Profil 12/2025
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Das Gymnasium ist – und das gilt sogar im weltweiten Maßstab – eine der wenigen Schularten, an deren Anfang, zumindest in seiner neuhu manistischen Neuausrichtung eine einzigartige, geniale Bildungsidee steht, das Humboldtsche Bildungs ideal. Der junge Mensch erwirbt sich Bildung, indem er so viel Welt wie möglich erfasst und mit seiner Per son verbindet. Damit ist eigentlich schon vieles von dem umrissen, was bis heute gymnasiale Bildung ausmacht: das Bildungsziel des mündigen, selbstständig denkenden und lernfähigen Menschen die Mannigfaltigkeit und produk tive Vielfalt der Lernsituationen,
die sich in der beeindruckenden Fächervielfalt des Gymnasiums spiegelt die Freiheit und Unabhängigkeit des Bildungsprozesses gegen über Instrumentalisierungsver suchen von außen Diese Idee hätte aber nicht zwei Jahrhunderte getragen, wenn sie nicht auch den Praxistest bestanden hätte. Mit dem Gymnasium war die Gesellschaft in der Lage, im Bil dungswesen die richtigen Antwor ten auf die sich ständig ändernden Herausforderungen etwa durch die Industrialisierung zu fi nden. Natür lich hat sich der Fächerkanon ge wandelt, aber die Erkenntnis war: Am besten bereitet man junge
Menschen durch eine vertiefte All gemeinbildung auf rasante Verände rungsprozesse vor, nicht durch die Kreierung ständig neuer Fächer und hektische Anpassungen von Lern inhalten. Auch wenn es Humboldt vorrangig um Persönlichkeitsbildung ging, – das Gymnasium beinhaltete auch immer ein Aufstiegsversprechen. Das Humboldtsche Bildungsideal ist darauf gerichtet, den Jugendlichen einen Horizont von Möglichkeiten zu erö ff nen, in ihrem persönlichen Be reich, aber eben auch im beru fl ichen und gesellschaftlichen Leben. So sind mit der gymnasialen Erfolgs geschichte untrennbar der Er fi nder geist der Gründerjahre, das Wirt-
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