Bildung aktuell 4/2025

Schule & Beruf

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Viele Lehrkräfte berichten von großer Unruhe beim Lernen.

Körperorientiert unterrichten - auf neurophysiologischer Basis Ein Beitrag zur Entlastung der Lehrkräfte

Wir Lehrkräfte geben unser Bestes, unseren Schülerinnen und Schülern möglichst viel beizubrin gen. Doch machen wir es uns oft unnötig schwer. Wann? Wenn wir gegen ihr Gehirn und autonomes Nervensystem (ANS), also bei stressbedingten Lernblockaden, unterrichten und die für das Lernen notwendigen Selbstkompetenzen nicht genügend fördern. Diese These möchte ich, Dozent für Körperorientierte Pädagogik und früherer Mathematik-/Physik-Lehrer, begründen und ein anderes Vorgehen vorschlagen.

von Horst Hofmann >> Institut für Körperorientierte Pädagogik E-Mail: H23Hofmann@t-online.de

Unterricht - heute häufig eine Dauerstress- Veranstaltung Die meisten Schülerinnen und Schü ler betreten oft schon gestresst den Raum: Mit unkontrollierten Bewe gungen und ständigem Reden, was auf vegetative Übererregung und da mit auf einen vom Sympathikus aus gelösten Stresszustand hindeutet, erzeugen sie einen Riesenlärm. Viele Lehrkräfte berichten auch noch von großer Unruhe beim Lernen. Mit Neurophysiologie lässt sich be gründen, warum gestresste Schülerin nen und Schüler weitgehend unfähig

sind, zu lernen und sich sozial zu ver halten: Plakativ vereinfacht schaltet die Amygdala im limbischen System den präfrontalen Cortex (PFC), das Lernorgan, aus (Amygdala-Hijack), in dem sie Dopamin- und Noradrenalin Wellen im Stammhirn auslöst, die die Signalübertragung an den Synapsen im PFC erheblich beeinträchtigen (Prof. Hinghofer-Szalkay). Analyti sches Denken funktioniert dann kaum noch. Im Extremfall kommt es zu ei nem Blackout. Der von den Stresshor monen Adrenalin und Noradrenalin produzierte Bewegungsdrang er schwert die Fokussierung auf den Lerngegenstand. Schließlich kann die tendenziell aggressive Ausrichtung

der Stressreaktion (Kampf-/Flucht Zustand) die Impulskontrolle herab setzen, was zu mehr Konflikten und Disziplinschwierigkeiten führen kann. Es sind also im Körper stattfindende Prozesse, die das Denken und Lernen beeinträchtigen. Beginnen wir bei gestressten Schüle rinnen und Schüler gleich mit dem Fachunterricht, ohne vorher über den Körper den Stresszustand abzubau en, arbeiten wir ineffizient. Wir müs sen viel Kraft aufwenden bei mäßi gem Output. Sinnvoller ist es, am Stundenanfang erst den vorhande nen Stress so weit wie möglich abzu bauen.

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