lehrernrw 2/2025

UNTER DER LUPE

  kann«. Zudem ist der Mehrbedarf auf bis zu 2,5 zu sätzliche Stellen pro Schule angehoben worden (im ersten Jahr werden beginnend mit der Jahrgangsstu fe 7 1,0 Stellen, im zweiten bis vierten Jahr werden aufwachsend jeweils 0,5 zusätzliche Stellen je Schu le bereitgestellt). Den Mut, eigene Hauptschulklas sen zu ermöglichen, hatte das Schulministerium aber nicht. Und das, obwohl ein entsprechender Land tagsbeschluss seit Juni 2018 vorlag.  Fehlende Lobby

plänen des Gymnasiums sowie der Realschule unter richtet werden. Noch am selben Tag würden der Philologenverband, die Rheinische Direktorenverei nigung, die Westfälisch-Lippische Direktorenvereini gung und die Landeselternschaft der Gymnasien in Nordrhein-Westfalen auf das Heftigste protestieren und die Landesregierung würde das Projekt ein stampfen. Aber an den Realschulen scheint man damit durchzukommen…  Fehlende Ressourcen Auch die unzureichende Ausstattung der Realschu len mit Hauptschulbildungsgang mit personellen, zeitlichen und strukturellen Ressourcen deutet auf eine fehlende Lobby hin. Im Gesetzentwurf heißt es: »Es entstehen keine Kosten. Sämtliche Regelungsän derungen werden im Rahmen verfügbarer Haus haltsmittel inklusive der Finanzplanung realisiert. Dies gilt insbesondere auch für die Verstetigung der Möglichkeit, an Realschulen einen Hauptschulbil dungsgang ab Klasse 7 einzurichten. Die Umsetzung der Regelung erfolgt haushalts-neutral im Rahmen bereiter Mittel.« Wenn der Realschule nunmehr dauerhaft die Aufgabe übertragen werden soll, an Standorten, an denen eine öffentliche Hauptschule in der Gemeinde oder im Gebiet des Schulträ gers nicht mehr vorhanden ist, einen Haupt nach aufgrund der weiterhin fehlenden Möglichkeit, eigene Hauptschulklassen zu bilden, Schulen, an denen länger ge meinsam gelernt wird, ohne dass ihnen die weitaus günsti geren Rahmenbedingungen der Schulen des längeren gemeinsa men Lernens zur Verfügung gestellt werden (geringeres Pflichtstundende putat der Lehrkräfte, bessere Lehrer Schüler-Relation, mehr Funktionsstellen). Das entbehrt jeder Logik und ist mit mei nem Verständnis von Gleichbehandlung nicht in Einklang zu bringen. schulbildungsgang ab Klasse 7 einzurich ten, hätten aus meiner Sicht aber zwin gend zusätzliche Ressourcen bereit gestellt werden müssen. Denn Real schulen mit Hauptschulbildungs- gang bleiben dem Gesetzentwurf

Nun beabsichtigt die schwarz-grüne Landesregie rung aus einer untauglichen pädagogischen Über gangsregelung eine untaugliche pädagogische Dau erregelung zu machen. Dass ein landesweiter Auf schrei ausbleibt, hat auch damit zu tun, dass Real schulen und Hauptschulen nicht über dieselbe Lobby verfügen wie beispielsweise Gymnasien. Man stelle sich vor, die Landesregierung würde ihre Absicht be kunden, an Gymnasien einen Realschulbildungsgang einzurichten. Die Kinder im gymnasialen Bildungs gang sollen künftig im Klassenverbund mit den Kin dern im Realschulbildungsgang nach den Kernlehr

Wider die pädago- gische Vernunft: Es passt nicht zusammen, an Realschulen mit Haupt schulbildungsgang im Klassenverband bildungs gangdifferenziert auf der Grundlage zweier unter schiedlicher Kernlehrpläne zu unterrichten.

Foto: AdobeStock/digitalpochi

Sven Christoffer ist Vorsitzender des lehrer nrw sowie stellv. Vorsitzender des HPR Realschulen E-Mail: christoffer@lehrernrw.de

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