Profil 6/2026
PROFIL // Zur Diskussion
Die smartphonefreie Klassengemeinschaft Tobias Windbrake stellt Elterninitiative vor
chen Raum sind heute Realität und werden kaum noch in Frage gestellt, anders als vor etwa zwanzig Jahren. Überhaupt ist Windbrake nicht um einprägsame Bilder verlegen, wenn er seine Initiative propagiert. „Im Internet gibt es kein Nichtschwim merbecken: Mit dem Smartphone haben Kinder häu fi g den unbegrenz ten und ungeschützten Zugri ff auf die Welt der Erwachsenen.“ Er er- gänzt: „Der beste Start in eine digitale Welt ist eine analoge Kindheit.“ Dabei nehmen sich die Vorschläge der Initiative noch moderat aus angesichts von Forderungen der Nationalen Akademie der Wissen schaften Leopoldina: „Wir empfeh len, die Nutzung von Smartphones in Kitas und Schulen bis einschließ lich Klasse 10 zu untersagen.“ Und so formuliert Tobias Windbrake sein Anliegen an die weiterführen den Schulen denn auch durchaus bescheiden in drei Wünschen: 1. möglichst ablenkungsfreie Lern umgebungen durch Handygaragen oder verschließbare Handy taschen, da Regeln zur Handynut zung allein nicht ausreichend sind 2. das Anbieten von smartphone- freien Klassengemeinschaften 3. Vermittlung von Medienkom petenz, insbesondere auch im Hinblick auf die Online-Gefahren Mit einem Augenzwinkern beendet der Hamburger Familienvater sein Plädoyer:
von Walter Tetzloff I n der Mai-Ausgabe von „Pro fi l“ stellten wir Ihnen das Buch von Jakob Weizman vor. In seiner Schrift hob er vor allem das Sucht potential eines unre fl ektierten, unkontrollierten und maßlosen Gebrauchs von Smartphones hervor. Der einprägsame Titel „Smartphone aus – Leben an“ korrespondiert mit einem klugen Vorschlag, den wir diesmal zur Diskussion stellen. Der Hamburger Vater von zwei Töch tern, Tobias Windbrake, engagiert sich im Vorstand einer Elterninitiati ve, der sich bereits mehr als 20 000 Eltern an über 2 000 Schulen ange schlossen haben. Der Ansatz der Ini tiative ist ein pädagogischer: „Unsere Vision ist, dass unsere Kinder unbe schwert, aktiv und selbstbestimmt aufwachsen können.“ Und das ohne eigenes Smartphone! Windbrake und seine Initiative wollen aufklären, vernetzen und schützen, aber nicht belehren. Das Smartphone ist für sie kein Teufelszeug, wohl aber bringt es Nachteile mit sich, die ins besondere Kinder unter vierzehn Jah ren gefährden. Diese Gefährdungen beziehen sich auf Ablenkungen im Unterricht, auf riskante Challenges, auf jugendgefährdende Inhalte, um nur einige der bekannten Nachteile zu nennen. Ein zusätzlicher Aspekt, der Pädagogen nicht gleichgültig sein dürfte: Auch, wenn Eltern ihren Kin dern noch kein eigenes Smartphone überlassen, können Sie zum Opfer werden, beispielsweise durch Mob bing im Klassenchat, Außerdem
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Foto: Tetzlo
Tobias Windbrake mit PROFIL-Redaktionsleiter Walter Tetzlo ff
besteht die Gefahr, dass diese Kinder zu Außenseitern werden, weil sie als Minderheit innerhalb der Klasse noch kein Smartphone besitzen. Diesen Gefahren wollen Tobias Wind brake und seine Initiative mit ihrem Konzept der „Smartphonefreien Klas sengemeinschaft“ begegnen. Die Idee: Eine Klasse an einer weiterführenden Schule wird so zusammengestellt, dass Schülerinnen und Schüler freiwil lig mindestens für ein Jahr, besser für zwei Jahre, auf den Besitz eines eige nen Smartphones verzichten. Bei der Anmeldung zur weiterführenden Schule können die Eltern angeben, ob Interesse an diesem Pro fi l besteht – vergleichbar mit Sport- oder Musik klassen. Eine freiwillige Selbstver p fl ichtung durch Unterschrift der Eltern ist dann die Voraussetzung. Unrealistisch oder gar utopisch? Tobias Windbrake hat gute Argumen te, dem zu widersprechen: „Das Smartphone ist die Zigarette des 21. Jahrhunderts“. Rauchverbote am Arbeitsplatz oder generell im ö ff entli
„Schade, dass wir unserem Kind nicht schon früher ein Smartphone gegeben haben … hat kein Elternteil je gesagt!“
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