Bildung aktuell 1/2025

Thema

Unterschiede zwischen Gymnasien und Gesamtschulen

INFO

Zwar lassen sich aufgrund der unter schiedlich großen Zahl von Teilneh menden (siehe Info-Box) die Schulfor men nicht 1:1 miteinander vergleichen, dennoch lohnt ein Blick auf die Unter schiede zwischen Gymnasien und Ge samtschulen. So werden beispielswei se die Belastungsfaktoren unter schiedlich bewertet. In Gymnasien wird die Korrekturbelastung etwa an vierter Stelle genannt, an Gesamt schulen landet sie auf Platz 9. Dort sind es die vielen nichtpädagogischen Zusatzaufgaben, die an erster Stelle der Belastungsfaktoren benannt wer den; die Gymnasiallehrerinnen und -lehrer sehen sich vor allem durch große Klassen belastet. Inklusion wird wenig überraschend vor allem an Gesamtschulen als Belas tungsfaktor genannt, am Gymnasium bemängeln Lehrkräfte hingegen feh lende Unterrichtszeit für die Vermitt lung der Fachinhalte. Überbordende Bürokratie wird an beiden Schulfor men kritisiert, sie landet auf Platz 3 der ärgsten Belastungsfaktoren.

Bei der zeitlichen Belastung sind die Unterschiede zwischen Gymnasium und Gesamtschule verschwindend ge ring: Wer in Vollzeit unterrichtet, kommt hüben wie drüben meist auf 41 bis 50 Wochenstunden, mehr als 50 Stunden arbeiten 38% der Befragten (Gy) bzw. 39%; auf mehr als 60 Stun den kommen je 8% der Befragten. Um so erstaunlicher sind die Unterschiede bei der Frage nach Arbeitszeiterfas sung, wie von der Rechtsprechung ge fordert. 65% der befragten Gymnasial lehrkräfte wünschen sich diese Erfas sung, 15% sagen nein, egal ist es einem Viertel der Teilnehmenden. An Ge samtschulen wünschen sich nur 57% die Messung Ihrer Arbeitszeiten, nein sagt jede/r Fünfte/r (21%). Am deutlichsten werden die Unter schiede zwischen Schulformen bei der Frage nach der Berufszufriedenheit. Die Frage »Sind Sie im Allgemeinen zufrieden mit Ihrem Job?« verneinen 51 % der befragten Lehrkräfte an Ge samtschulen (gar nicht zufrieden/we niger zufrieden), am Gymnasium sind

es dagegen nur 39 %. Eine knappe Mehrheit der Leh

rerinnen und Lehrer am Gymnasium (52 %) würde den Lehrberuf ein zwei tes Mal ergreifen, an Gesamtschulen winken dabei 57 % der Befragten ab. Über 70 % der Lehrerinnen und Lehrer sowohl an Gymnasien als auch an Gesamtschulen haben schon einmal ernsthaft darüber nachgedacht, den Job an den Nagel zu hängen. »Die Lage an den Gesamtschulen ist eine ganz spezielle«, sagt PhV-Vorsit zende Sabine Mistler. »Einerseits spürt diese Schulform den Lehrkräftemangel ganz besonders deutlich, unsere Kolle ginnen und Kollegen benötigen des halb schnell die dringend gebotene Unterstützung.« Auf der anderen Seite sorgten sich viele Lehrerinnen und Lehrer um die Qualität der schulischen Ausbildung. »Sie wollen für sich und die Schülerinnen und Schüler ein hochwertiges und vor allem vergleich bares Abitur. Das gilt für die Bundes länder, aber auch für die Schulformen untereinander.«

Lange Arbeitszeiten und Mehrarbeit trüben die Stimmung in den Kollegien Einer der Hauptgründe für die schlechte Stimmung sind entgrenzte Arbeitszeiten. Fast alle Lehrerinnen und Leh

rer in Nordrhein-Westfalen überziehen regelmäßig ihre Wochenarbeitszeit. Zwischen 41 und 50 Stunden arbei ten 41 % der Befragten, auf mehr als 50 Stunden kom men 37 %, auf mehr als 60 Stunden je Woche 12 %. Nicht einmal jede zehnte verbeamtete Lehrkraft arbeitet nur die dienstrechtlich vorgesehenen Wochenarbeitszeit (9 %). Die Arbeitszeiten an Gesamtschulen und Gymna sien unterscheiden sich in dieser Frage kaum (siehe Info Box). Bei Teilzeitbeschäftigten sieht es ähnlich aus. Die Hälfte aller Lehrkräfte in einer 75 %-Stelle arbeitet regelmäßig bis zu 41 Wochenstunden, mehr als jede fünfte Lehrkraft in Teilzeit (21 %) kommt auf mehr als 50 Stunden je Wo che. Bei Lehrkräften mit einem Teilzeitanteil höher als 75 % verschwimmen die Grenzen zur Vollzeitstelle fast ganz. Viele Lehrkräfte versprechen sich Besserung mit Einfüh rung einer Arbeitszeiterfassung, wie sie von der Recht sprechung vorgesehen ist. Bislang scheitert die Umset zung allerdings an den fehlenden bundesgesetzlichen

Fühlen Sie sich als Lehrer / Lehrerin mit Ihren Belangen von der Landespolitik ernst genommen?

Glauben Sie, dass SuS hinreichend auf Studium oder Berufsleben vorbereitet werden? (Nein / weniger)

Nein Nicht immer Ja

Gymnasien Gesamtschulen

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