Das Gymnasium in Rheinland-Pfalz 2025-1A

Personalratswahlen 2025

Stressfaktor 4: Verkürzung des Referendariats

Die vielen Abfragen über immer neue digitale Portale belasten zunehmend die Schulleitungen. Insbesondere die Schulstatistik sorgt an vielen Schulen regelmäßig für einen Ausnahmezustand, auch weil die zur Verfügung gestellten Tools oft genug nicht funk tionieren. Hinzu kommt die Notwendigkeit, sich in Bereiche der Di gitalisierung neu einzuarbeiten und eine zunehmende E-Mail-Flut zu bewältigen. Das Ministerium für Bildung sorgt dafür, dass immer neue Konzepte an den Schulen entwickelt werden müssen (zum Beispiel zum Umgang mit sexualisierter Gewalt, zur Umsetzung von Veränderungen in der Verwaltungsvorschrift »Maßnahmen bei besonderen Gefahrensituationen in Schulen« oder zur Anwesenheitskontrolle von Schülerinnen und Schülern. Muster konzepte werden nicht angeboten, und zwar mit der Begründung, dass sie die konkrete Situation vor Ort zu wenig berücksichtigen könnten. Die Mitbestimmungsrechte der Klassensprecherversammlung und ggf. eine Mediation im Schulausschuss wurden mit Inkrafttre ten am 1. August 2020 im Schulgesetz verankert. Das evoziert neue Gesprächsrunden, zusätzlich zu denen, die bislang mit der Schülervertretung (SV) gepflegt worden sind. Ob solche aber pä dagogisches Handeln befördern oder eher Entscheidungsprozesse lähmen werden, bleibt abzuwarten. Die vom Deutschen Philologenverband bei der Uni Rostock in Auf trag gegebene Studie »Lehrerarbeit im Wandel« belegt dann auch eine gestiegene Ausweitung der Arbeitszeit: So sprechen 74 Pro zent der Lehrkräfte an Gymnasien mit 40 bis 45 Wochenstunden von einer hohen bzw. sehr hohen Belastung; von denen mit über 45 Wochenstunden sagen dies sogar 83 Prozent. Ebenfalls 74 Prozent vermissen Ruhezonen, die Hälfte leidet unter einem hohen Lärmpegel im Klassenzimmer und mehr als ein Drit tel der Lehrkräfte kann sich nicht ausreichend erholen und geht chronisch überfordert oder gar krank zur Arbeit. Stressfaktor 3: Klassenmesszahlen am Gymnasium nicht reduziert Die 2011 von Bildungsministerin Doris Ahnen zugesagte und an an deren Schularten auch umgesetzte Reduzierung der Klassenmess zahl auf 25 ist bis heute an den Gymnasien nicht verwirklicht. Dabei ist die Heterogenität in den Lerngruppen in den letzten fünf Jahren gerade hier unter anderem auch im Kontext der Inklusion weiter gestiegen. Die Integration von Flüchtlingskindern aus der Ukraine und an deren Ländern bereitet erhebliche Probleme, vor allem dann, wenn auf den Erwerb der deutschen Sprache mittels Vorschalten von Deutsch-Intensivkursen zugunsten eines unverzüglichen »Sprachbads« im Regelunterricht großer Lerngruppen verzich tet wird.

Das Institut für Lehrergesundheit hat darauf hingewiesen, dass die Belastungen im um sechs Monate verkürzten Vorbereitungsdienst als äußerst problematisch empfunden werden. Referendarinnen und Referendare beklagten »Selbstzweifel«, »Unsicherheit« und »fehlende Freiräume«. Der Philologenverband wiederholt gebetsmühlenartig: Die Verkür zung der Vorbereitungszeit in der zweiten Ausbildungsphase mit der Folge stressiger Terminverdichtung und der eigenverantwort liche Unterricht der Referendare vom ersten Tag an sind Fehlent scheidungen gewesen. Wir fordern weiterhin die Verlängerung des verkürzten gymnasialen Referendariats um eine Einstiegsphase ohne eigenverantwortlichen Unterricht. Stressfaktor 5: Verlängerung der Dienstzeit älterer Kolleginnen und Kollegen Die Streichung von Altersentlastungstunden verkraftet die Mehr heit der älteren Lehrkräfte nicht ohne gesundheitliche Folgen. Stressfaktor 6: Wertschätzung nicht erkennbar Die vielen Nullrunden bei der Entwicklung der Bezüge der gymna sialen Lehrkräfte in Rheinland-Pfalz in der Vergangenheit haben dazu geführt, das eine bayerische Grundschullehrkraft heute mehr verdient als ein rheinland-pfälzischer Oberstudienrat. Bei dreizehn Bewerbungen auf eine A14-Stelle ist in unserem Land

derzeit von vornherein vor gesehen, dass nur eine er folgreich sein kann – da ge hen zwölf verdiente Kolleginnen oder Kollegen jedes Jahr aufs Neue leer aus. Statt ausreichend Planstellen zu schaffen (mit einer Lehr kräftereserve für temporären Unterrichtsausfall), setzt man weiterhin darauf, dass die vorhandenen Lehrkräfte über zusätzliche Vertre tungsstunden kompensieren.

Ich wähle den Philologenverband, weil …

… er unter anderem eine sehr gute Rechtsberatung in allen dienstlichen Angelegenheiten bietet.

Stefan Mischo, Eifel-Gymnasium, Neuerburg

Solche Vorgehensweisen führen zu Frust und Enttäuschung, tra gen vielleicht auch zum Burnout bei oder sorgen gar für eine Ab wanderung in benachbarte Bundesländer. Der Philologenverband registriert nicht überrascht, aber mit Sorge, dass angebotene Planstellen in Rheinland-Pfalz in letzter Zeit wiederholt abgelehnt worden sind, und fordert erneut die Landesregierung zum Abstel len der Missstände auf.

15

Das Gymnasium in Rheinland-Pfalz · Heft 2025-1A

Made with FlippingBook - Online catalogs