Profil 9/2021

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Nutzen geographischer Er- kenntnisse in Lernphasen ein- gebunden werden. Mit ande- ren Worten: Basiskonzepte sind das Betriebssystem der Geographie, weil sie die Fach- lichkeit im Unterricht steuern und Lehr-Lernprozesse fachlich programmieren. Für Schülerinnen und Schüler sind Basiskonzepte zunächst Lernhilfen etwa im Sinne einer ‘Geographischen Brille’ oder ei- nes ‘Geographischen Schlüs- sels’. Sie stellen als systemati- sche Denk- und Analysemuster sowie Erklärungsansätze die fachspezifische Herangehens- weise der Geographie an einen Lerngegenstand dar. Schülerin- nen und Schüler werden aufge- fordert und angeleitet, Gegen- stände noch deutlicher geogra- phisch zu befragen und zu ana- lysieren. Dabei sind Kon- zeptwissen, Abstraktionsver- mögen und der Aufbau von tragfähigen Wissensnetzen er- forderlich. Im Ergebnis sollen die Schülerinnen und Schüler fachlich denken können. Basis- konzepte als Denkarten, Ana- lyseinstrument und Reflexions- werkzeug sind Lernhilfen zur Erschließung und Bewältigung von Komplexität. Vor diesem Hintergrund ist es für die Ge- staltung von Geographieunter- richt notwendig, dieses fachli- che Denken zu konkretisieren. Was kennzeichnet geographisches Denken? Geographisches Denken orien- tiert sich zur Bestimmung und Entfaltung eines lohnenden Problems zunächst an folgen- den Fragen: Wo ist es? Wie stellt es sich dar? Ist es so? Warum ist es dort? Wie ge- schah es? Welche Aus- und Nebenwirkungen hat es? Wie sollte es zum gegenseitigen Nutzen von Menschen und Natur gestaltet, geändert, repariert werden? Die Routine geographischer Denkweisen benutzt folgende Fragen: >

me zu anderslautenden Meinungen entwickeln?  Welche Dimensionen der Nachhaltigkeit betrifft die Problemstellung? Beste- hen Zielkonflikte zwischen den Dimensionen des Nachhaltigkeitsvierecks?  Mit welchen Nebenwir- kungen und mutmaßli- chen Folgen möglicher Handlungen ist zu rech- nen?  Wie lassen sich eigene Handlungsmöglichkeiten im sozialen Kontext für eine nachhaltigere Zu- kunft entwickeln? (Geographie-)Unterricht zwischen Problemori- entierung und Problem- lösungsorientierung Die UNO hat die großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts definiert (Klima- wandel, Armut, Ressourcen- endlichkeit, weltweite Migra- tion, geopolitische Konflik- te, …). Schaut man sich die vollständige Liste an, so stellt man schnell fest, dass fast alle Themen im Fach Geographie behandelt werden. Geogra- phie unterstützt somit die Ju- gendlichen bei ihrem Engage- ment für eine bessere Zukunft (Stichwort ‘Fridays for Futu- >

re’), indem sie zum Beispiel die Ursachen, Folgen und Ge- genmaßnahmen in Bezug auf den Klimawandel analysiert, hier aber keinem blinden Ak- tionismus folgt, sondern Mög- lichkeiten zur Reflexion als Entscheidungsgrundlage poli- tischen Handelns bietet. Ein Denken in Zusammenhängen ist aktuell wichtiger denn je. Wie kein anderes Schulfach vernetzt das Fach Geographie naturwissenschaftliche und sozialwissenschaftliche Be- trachtungs- und Arbeitswei- sen sinnstiftend miteinander. Im Sinne der Zukunftsstrate- gie Agenda 2030 mit ihren 17 Sustainable Development Goals (SDGs) leistet der Geo- graphieunterricht einen enor- men Beitrag zur darin ange- strebten Transformation unse- rer Welt. Das Schulfach Geographie zentriert die Zukunftsorientie- rung und damit ein Handeln aus entstehender Zukunft he- raus (Abbildung 2) . Dass sich die Ziele und der gesamte Un- terricht an dem zu orientieren haben, was in einem übergrei- fenden Sinn als bedeutsam im Blick auf das Leben des Men- schen (auf der Erde) angese- hen werden muss, findet >

 Welche räumlichen Mus- ter und Disparitäten las- sen sich identifizieren?  Welche wichtigen und exemplarischen Probleme lassen sich darin erken- nen?  Welche Geofaktoren ste- hen in Lage und Vernet- zung zueinander in Bezie- hung und bilden eine komplexe sachliche Ein- heit?  Wie hat sich dieses Bezie- hungsgefüge entwickelt bzw. wie wird es sich wei- terentwickeln? Entwickle dazu unterschiedliche Hypothesen (Vermutun- gen) und Szenarien. Wechselwirkungen beste- hen im System zwischen natürlichen und kulturel- len Faktoren?  Wie stellt sich ein Problem in verschiedenen räumli- chen und zeitlichen Maßstäben dar?  Wie lässt sich ein Problem aus unterschiedlichen (lokalen bis globalen) räumlichen, zeitlichen und sozialen Perspektiven betrachten?  Wie lassen sich eine quali- fizierte Meinung und eine persönliche Stellungnah-  Welche spezifischen

Abbildung 2: Lernprozessanregung zwischen Problemorientierung und Problemlösungsorientierung

Quelle: Eigene Darstellung

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