Profil 12/2025
Die Profil Ausgabe 12/2025 mit dem Leitthema "Eindrucksvoll bestätigt: Susanne Lin-Klitzing als Kämpferin für das Gymnasium" ist veröffentlicht. Jetzt lesen!
12 2025
DEUTSCHER PHILOLOGENVERBAND
DAS MAGAZIN FÜR GYMNASIUM UND GESELLSCHAFT
Eindrucksvoll bestätigt: Susanne Lin-Klitzing als Kämpferin für das Gymnasium
Foto: Akhtar
Leidenschaftlicher Kampf für den Beamtenstatus
Vertrauen in eine bewährte Mannschaft: der wiedergewählte Geschäftsführende Vorstand
Deutsche Allgemein bildung jenseits des Atlantiks: Die Internationale Deutsche Schule in Boston
PROFIL // Auf ein Wort
Denn sie sind didaktisch kluge Wissensvermittler, sie prägen die Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen, geben Orientierung und fordern für die Entwicklung ihrer Schülerinnen und Schüler hohe Leistungen ein. Wir treten für die schulartspezi fi sche Lehrkräftebildung ein und lehnen eine Vereinheitlichung ab. Für das Gym nasium als zentrale Säule im gegliederten Schulsystem ist dies besonders entscheidend. Deshalb lehnen wir als Philologenverband zudem eine Verkürzung des gymnasialen Vorbereitungsdienstes ab – stattdessen erwarten wir eine bessere Quali fi zierung und Unter stützung der Ausbilder und Ausbilderinnen an den Stu dienseminaren. Zukunftsfähige gymnasiale Bildung braucht spürbare Entlastung aller Beteiligten: für die Lehrkräfte weniger Bürokratie, um sich auf die pädagogische Arbeit kon zentrieren zu können, rechtzeitige und ausreichende Altersermäßigungen, um die Dienstfähigkeit der gut ausgebildeten und erfahrenen Lehrkräfte bis zum Ruhestand zu sichern, kontinuierlich gute, fachliche Fortbildungsangebote bei gleichzeitiger Freistellung von Unterrichtsverp fl ichtungen sowie eine Ausstat tung, die Unterricht unter modernen Bedingungen ermöglicht. Die Basis ist und bleibt der Beamtenstatus mit verfassungsgemäßer Alimentation für Lehrkräfte. Leistung als Chance! Zukunftsfähige gymnasiale Bildung braucht eine an spruchsvolle Leistungsorientierung. Hohe Anforderun gen sind keine Zumutung, sondern eine Chance für junge Menschen. Hohe Erwartungen bereiten sie nicht nur auf Prüfungen, sondern auf ein Leben mit den komplexen Gestaltungsaufgaben in unserer Welt vor. Wer gymnasiale Bildung auch in Zukunft fördern will, muss Lehrkräfte stärken und den Mut zu klaren gym nasialen Anforderungen haben: Vertiefte Allgemeinbil dung, allgemeine Studierfähigkeit und wissenschafts propädeutisches Arbeiten machen die Potenziale unse rer Schülerinnen und Schüler sicht- und nutzbar – für ihre und unser aller Zukunft. Ich wünsche Ihnen einen guten Ausklang dieses Jahres und freue mich darauf, mit Ihnen gemeinsam im neuen Jahr erfolgreich für unsere gemeinsamen bildungs- und berufspolitischen Anliegen einzutreten!
Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing, Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbandes
Ihr Vertrauen als unser Ansporn
Liebe Kollegen und Kolleginnen, das Jahr neigt sich dem Ende zu: Der Deutsche Philolo genverband und viele Landesverbände führten und führen ihre Vertreterversammlungen im letzten Teil des Jahres mit ihren Delegierten durch. Wir vom frisch gewählten Geschäftsführenden Vorstand des DPhV bedanken uns herzlich für Ihr bei der diesjährigen November-Wahl in uns gesetztes Vertrauen. Es wird uns in den nächsten vier Jahren Ansporn sein, die Anliegen des Philologenverbands weiter wirkungsvoll in der Politik zu vertreten. An folgenden Leitlinien werden wir uns dabei orientieren: Frühe Förderung und leistungsgerechte Übergänge Der Bildungserfolg unserer Schülerinnen und Schüler beginnt nicht erst mit dem Eintritt in die fünfte Klasse. Verbindliche Sprach- und Entwicklungstests für Vierein halbjährige sind nötig, um Förderbedarf früh zu erken nen und vorschulischen De fi ziten wirksamer entgegen steuern zu können. Deshalb treten wir für eine ver bindliche diagnoseorientierte Förderung vor Schul- eintritt ein. Hier haben viele Länder Nachholbedarf. Ebenso lassen wir nicht nach, für eine verbindliche, leistungsorientierte Übergangsentscheidung für die weiterführenden Schulen einzutreten. Digitalisierung mit Augenmaß Digitale Werkzeuge und KI können Lernprozesse per sonalisieren und Lehrkräfte entlasten. Doch bei allem Potenzial ist klar: Kein Algorithmus darf und kann Lehrkräfte ersetzen, die mit hoher Fachlichkeit, Persön lichkeit und pädagogischem Gespür einen klug digital unterstützten gymnasialen Präsenzunterricht verant wortungsbewusst gestalten. Lehrkräfte: Schlüssel für gymnasiale Qualität Damit das Gymnasium seine vielfältigen Aufgaben für die Schülerinnen und Schüler erfüllen kann, müssen sei ne Lehrkräfte im Zentrum jeder Zukunftsplanung stehen.
Ihre
Susanne Lin-Klitzing
3 PROFIL // 12/2025
DPhV-Standpunkte forsa-Umfrage zeigt: Gymnasium soll Leistung fordern
PROFIL // Inhalt
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Titel Geschlossen wie nie im Einsatz für starke Gymnasien: Der 42. Deutsche Philologentag in Berlin Bundesvorsitzende Susanne Lin-Klitzing mit Rekordergebnis wiedergewählt »Wenn wir die Lehrkräfte nicht stärken, dann schwächen wir das gesamte Bildungssystem« Festrede im Rahmen des 42. Deutschen Philologentages der wiedergewählten Vorsitzenden des Deutschen Philologenverbandes, Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing
Der 42. Deutsche Philologentag in Berlin 8
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42. Deutscher Philologentag Verbandsabschied, aber ho ff entlich nicht für immer
Vertreterversammlung
Zur Diskussion Was ist die Erfolgsformel des deutschen Gymnasiums und was folgt daraus? Begegnungen Deutsche Allgemeinbildung in der Umgebung von Harvard und MIT: Ein Besuch in der German International School Boston Essay Zwischen Anpassung und Aufbruch: Die Frauen fi guren in Theodor Fontanes Erzählungen und Romanen Buchtipp & Verlosung Ägypten: Meine Pilgerreise durch das Land der Gegensätze – von Constantin Schreiber
Was ist die Erfolgsformel des deutschen
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Gymnasiums und was folgt daraus? 20
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Ein Besuch in der German International
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School Boston
Impressum
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Aus den Ländern PhV Niedersachsen: Erfolgreiche Verständigung des dbb niedersachsen mit dem Land erö ff net den Weg für ausgewählte Musterverfahren
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Tarifpolitik
dbb magazin
Einkommensrunde für die Beschäftigten der Länder: Der Arbeitgeber Staat muss attraktiver werden und besser bezahlen 41
Die Frauen fi guren in Theodor Fontanes Erzählungen und Romanen
Nachrichten
dbb magazin
Einkommensrunde 2025/2026: Lineare Erhöhung steht im Vordergrund
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Diskurs
dbb magazin
2. und letzter Teil des Essays
Streitgespräch zur allgemeinen Dienstp fl icht: Deutschland braucht dich!
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4 PROFIL // 12/2025
PROFIL // DPhV-Standpunkte
forsa-Umfrage zeigt:
Die große Mehrheit der Deutschen wünscht sich für ihre Kinder leistungsori entierte Übergangs entscheidungen von der Grundschule Gymnasium soll Leistung fordern renden Schule ausschließlich vom Elternwillen abhängen solle, spre chen sich mehr als neun von zehn (92 Prozent) Befragten dagegen aus – neben den Wünschen der Eltern sollten auch die Leistungen der Schülerinnen und Schüler sowie die Pressemitteilung vom 29. Oktober
Kindern im Haushalt zeigen sich nicht.
Die forsa-Umfrage greift damit eine Dauerdebatte auf: Während die Bil dungspolitik in den meisten Bun desländern eine verbindliche, leis tungsorientierte Schulartempfeh lung ablehnt und den Leistungs gedanken vernachlässigt, wünscht sich die Bevölkerung das Gegenteil. DPhV-Bundesvorsitzende Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing: „Die Bevölke rung will mit überwältigender
auf die weiterführenden Schulen. Dies bestätigt die im Auftrag des Deutschen Philologenverbandes durchgeführte repräsentative forsa Umfrage „Meinungen zum Gymna sium“ vom Oktober 2025. Auf die Frage, ob die Wahl der weiterfüh
fachliche Einschätzung der Lehr kräfte berücksichtigt werden. Das macht klar: Der Elternwille steht bei den Bürgerinnen und Bürgern nicht über dem Leistungsgedanken. Nen nenswerte Unterschiede nach Regi on, Alter, Geschlecht, Bildung oder
5 PROFIL // 12/2025
PROFIL // DPhV-Standpunkte
ren – und keine rein rechnerisch erworbene Abitur-Abschlussnote. Deshalb fordert der Deutsche Philo logenverband die Politik auf, zu ei nem angemesseneren Verhältnis von Leistung und Bewertung zurück zukehren und nicht weiterhin leis tungsfeindliche Entscheidungen zu tre ff en: So ist es das falsche politi sche Signal, dass Schülerinnen und Schüler in sämtlichen Grundkursen in Mathematik und Deutsch in der gymnasialen Oberstufe ‘durchfallen’ (unter fünf Punkten abschließen) dürfen und trotzdem zum Abitur zu gelassen werden. Ebenso ist das Er bringen von nur 45 Prozent Leistung in den Abiturklausuren für das Be stehen der Prüfung zu wenig.“ Der DPhV appelliert daher an die Bildungsministerinnen und Bil dungsminister, die Ergebnisse der Umfrage und auch die des kürzlich verö ff entlichten IQB-Bildungstrends 2024 ernst zu nehmen. Sie o ff enbar ten besorgniserregende Leistungs einbrüche von Schülerinnen und Schülern – auch am Gymnasium. „Die forsa-Umfrageergebnisse zei gen deutlich: Die Mehrheit der Be völkerung will eine stärkere schu lische Leistungsorientierung. Und das sowohl beim Übergang von der Grundschule auf das Gymnasium und andere weiterführende Schulen als auch beim Abitur, das durch sei ne hohen Leistungsanforderungen am Gymnasium die entscheidende Voraussetzung und eine tatsächliche Studienvorbereitung für ein erfolg reiches Hochschulstudium sein soll. Den Leistungsgedanken infrage zu stellen, ist aus Sicht der Bevölkerung der falsche Schluss. Was allerdings infrage gestellt werden muss, sind die inhaltlich im Anspruch ver fl ach ten bildungspolitischen Entschei dungen der letzten 25 Jahre. Das darf so nicht weitergehen!“, mahnt Lin-Klitzing.
Die forsa-Umfrageergebnisse zeigen deutlich, dass sich die Mehrheit der Bevölkerung eine stärkere schulische Leistungsorientierung wünscht.
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6 PROFIL // 12/2025 rung der Leistungsgedanke ist, zeigt sich auch bei weiteren Fragen der forsa-Umfrage. Die große Mehrheit der Befragten (85 Prozent) ist der Mehrheit eine Orientierung an der Leistung der Kinder bei der Über gangsentscheidung von der Grund schule an das Gymnasium oder an dere weiterführende Schulen. Auch die Expertise der Lehrkräfte sollte dabei wieder eine wesentliche Rolle spielen. Reine Elternwahl gefährdet gerechte Lernbedingungen für alle. Deshalb plädiert der Deutsche Phi lologenverband wiederholt für eine verbindliche leistungsorientierte Übergangsempfehlung und fordert die Bildungspolitik auf, endlich wie der umzusteuern.“ Wie wichtig der breiten Bevölke
Meinung, dass die Leistungsanfor derungen an Schülerinnen und Schüler am Gymnasium so hoch sein sollten, dass sie auf ein Hoch schulstudium vorbereiten. Lin-Klit zing: „Das Gymnasium gilt nach wie vor als die vorbereitende Schulart für das Studium. Es wird in der Be völkerung als Vermittler allgemei ner Bildung und als Sprungbrett für akademische Leistung angesehen.“ Die forsa-Umfrage zeigt außerdem klar, dass etwa zwei Drittel der Be fragten (68 Prozent) die bestandene Abiturprüfung weiterhin als die ent scheidende Voraussetzung für die Aufnahme eines Hochschulstudi ums befürworten. Lin-Klitzing: „Das Abitur muss wie der echte Studierfähigkeit garantie
PROFIL // Titel
Geschlossen wie nie im Einsatz für starke Gymnasien
Der 42. Deutsche Philologentag
Bundesvorsitzende Susanne Lin-Klitzing mit Rekordergebnis wiedergewählt
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8 PROFIL // 12/2025 Berlin. Ein Grund für das Selbst bewusstsein, das die Delegierten und den Bundesvorstand gleicher maßen kennzeichnete, war die Ver ö ff entlichung der jüngsten Umfrage von Walter Tetzlo ff D iskussionsfreude bei gleich zeitiger großer Geschlossen heit in den bildungspolitischen und gewerkschaftlichen Positionen! So präsentierte sich der Deutsche Philologenverband anlässlich seines 42. Deutschen Philologentages in
des Meinungsforschungsinstituts forsa. Dieses hatte empirisch ermit telt, dass 92 % der in Deutschland Befragten gegen die Abscha ff ung der Gymnasien seien. Für 85 % ist und bleibt es die Aufgabe der Schul art Gymnasien, auf ein wissen schaftliches Studium vorzubereiten. Für 68 % gar soll das Abitur die ent scheidende Voraussetzung für den Beginn eines Hochschulstudiums sein.
dbb-Seniorenvorsitzender Dr. Horst Günther Klitzing mit der DPhV-Seniorenvertreterin Edith Krippner-Grimme und zwei Vertretern der Landesverbände
Trotz geringfügiger Unterschiede in den befragten Jahrgangsgruppen kann das forsa-Ergebnis als eine
Foto: Akhtar
PROFIL // Titel
Dermaßen eingestimmt durch die Bundesvorsitzende Frau Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing, die sich be glückt zeigte über ein solches Maß an Zustimmung zu den maßgebli chen Positionen der Philologen, plä dierte der Bundesvorstand in seiner Sitzung vor der Vertreterversamm lung in Berlin dafür, in Aktionen und Schreiben an die Regierungs chefs der 16 Länder die forsa-Um frage als eine Grundlage für zukünf tige bildungspolitische Entscheidun gen zu sehen. Der Deutsche Philologentag be stimmte dann als ö ff entliche Ver anstaltung den weiteren Verlauf der zweieinhalbtägigen Veranstaltung im Titanic-Hotel in Berlin. Die Bun desvorsitzende, die sich am nächs ten Tag für eine dritte Amtsperiode zur Verfügung stellte, hielt zu Be ginn die folgende Rede, die sowohl die Leistungen der vergangenen Wahlperiode herausstellte als auch einen programmatischen Ansatz enthielt, der die Herausforderun gen der kommenden vier Jahre beschrieb.
Die Delegierten und ihr klares Bekenntnis zum Berufsbeamtentum
Überzeugung einer überwältigen den Mehrheit der Befragten, dass nicht allein der Elternwille für die Aufnahme eines Kindes am Gymna sium entscheidend sein dürfe, son dern leistungsorientierte Kriterien hier eine Rolle spielen müssten.
in Berlin
deutliche und nicht zu ignorierende Bestätigung der bildungspolitischen Linie des Deutschen Philologenver bands gesehen werden. Das gilt auch für weitere Teilergeb nisse der forsa-Umfrage. 71 % der Befragten sprachen sich für ein mehrgliedriges Schulsystem in der Bundesrepublik aus. Bei einem so klaren Bekenntnis zu einem geglie derten Schulsystem ist es denn auch nahezu logisch, dass auch knapp 60 % gegen eine vereinheitlichte Lehrerbildung votierten. Besonders brisant, aber eine beson ders eindrucksvolle Bestätigung der jüngsten DPhV-Initiativen war die
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Frauenpower im DPhV
9 PROFIL // 12/2025
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PROFIL // Titel
»Wenn wir die Lehrkräfte nicht stärken, dann schwächen wir das gesamte Bildungs- system«
Festrede im Rahmen des 42. Deutschen Philologentages der wiedergewählten Vorsitzenden des Deutschen Philologenverbandes, Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing
Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing bei ihrer Erö ff nungsrede
Verehrte Festgäste, seien Sie alle herzlich willkommen zur Festveranstal tung anlässlich unseres 42. Deutschen Philologentags in Berlin, zwei Jahre nachdem wir 2023 in der Berlin Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften 120 Jahre Deutscher Philologenverband begehen durften: 120 Jahre Deutscher Philologenverband, ein Verband, in dem viele Zehntausende Mitglieder gemeinsame Werte teilen und gymnasiale, berufs- wie bildungspolitische, Interessen vertreten.
Ein wesentliches Interesse des Deutschen Philologen verbandes galt schon damals, gilt heute noch und wird auch in Zukunft der hohen Qualität des Abiturs gelten – nicht als Selbstzweck, sondern um den Er werb einer vertieften Allgemeinbildung für unsere Schülerinnen und Schüler zu sichern. Hier schließt sich in gewisser Weise auch das Motto des heutigen 42. Philologentages an, das die Voraussetzungen für ein anspruchsvolles Abitur benennt:
10 PROFIL // 12/2025
PROFIL // Titel
„Leistung fordern, Vertrauen fördern, Lehrkräfte stärken!“ Wir fordern Leistung – aber nicht aus Prinzip, son dern aus Verantwortung. Hohe Leistungsanforderun gen sind keine Zumutung, sondern ein Anreiz, etwas Positives, ein Geschenk – ein Geschenk für den Ein zelnen als Möglichkeit zur Selbstwirksamkeit und Zukunftsfähigkeit junger Menschen, – aber auch ein Geschenk an die Gesellschaft als Ganzes, deren ge deihliche Weiterentwicklung davon abhängt, dass leistungsfähige und leistungswillige junge Menschen sich in der Verantwortung sehen, diese Gesellschaft, diesen Staat stetig weiterzuentwickeln und zu verbes sern. Wir fördern Vertrauen – als Fundament gelingender persönlicher Beziehungen in der Schule – verstanden als Vertrauen zwischen Lehrkräften und ihren Schüle rinnen und Schülern. Wir brauchen aber auch Ver trauen in die Stabilität und Verlässlichkeit institutio neller Strukturen, damit Schule als ein bedeutsamer Ort für Qualifikation, für Kulturüberlieferung und für Persönlichkeitsbildung in sozialer Interaktion gelebt werden kann. Und wir brauchen starke Lehrkräfte, die wiederum selber auch Stärkung brauchen – nicht als Selbst zweck, sondern weil ohne sie die Bildung von Schüle rinnen und Schülern nicht gut genug gelingen kann. Stärkung erfahren sie durch Anerkennung aus der Gesellschaft, durch Rückendeckung ihrer Vorgesetz ten und durch die Fürsorge ihres Dienstherrn. Diese Erwartungen, diese Imperative, diese Ziele: „Leistung fordern, Vertrauen fördern, Lehrkräfte stärken!“ sind keine Selbstläufer. Sie brauchen regel mäßige Bekräftigung durch alle an Schule Beteiligten und für Schule Verantwortlichen – also den Willen – und sie brauchen kontinuierlich gute und belastungs fähige politische Rahmenbedingungen – also die Tat. Und deshalb brauchen wir mehr berufspolitische Einsicht, mehr Überzeugung und mehr Unterstützung durch die Politik, damit Lehrkräfte sich auf das We sentliche konzentrieren können: mit ihren Schülerin nen und Schülern an bedeutungsvollen Inhalten zu arbeiten, mit mehr Zeit und weniger Belastung, um das Beste für ihre Schülerinnen und Schüler errei chen zu können. Wir brauchen ebenso bildungspolitische Zeichen in den Ländern und in der Bildungsministerkonferenz,
PROFIL // 12/2025 Dass insbesondere der erste Teil unseres Mottos, nämlich „Leistung fordern!“ tatsächlich ein gemein sames Anliegen von uns und dem überwiegenden Teil der Bevölkerung ist, ist in den letzten Tagen 11 die deutlich machen: Das Abitur lebt als besonderer Ausdruck einer Allgemeinbildung, die junge Men schen als Persönlichkeiten stärkt, sie in unserer Ge sellschaft sprech- und handlungsfähig macht und sie breit und vertieft auf Studium und Beruf vorbereitet. Deshalb wollen wir für unsere Schülerinnen und Schü ler keine Einheitsschule, die niemandem gerecht wird. Wir wehren uns gegen eine entgrenzte Arbeit, die uns von unserem Bildungsauftrag entfremdet. Wir schweigen nicht zur Verwässerung von Bildung, die nur noch „Lernen“ heißt, aber das Verstehen vergisst. Und wir wollen keinen Unterricht, der inhaltsleere und damit letztlich rückhaltlose Haltung über Fach lichkeit stellt und damit unsere Schülerinnen und Schüler in die Falle lockt, dass eine feste Überzeu gung auf ihrem weiteren Lebensweg wichtiger wäre als fundierte Fachkenntnis. Wir wollen Bildung, gymnasiale Bildung für unsere Schülerinnen und Schüler, die trägt. Fachlichkeit, die prägt. Persönlichkeit, die wächst. Unsere Schülerinnen und Schüler sollen nicht nur bestehen – sie sollen gestalten. Und das gelingt nur, wenn wir ihnen eine breite und vertiefte Allgemein bildung ermöglichen, die musische, künstlerische, naturwissenschaftliche sowie geistes- und gesell schaftswissenschaftliche Fächer gleichermaßen um fasst, wenn wir ihnen Wissenschaftspropädeutik ver mitteln und sie studierfähig machen – nicht nur für ein Studium, sondern für ein selbstbestimmtes Leben in Verantwortung. Das ist unser Anliegen, das ist unser Weg für best mögliche Bildung für unsere Schülerinnen und Schü ler in einem differenzierten Schulwesen in Deutsch land. Und diesen Weg wollen wir mit Ihnen gemein sam gehen. Mit Ihnen hier im Saal, mit der Wissen schaft und mit der Politik, mit den Schülerinnen und Schülern und mit den Eltern. Und deshalb heißt unser heutiges Motto: Leistung fordern, Vertrauen fördern, Lehrkräfte stärken!
PROFIL // Titel
bei der Veröffentlichung einer neuen forsa-Umfrage deutlich geworden. Denn: Die große Mehrheit der Deutschen wünscht sich für ihre Kinder leistungs orientierte Übergangs entscheidungen von der Grundschule auf die weiter führenden Schulen. Dies bestätigt die im Auftrag des Deutschen Philologenverbandes durchgeführte repräsentative forsa-Umfrage „Meinungen zum Gymnasium“ vom 1. bis 6. Oktober dieses Jahres. Auf die Frage, ob die Wahl der weiterführenden Schu le ausschließlich vom Elternwillen abhängen solle, sprechen sich mehr als neun von zehn (92 Prozent) der Befragten dagegen aus. Neben den Wünschen der Eltern sollten auch die Leistungen der Schülerin nen und Schüler sowie die fachliche Einschätzung der Lehrkräfte berücksichtigt werden. Das bedeutet: Der Elternwille steht bei den Bürgerin nen und Bürgern nicht über dem Leistungsgedan ken. Die forsa-Umfrage greift damit eine Dauerdebatte auf: Während Bildungspolitiker und -politikerinnen in den meisten Bundesländern eine verbindliche, leistungsorientierte Schulartempfehlung nach wie vor ablehnen und den Leistungsgedanken vernachlässig ten, wünscht sich die Bevölkerung das Gegenteil. Nicht nur deshalb plädiert der Deutsche Philologen verband jetzt erneut, verstärkt und auch in Zukunft für eine verbindliche leistungsorientierte Übergangs empfehlung und wir fordern die verantwortlichen Bildungspolitiker und -politikerinnen auf, hier endlich wieder umzusteuern. Wie wichtig der breiten Bevölkerung der Leistungs gedanke ist, zeigt sich auch bei weiteren Fragen der forsa-Umfrage. Die große Mehrheit der Befragten (85 Prozent) ist der Meinung, dass die Leistungs anforderungen an Schülerinnen und Schüler am Gymnasium so hoch sein sollten, dass sie auf ein Hochschulstudium vorbereiten. Das Gymnasium gilt nach wie vor als die vorbereiten de Schulart für das Studium. Es wird in der Bevölke rung als Vermittler vertiefter allgemeiner Bildung und als Sprungbrett für akademische Leistung ange sehen. Die forsa-Umfrage zeigt außerdem klar, dass etwa zwei Drittel der Befragten (68 Prozent) die be standene Abiturprüfung weiterhin als die entschei dende Voraussetzung für die Aufnahme eines Hoch schulstudiums befürworten.
Hier wird allerdings auch klar – und dafür treten wir Philologinnen und Philologen kontinuierlich ein: Das Abitur soll echte Studierfähigkeit garantieren – und darf nicht zu einem Zertifikat mit einer rein rech nerisch erworbenen Abitur-Abschlussnote degenerie ren. Auch deshalb fordern wir die Politik immer wieder neu auf, zu einem angemesseneren Verhältnis von Leistung und Bewertung zurückzukehren und nicht weiterhin leistungsfeindliche Entscheidungen zu tref fen: So ist es beispielsweise das falsche politische Sig nal, dass mit 45 Prozent Leistung Abiturprüfungsklau suren bestanden sind. Dies hat die Kultusminister konferenz 2016 so neu beschlossen. Zuvor waren es wenigstens 50 Prozent! Die Bildungsminister wollen also bewusst, dass für weniger Leistung bessere Noten erteilt werden. Dies kritisieren wir – und zwar nicht als Selbstzweck, son dern um der Schülerinnen und Schüler willen, damit diese die Chance auf eine realistische Einschätzung ihrer Fähigkeiten erhalten und nicht eine geschönte, weil die Bewertung politisch bewusst nach oben ver schoben wurde! Leistung fordern – die forsa-Umfrageergebnisse zei gen deutlich: Die Mehrheit der Bevölkerung will eine stärkere schulische Leistungsorientierung. Und das sowohl beim Übergang von der Grundschule auf das Gymnasium und andere weiterführende Schulen als auch beim Abitur, das durch seine hohen Leistungs anforderungen am Gymnasium die entscheidende Voraussetzung und eine tatsächliche Studienvor bereitung für ein erfolgreiches Hochschulstudium sein soll. Den Leistungsgedanken infrage zu stellen, ist also aus Sicht der Bevölkerung der falsche Schluss. Wir Philologen und Philologinnen fordern und för dern Leistung nicht als inhaltsleeren Selbstzweck, sondern weil wir davon überzeugt sind, dass dies der Entfaltung und Weiterentwicklung der je eige- nen Fähigkeiten von Schülerinnen und Schülern dient. Als Philologinnen und Philologen wissen wir: Sprache, Lesen und Schreiben, differenziertes Denken, das Aufnehmen und das eigene Gestalten von Kultur, von Musik und Kunst – das sind keine statischen Größen, sondern Kinder und Jugendliche wachsen mit den Herausforderungen, die auch wir als Lehrkräfte an sie stellen. Und auch deshalb müssen wir jungen
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Prof. Dr. David DiFuccia, wissenschaftlicher Berater und Verantwortlicher für den Deutschen Lehrkräftepreis
Foto: Gawrisch
Foto: PhV NRW
Foto: Gawrisch
Foto: Gawrisch
Georg Ho ff mann, langjähriger Vorsitzender der Jungen Philologen
Gabriele Lipp, langjährige Geschäftsführerin
Dr. Thomas Knoblauch, Geschäftsführender Vorstand
Verbandsabschied, aber ho ff entlich nicht für immer von Walter Tetzlo ff
ne Personalratstätigkeit und seinen unermüdlichen Kampf für bessere Ar beitsbedingungen junger Kolleginnen und Kollegen einen Namen gemacht. (Wir verweisen auf unsere Oktober-Aus gabe.) Fast die Hälfte seines jetzt 50jährigen Lebens stellte Prof. Dr. David DiFuccia in den Dienst des Deutschen Philolo genverbandes, zuletzt in seiner 19jähri gen Tätigkeit für den Deutschen Lehr kräftepreis (DLP), elf Jahre davon als überaus kompetenter Jury-Vorsitzender der hochkarätigen DLP-Jury, die u. a. mit Prof. Dr. E. Klieme und Martin Spie wak von der „Zeit“ besetzt ist. Seine be ratende Tätigkeit für den Geschäftsfüh renden Vorstand des DPhV, dem er seit 2001 angehörte, zunächst kooptiert als Vorsitzender der Jungen Philologen, dann zuständig für die Betreuung von Wettbewerben im DPhV neben dem DLP vor allem auch für den MINT-Be reich, wie z. B. für Cool Mint, erscheint unentbehrlich. Ohne seine Gestaltung beispielsweise der vorletzten Vertreter versammlung unter dem Motto: „Gym nasium weiter gedacht“, die ja eine digi tale Vertreterversammlung während der Corona-Zeit war, hätte diese Ver anstaltung nicht statt fi nden können. Wir verabschieden schweren Herzens einen den DPhV prägenden Denker, dessen Anliegen stets die Fachlichkeit als Credo unseres Verbandes war und ist.
I n Berlin hieß es leider auch Abschied nehmen: Abschied nehmen muss der DPhV von seiner langjährigen Ge schäftsführerin Gabriele Lipp. Ihre Leistungen wurden bereits in der Mai-Ausgabe von PROFIL gewürdigt. Der Dank des Verbandes und seiner Mitglieder fand nun in Berlin seine Ent sprechung durch die Bundesvorsitzen de Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing, die noch einmal den Fokus auf die un glaubliche Zuverlässigkeit und das Or ganisationsgeschick Gabis legte. So kehrte sie aus ihrem beginnenden Ru hestand noch einmal zurück, um – als Krankheitsvertretung – maßgeblich die Organisation des Deutschen Philolo gentags in Berlin zu übernehmen. Mit standing ovations dankten die Dele gierten ihr diesen Einsatz. Und da Ga briele Lipp DPhV-Geschäftsführerin unter vier Bundesvorsitzenden war, ließ es sich auch Susanne Lin-Klitzings Vorgänger Heinz-Peter Meidinger nicht nehmen, auf die Qualitäten seiner bayerischen Landsmännin in einer kurzen launigen Rede hinzuweisen. Dr. Thomas Knoblauch (Rheinland Pfalz) war eigentlich aus dem Bundes vorstand des Deutschen Philologen verbands nicht mehr wegzudenken. Zu
richtungweisend war seine berufspoli tische Arbeit, und die fand ihren Nie derschlag vor allem im jahrelangen Vorsitz des Beamtenrechtsausschus ses. Auf seine Initiativen hin entstan den Positionspapiere und Vorlagen für den Bundesvorstand. Die Themen wa ren unerschöp fl ich, und die von ihm formulierten kämpferischen Ziele wur den stets mit einem guten Maß Theo rie gefüttert. Rechtskenntnis und der Fürsorgegedanke für die Mitglieder be stimmten die Arbeit von Dr. Thomas Knoblauch. Der Deutsche Philologen verband dankt ihm, der in drei Landes verbänden aktiv war. Thomas geht jetzt in den Ruhestand, seine Leistun gen für den Verband und für die Gym nasien werden bleiben! Georg Ho ff mann hat die Jungen Phi lologen geprägt – in Nordrhein-West falen und dann im gesamten Bundes gebiet. Als Vorsitzender der Bundes arbeitsgemeinschaft wurde er bereits im September dieses Jahres in Düssel dorf verabschiedet, im Rahmen einer Halbjahrestagung, die er selbst noch leitete und an deren Ende ihm ebenso herzlich wie wehmütig good bye ge sagt wurde. Georg Ho ff mann hat sich durch seine pädagogische Arbeit, sei
Menschen, den Schülerinnen und Schülern, etwas zutrauen, für ihre eigene Entwicklung, damit sie wachsen – intellektuell, sprachlich, menschlich. Auch weil wir wissen, dass sie für die anspruchsvolle Ge
staltung unserer Welt hohe Fachlichkeit und souverä nes wissenschaftspropädeutisches Arbeiten auf der Basis einer breiten und vertieften Allgemeinbildung im Umgang mit Komplexität und Mehrdeutigkei-
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PROFIL // Titel
ten unserer heutigen Gesellschaft notwendig brau chen. Sie und wir brauchen die gelebte anspruchsvol le gymnasiale Bildung. Wolfgang Klafki hat Leistung als das Ergebnis und den Vollzug einer zielgerichteten Tätigkeit de fi niert – verbunden mit Anstrengung und Selbstüberwin dung, orientiert an anerkannten Gütemaßstäben. Das Erbringen von Leistung erfordert also Anstren gungsbereitschaft, Durchhaltekraft und Disziplin. Es verlangt von unseren Schülerinnen und Schülern, sich mit Maßstäben auseinanderzusetzen – selbst- und fremdgesetzten –, sich an ihnen zu orientieren und sich auch an ihnen zu reiben. Es geht darum, Schülerinnen und Schüler zu befähi gen, Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit zu entwickeln und dabei zu lernen, mit Erfolgen wie mit Misserfolgen umzugehen. Diese Aspekte sind für den gymnasialen Bildungs gang von zentraler Bedeutung. Unsere Schülerinnen und Schüler müssen auf hohe inhaltliche Anforderun gen vorbereitet und in wissenschaftliche Haltungen eingeführt werden – etwa das disziplinierte Durchhal ten in Durststrecken akademischen Arbeitens. Doch dafür braucht es Voraussetzungen. Eine davon ist die Passung von Kind und weiterführender Schul art – nicht in einer Schule für alle, sondern in der richtigen Schule für jede und jeden. Deshalb setzen wir uns seit Jahren für die verbindli che, leistungsorientierte Grundschulempfehlung ein. Und wir freuen uns, dass diese Idee in mehreren Bundesländern nun neuen Aufschwung erfährt, auch hier in Berlin.
Neben der riesigen Unterstützung der Bevölkerung, die einen leistungsorientierten Übergang auf die weiterführenden Schulen wünscht, gibt es aber auch starke Argumente aus der Wissenschaft, wenn man sie denn hören will: Die Auswertung der letzten TIMSS-Studie im Dezem ber 2024 (Trends in International Mathematics and Science Study) bestätigt den Deutschen Philologen verband hinsichtlich seiner Empfehlung für eine ver bindliche, leistungsorientierte Übergangsempfehlung auf die weiterführenden Schularten. Denn dort wird belegt, dass sich Lehrkräfte bei ihren Leistungs beurteilungen für die Grundschulempfehlung weit weniger von sozioökonomischen Faktoren beeinflussen lassen als Eltern. Angesichts der in den meisten Bundesländern noch unverbindlichen Über gangsempfehlung auf die weiterführenden Schul arten, in denen der Elternwille unabhängig von den Leistungen der Kinder entscheidend ist für den Über gang, gibt also auch die TIMSS-Studie aus unserer Sicht ein klares Signal für eine leistungsorientierte verbindliche Übergangsempfehlung, damit gerade begabte Kinder auch aus Elternhäusern mit nied rigem sozioökonomischem Status bessere Über gangschancen erhalten. Die alle zwei Jahre erscheinende Studie „Bildung in Deutschland“, hier „Bildung in Deutschland 2024“ bestätigt dies: Bei der in Deutschland mehrheitlich unverbindlichen Schulartempfehlung wechseln bei gleichen Leistungen Kinder mit niedrigem sozio ökonomischem Status seltener aufs Gymnasium als Kinder mit höherem sozioökonomischem Status, weil die Eltern dies so entscheiden. Das ist aber nicht nur unter Leistungsgesichtspunkten nicht hinnehmbar.
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PROFIL // Titel
Eine unverbindliche Schulartempfehlung benach teiligt also begabte Kinder aus bildungsfernen Famili en. Es ist gerade das Umgekehrte eines häufig zu hö renden Arguments: Nicht die verbindliche, leis tungsorientierte Schulartempfehlung benachtei ligt leistungsfähige und begabte Kinder, sondern der Verzicht auf eine solche benachteiligt sie! Ohne , ohne (!) die verbindliche, leistungsorientierte Schulartempfehlung entscheidet die Herkunft der Kinder stärker über ihre Zukunft als dies mit einer leistungsorientierten, verbindlichen Schulartempfeh lung der Fall wäre, so unsere Schlussfolgerung. Das kann allen Ernstes niemand wollen – und wir schon gar nicht! Es braucht also strukturelle Voraussetzungen, denen man für die Förderung einer positiven Leistungskul tur vertrauen kann. Vertrauen in leistungsfähige Strukturen für die gute Bildung der Schülerinnen und Schüler ist unabdingbar, womit wir beim zweiten Punkt unseres Mottos „Leistung fordern, Vertrauen fördern, Lehrkräfte stärken“ des 42. Deutschen Philo logentags wären: Vertrauen entsteht dort, wo Verlässlichkeit herrscht. Eltern und Schülerinnen und Schüler müssen sich darauf verlassen können, dass schulische Entschei dungen und die schulische Leistungsförderung ihrer Kinder nicht dem Zufall überlassen wird – sondern dass sie gut und überlegt strukturiert, wissenschaft lich begleitet und qualitätsgesichert ist. Das differen zierte Schulsystem mit dem Gymnasium als zentraler Säule neben den anderen weiterführenden Schul Vertrauen fördern – durch Verlässlichkeit und Qualität
arten bietet eine solche Verlässlichkeit. Dass für den Philologenverband bei der Förderung des Vertrauens in das deutsche Schulwesen das Gymnasium eine zentrale Rolle spielt, dürfte in diesem Saal nieman den verwundern – und dass wir das Vertrauen in das Abitur und das Gymnasium fördern wollen, ebenfalls nicht. Aber dass wir dafür starken Rückenwind aus der Bevölkerung bekommen – hätten Sie es gedacht? Die forsa-Umfrage zu „Meinungen zum Gymnasium“ hat ganz klar ergeben: Die deutsche Gesellschaft steht klar zum Gymnasi um. Das Gymnasium wird als unverzichtbar angese hen und bleibt das Herzstück des deutschen Schul systems. Wiederkehrende Kritik an dieser Schulart und andauernde Reformvorschläge, wie etwa eine „Schule für alle“, finden in der Mehrheit der Bevölke rung keine, ich wiederhole keine (!) Zustimmung. Laut Umfrage sprechen sich 92 Prozent (!), 92 Pro zent der Befragten gegen die Abschaffung des Gym nasiums aus. Die Unterstützung zieht sich quer durch die Gesell schaft. Mit 94 Prozent stimmen am ehesten die über 45-Jährigen der Beibehaltung des Gymnasiums zu. Aber auch von den unter 45-Jährigen spricht sich die deutliche Mehrheit (87 Prozent) gegen eine Abschaffung aus. Zwischen Befragten ohne und mit Kindern im Haushalt sowie zwischen Befragten mit niedriger und hoher formaler Bildung zeigen sich hier keine nennenswerten Unterschiede. Weiter zeigt die Umfrage, dass die Mehrheit der Befragten eine Einheitsschule, ein Einheitsschulsys tem sowie folgerichtig die Vereinheitlichung der Lehr kräfteausbildung ablehnt. Denn auch in der Frage nach der Schulstruktur ergibt sich ein deutliches
Foto: Akhtar
PROFIL // Titel
dbb-Chef Volker Geyer
42. Deutscher Philologentag
von Walter Tetzlo ff D en gewerkschaftlichen Schwer punkt der ö ff entlichen Ver anstaltung setzte dann der Vorsit zende des dbb beamtenbund und tarifunion, Volker Geyer. In seinem Grußwort verband er den Dank an die DPhV-Bundesvorsitzende, die auch der dbb Fachkommission Schu le, Bildung und Wissenschaft vor steht, für ihren leidenschaftlichen und unermüdlichen Einsatz für den Beibehalt des Berufsbeamtentums in Deutschland. Dieses sei ein Ga rant für Qualität und Verlässlichkeit im Staat und unentbehrliche Grund voraussetzung für seine Handlungs fähigkeit. Reichlich naiv sei der Glau be, dass die 1,7 Millionen Beamten durch Sozialversicherungsbeiträge die gesetzliche Rentenversicherung retten könnten. Deren Beiträge müssten ja anteilig noch einmal vom Dienstherrn / Arbeitgeber entrichtet werden und würden die Kosten des Staates zusätzlich in die Höhe trei ben. Insbesondere für die Lehrkräfte in Deutschland sei der Beamtenstatus
eine unabdingbare Grundvoraus- setzung, da diese auf der Basis des Grundgesetzes hoheitliches Han deln praktizierten, indem sie bei spielsweise Ordnungsmaßnahmen ergri ff en und mittels Prüfungen über Lebenschancen junger Men schen entschieden. Gleichzeitig gel te für sie das Streikverbot, das auch die Schulp fl icht in Deutschland ge währleiste. Dass die Bundesländer sämtlich zur Beamtung von Lehr kräften zurückgekehrt seien oder diese kontinuierlich beibehalten hätten, sieht Volker Geyer als einen Beweis für die Einsicht der Arbeit geber der 16 Länder, die die o. g. Argumente verstanden hätten. Der Festvortrag des Deutschen Philologentages wurde von Prof. Dr. Roland Reichenbach gehalten: „Die Liebe des Lernens“ und der Sinn der Leistung. Der Pädafoge, der am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Zürich forscht und lehrt, forderte, dass Lernen nicht von vornherein zweck- und ziel gebunden sein müsse und auch
nicht eine lebenspraktische Bedeu tung haben müsse. Er propagierte ein Lernen durch Denken im Sinne von Konfuzius und eine Beschäfti gung mit dem Unbekannten. Seine Ausführungen unterstrich Reichen bach mit heiteren anschaulichen Beispielen und durch Verwendung vieler ideengeschichtlicher Bezüge. Verwiesen sei in diesem Zusammen hang noch einmal auf Reichenbachs jüngstes Buch „Die Pädagogik der Privilegierten“ (Rezension in „PROFIL).
Bild: 71 Prozent der Befragten befürworten das mehrgliedrige Schulsystem mit dem Gymnasium und weiteren weiterführenden Schularten, wäh rend lediglich 27 Prozent eine gemeinsame Schule für alle bevorzugen. Dies bestärkt uns darin, dass das Wichtigste die Pas sung zwischen Kind und Schulart ist. Eine Vereinheit lichung des Schulsystems mag auf den ersten Blick mehr Chancen gleichheit versprechen, da sie alle Kinder unter gleichen Rahmenbedingungen zusam menführt. Doch damit wird die Vielfalt der Lern voraussetzungen und -fähigkeiten von Kindern igno
riert: Leistungsstarke sowie Leistungsschwächere werden nicht in ihrem vollen Potential oder Bedarf gefördert. Eine Einheitsschule wird somit Lehrkräften wie Lernenden gleichermaßen nicht gerecht. Ein mehrgliedriges Schulsystem hingegen ermöglicht eine differenzierte, chancengerechte Förderung – und die große Mehrheit der Bevölkerung hat das verstanden. Wir alle aber wissen auch: Das Vertrauen in ein Schulsystem kann nur bestehen und bestehen bleiben, wenn der Staat, wenn die Länder für ihre Schulen, ihre Lehrkräfte und die Schülerinnen und Schüler kontinuierlich zu ihrem Wort stehen, bil dungspolitische Strukturdebatten nicht als Möglich-
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PROFIL // Titel
keit kurzfristiger Profilierung missbrauchen und stattdessen eine auskömmliche Finanzierung bereit stellen. Weiterhin ist es so, dass laut Umfrage eine Mehrheit der Befragten (59 Prozent) es außerdem als wichtig ansieht, dass die Lehrkräfte dementsprechend folge richtig schulartspezifisch ausgebildet werden. Eine Vereinheitlichung der Lehrkräfteausbildung ist nicht erwünscht. Lehrkräfte, die gezielt für ihre Schulart ausgebildet sind, können Kinder und Jugendliche ihren Fähigkei ten entsprechend unterrichten und fördern. Das gilt für alle Schularten – und für das Gymnasium als Ort der gezielten Förderung leistungsstarker Schülerin nen und Schüler mit der Vorbereitung auf ein Hoch schulstudium noch einmal besonders. Die jetzt im Oktober veröffentlichten Ergebnisse des IQB-Bildungstrends 2024 offenbarten besorgniserre gende Leistungseinbrüche von Schülerinnen und Schülern im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich – auch am Gymnasium. Das Gymnasium des halb als Institution in Frage zu stellen, wäre jedoch inhaltlich der falsche Schluss und ginge zudem auch am Willen der Bevölkerung vorbei. Was allerdings in Frage gestellt werden muss, sind viele auf Vereinheit lichung zielende und das Niveau absenkende bil dungspolitische, leistungsfeindliche Entscheidungen der letzten 25 Jahre: Es ist das falsche politische Signal, Schülerinnen und Schülern zu ermöglichen, in sämtlichen Grundkursen in Mathematik und Deutsch in der gymnasialen Oberstufe ’durchfallen’ (unter fünf Punkten, also unterhalb der Note 4 abschließen) zu dürfen und trotzdem zum Abitur zugelassen zu werden. Es ist das falsche politische Signal, den Vorberei tungsdienst für Lehrkräfte, insbesondere den gymnasialen Vorbereitungsdienst, vereinheitlicht von ursprünglich 24 auf teilweise 12 Monate zu kürzen! Das schwächt die zukünftigen Gymnasial lehrkräfte und in der Konsequenz die gymnasiale Bildung der Schülerinnen und Schüler. Und nein, die universitären Praxisphasen sind kein adäquater Ersatz, wie nicht nur der wissen schaftliche Beirat des DPhV nochmals festgestellt hat.
PROFIL // 12/2025 Lehrkräfte brauchen Wertschätzung aus der Bevölke rung und eine klare Haltung der Politik, die Lehrkräf te nicht alleinlässt, sondern schützt und stärkt. 17 Wenn Leistungsforderung nicht zur Phrase oder zur Last werden soll, die die Schülerinnen und Schüler alleine tragen müssen, sondern die Aufforderung, der Anreiz, die Chance für Weiterentwicklung und individuelle Exzellenz sein soll, dann dürfen Schüle rinnen und Schüler nicht nur gefordert, sondern müssen auch gestärkt werden – und zwar von star ken Lehrkräften. Ohne starke, gut ausgebildete, resiliente Lehrkräfte gibt es keine starke Schule, kein starkes, anspruchs volles Gymnasium. Deshalb kämpfen wir für bessere Rahmenbedingun gen, für schulartspezifische Ausbildung, für pädagogi sche Freiheit und für die gesellschaftliche Anerken nung der Lehrkräfte, die heute vor Herausforderun gen stehen, die häufig weit über den Unterricht hi nausgehen und als massive gesellschaftliche Heraus forderungen in die Schulen, in die Gymnasien hinein getragen werden. Hierbei sind die Lehrkräfte das Rückgrat des Gymna siums. Sie verdienen nicht nur Respekt, sondern auch eine hochwertige, differenzierte Ausbildung, die sie gezielt auf die Anforderungen ihrer Schulart und ihrer Schü lerinnen und Schüler vorbereitet. Die Bevölkerung sieht das genauso. Sie will keine Ver einheitlichung, keine Verwässerung, keine Beliebig keit. Sie will Profil, Qualität und Verlässlichkeit. Das darf so nicht weitergehen! Insofern beinhalten die Ergebnisse der forsa-Umfrage eine deutliche Warnung an die Politik: Die große Mehrheit in der deutschen Bevölkerung will nicht, dass das Gymnasium abgeschafft wird und in einer Schule für alle aufgeht. Sie will keine Verein heitlichung im Schulsystem und keine Vereinheitli chung in der Lehramtsausbildung! Für die große Mehrheit in der deutschen Gesellschaft soll das Gymnasium die zentrale Säule in einem mehrglie- drigen Schulsystem mit schulartspezifischer Lehr amtsausbildung sein und bleiben! Leistung fordern, Vertrauen fördern, Lehrkräfte stärken – ist unser Motto. Ich komme zum dritten Teil:
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Vertrauen ist dabei das Fundament jeder pädagogi schen Beziehung – aber auch jeder dienstrechtlichen. Lehrkräfte in Deutschland sind in der Regel Beamtin nen und Beamte. Sie haben sich zu einem Dienst- und Treueverhältnis gegenüber dem Staat verpflich tet – und sie erwarten zu Recht, dass der Staat sich auch ihnen gegenüber verpflichtet fühlt in einem an gemessenen Fürsorgeverhältnis. Doch dieses Vertrauen ist erschüttert, wenn die Ar beitsbelastung ins Uferlose wächst und die Fürsor gepflicht vom Dienstherrn nicht ernst genug genom men wird, nur als Formalie, nicht aber als tatsächlich gelebte Verantwortung verstanden wird. Wenn wir über Lehrkräfte sprechen, dann sprechen wir über Menschen, die Tag für Tag mit Hingabe, Fachwissen und pädagogischer Verantwortung Kin der und Jugendliche prägen, schützen und begleiten. Doch diese Menschen, die das Rückgrat unseres Bildungssystems bilden, geraten zunehmend unter Druck – durch populistische Bestrebungen in der Politik, aus nicht zuende gedachtem Einsparwillen, Lehrkräfte nicht mehr zu verbeamten, obwohl in Deutschland die Schule unter der Aufsicht des Staa tes steht, also Schulpflicht und nicht nur Unterrichts pflicht besteht, die der Staat nur durch Streikfreiheit gewährleisten kann. Es ist an der Zeit, hier klar Stellung zu beziehen. Und das tut der Deutsche Philologenverband seit jeher gegen alle Bestrebungen, den Beamtenstatus von Lehrkräften abzuschaffen, einzuschränken oder aus zuhöhlen. Und das aus gutem Grund: Der Beamten status ist kein Privileg, sondern Ausdruck eines be sonderen Fürsorge- sowie Dienst- und Treueverhält nisses zwischen Staat und Lehrkraft. Dieses Verhält nis verpflichtet beide Seiten – zur Hingabe auf der ei nen, zur Fürsorge auf der anderen. Und nun will sich der Staat zurückziehen, dort, wo er eigentlich Verant wortung übernehmen müsste? Meine Damen und Herren, wir stehen an einem Scheideweg. Wenn wir die Lehrkräfte nicht stärken, dann schwächen wir das ge samte Bildungssystem. Der Beamtenstatus sorgt für Stabilität, für Neutralität im Sinne unseres Grund gesetzes, für Verlässlichkeit – und damit für die Quali tät der Bildung in unserem Land. Er schützt Lehrkräf te vor willkürlichen Maßnahmen und verpflichtet sie zur dauerhaften Erfüllung ihres öffentlichen Bil dungsauftrags. Daraus darf sich der Staat nicht
zurückziehen. Und deshalb ist: „Leistung fordern, Vertrauen fördern, Lehrkräfte stärken“ nicht nur das Motto des diesjährigen Philologentags, sondern es ist ein brennend wichtiger Auftrag an die Politik, an die Gesellschaft und an uns alle. Wenn der Staat, wenn der Dienstherr gute Bildung für unsere Schülerinnen und Schüler in Deutschland will, muss er die Lehr kräfte stärken. Wenn er die Lehrkräfte stärken will, muss er seine Fürsorgepflicht ernst nehmen. Und diese wird aktuell ernsthaft bedroht, wenn Lehrkräfte nicht mehr verbeamtet werden sollen. Und so erscheint es mir am Ende meiner Rede, bei mehrfachem Nachdenken über unser Motto „Leis tung fordern, Vertrauen fördern, Lehrkräfte stärken!“ gerade auch angesichts der aktuellen Entwicklungen wichtig zu sein, die Reihenfolge umzudrehen und statt „Leistung fordern, Vertrauen fördern, Lehrkräfte stärken!“ zutreffender mit den Lehrkräften zu beginnen, ohne die die gute schulische Bildung nicht gelingen kann, nämlich: als erstes die „Lehrkräfte zu stärken, das Vertrauen zu fördern, und dann Leistung zu fordern!“ Und Lehrkräfte stärken, heißt gerade heute über eine angemessene Alimentation, auch über die aktive Dienstzeit hinaus, eine adäquate Beteiligung des Dienstherrn an den Gesundheitskosten, eine Absenkung des Unterrichtsdeputats, angesichts der stetig wachsenden Aufgaben und Belastungen hinaus vor allem eins: (und hier bitte ich Sie, gemeinsam mit mir die Hand mit dem auf oder unter ihrem Stuhl liegenden Kärtchen zu heben und zu fordern):
Finger weg vom Beamtenstatus! Finger weg vom Beamtenstatus! Dabei wissen wir uns eins mit dem Deutschen Beamtenbund!
Nicht nur deshalb freue ich mich jetzt sehr auf das Grußwort des dbb Bundesvorsitzenden Volker Geyer – und danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!
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Eindrucksvoll bestätigt: die frisch wieder gewählte Bun desvorsitzende
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Der neu gewählte Geschäfts führende Vorstand
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Vertreterversammlung
Susanne Lin-Klitzing und der stellvertretende Vorsitzende Stefan Düll
von Walter Tetzlo ff D ie DPhV-Vertreterversammlung kann als demokratisches Herz stück der Verbandsarbeit auf Bun desebene gesehen werden. Au ff ällig war das große Maß an Zustimmung, das die über 100 Dele gierten aus den Landesverbänden den 45 Anträgen und den beiden Leitanträgen (Bildungspolitik und Berufspolitik) entgegenbrachten. Nicht selten wurde Einstimmigkeit bei den Abstimmungen erzielt. Große Anerkennung verdient das Tagungspräsidium, das von Jürgen Müller (Nordrhein-Westfalen) gelei tet wurde. Ihm zur Seite standen Rita Bovenz (Bayern) und Ingo van Verth (Niedersachsen). Souverän und zü gig handhabten sie die Beratung der Anträge und die Abstimmungen. Die Ergebnisse der Wahlen für den Geschäftsführenden Vorstand wa-
ren ein eindrucksvolles Beispiel für Vertrauen und Anerkennung für die DPhV-Funktionsträger. Die Bundesvorsitzende Frau Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing erzielte mit 109 von 111 Stimmen ein überragendes Ergebnis. Ein überzeugendes Maß an Zustim mung erzielten bei ihrer Wiederwahl als stellvertretender Vorsitzender bzw. als Schatzmeister Stefan Düll und Andreas Bartsch. Gleiches gilt für die drei wiedergewählten Beisitzer
19 PROFIL // 12/2025 verdienten und langjährig tätigen Mitgliedern des GV für ihren Einsatz zu danken. Thomas Knoblauch, Ex perte für Berufspolitik, und Georg Ho ff mann, Vorsitzender der Jungen Philologen, werden nach Beendigung ihrer Amtszeit aus dem GV ausschei den. Für Ho ff mann wird Quirin Bor chert die Interessen der Jungen Phi lologen vertreten. Den Platz von Tho mas Knoblauch wird Cord-Wilhelm Kiel (Niedersachsen) einnehmen. Ste ff en Pabst Björn Sieper Peter Silbernagel Max Schmidt Es war an der mit so deutlicher Mehrheit wiedergewählten Bundes vorsitzenden, der die Delegierten mit standing ovations gratulierten, zwei Mit deutlicher Mehrheit wurden auch die beiden Rechnungsprüfer Malte Blümke und Hans Seidel sowie die sieben Mitglieder des Schlichtungs ausschusses gewählt, namentlich Herbert Grimme Karsten Hönig Christian Klinck
Markus Gretzschel, Dr. Marcus Hahn und Gabriela Kasigkeit sowie für den neu in das Gremium gewählten Vertreter
aus Niedersachsen Cord-Wilhelm Kiel.
Die Vertreterversammlung in Aktion
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PROFIL // Zur Diskussion
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Was ist die Erfolgsformel des deutschen Gymnasiums und was folgt daraus?
20 PROFIL // 12/2025 Europa hinaus die erfolgreichste Schulart der modernen Mensch heitsgeschichte. In einem wegwei senden Aufsatz hat vor über fünf zehn Jahren in der DPhV-Zeitschrift PROFIL Heinz-Elmar Tenorth das Gymnasium die ‘Leitinstitution’ des deutschen Bildungswesens genannt und dies auch ausführlich begrün von Heinz-Peter Meidinger D as deutsche Gymnasium kann bis dato auf eine un glaubliche Erfolgsgeschichte zurückblicken, manche sagen sogar, es sei weit über Deutschland und
det. Das Gymnasium setze nicht nur Maßstäbe für sich, sondern auch für alle anderen Bildungsinstitutionen. Dabei ist das deutsche Gymnasium schon oft totgesagt worden, von Politikern, von Medien, von Bil dungswissenschaftlern. Die Begrün dungen für diese Untergangsszena rien haben aber gewechselt. Wäh rend vor fünfzig Jahren die Gesamt schule als Totengräber des Gymnasi ums propagiert wurde, – eine kom plette Fehlprognose, wie sich gezeigt
hat –, heißt es heute, dass sich das Gymnasium quasi selbst abscha ff e, indem es zur neuen Hauptschule geworden sei und sich zu Tode siege. Wer die Frage nach der Zukunft des Gymnasiums stellt, muss zunächst einmal klären, worin das Erfolgs geheimnis des Gymnasiums besteht und ob diese Erfolgsformel noch trägt. Dabei gilt es verschiedene Aspekte
und Funktionen gymnasialer Bildung zu unterscheiden.
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