Das Gymnasium in Rheinland-Pfalz 2025-1A
Personalratswahlen 2025
Ein staatliches Schulangebot entfiele aber, wenn Lehrerinnen und Lehrer eine Schule per Streik auch nur vorübergehend »lahmlegen« könnten. Das beamtenrechtliche Streikverbot garantiert deshalb ein funktionie rendes und stabiles staatliches Bildungssystem. Und das Streikverbot gibt es eben nur in Verknüpfung mit dem Beam tenstatus. Der Beamtenstatus für Lehreinnen und Lehrer erhielt durch die er wähnten Gerichtsurteile gehörigen Aufwind, auch in der öffentlichen, seit Jahrzehnten kontrovers geführten Diskussion um die Lehrkräfte verbeamtung. Der Deutsche Philologenverband und die weiteren Bildungsgewerk schaften im dbb können sich rühmen, zum gesellschaftlichen Gesamt wohl standhaft und im besten Sinne bewahrend den grundgesetzli chen Beamtenstatus verteidigt sowie argumentativ schlüssig untermauert zu haben. Der Erfolg gibt ihnen Recht – im wahren Wortsinn. Aktuell sind etwa zwei Fünftel aller Beamtinnen und Beamten in Deutschland im Schuldienst tätig. Auch Berlin hat sich als letztes Bundesland wieder eingereiht und ver beamtet seit 2023 wie alle anderen Bundesländer Lehrkräfte inzwischen wieder, ausdrücklich aus Gründen der Personalgewinnung und -bindung in Zeiten massiven Lehrkräftemangels. Denn was gesellschaftlich gut und richtig ist zur Schulpflichtsicherung, ist für die einzelne Lehrkraft wegen der Statusrechte ein »Pull-Faktor«. Natürlich: Verbeamtung an sich ist keine Lösung für unzureichende Sachausstattung an den Schulen oder für gesellschafts- wie bildungs politische Herausforderungen im Schulzusammenhang. Aber der Beamtenstatus ist ein eminent wichtiger Baustein zur unab hängigen Durchsetzung des Rechts auf gleiche Bildungschancen und intensive Förderung, die zu ermöglichen alltägliche verantwortungs volle Aufgabe einer jeden Lehrkraft ist. Und deren Einsatz sowie deren Leistung ist ein Wert, den die Gesell schaft und der Fiskus anerkennen müssen.
Ich wähle den Philologenverband, weil …
… sich immer häufiger so genannte und selbster nannte Bildungsexperten über zunehmenden Leis tungsdruck und maßlose
Wissenshuberei an unseren Schulen bekla gen. Ich frage mich dann immer, ob diese Leute in den letzten zwanzig Jahren noch einmal ein Klassenzimmer »von innen gese hen« haben. Oft genug scheint es, als woll ten sie viel eher alte Rechnungen aus ihrer eigenen Schulzeit begleichen … Doch die Welt ist in stetem Wandel, und wir in ihr – wer wollte das bestreiten? Manches ändert sich zu unserer Freude, anderes bereitet uns Sorgen. Nur zu verständlich, wenn wir man ches begrüßen und fördern, anderes aber kritisch beäugen. Im Unterschied zu den »Bildungsexperten« beziehen die Mitglieder des Philologenverbandes als Lehrkräfte ihre Erfahrungen aus dem tagtäglichen Kontakt mit immer wieder neuen Jahrgängen und Generationen. So behält unser Verband das Bildungsgeschehen stets im Blick . Dennoch weiß niemand, wie sich die Dinge in fünf, ge schweige denn zehn Jahren entwickelt ha ben werden. Um auf alles irgendwie gefasst und somit nachhaltig zu sein, muss Bildung mehr denn je auf das Überzeitliche setzen und darf nicht blind jeder neuen Mode hin terherlaufen. Dafür sind unsere Kinder viel zu wichtig. – Ich danke unserem Verband für seine Nachdenklichkeit und seine Wider standskraft, die nicht möglich wären ohne die unermüdlichen Reflexionen und Diskus sionen seiner Mitglieder. Frank Fischelmanns, Nikolaus-von-Kues-Gymnasium, Bernkastel-Kues
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Das Gymnasium in Rheinland-Pfalz · Heft 2025-1A
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