Blickpunkt Schule 4 2026

Treffen mit Vertretern der Kirchen am 15. Juni 2026 in der Geschäftsstelle des hphv in Wiesbaden Religionsunterricht: Orientierung geben, Identität stärken, Dialog ermöglichen Der geschäftsführende Vorstand des hphv im Gespräch mit den christlichen Kirchen über die Zukunft des Religionsunterrichts W elche Bedeutung hat Religionsunterricht heute? Und welchen Beitrag kann er angesichts einer zunehmend pluralen und säkularen Gesellschaft Er schafft Raum für Fragen, Zweifel, Auseinandersetzung und Orientierung. Gerade darin liegt seine besondere Be deutung. Neue Perspektiven durch konfessionelle Kooperation

56 Zu Gast beim hphv SCHULE 4|2026

für die Bildung und Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen leisten? Mit diesen Fragen beschäftigte sich der geschäftsführende Vorstand im Gespräch mit Vertreterin nen und Vertretern der christlichen Kirchen. Dabei wurde deutlich: Religionsunterricht ist weit mehr als die Vermittlung von Wissen über Religion und Christen tum. Er eröffnet Schülerinnen und Schülern einen Raum, in dem grundlegende Fragen des Lebens zur Sprache kom men können: Was gibt meinem Leben Sinn? Welche Werte sind mir wichtig? Woran orientiere ich mich? Und welche Verantwortung trage ich für andere und für die Gesell schaft? Gerade junge Menschen befinden sich in einer Lebens phase, in der sie ihre eigene Persönlichkeit entwickeln und ihre Position in der Welt suchen. Religionsunterricht kann sie dabei unterstützen, unterschiedliche Antworten auf grundlegende Lebensfragen kennenzulernen, diese kritisch zu reflektieren und eine eigene Haltung zu entwickeln. Re ligiöse Bildung leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Identitätsbildung und zur Fähigkeit, sich mit anderen Über zeugungen auseinanderzusetzen. Christliche Bildung als Teil der Sozialisation Religion ist zugleich ein wichtiger Bestandteil gesellschaft licher und persönlicher Sozialisation. Christliche Traditio nen haben unsere Kultur, unsere Werte und unser gesell schaftliches Zusammenleben über Jahrhunderte geprägt. Wer sich mit Religion auseinandersetzt, setzt sich deshalb auch mit zentralen Grundlagen unserer Gesellschaft aus einander. Für viele Kinder und Jugendliche ist die Schule heute zu dem der Ort, an dem sie überhaupt erstmals systematisch mit christlicher Bildung in Berührung kommen. Nicht jedes Elternhaus kann oder will diese Erfahrungen vermitteln. Umso wichtiger ist ein schulisches Angebot, das religiöse Fragen nicht ausblendet, sondern ihnen einen angemesse nen Platz in Bildung und Erziehung gibt. Religionsunterricht bietet dabei die Möglichkeit, christli che Traditionen kennenzulernen, ohne die persönliche Ent scheidung der Schülerinnen und Schüler vorwegzunehmen.

Vor diesem Hintergrund ist die zum Schuljahr 2026/2027 in Hessen beginnende Einführung des konfessionell-koope rativen Religionsunterrichts ein wichtiger Schritt. Das Land und die evangelischen und katholischen Kirchen schaffen damit eine zusätzliche Organisationsform des konfessio nellen Religionsunterrichts. Sie reagiert auf veränderte schulische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen, ohne das konfessionelle Profil des Religionsunterrichts auf zugeben. Bisher konnten aus Gründen der Lerngruppengröße ge mischtkonfessionelle Lerngruppen gebildet werden. Der neue konfessionell-kooperative Religionsunterricht geht einen Schritt weiter: Evangelische und katholische Schüle rinnen und Schüler lernen gemeinsam und begegnen dabei bewusst den Gemeinsamkeiten und Unterschieden ihrer jeweiligen Traditionen. Der Unterricht wird im Wechsel von evangelischen und katholischen Lehrkräften erteilt. Beide Perspektiven wer den damit ausdrücklich zum Bestandteil des Unterrichts. Schülerinnen und Schüler können erfahren, dass christli cher Glaube unterschiedliche konfessionelle Ausprägun gen kennt, dass diese Unterschiede ernst genommen wer den können und zugleich ein gemeinsames Fundament vorhanden ist. Gerade dieser Dialog kann einen wichtigen pädagogi schen Mehrwert bieten. Wer die eigene religiöse Position kennt und gleichzeitig andere Überzeugungen verstehen lernt, entwickelt Dialogfähigkeit und Toleranz. Unter schiedliche Sichtweisen müssen dabei nicht eingeebnet werden. Im Gegenteil: Die eigene Identität kann gerade dadurch gestärkt werden, dass sie im Austausch mit ande ren reflektiert wird. Religionsunterricht stärkt Demokratie und Zusammenhalt Damit besitzt der Religionsunterricht auch eine gesell schaftliche Dimension. Toleranz, gegenseitige Wertschät

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