Das Gymnasium in Rheinland-Pfalz 2025-1A

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Lehrkräfte entlasten, bevor sie krank werden

schuljahre wird nicht revidiert –, fordert der Philologenverband aktuell die Rückkehr zu vollen dreizehn Schuljahren . Da andere Bundesländer (zuletzt Bayern, Baden-Württemberg oder Schleswig-Holstein) bereits zurückgekehrt sind, erschließt sich der Sinn eines Beharrens auf einem vorzeitigen Abitur in Rheinland-Pfalz nicht. Dem Ziel eines Erreichens gemeinsamer Bildungsstandards gemäß müsste hier umgehend eine Angleichung erfolgen. Die geforderten »Vorhaltestunden« wären dann natür lich hinfällig. Eine weitere Belastung: das ständige Reformieren der Regelun gen hinsichtlich der Anteile der zentral und dezentral gestellten Abituraufgaben (zuletzt in den naturwissenschaftlichen Fächern, Mathematik und den Fremdsprachen, demnächst wahrscheinlich in den gesellschaftswissenschaftlichen Fächern). Der Ruf nach einem kompletten Zentralabitur wie in allen ande ren Bundesländern wird lauter. Die Horrorvorstellung für jede Lehrkraft, eine Schülerin oder ein Schüler könnte beim Abiturter min zum Beispiel witterungs- oder krankheitsbedingt fehlen, mit der Folge, binnen zwei Wochen bis zu fünf neue Klausuren erstellen und einreichen zu müssen, darf nicht weiter zu schlaflosen Nächten führen. Stressfaktor 2: Bürokratisierung von Schule Die Lehrkräfte sind in den vergangenen Jahren mit immer neuen Aufgaben überhäuft worden, ohne dass für eine angemessene Entlastung gesorgt worden wäre: Die schon immer im Unterricht praktizierte individuelle Förderung von Kindern und Jugendlichen wird in bürokratische Formen ge presst, die für extremen Mehraufwand sorgen: In zusätzlichen El terngesprächen wird über Autismus, ADHS, Legasthenie, Dyskalu lie, soziale Phobie usw. gesprochen, medizinische und psychologische Atteste werden ausgewertet, um Nachteilsaus gleiche zu verhandeln. Anschließend konferiert in jedem Fall die Klassenkonferenz wegen der individuellen Förderung. Natürlich wird alles protokolliert und dokumentiert. In zahlreichen Fachkonferenzen mussten und müssen auf der Grundlage der jetzt kompetenzorientierten Lehrpläne fachspezi fische Arbeitspläne entwickelt werden, die permanent anzupassen sind, wenn das Bildungsministerium auf neue Ideen kommt – Stun dentafeln ändert (zuletzt Sozialkunde), neue Fächer einführt (dem nächst Informatik) oder neue Inhalte integriert haben will (zum Bei spiel Verbraucherschutz, Demokratisierung, Digitalisierung).

von Ralf Hoffmann

Bildungsreferent

D er Gesundheitsbericht des Instituts für Lehrergesundheit (IfL) für das Schuljahr 2017/2018 kam bereits zum alarmierenden Ergebnis: Gymnasiallehrkräfte leiden stärker als alle anderen am Fehlen störungsfreier Pausen, sie ertragen häufiger als alle anderen Rückenschmerzen und Schlafstörungen. Das IfL stellt aktuell in den letzten beiden Jahren eine immer wei ter steigende Zahl bei den Krankmeldungen gymnasialer Lehr kräfte fest. Besonders alarmierend: die drastische Zunahme der Langzeiterkrankungen. Wenn die Entwicklung so weitergeht, wird das Land in Zukunft mehr Beihilfe zahlen müssen, als eine gebo tene Entlastung der Lehrkräfte gekostet hätte. Die Reaktion des Ministeriums für Bildung: Ein Verweis darauf, dass diese Entwicklung nichts Außergewöhnliches sei, sondern die gesamtgesellschaftliche Situation widerspiegele. Traurig, wenn so die Fürsorgepflicht eines Arbeitgebers aussieht. Zu erwarten wä ren stattdessen eine Ursachenforschung und -beseitigung. Der Philologenverband hat bereits seit geraumer Zeit vor den Risi ken neuer Stressfaktoren gewarnt und weist hiermit erneut auf Umstände hin, die dringend geändert werden müssen, wenn die Gesundheit der Lehrkräfte ein erstrebenswertes Ziel bleiben soll. Eine wirkliche Entlastung der Lehrerinnen und Lehrer, die mit Abi turprüfungen zu tun haben, bleibt weiterhin aus. Die sogenannten »Abitur-Vorhaltestunden« gehören abgeschafft; sie sind eine deutschlandweit einzigartige versteckte Erhöhung des Wochen stundendeputats. Gymnasiale Kolleginnen und Kollegen, die re gelmäßig Leistungskurse zum Abitur führen, bräuchten Entlas tung; die Erhöhung der zu haltenden Wochenstunden von 24 auf bis zu 26 gerade in Zeiten der Spitzenbelastung (Konzeption und Korrektur der Abiturarbeiten) ist eine inakzeptable Zumutung. Da das Ministerium trotz permanent scharfer Kritik beharrlich bei der »Abitur-Vorhaltestunde« bleibt – selbst die rechtlich äußerst bedenkliche Übertragung von vorzuarbeitenden Stunden in Folge- Stressfaktor 1: Abitur

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Das Gymnasium in Rheinland-Pfalz · Heft 2025-1A

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