Bildung aktuell 1/2025
Schule & Beruf
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rückzuführen. Der Gesundheitsbe richt der Landesregierung für das Jahr 2023 (veröffentlicht am 15. Juli 2024/ die Quelle wurde vom Landtag noch nicht ins Online-Archiv gestellt) ver deutlicht, dass die krankheitsbeding ten Fehlzeiten der Lehrkräfte (8,57 %) von den durchschnittlichen Fehlzei ten (8,09 %) aller übrigen Landesbe schäftigten abweichen. Gesamt- und Sekundarschullehrkräfte belegen hin sichtlich der krankheitsbedingten Fehlzeiten mit 9,51 % sogar den zwei ten Platz hinter den Hauptschulen. Warum unsere integrierten Systeme krank machen Die Lehrkräfte und das gesamte schulische Personal der Gesamt- und Sekundarschulen werden mit einer stetig wachsenden Aufgabenfülle konfrontiert, die sich auch aus der äu ßerst heterogenen und zunehmend leistungsschwachen Schülerschaft ergibt. Die integrierten Systeme müs sen zusehends häufiger soziokulturel le Defizite der Kinder und Jugendli chen aus bildungsfernen, teils sogar bildungsfeindlichen Elternhäusern, die häufig nicht oder nur rudimentär die deutsche Sprache sprechen, mit immer weniger grundständig ausge bildetem Personal kompensieren. In klusion und Integration sind in unse
ren chronisch unterbesetzten Schu len nicht erfolgreich zu leisten. Der in der Statistik aufgeführte ‘Un terricht in besonderer Form’, der an Gesamtschulen (Sek.I) 7,5 % und Se kundarschulen 9 % einnimmt, belegt, dass Projekttage/Projektunterricht sowie Schülerbetriebspraktika und Betriebserkundungen immer mehr Raum in unserem schulischen Alltag einnehmen. Die Lehrkraft wird hier zum multiprofessionellen Alltagshel fer und Berufsberater, ohne dafür ausgebildet zu sein. Der eigentliche Fachunterricht und die Förderung der Leistungsstärkeren verlieren somit zusehends ihren Stel lenwert, sodass an unseren Schulen kaum noch eine fundierte Vorberei tung unserer Schülerinnen und Schü ler auf die gymnasiale Oberstufe ge währleistet werden kann. Lehrkräfte an diesen Schulformen erleben eine permanente Entgrenzung ihrer Ar beitszeit, werden krank oder versu chen, sich in ‘die Teilzeit zu flüchten’. Gesamt- und Sekundarschulen brauchen dringend (personelle) Unterstützung Wir Philologinnen und Philologen an Gesamtschulen fordern, endlich Be dingungen zu schaffen, um dem ho
hen Anspruch an guten Unterricht ge recht werden und auch ein vergleich bares Abitur gewährleisten zu können. Wir brauchen auch an unseren Schul formen Alltagshelfende, flächende ckend Schulverwaltungsassistenten, Assistenten für die digitale Infrastruk tur sowie deutlich mehr Schulsozialar beiter und -psychologen, damit sich Lehrkräfte wieder mehr ihrem Kern geschäft widmen können. Die Bedarfserhöhung für die Ausbil dung und Unterstützung von Seiten einsteigenden, von MPT-Kräften, von als Vertretungslehrkräfte tätigen Stu dierenden und für die Weiterqualifi zierung der grundständig ausgebilde ten Lehrkräfte muss deutlich gestei gert werden. Bei der Einstellung nicht grundstän dig ausgebildeten Personals benöti gen unsere Schulen mehr Unterstüt zung durch die Bezirksregierungen. Nicht unsere Schulen, sondern die Bezirksregierungen sollten sich mit den umfangreichen Berufsbiografien der Seiteneinsteigenden befassen und ermitteln müssen, ob sie die not wendigen Qualifikationen zur Auf nahme eines Beschäftigungsverhält nisses im System Schule mitbringen. Zu guter Letzt benötigen unsere Schulen ein umfangreiches Betriebli ches Gesundheitsmanagement, das in zahlreichen Landesbehörden be reits etabliert wurde. All diese Maß nahmen zur Entlastung des schuli schen Personals könnten zahlreiche Unterrichtsstunden generieren, die zurzeit ausfallen müssen.
Die integrierten Systeme müssen Defizite der Kinder und Jugendlichen aus bildungsfernen, teils sogar bil dungsfeindlichen, Elternhäusern mit immer weniger grundständig ausgebildetem Personal kompensieren.
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