greim, 36 Jahre, ist stellver tretender Schulleiter des Lessing-Gym nasiums in Döbeln (Sachsen) und Au tor beim Klett-Verlag. Er ist bekannt für seine praxisnahen Unterrichtsma terialien, die oft innovative Ansätze wie den Einsatz von Computerspielen im Deutschunterricht beinhalten.

auf Messenger-Dienste. Das bedeutet, sie verbringen viel Zeit mit dem Lesen und Schreiben. Ist das nicht positiv? Die Schülerinnen und Schüler schreiben zu Hause anders als in der Schule. Wenn sie online lesen, nehmen sie keine langen Texte mehr auf. Bilder und Videos konkurrieren mit dem Text. Und natürlich schreiben sie auch keine langen Texte über WhatsApp. Hier muss die Schule in Zukunft noch stärker ansetzen. Bedeutet das, man muss mit Kindern und Jugendlichen verstärkt das Lesen und Schreiben üben?

lehrer nrw · 1/2025 20

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